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Commerzbank: Zwei schlechte News münden in einem schlechten „Sentiment“?

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Commerzbank hat heute früh einen Quartalsgewinn von 163 Millionen Euro vermeldet – das war nach 388 Millionen Euro im Q1 2015 deutlich weniger. Auch die Erwartungen von über 150 Millionen wurden verfehlt. Liest man den ganz ausführlichen Erläuterungstext der Commerzbank (das wollen wir Ihnen nicht antun), laufen eigentlich alle Teilsegmente gut, außer im neu geschaffenen Segment „Asset & Capital Recovery“. Der zu Ende April ausgeschiedene Martin Blessing hatte vor Kurzem schon angedeutet, dass es schwer werde in 2016 das Gesamtergebnis aus 2015 zu wiederholen.

Erst gestern wurde öffentlich bekannt, dass auch die Commerzbank wohl massiv in das sogenannte Dividenden-Stripping verwickelt war. Der Bayerische Rundfunk, ProPublica, Washington Post und das Handelsblatt haben gemeinsam umfassende Unterlagen ausgewertet, was gestern zu einer Veröffentlichung führte. Anscheinend hat die Commerzbank ausländischen Kunden aktiv dabei geholfen Steuern zu vermeiden, so zumindest die Veröffentlichungen des Recherche-Teams. Beim Dividenden-Stripping sollen ausländische Besitzer deutscher Aktien unmittelbar vor der Dividenden-Ausschüttung die Aktien nach Deutschland verliehen haben um keine Kapitalertragssteuer zahlen zu müssen. Der kurzfristige deutsche Besitzer der Aktien zahlt die Steuer, lässt sich diese aber erstatten. Sofort danach fließt die geliehene Aktie zurück zum Eigentümer ins Ausland.

Die erstattete Steuer wird dann zwischen Leiher und Verleiher aufgeteilt. So wird die Steuer auf Dividenden ad absurdum geführt. Liest man Vorabmeldungen, soll die Commerzbank dies nicht nur geduldet, sondern aktiv diese Vorgänge unterstützt haben, und dass obwohl seitens des deutschen Staates zwei Aufsichtsräte bei der Commerzbank sitzen. Das Bundesfinanzministerium sagte bisher äußerst passiv „zu mölgichen hierdurch entstandenen Steuerausfällen lägen keine hinreichenden Erkenntnisse“ vor. Geht es noch passiver? Möchte Wolfgang Schäuble aus Gründen der Staatsraison den deutschen Bankensektor schützen?

Die Commerzbank wurde während der Finanzkrise mit 18,2 Milliarden Euro Steuergeldern gestützt – und gerade diese Bank hilft noch danach aktiv dabei mit dem deutschen Staat Schaden zuzufügen? So darf man die Rechercheergebnisse offensichtlich verstehen. Kommt es demnächst zu umfangreichen Durchsuchungen und Ermittlungen gegen die Commerzbank? Das hängt wohl ganz davon ab, ob sich engagierte Ermittler und Staatsanwälte dafür finden lassen bzw. ob die Bundesregierung das überhaupt will. Man hat ja nur noch zwei große Banken – da liegt die Vermutung nahe, dass Schäuble, Merkel und Co alles tun wollen um wenigstens diese beiden zu schützen, komme was da wolle. Aber wenn es doch zu massiven Ermittlungen gegen die Commerzbank kommt, dürfte die Commerzbank ihre Risikovorsorge wohl noch kräftig raufschrauben müssen. Wie nennt man das? Negatives Sentiment?

Heute startet die Aktie mit 5% Minus in den Tag.

Commerzbank 1
Die Commerzbank-Aktie seit 2008. Seit 2010 verharrt die Aktie im großen Bild betrachtet um die 10 Euro herum.

Commerzbank 2
Kurzfristiger betrachtet hat die Commerzbank nach 2013 jetzt in 2016 ganz grob gesagt um die 6 Euro eine Art Boden gebildet. Aber es dürfte noch eine weitere lange Durststrecke für die Aktie geben.

Die Commerzbank in eigenen Worten zu den heute veröffentlichten Zahlen:


Im ersten Quartal 2016 hat die Commerzbank in einem schwierigen Marktumfeld ein Operatives Ergebnis von 273 Millionen Euro (erstes Quartal 2015: 670 Millionen Euro) und ein Konzernergebnis von 163 Millionen Euro(erstes Quartal 2015: 338 Millionen Euro) erzielt. Die Erträge vor Risikovorsorge reduzierten sich auf 2.314 Millionen Euro (erstes Quartal 2015: 2.785 Millionen Euro). Hier spiegelten sich die weitere Verschärfung des Zinsumfelds und die Kundenzurückhaltung aufgrund der schwierigen Situation an den Kapitalmärkten wider. Die Risikovorsorge verringerte sich im ersten Quartal 2016 auf 148 Millionen Euro (erstes Quartal 2015: 158 Millionen Euro). Das weiterhin niedrige Niveau ist auf die hohe Qualität des Kreditbuches, die stabile Konjunktur der deutschen Wirtschaft und den fortgesetzten Abbau nicht strategischer Portfolios zurückzuführen. Die Verwaltungsaufwendungen lagen im ersten Quartal bei 1.893 Millionen Euro (erstes Quartal 2015: 1.957 Millionen Euro). Darin enthalten sind bereits die gesamte für das Jahr 2016 erwartete Europäische Bankenabgabe in Höhe von 143 Millionen Euro sowie die polnische Bankensteuer für zwei Monate in Höhe von 13 Millionen Euro. Strategische Investitionen in Digitalisierung, Regulierung und Compliance konnten durch konsequente Effizienzmaßnahmen vollständig kompensiert werden. Die harte Kernkapitalquote blieb unverändert bei 12,0 % und berücksichtigt wie im Vorjahresquartal eine Abgrenzung von 5 Cent je Aktie.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    gerd

    3. Mai 2016 13:34 at 13:34

    Ob mir die Redaktion da helfen kann?

    „…unmittelbar vor der Dividenden-Ausschüttung die Aktien nach Deutschland verliehen haben um keine Kapitalertragssteuer zahlen zu müssen. Der kurzfristige deutsche Besitzer der Aktien zahlt die Steuer, lässt sich diese aber
    e r s t a t t e n .
    Sofort danach fließt die geliehene Aktie zurück zum Eigentümer ins Ausland.“

    Mein Freund (oder ein Großinvestor) überträgt mir (oder einer Bank)
    die Dividendenpapiere. Dann zahle ich die Kapitalertragstuer in Form der Abgeltungssteuer. Bei der Steuererklärung wird das berücksichtigt.
    Aber in der Weise, dass die bereits einbehaltene Kapitalerstragsteuer auf die zu zahlende Steuer aus meinen Gesamteinkünften, angerechnet wird.

    E r g e b n i s: Ich habe die Steuer nach wie vor g e z a h l t ! „Erstattet“ hört sich so an, als würde ich die Dividende steuerfrei kassieren. Ist doch Quatsch!
    Da habe ich nichts erstattet bekommen. Und so geht es der institutionellen Bank ganz genauso. Nur dass die einen viel höheren Steuersatz hat als ich und zudem auch noch Gewerbesteuer drauf entrichten muss. Da bleiben der Bank von der Dividende nicht mal mehr 40% übrig. Wie soll die dann dem Ausländer …u.s.w.?

    Mein eigener sehr lückenhafter Erklärungsversuch: Der Ausländer müsste die Kapitalertragssteuer für den deutschen Fiskus zahlen und in seinem Heimatland die Dividendeneinnahme ein weiteres Mal voll versteuern. Das soll vermieden werden.
    N u r:
    – dafür haben wir wiederum mit den meisten Staaten sowas wie ein Doppelbesteuerungsabkommen und
    -seinen Anteil am Deal, den er von der inländischen Bank erhält, muss er auch als Einnahme versteuern und
    – der Ausländer bekommt eine Aktie zurück, die jetzt um den Dividendenabschlag zunächst mal tiefer notiert.
    Ob da noch was übrig bleibt?

    Wie daraus dem Fiskus in den letzten Jahren, wie verschiedentlich zu lesen ist, 5Mrd. Schaden entstanden sein soll? Ich verstehe es nicht.
    Aber wie oben gesagt, evtl. kann die Redaktion mich und andere Interessierte Leser aufklären.

    Schöne Grüße
    Gerd

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

Claudio Kummerfeld

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Quartalszahlen und Inflation

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. IBM und Intel werden heute Abend ihre Quartalszahlen veröffentlichen – sie werden von ihm vorab besprochen. Auch das Thema Inflation ist auf der Tagesordnung.

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