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Coronavirus: Wer gewinnt die Milliardenwette um den Impfstoff?

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Wann kommt der Impfstoff gegen das Coronavirus , die laut Bill Gates „dringendste Erfindung der Welt“? So arbeiten China, die USA und Deutschland unter höchstem Druck an der Entwicklung – ein Erklärstück in 2 Teilen.

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Einen Impfpass haben wohl fast alle von euch irgendwo zu Hause in der Schublade. Als Vorbereitung für diese Recherche habe ich mir meinen mal genauer angeschaut – und gestaunt: Ich wurde schon 26 Mal geimpft! Unter anderem gegen Polio, Diphterie, Tetanus, Tuberkulose, Hepatitis B, Grippe, Gelbfieber, Tollwut – alles hochansteckende Infektionskrankheiten, die durch Viren übertragen werden. Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass in meinem und in eurem Impfpass schon bald ein neuer Eintrag auftaucht.

Weltweit wurden mehr als neun Millionen Menschen positiv auf das Coronavirus getestet und das Virus verbreitet sich schneller denn je, aktuell vor allem in den USA und Südamerika. Das zeigen Zahlen der Johns Hopkins University. Schon über 400.000 Menschen starben mit oder wegen Covid-19.

Das Virus hat auch die globale Wirtschaft infiziert: Zahlreiche Länder haben das öffentliche Leben für mehrere Monate runtergefahren, dadurch verdienen viele Menschen weniger oder sogar gar kein Geld mehr. Und auch ein halbes Jahr nach dem Ausbruch ist die Welt weit entfernt von Normalität. Was ist die Lösung für den Ausnahmezustand?

„The most urgent invention in the world right now is a vaccine that prevents you from getting Covid-19“, sagt Bill Gates in einem Video. Abstands- und Hygieneregeln werden weiterhin bestehen, „solange wir keinen Impfstoff haben“, meint Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und EU-Kommisionspräsidentin Ursula von der Leyen betont: „Impfen bedeutet die Unabhängigkeit von Furcht. Das Coronavirus hat uns an diese alte Wahrheit erinnert.“

Die Mächtigen dieser Welt sind sich einig: Ohne Impfstoff werden wir das Coronavirus nicht besiegen. Denn 60 bis 70 Prozent der Menschheit müssen gegen das Virus immun werden, um die Ausbreitung zu stoppen – und auf natürlichem Wege würde diese Herdenimmunität unzählige Opfer fordern. Genau deshalb läuft gerade ein weltweites Wettrennen, wer als erstes solch ein Serum an den Start bringen kann.

In diesem Beitrag zeige ich euch, wo wir bei diesem Rennen aktuell stehen, wie die USA, China und Europa sowohl konkurrieren, als auch kollaborieren – und welche Impfstoff-Technologien und -Hersteller man kennen sollte. Schließlich geht es am Ende ja um unseren Körper. Im ersten Teil erfahrt ihr grundsätzliche Hintergründe zur Entwicklung von Impfstoffen, im zweiten Teil schauen wir dann konkret auf die vielversprechendsten Kandidaten.

Der Startschuss zu dem Rennen war Mitte Januar, als chinesische Forscher das Genom des neuartigen Coronavirus entschlüsselten und im Internet teilten. Seitdem arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Laboren auf der ganzen Welt daran, einen Impfstoff zu entwickeln. Auf der Webseite der London School of Hygiene and Tropical Medicine – einer der renommiertesten Institutionen im Bereich Infektionskrankheiten – waren Ende Juni knapp 200 verschiedene Kandidaten aufgelistet. Sie sind in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung und nutzen verschiedene Technologien.

Wenn wir hier alle besprechen würden, wäre ich morgen noch dran. Deswegen konzentrieren wir uns auf Kandidaten, die sich mindestens in Phase I/II der Entwicklung befinden. Die eine Hälfte wird von den USA mit Milliarden gesponsert, die andere kommt aus China.

Ich weiß nicht, wie es um euer Wissen um die Forschung an Impfstoffen steht, aber ich persönlich hatte vor dieser Recherche keine Ahnung, was da Phase ist. Deswegen machen wir jetzt mal einen kleinen Crashkurs – und beginnen mit der wichtigsten aller Fragen:

Was passiert bei einer Impfung?

Der erste Impfstoff der Geschichte war gegen Pocken und wurde 1796 angewendet – also vor mehr als 200 Jahren. Trotzdem ist das medizinische Prinzip bis heute gleich geblieben:
Impfstoffe gaukeln dem Körper vor, dass er mit einem Virus infiziert ist. Als Reaktion darauf bildet unser Immunsystem Antikörper, damit wir den Krankheitserreger bekämpfen können, wenn wir ihn uns eines Tages tatsächlich einfangen.

Eine Impfung ist für den Körper so ähnlich wie eine Probeklausur für den Geist: Man bereitet sich auf den Ernstfall vor, um dann am Tag X alles aus dem Gedächtnis hervorzukramen und ganz locker zu bestehen.

Normalerweise dauert es viele Jahre, bis ein Impfstoff entwickelt und auf dem Markt verfügbar ist. Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Ausbruch von Ebola 2014 in Afrika, damals sind mehr als 10.000 Menschen an dem Virus gestorben. Aber erst im November 2019 wurde ein Impfstoff zugelassen. Jetzt soll alles viel schneller gehen.

„We will be able to deliver a few million hundred doses of vaccine by the end of 2020“, sagt der Chef des amerikanischen Impfstoff-Projektes bei dieser Pressekonferenz. Und er ist nicht der einzige Experte auf der Welt, der eine erfolgreiche Entwicklung noch in diesem Jahr für möglich hält. Schon jetzt stellen Impfstoffhersteller in Indien, den USA und auch in Deutschland riesige Mengen her, obwohl ihr Kandidat noch gar nicht zugelassen ist – einfach nur, um im Erfolgsfall möglichst schnell auf dem Markt zu sein. Zu den Details kommen wir gleich noch aber vorher klären wir, wie die Zulassung eigentlich funktioniert.

Coronavirus – Wie wird ein Impfstoff getestet?

Ein Impfstoff ist ein Arzneimittel, das ziemlich vielen Menschen verabreicht wird, die in den meisten Fällen kerngesund sind – deshalb sind die Vorgaben bei der Entwicklung besonders streng. In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut für die Zulassung zuständig. Deren Chef erklärt uns mal kurz, worauf seine Leute so ganz grundsätzlich achten:

In den meisten Ländern läuft die Zulassung eines Impfstoffs nach einem standardisierten Verfahren ab. Das müssen wir uns mal kurz genauer anschauen um zu verstehen, wo genau die aussichtsreichsten Kandidaten gerade stehen.

Normalerweise wird ein Impfstoff erst an Tieren wie zum Beispiel Mäusen oder Affen getestet um zu schauen, ob das Immunsystem tatsächlich reagiert. Dann kommt Phase I der Tests an Menschen. Bis zu 100 gesunde Personen bekommen die Dosis verabreicht und es geht um die Frage, ob das Serum sicher ist und der Körper so reagiert, wie sich das die Forscher vorgestellt haben.

In Phase II erhält eine größere Gruppe infizierter Menschen den Impfstoff. Entscheidend ist hier, die richtige Dosis zu finden und dann zu schauen, wie gut das Mittel tatsächlich wirkt. Die meisten Kandidaten scheitern in Phase II, daher nennen Wissenschaftler den Übergang zu Phase III auch das „Tal des Todes“. Wer das erfolgreich durchschritten hat, testet den Impfstoff dann an mehreren tausend Menschen. Hier geht es darum, die Wirksamkeit eindeutig nachzuweisen – auch bei älteren und schwachen Menschen – und die möglichen Nebenwirkungen statistisch sauber zu erfassen. Erst nach diesen Schritten wird das Arzneimittel zugelassen.

Aber wie soll all das so schnell gehen? Ein Schaubild der amerikanischen Zeitung New York Times zeigt, wie dieser Prozess beim Impfstoff gegen das Coronavirus beschleunigt wird:

Coronavirus und das Rennen um den Impfstoff

Die ersten Studien am Menschen starten meist schon parallel zu den Tierversuchen. Und auch die weiteren Phasen werden kombiniert. Außerdem ziehen die Hersteller schon während der Forschung neue Fabriken hoch, um das Arzneimittel noch vor der Zulassung in Massen produzieren und dann blitzschnell ausliefern zu können.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es so viel Druck auf der Entwicklung eines Impfstoffs. Das erhöht natürlich das gesundheitliche Risiko für uns Menschen – und damit kommen wir zur nächsten Frage:

Welche Gefahren bergen Impfungen und Impfstoffe?

In einer gemeinsamen Stellungnahme warnen die Deutsche Gesellschaft für Virologie und die Deutsche Gesellschaft für Immunologie davor, dass es „in der Geschichte der Impfstoffe einige Beispiele für Vakzinen mit zu starken Nebenwirkungen gibt und für solche, mit denen das Ziel eines sicheren Schutzes nicht erreicht werden konnte, sondern Schaden verursacht wurde.“

In den 50er Jahren zum Beispiel wurde in den USA ein Impfstoff gegen Kinderlähmung entwickelt und unter großem öffentlichen Druck überhastet genehmigt. Einer der Produzenten stellte ein unausgereiftes Produkt her, an dem mehrere Zehntausend der geimpften Schulkinder an Muskelschwäche erkrankten, einige starben sogar an den Folgen.

Oder noch ein aktuelleres Beispiel: Der französische Pharmahersteller Sanofi entwickelte im Jahr 2015 einen Impfstoff gegen das Denguefieber. Zwei Jahre später veröffentlichte Sanofi Studienergebnisse die zeigen, dass der Impfstoff die Symptome für diejenigen verschlimmern kann, die zuvor nicht mit Dengue infiziert waren. Die Impfkampagne wurde daraufhin gestoppt, zu der Zeit hatten jedoch schon Hunderttausende Menschen das Serum erhalten.

Auch bei uns in Deutschland gibt es immer noch Impfschäden. Das Paul-Ehrlich-Institut meldet aus den vergangenen 20 Jahren rund 50.000 Fälle, in denen Menschen wegen einer Impfung gesundheitliche Probleme bekamen – mehr als 400 Leute starben sogar an den Folgen. Das ist echt schrecklich aber man muss natürlich auch in Relation sehen, dass allein in den vergangenen zehn Jahren mehr als 60 Millionen Deutsche mindestens einmal geimpft wurden. Das zeigt diese Auswertung von Statista.

Worauf ich hinaus will: Es ist wichtig, den Impfstoff gegegn das Coronavirus schnell zu entwickeln, damit Leben gerettet werden und die Welt wieder zur Normalität zurückkehren kann. Aber das Wichtigste ist: Safety first. Schließlich hängt davon ja auch ab, ob sich die Menschenmassen überhaupt von einer Impfung überzeugen lassen. Laut dieser Umfrage von Kantar sind wir Deutschen im Vergleich zu anderen Industrieländern am skeptischsten: 12 % wollen sich „auf gar keinen Fall“ gegen Covid-19 impfen lassen.

Impfungen gegen das Coronavirus wären in Deutschland nicht sehr populär

Sind Impfstoffe gegen das Coronavirus ein lohnendes Geschäft?

Wenn wir an Pharmafirmen denken, kommen uns automatisch gigantische Gewinne in den Sinn. Klar: Wer einmal ein Medikament hat, das viele Menschen brauchen – und das am besten noch regelmäßig – der kann damit für ziemlich lange Zeit ziemlich viel Geld verdienen. Impfstoffe aber sind im Vergleich dazu ein recht reudiges Geschäft. Vor allem dann, wenn die Entwicklung schnell gehen muss.

Schauen wir uns dazu noch mal Ebola an: Der amerikanische Arzneimittelhersteller Merck hat es Ende vergangenen Jahres als erster geschafft, einen Impfstoff gegen das tödliche Virus auf den Markt zu bringen. Die Entwicklung dauerte Jahre und hat verdammt viel Geld gekostet. Doch der Firmenchef Ken Frazier sagte in einer offiziellen Anhörung, dass es für solche Vorhaben kein kommerzielles Potential gebe.

Ein Grund dafür ist, dass viele betroffene Menschen aus ärmeren Ländern stammen und nur sehr wenig Geld haben, um sich den Impfstoff überhaupt leisten zu können. Außerdem hatte die Ausbreitung der Seuche schon lange vor der Zulassung stark nachgelassen, die potentielle Zahl der „Kunden“ wurde also immer kleiner.

Bei der Sars-Epidemie im Jahr 2002 – einem Erreger, der dem heutigen Coronavirus zu 80 Prozent ähnelt – gab es zu Beginn auch viele Pharmafirmen, die an einem Impfstoff forschten. Als das Virus dann aber relativ schnell ausstarb, wurden die Investitionen gestoppt. Nach der simplen Marktlogik, dass man ohne Nachfrage ja auch kein Angebot schaffen braucht.

Grundsätzlich sind Impfstoffe für die Hersteller nicht so lukrativ wie Medikamente, weil wir uns meistens ja nur einmal im Leben gegen eine Krankheit impfen lassen müssen. Medikamente dagegen brauchen wir viel häufiger. Und weil die Zulassung so strikt ist, steigen natürlich auch die Kosten bei der Entwicklung. Eine wissenschaftliche Studie der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet hat ergeben, dass die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Infektionskrankheiten mehrere Hundert Millionen Dollar kosten kann – alleine, um bis zu Phase 2 zu kommen.

Unter diesen Voraussetzungen würden also nur die wenigsten Pharmakonzerne an einem Impfstoff gegen das Coronavirus forschen – obwohl ihnen natürlich bei einer erfolgreichen Zulassung viel Ruhm und Ehre winkt. Damit aber möglichst viele Vorhaben starten, stecken Staaten und Stiftungen Milliardensummen in die Entwicklung. Welche Kandidaten am vielversprechendsten sind, wo deutsche Firmen bei der Forschung stehen und wie unterschiedlich China und USA vorgehen, erfahrt ihr in Teil 2 meines Beitrags.

 

2 Kommentare

2 Comments

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    Tino Gruchmann

    24. Juni 2020 23:07 at 23:07

    Hier wird ein Fakt aussen vor gelassen bei denen die Risiko-Abschätzung unklar ist. Und zwar RNA Impfstoffe. Hier sollte sich jeder mal in die Materie einlesen bevor man sich bereitwillig einer Gefahr aussetzt. Allgemein: Aktuell kann man den Wettlauf schon als grosses Menschen Experiment bezeichnen. Wenn so ein Impfstoff in einem Jahr entwickelt wird und dann jung wie alt, krank und Gesund verabreicht wird, muss der so hohe Mengen an Verstärkern besitzen das die Gefahr einer Nebenwirkung zunimmt und Langzeitfolgen sind auch nicht absehbar. Ob es überhaupt notwendig ist einen Impfstoff zu entwickeln ist auch eine Frage die öffentlich und unabhängig diskutiert werden sollte. Die 450000Toten sind nicht alle durch Covid gestorben ohne Autopsie gar nicht feststellbar. Vor allem wenn es Anreize gibt, wie zb in NY, dort Covid Patienten zu behandeln. Auch die Dunkelziffer der infizierten ist vielfach höher was die reale Todeszahl auch nach unten setzt im Vergleich zu den infizierten und einer schweren Grippewelle annähert bei der auch die Impfungen bei Risikopatienten kaum wirken.

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    Scheer

    25. Juni 2020 09:01 at 09:01

    Mein Posting vom 20.06.2020:
    Ich bin mal gespannt wie sich die Marktlage ändert wenn wie bereits bestätigt wurde bei einer einmaligen Infektion nicht unbedingt Antikörper entwickelt werden und somit keine Herdenimmunität erreicht werden kann.
    Aus meinem Bereich haben wir bereits mehrere solche Fälle die ganeu dieses Bild abgeben.
    Also bereits infiziert gewesen und danach war der Antikörpertest negativ – ich bin einer von mehreren nachgewiesenen Personen! (laut einer Studie sollen nur 4% der infizierten tatsächlich Antiköper gebildet haben)
    Das Resultat ist, das wir
    1. Keine nachhaltige Immunität erhalten werden, weder durch die natürliche Körperabwehr noch durch irgendwelche Impfungen (RNA Impfung eingeschlossen)
    2. Durch die natürliche Mutation, wie wir Sie bei den Influenza Viren kennen werden sich auch die Covid 19 Viren an die äusseren Gegebenheiten anpassen
    3. Wir uns mit dem Virus abfinden müssen und wir uns auf eine Koexistenz einstellen sollten und das ohne Panik

    Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Studie-belegt-Zweifel-ob-sich-eine-laenger-anhaltende-Immunitaet-nach-einer-Covid-19-Infektion-4789059.html

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Inflation, Bitcoin, Aktien: Beck gegen Marc Friedrich

Markus Fugmann

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Kommt bald die Inflation – und was wird mit Aktien oder Bitcoin passieren? Bedeutet Inflation gleichzeitig, dass Bitcoin und Aktien und auch Rohstoffe steigen werden?

Bitcoin, Aktien und Inflation – was wird passieren?

Derzeit gehen fast alle davon aus, dass die Inflation anziehen wird: mit dem Impfstoff werde sich das Corona-Problem erledigen, woraufhin die Nachfrae anziehen werde, was dann wiederum Inflation mit sich bringe (der Reflations-Trade). Diese Inflation zeigt sich bereits bei den Asset-Preisen vor allem bei Immobilien, mit gewissen Abstrichen auch bei Aktien (vor allem aus dem US-Tech-Sektor). Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Der Potzfolioverwalter Andreas Beck bringt die Dinge in einem Interview mit Marc Friedrich in Relation: er hält Immobilien für zu teuer (aufgrund des demografischen Wandels – der ab dem Jahr 2025 kippen wird), bei Aktien sei das „Glas halbvoll“ – während er Bitcoin für eine „Thema-Verfehlung“ hält („Bitcoin ist ein Anrecht für nichts auf niemanden“) und dabei auf eine russische Firma verweist, die dafür ein Muster gegeben hat (was für den Bitcoin-Gläubigen Marc Friedrich schwer zu ertragen ist!). Andreas Beck gegen Marc Friedrich – wer hier die besseren Argumente hat, könne Sie entscheiden. So sagt Andreas Beck zu Bitcoin: „Was nichts ist, kann nicht knapp sein“ – und demaskiert damit das Argument der Bitcoin-Jünger!

 

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Inflation, Aktien und Bitcoin - Marc Friedrich gegen Andreas Beck

 

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Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlen? EU-Urteil liegt vor – mit erstaunlicher Begründung

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Scheine Euro Bargeld

Darf der deutsche Michel darauf bestehen, dass er seinen Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlt, und nicht per Banküberweisung oder Lastschrift? Deswegen war der Wirtschaftsexperte und Journalist Norbert Häring durch alle Instanzen gegangen, und landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Klage basierte auf dem Bundesbankgesetz, welches Bargeld als uneingeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel ansieht – womit impliziert werden könnte, dass alle öffentlichen Einrichtungen gezwungen sind Zahlungen in bar zu akzeptieren.

Panische Angst vor Zahlung mit Bargeld?

Aber es ist klar. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Bargeldzahlung. Man stelle sich vor hunderttausende unzufriedene Gebührenzahler würden von diesem Recht Gebrauch machen, und bei den Anstalten vor Ort mit 1 Cent Münzen zahlen, aus Protest. Der Verwaltungsaufwand wäre gigantisch. Und jetzt wird es spannend. Der Europäische Gerichtshof hat heute sein Urteil gefällt (hier im Wortlaut nachzulesen). Gleich die Headline zeigt die erstaunliche Argumentation der Richter. Sie argumentieren nämlich nicht mit Inhalten, sondern begründen ihr Urteil damit, ob die Auswirkungen für die betroffenen Einrichtungen (ARD und ZDF) verwaltungstechnisch umsetzbar sind. Zitat EuGH:

Ein Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets kann seine Verwaltung zur Annahme von Barzahlungen verpflichten, aber er kann diese Zahlungsmöglichkeit auch aus Gründen des öffentlichen Interesses beschränken. Eine solche Beschränkung kann insbesondere gerechtfertigt sein, wenn die Barzahlung aufgrund der sehr großen Zahl der Zahlungspflichtigen zu unangemessenen Kosten für die Verwaltung führen kann.

Also: Das EU-Gericht verweist die letztliche Entscheidung zurück an den Bundesgerichtshof. Aber der erhält von den EU-Richtern de facto eine Vorlage für eine Entscheidung gegen die Zahlung mit Bargeld. Nämlich in dem man sagt: Bei potenziell hunderttausenden oder Millionen Barzahlern des Rundfunkbeitrags werden die Verwaltungskosten derart hoch sein, dass dies zu ernsthaften Problemen für die Rundfunkanstalten führt. Daher wäre es angemessen für Deutschland ein Barzahlungsverbot auszusprechen. So darf man den zweiten Satz aus der Headline-Aussage des Urteils interpretieren. Und man darf vermuten, dass die deutschen Richter diesen Hinweis auch genau so aufnehmen und in ihr Urteil einfließen lassen werden. Also wird es (vermutlich) keine wirklich inhaltliche Begründung für die bevorstehende Ablehnung der Bargeldzahlung in Deutschland geben, sondern nur eine verwaltungstechnische. Das ist ziemlich armselig, so möchte ich es ausdrücken!

Der Klageführer Norbert Häring hat dazu vor wenigen Minuten seinen eigenen Kommentar veröffentlicht (hier nachzulesen). Die Richtung der deutschen Richter dürfte klar sein. Reihenweise könnten Beitragszahler auf Barzahlung bestehen, also wäre der Verwaltungsaufwand für ARD und ZDF bei nur 17,50 Euro pro Beitragszahler nicht mehr verhältnismäßig. Man kann das endgültige Urteil der deutschen Richter schon Monate im Voraus am Horizont sehen, bevor es ausgesprochen wurde. Hier auszugsweise im Wortlaut aus dem heutigen EuGH-Urteil die wohl wichtigsten Aussagen:

In einem zweiten Schritt stellt der Gerichtshof fest, dass der Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Annahme dieser Banknoten und Münzen impliziert, diese Verpflichtung aber von den Mitgliedstaaten grundsätzlich aus Gründen des öffentlichen Interesses eingeschränkt werden kann, vorausgesetzt, dass diese
Einschränkungen im Hinblick auf das verfolgte Ziel von öffentlichem Interesse verhältnismäßig sind, was u. a. bedeutet, dass andere rechtliche Mittel für die Begleichung von Geldschulden verfügbar sein müssen.

Insoweit weist der Gerichtshof darauf hin, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass die Begleichung von Geldschulden gegenüber öffentlichen Stellen dergestalt erfolgen kann, dass diesen keine unangemessenen Kosten entstehen, die sie daran hindern würden, ihre Leistungen kostengünstiger zu erbringen. Daher kann der Grund des öffentlichen Interesses, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, die Erfüllung einer hoheitlich auferlegten Geldleistungspflicht zu gewährleisten, eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen, insbesondere, wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch ist.

Es ist jedoch Sache des Bundesverwaltungsgerichts, zu prüfen, ob eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die anderen rechtlichen Zahlungsmittel möglicherweise nicht allen beitragspflichtigen Personen leicht zugänglich sind.

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

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