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Chinas Regierung verschärft den Abschwung: Kampf gegen Kreditplattformen beginnt

FMW-Redaktion

Chinas Machthaber haben eine neue Kampfzone eröffnet: es geht um die zuletzt so immens stark gewachsenen, internetbasierten Kreditplattformen, die – teilweise jenseits offizieller Banken – Kreditnehmer und Kreditgeber zusammen führten. Für Millionen von Chinesen war und ist das die einzige Chance, Kredite zu erhalten, die sie von den staatlichen Banken nicht erhalten. Im Dezember jedoch implodierte eine der größten dieser Plattformen, Ezubao (siehe dazu unseren Bericht „China und ein Ponzi-Schema“). Dutzende Mitarbeiter, die noch versucht hatten, in einem sechs Meter tiefen Loch die Geschäftsunterlagen zu vergraben, wurden verhaftet.

Heute Nacht nun hat Peking Banken und Lokalverwaltungen angewiesen, die Zusammenarbeit mit diesen Plattformen praktisch zu beenden. So verkündeten heute Nacht drei große Banken des Landes (Agricultural Bank of China, China Merchants Bank und Bank of Communications), ihre Portale zu schließen, über die Chinesen bislang auf diese sogenannten P2P-Plattformen (peer-to-peer) einzahlen konnten. Und das alleine hat schon massive Auswirkungen auf die Chance von Millionen Chinesen, Kredite zu erhalten. Und das wiederum bedeutet, dass der Konsum im Reich der Mitte zurück gehen wird, wodurch sich dann der Abschwung noch beschleunigen wird.

In die Pflicht von Peking genommen werden aber auch die Lokalverwaltungen des Landes: sie sind heute Nacht angewiesen worden, eigene Teams zu bilden, die sich mit den P2P-Plattformen beschäftigen. Das Ziel: das Aufspüren von illegalen Modellen, die faktisch ein Ponzi-Schema sind. Viele Chinesen hatten in die Geschäftsmodelle dieser Plattformen investiert, weil ihnen hohe, garantierte Renditen versprochen worden waren. Nun aber häufen sich auffällig Meldungen von untergetauchten Betreibern solcher Seiten.

Es sind nicht alle dieser Plattfomen unseriös, aber es dürfte eine recht hohe Dunkelziffer solcher Ponzi-Modelle geben. Peking begründet den heutigen Schritt mit der Gefahr für die soziale Stabilität, die von unseriösen Plattformen ausgehe. Im Dezember war es zu Demonstrationen von Ezubao-Geschädigten in Peking und anderen Städten gekommen, was die Regierung alarmiert hatte.

Damit dürften auch seriöse Plattformen in Schwierigkeiten geraten, weil ihr Geschäftsmodell generell in Frage gestellt wird. Und das wiederum ist auch eine schlechte Nachricht für die Broker Chinas: viele Privatanleger hatten sich über diese Plattformen Geld geliehen, das sie dann in die Aktienmärkte investiert hatten. Mit dem Crash aber verloren sie viel Geld und verschwanden vom Markt. Und das schlägt sich dann wiederum in den Zahlen der Broker wieder: so schrumpfte der Gewinn der chinesischen Brokerhäuser im 4.Quartal um durchschnittlich 80% bis 90%.



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