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Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    drallwissend

    18. September 2020 18:35 at 18:35

    Geschätsreisen!

    Ich glaube, dass COVID vor allem die Geschäftsreise-Welt nachhaltig verändert hat und noch weiter verändern wird.
    Letzte Woche saß ich noch im Flieger von Madrid nach London, einer der ehemals meistfrequentierten Strecken innerhalb Europas mit 90% Businesskunden. Der Flieger war nicht mal 1/4 voll, das sah schon gespenstisch aus.
    Da wurde mir bewusst, dass sich unsere Arbeitswelt komplett verändern wird und das auch den Unternehmen bewusst wird.
    Warum die Mitarbeiter zu irgendwelchen Meetings quer durch die Welt jetten lassen, wenn man genausogut und sogar effektiver ein Video-Meeting im Büro oder sogar von zuhause abhalten kann?
    Alleine an einem BusinessClass Flug mit Hotelübernachtung spart man fast eine gesamte Investition in ein neues Conferencing equipment. Dazu die immense Ersparnis an produktiver Arbeitszeit, die sonst in Anreise, Flug, Abreise etc verplempert werden.

    Deshalb ist meine Meinung, dass es die Linien-Airlines viel stärker treffen wird als beispielsweise die Charter und Ferienflieger. Denn bei denen geht es ja darum, an einem anderen Ort als dem eigenen zu sein. Da das Brot und Butter Geschäft der Lienienflieger jedoch die Businesskunden sind, werden die sich richtig umschauen die nächte Zeit. Gerade in Europa sehe ich daher eher grau für Lufthansa, British Airways, Iberia und Co.

    Nur meine 5 Cents… Schönes Wochenende.

    • Avatar

      Columbo

      19. September 2020 11:13 at 11:13

      @Drallwissend

      Die Vermietung von Geschäftsreiseflugzeugen hat stark zugenommen.

  2. Avatar

    sabine

    19. September 2020 11:48 at 11:48

    Bei uns in der Firma auch. 95% aller Reisen gestrichen, und wenn doch, dann muß man ganz oben fragen. Wir sehen unsere Kunden überhaupt nicht mehr. Letztes Jahr haben wir sie mindestens einmal im Monat gesehen.
    Die Ferienflieger wird es aber auch erwischen. Wir haben Angst um unseren Job, dann halten wir das Geld erstmal zusammen, und in Deutschland kann man genauso gut Urlaub machen.
    Und dann die gräßlichen Coronavorschriften oder Behinderungen. Ich bin doch nciht doof und lege mich mit Maske an den Strand, oder brauch zur Einreise einen höchstens 4-Wochen alten Test. Die Test sind ja auch unsauber, und wenn ich dann (falscherweise) positiv getestet bin, ist ja erst mal die Kacke am Dampfen.
    Danke Gates & Co für die neue Normalität.
    https://www.freitag.de/autoren/elisvoss/schoene-neue-normalitaet
    „In dieser Pandemie ist … Gates regelmäßig in den Medien. Die ARD gab ihm am 12.04. mehr als 9 Min. lang die Gelegenheit, seine Sicht darzulegen. Mit seiner Ehefrau hat er die Bill & Melinda Gates Foundation gegründet mit über rund 50 Milliarden US-$. Mit diesem steuersparend gesammelten Geld werden unter anderem Gentechnik-Forschung in Landwirtschaft und Medizin und die Entwicklung von Impfstoffen finanziert. Vermutlich deswegen wurde in dem Interview der Eindruck erweckt, Gates sei ein Experte, befähigt oder gar berechtigt zu sagen, was nun zu tun sei. „Wir werden den zu entwickelnden Impfstoff letztendlich 7 Milliarden Menschen verabreichen“ verkündete er vollmundig, und dass „wir die Entscheidungen zum Einsatz eines neuen Impfstoffes auf einer geringeren Datengrundlage als sonst fällen, damit wir schnelle Fortschritte erzielen.“ Selbstgerecht stellt er fest: „Im Sommer können wir hoffentlich einige Bereiche des Lebens wieder öffnen. Zu der Normalität vor Corona werden wir erst dann zurückkehren können, wenn wir entweder ein Wundermittel gefunden haben, das in 95 Prozent der Fälle hilft, oder wenn wir einen Impfstoff entwickelt haben.“ Wen meint er mit „wir“? Solche Entscheidungen obliegen doch der Politik und nicht Privaten!“

  3. Avatar

    b.com@gmx.at

    20. September 2020 20:30 at 20:30

    Wenn es noch niemand bermerkt hat, die Champingbranche boomt derzeit, auf Land und zu Wasser.
    Nur so zur Information, sollte jemand Invetitionsgelegenheiten suchen.

  4. Avatar

    Corona-Trader

    21. September 2020 09:00 at 09:00

    Ich habe Call-Optionen auf eine Zeltfirma und Put-Optionen auf Luxushotels in der Stadt gekauft, beides mit Hebelwirkung 1: 1000. Nur Trump mit dem sicheren Impfstoff kann mir das Geschäft vermiesen.Ich habe darum die Absicherung mit Call-Optionen auf alle Impfstofffirmen gemacht.
    Notenbankgeld richtig gehebelt kann jedes Problem lösen? Das bewährte Sprichwort „DEN HEBEL ANSETZEN“ ist die Bestätigung.

  5. Avatar

    Mösteler

    21. September 2020 12:39 at 12:39

    @ B. Com@GMX.AT. , meinten sie die Campingbranche oder die Champagnerbranche, einige Börsianer werden nächstens wohl eher Most als Champagner saufen.

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Ballard Power vor gewaltigem Kursrutsch? – Werbung

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Lieber Börsianer,

da stimmen Sie mir sicherlich zu. Die Stimmung an den Börsen hat sich im Oktober eingetrübt. Vor allem das europäische Infektionsgeschehen schlägt uns aufs Gemüt. Auch im Alltag werden wir die Folgen nächstens wieder alle ganz gegenständlich spüren, wenn Deutschland in den Lockdown light geht. Das nämliche Bild bei unseren Nachbarn. In Wien werden derzeit ähnliche Maßnahmen vorbereitet, um die zweite Covid-Welle zu brechen. In Frankreich gelten sogar wieder harte Ausgangssperren. Man darf dort zur Arbeit und zum Einkauf fahren. Ansonsten gilt: Rien ne va plus.

Da überrascht es nicht, dass der DAX südwärts läuft und derweil auf Wochensicht über 8 % eingebüßt hat. Ähnlich wie im vergangenen Februar und März sind auch die Ölpreise wieder massiv rückläufig und verlieren zur Vorwoche rund 9 %. US-Aktien halten sich noch recht wacker, aber auch hier sehe ich Gefahr im Verzug.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich mache jetzt hier nicht den Pessimisten. Gleichwohl halte ich es für ratsam, kurzfristig in unseren Depots die Cashquoten zu erhöhen und den ein oder anderen Titeln zu veräußern, um dann am Ende zu günstigeren Kursen wieder in den Markt zurückzukommen.

Diese Taktik dürfte etwa bei dem Wasserstoff-Titel Ballard Power reizvoll sein, denn hier kündigt sich ein scharfer Ausverkauf an. Schauen wir uns zunächst einmal die letzten Zahlen aus dem zweiten Quartal an. Das kanadische Unternehmen meldete einen Umsatz in Höhe von 25,8 Millionen USD. Das entspricht einem recht vernünftigem Wachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal in Höhe von 9 %. Den Verlust konnte man spürbar eingrenzen, gleichwohl hat das…..

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