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Bundesbank-Chef Joachim Nagel mit Antrittsrede – was interessant war

Jens Weidmann tritt ab. Vor wenigen Minuten hat der neue Bundesbank-Chef Joachim Nagel seine Antrittsrede gehalten (hier der volle Text im Wortlaut). Beim Klick an dieser Stelle finden Sie seinen Lebenslauf. Hier einige Zitate aus seiner Rede, die man abseits von belanglosen Höflichkeitsfloskeln, Rückblicken und Danksagungen erwähnen kann. Zitat auszugsweise:

Stabilität ist Auftrag und Kern der Bundesbank. Dazu gehören stabile Preise, stabile Banken, ein stabiles Finanzsystem und ein stabiler Zahlungsverkehr – der digitale Zahlungsverkehr ebenso wie die zuverlässige Versorgung mit sicherem Bargeld.

Unser vorrangiges Ziel ist klar: Preisstabilität für die Menschen im Euroraum zu sichern.

In den vergangenen Monaten sind die Inflationsraten kräftig gestiegen – so hoch wie noch nie seit Beginn der Währungsunion. Im Euroraum wurden Raten von bis zu 5 Prozent verzeichnet, in Deutschland lagen sie sogar darüber. Entsprechend bleibt den Bürgerinnen und Bürgern erheblich weniger Geld im Portemonnaie. Viele Menschen sind angesichts dieser Kaufkraftverluste besorgt.

Richtig ist, dass die hohen Raten auch auf Sondereffekte zurückzuführen sind, die automatisch auslaufen. Aber nicht nur. Und der mittelfristige Preisausblick ist außergewöhnlich unsicher. Zwar könnten die Preise auch weniger steigen, als in den Prognosen veranschlagt wird. Allerdings sehe ich derzeit eher die Gefahr, dass die Inflationsrate länger erhöht bleiben könnte als gegenwärtig erwartet. Auf alle Fälle muss die Geldpolitik auf der Hut sein.

Dabei knüpfe ich an die bisherige Linie der Bundesbank an: Die Bundesbank hat frühzeitig auf Inflationsrisiken aufmerksam gemacht. Sie hat auch stets darauf gedrungen, dass das Notfall-Ankaufprogramm PEPP eng an die Pandemie gebunden bleibt. Und sie hat angemahnt, den sehr expansiven Kurs der Geldpolitik nicht für zu lange festzuschreiben und sich Handlungsoptionen offenzuhalten. Denn bei aller Unsicherheit ist eines ganz klar: Wenn es die Preisstabilität erfordert, muss der EZB-Rat handeln und seinen geldpolitischen Kurs anpassen.

Das wichtigste Kapital, das wir als Zentralbanken haben, ist das Vertrauen. Die Menschen verlassen sich darauf, dass wir den Wert des Geldes stabil halten. Für das Vertrauen ist es besonders wichtig, dass die Geldpolitik sich auf das Ziel der Preisstabilität fokussiert. Die Zentralbanken sollten deshalb ihre Unabhängigkeit bewahren und ihr Mandat eng auslegen.

Dabei stehen eine enge Mandatsauslegung und ein weiter Blick für die Herausforderungen unserer Zeit nicht im Widerspruch zueinander. Im Gegenteil: Zu einer stabilitätsorientierten Geldpolitik gehört zum Beispiel, Klimaaspekten mehr Beachtung zu schenken. Zum einen wirken sich Klimawandel und Klimapolitik auch auf Inflation und Wachstum aus. Zum anderen müssen wir als Zentralbank unsere Bilanz schützen. Deshalb sollten wir bei der Umsetzung der Geldpolitik in Zukunft finanzielle Risiken aus Klimawandel und Klimapolitik noch stärker im Blick haben.

Es ist elementar, dass die Geldpolitik nicht unter Druck gerät, die Solvenz der Staaten sicherzustellen. Bei der Diskussion über die Reform der europäischen Fiskalregeln ist deswegen vor allem eines von entscheidender Bedeutung: Hohe Schuldenquoten müssen verlässlich zurückgeführt werden. 

Wie die Bundesbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht dargelegt hat, sind die zyklischen Verwundbarkeiten im deutschen Finanzsystem weiter gestiegen. So haben etwa die Risiken durch überbewertete Vermögenswerte und Kreditsicherheiten zugenommen. Das betrifft vor allem den Markt für Wohnimmobilien. Und auch andere Verwundbarkeiten bauen sich im deutschen Finanzsystem weiter auf, zum Beispiel in Gestalt von Zinsänderungsrisiken. Insgesamt ist es jetzt an der Zeit vorzusorgen, damit das Finanzsystem auch bei unerwarteten Entwicklungen seine Funktionen reibungslos erfüllen kann. 

Die Menschen in Deutschland erwarten auch zu Recht, dass die Bundesbank eine hörbare Stimme der Stabilitätskultur ist. Ich kann ihnen versichern: Das wird sie auch bleiben.

Die Bundesbank hebt folgende Aussagen von Joachim Nagel hervor, in dem sie sie auf Twitter abdruckt:

Christine Lagarde sagt zur Ernennung von Joachim Nagel und zu seinen Aussagen dies:

Der neue Bundesbank-Chef Joachim Nagel
Bundesbank-Chef Joachim Nagel. Foto: Deutsche Bundesbank / ©Nils Thies



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7 Kommentare

  1. Marcello hört die Rede und weint in sein Kissen: ach, hätte er doch nur die Inflation ernst genommen, dann wäre er jetzt Bundesbankpräsident und nicht dieser … dieser Nagel.

    1. @Dreamtimer, da fließen bitter Tränen bei Marcello :)

      1. @Markus, du hast eine große Karriere zerstört…

        1. @Columbo :)

          1. Die Macht eines Schatten Finanz-Kanzlers ist eben nicht zu unterschätzen! Jetzt hat es halt Marcello erwischt. Mal schauen wann er aus Frust wieder twittert.

  2. Vielleicht schaut unser Bundeskanzler ja ab und zu Marktgeflüster 🤔 einer den neueren Abonnenten?

    1. Dann lasst uns nur gut über Kanzler Scholz reden – wo er doch schon ein toller Finanzminister war. Der Beste!

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