Folgen Sie uns

Konjunkturdaten

China: Wachstum 6% – dennoch bedenklich

Wie will China weiterhin sechs Prozent wachsen, einem jährlichen Zuwachs in der Größenordnung von Spaniens BIP?

Avatar

Veröffentlicht

am

Am Freitag wurde nahezu in allen Wirtschaftsmedien über das Wachstum der Wirtschaft in China berichtet, welches mit sechs Prozent auf den niedrigsten Stand seit 26 Jahren gefallen ist. Sechs Prozent, für alle Industriestaaten eine utopische Traummarke – und dennoch wurde dieses für China als kleine Katastrophe dargestellt. Zurecht?

 

Die Wirtschaftentwicklung in China

Die Entwicklung der Wirtschaft Chinas liest sich für den Betrachtungszeitraum von 30 Jahren gigantisch. Betrug das Bruttoinlandsprodukt Chinas im Jahr 1988 noch 411 Milliarden Dollar, so hatte es sich bis zur Finanzkrise im Jahr 2008 bis auf 4,6 Billionen Dollar mehr als verzehnfacht. Wachstumsraten bis zu 14 Prozent pro Jahr waren dabei in den 1980-er und 90-er-Jahren nicht unüblich.

Der relevanteste Schritt vollzog sich aber seit der Finanzkrise von 2009 bis heute, mit einer Steigerung des BIP von 5,121 auf 13,407 Billionen Dollar. China wurde mit großem Vorsprung zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Die Wachstumsraten sanken von 10.5 Prozent (2009) bis auf 6,3 Prozent (2018). Das ist bei diesem gigantischen Aufschwung zwangsläufig und nicht weiter aufrecht zu erhalten, wie es andere Emerging Markets gezeigt haben. Daraus könnten sich aber für China künftig einige Probleme ergeben.

 

Ziele der Staatsführung erreicht

Im Oktober 1987 wurde auf dem 13. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas die „3-Schritte“-Strategie zur Entwicklung Chinas verabschiedet. Die konkreten Ziele waren: Zunächst sollte sich von 1981 bis 1990 das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln und das Ernährungs- und Bekleidungsproblem der Bevölkerung im Großen und Ganzen beseitigt werden. Anschließend sollte es eine weitere Verdoppelung bis zum Jahr 2000 geben, was man locker erreicht hat.

Beim 19. Parteitag im Jahr 2017 sprach man davon, bis zum Jahr 2049, dem 100. Geburtstag der Volksrepublik, China zur Weltmacht Nummer eins zu machen. Dafür müsste das Wachstum aber auf einem hohen Level gehalten werden. Unter der Voraussetzung, dass die USA mit einem Basiswachstum von zwei Prozent weiter zulegen.

 

Problem Wanderarbeiter

Ein riesiges Problem stellt die Art und Weise dar, wie das Wachstum in China in den letzten Jahren zustande kam. Die Arbeiter kamen zumeist aus der Landbevölkerung, um die großen Projekte aber zu teilweise unwürdigen Bedingungen zu stemmen.

288 Millionen Wanderarbeiter waren 2018 in China unterwegs (Quelle: Offizielle Statistik der VR China). Nach offiziellen Zählungen arbeiteten (2016) 52,9 Prozent der Wanderarbeiter in der Fertigungsindustrie, 46,7 Prozent waren im Dienstleistungssektor tätig.

Diese Arbeitsmigranten bilden in den Städten eine Unterschicht, sie leben meist in Randgebieten unter prekären Umständen. Derzeit sorgt sich Chinas Führung über den Arbeitsmarkt, der Lohnanstieg hat sich verlangsamt. Auch in China zögern Unternehmen mit Neueinstellungen. Der Handelskrieg legt die ein oder andere Schwachstelle einer Wirtschaft offen, die stark von hoher Verschuldung und dem Bauboom profitiert hat. Aber: Auf dem hoch spekulativen Immobilienmarkt steht nach internen Berichten jede fünfte Wohnung leer.

Womit sollen diese Arbeiter beschäftigt und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert werden?

Die großen Infrastrukturprojekte, mit Kraftwerken, Häfen, Eisenbahnen, Straßen sind weitgehend abgeschlossen, „in der Bauwirtschaft ist die Gründerzeit vorbei“, so ein chinesischer Immobilienhändler in einem Interview mit einem deutschen Magazin.

 

China –  Schulden und das Bruttoinlandsprodukt

Neben dem Handelskonflikt ist der Rückgang des Wachstums auf die seit 2017 zu beobachtenden Bestrebungen Chinas zurückzuführen, das Kreditwachstum und die Überschuldung einzudämmen.

Die Verschuldung der Firmen überstiegen die 160 Prozentmarke zum BIP, die Gesamtverschuldung Chinas hat hat mit über 300 Prozent zum BIP oder 40 Billionen Dollar ein gigantisches Ausmaß angenommen (Institute of International Finance).

Laut eines Berichts von Standard & Poor’s Global Ratings zu Beginn des Jahres, wird es trotz steigender Gewinne schwierig werden, die Risiken der überschuldeten chinesischen Firmen zu verringern.

Aber wie will man bei einem Bruttoinlandsprodukt von 13 Billionen Dollar weiterhin sechs Prozent wachsen, einem jährlichen Zuwachs in der Größenordnung von Spaniens BIP? Hinzu kommt, dass man ein derartiges Wachstum den Chinesen auch nicht länger zumuten kann: Dieses hat in den vergangenen Jahren enorme Schäden angerichtet, speziell an Chinas Umwelt.

 

China – wie verlässlich sind die Wirtschaftszahlen?

Nach wie vor strittig ist außerdem, wie zuverlässig Chinas „harmonisierte“ Wachstumszahlen überhaupt sind. Premier Li gab vor Jahren selbst zu, dass er sich eher nach dem Energieverbrauch, den ausgezahlten Bankkrediten und dem Transportvolumen der chinesischen Eisenbahn richtet (daher als „Li Keqiang Index“ bezeichnet), als nach den offiziellen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt.

Die Zahl der Arbeitslosenrate liegt seit einem Jahrzehnt nahezu konstant bei 4 Prozent, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Die Erklärung der statistischen Daten liegt vermutlich in der Art ihrer Erfassung. Es werden regionale Behörden damit beauftragt, die im Sold von Peking sehen, und die brav die Daten in die Hauptstadt melden.

Nach Max Zenglein, Ökonom am Berliner Merics-Institut, ist die Arbeitsmarktstatistik eine der schlechtesten Statistiken, die es im Reich der Mitte gibt. Denn wie viele China-Kenner behaupten, ist dies eines der brisantesten Themen für die chinesische Führung, ein Anstieg der Arbeitslosigkeit in einem Land ohne soziales Auffangnetz.

 

Fazit

Sechs Prozent Wachstum in einer Volkswirtschaft können tatsächlich zu einem Problem werden, wenn es im Zusammenhang mit einer gigantischen Verschuldung steht und auf einem Infrastrukturprogramm mit unübersehbaren Folgeschäden. Zur Erfüllung der weiteren Ziele Chinas darf das Wachstum nicht sehr viel weiter absinken.

Deshalb kommt der Handelsstreit der USA mit China eigentlich zur Unzeit.

Man braucht aus den besagten Gründen hohes Wachstum, um soziale Unruhen im Lande zu vermeiden und das große Projekt Seidenstraße voranzutreiben. Auch aus diesen Gründen ist eine Deeskalation in der jetzigen Auseinandersetzung eigentlich unumgänglich.

China braucht konstantes Wachstum

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Konjunkturdaten

Aktuell: US-Immobiliendaten

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Die US-Baubeginne (Oktober) sind mit +3,8% auf eine Jahresrate von 1,314 Millionen etwas schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +5,1% auf eine Jahresrate von 1,320 Millionen; Vormonat war -9,4% auf eine Jahresrate von 1,256 Millionen, nun auf -7,9% auf eine Jahresrate von 1, Millionen nach oben revidiert).

Die US-Baugenehmigungen sind mit +5,0% auf eine Jahresrate von 1,461 Millionen besser ausgefallen als erwartet (Prognose war 0,0% auf eine Jahresrate von 1,385 Millionen; Vormonat war -2,7% auf eine Jahresrate von 1,391 Millionen).

weiterlesen

Konjunkturdaten

Welthandel: Erholung im 4.Quartal? Eher nicht

Avatar

Veröffentlicht

am

Wird sich der Welthandel und damit die Weltwirtschaft im 4.Quartal erholen? Bislang waren die Finanzmärkte davon ausgegangen, dass die Weltwirtschaft nach einer Delle dann im 4.Quartal wieder an Fahrt gewinnen wird. Heute hat die Welthandelsorganisation WTO neue Zahlen zum Welthandel präsentiert, das sogenannte „Goods Trade Barometer“. Dieses Barometer zeigt zwar einen leichten Anstieg (96,6) im Vergleich zu den letzten Zahlen aus dem August diesen Jahres (95,7), bleibt aber unter dem Trendwachstum, das bei 100 liegt.

Folgende Grafik zeigt die abnehmende Wachstums-Dynamik im Welthandel – im 3.Quartal lag der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresquartal nur noch bei 0,2% (im selben Zeitraum des Vorjahres waren es noch +3,5%):

Stabilisierungen sind erkennbar in den Bereichen Exportaufträge (97.5), Autoprodukte (99.8) und container shipping (100.8) – während Internationaler Flugzeugtransport (93.0), Elektrokomponenten (88.2) und Roh-Materialien (91.4) weiter nach unten tendieren:

Der Welthandel und seine Sektoren

Elektronikkomponenten sind derzeit im Welthandel im freien Fall

(Alle Grafiken: WTO)

Die schwache Zahl bei den Elektronikkomponenten ist besonders interessant, denn zu dieser Kategorie gehören auch Halbleiter, also faktisch Chips für Desktop-Computer, Smartphones etc. Sieht man sich an, wie in diesem Jahr diese Halbleiter-Werte an den Börsen bewertet werden (mit einem Anstieg von über 50% seit Jahresbeginn), so kommt der begründete Verdacht auf, dass die Märkte gelegentlich an der Realität vorbei Bepreisungen vornehmen:

 

So oder so: die besonders stark betroffenenen Sektoren dürften vor allem von den Zöllen belastet worden sein, wie die WTO vermutet („possibly reflecting recent tariff hikes affecting the sector“). Die Organisation hatte erst im September ihre Wachstumsprognosen für den Welthandel im Jahr 2019 deutlich gesenkt: im April ging man noch von +2,6% im Vergleich zum Vorjahr aus, im September dann nur noch von +1,2%. Der Grund aus Sicht der WTO: abnehmendes Wachstum der Wirtschaft, mehr und mehr Zölle, Brexit-Unsicherheit und – man höre und staune – die dovishe Wende der Notenbanken („substantial deceleration to slowing economic growth, increased tariffs, Brexit-related uncertainty, and the shifting monetary policy stance in developed economies“).

Insgesamt also sieht man in einigen Bereichen eine Stablisierung oder gar Verbesserung (vor allem im Container-Bereich), aber auch das vierte Quartal dürfte keine substantiellen Verbesserungen bringen, wie die WTO formuliert:

„The latest barometer reading suggests that goods trade will likely remain below trend in the third quarter and into the fourth quarter“.

Aber vielleicht geschehen ja doch noch Wunder – an den Aktienmärkten jedenfalls scheint man an das Wunder nach wie vor und unabhängig von jeder Evidenz zu glauben. Besonders drastisch sichtbar vor allem sichtbar im SOX (Philadelphia Semiconductor Index), der auf einem Allzeithoch handelt, während das faktische Handelsvolumen in diesem Bereich weiter im freien Fall ist..

Der Welthandel wird auch im vierten Quartal unter seinem Trend bleiben

 

weiterlesen

Europa

Deutschland: Abhängigkeit von China und vom Handelsstreit

Avatar

Veröffentlicht

am

Deutschland ist gerade noch einmal einer technischen Rezession entkommen und die Wirtschaftsindikatoren deuten zumindest auf eine weitere Stabilisierung hin. Kann es deshalb 2020 wieder nach oben gehen für das exportorientierte Land – oder müssen andere Regionen mitziehen, damit der Industriesektor des ehemaligen Exportweltmeisters wieder auf die Beine kommt? Vermutlich ja, es braucht der Unterstützung anderer, wie es die folgenden Daten und Fakten nahe legen.

 

Die bisherigen Auswirkungen Wirkungen des Handelsstreits

Klar leidet das Exportland Deutschland stark an den Folgen eines Handelsstreits, der die Industrieproduktion von vielen Ländern ins Schrumpfen gebracht hat: Abzulesen an den Produktionsziffern im Verarbeitenden Gewerbe, die über eineinhalb Jahre gefallen waren. Auf der anderen Seite profitiert man immer noch von der laufenden Konjunktur in den USA, man übernahm quasi einen Teil der Rückgänge aus dem Streit zwischen den USA und China, mit dem Ergebnis eines wachsenden Handelsbilanzdefizits zu den Vereinigten Staaten – sehr zum Missfallen von US-Präsident Trump. Allerdings kann dieser jetzt keinen zweiten Handelskriegsschauplatz aufbauen, knapp ein Jahr vor seinem großen Wahlziel.

 

Die Bedeutung Chinas für Deutschland und die Welt

Der Aufstieg Chinas insbesondere nach der Finanzkrise – im Jahr 2010 wurde man zur Nummer zwei in der Welt – hat viele Staaten in eine wirtschaftliche Abhängigkeit mit dem Riesenreich gebracht. Laut statista betrug der Anteil am kaufkraftbereinigten globalen Bruttoinlandsprodukt der Welt 2018 bereits über 18 Prozent. Für 33 Länder ist China der wichtigste Absatzmarkt und für 66 Länder steht China als Importland an erster Stelle. Das gilt ganz besonders für Deutschland, wie es aktuelle Studien wieder zeigen. Zwar boomt der Konsum auch in Deutschland, er macht in etwa die Hälfte der Wirtschaft in Deutschland aus und damit weniger als in den USA mit ihren viel zitierten 70 Prozent. Aber es gibt noch einen gravierenden Unterschied, wie die Ökonomin vom Bundesverband der deutschen Industrie BDI, Annika Mildner, herausstellt:

Deutschlands Abhängigkeit vom internationalen Handel, also Exporte und Importe zusammengefasst, würden 87 Prozent vom BIP ausmachen – in den USA vergleichsweise niedrige 27 Prozent. Deshalb wähnt man sich auch noch so sicher auf der amerikanischen „Konsuminsel“. Damit ist Deutschlands Wirtschaft auch Haupt-Leittragende, wenn irgendwo Zollschranken aufgebaut werden. Keine sehr neue Erkenntnis – und da wir wieder bei der Bedeutung Chinas für Deutschland:

Nach einer aktuellen Studie der deutschen Handelskammer fühlen sich bereits 83 Prozent der in China tätigen Unternehmen vom Handelsstreit direkt betroffen, 2018 waren es erst 30 Prozent. Hierbei steht die deutsche Automobilindustrie wieder an vorderster Stelle. Fast 70 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung des Marktes 2020.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
weiterlesen


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen