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Coronavirus: Wer gewinnt die Milliardenwette um den Impfstoff?

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Wann kommt der Impfstoff gegen das Coronavirus , die laut Bill Gates „dringendste Erfindung der Welt“? So arbeiten China, die USA und Deutschland unter höchstem Druck an der Entwicklung – ein Erklärstück in 2 Teilen.

Einen Impfpass haben wohl fast alle von euch irgendwo zu Hause in der Schublade. Als Vorbereitung für diese Recherche habe ich mir meinen mal genauer angeschaut – und gestaunt: Ich wurde schon 26 Mal geimpft! Unter anderem gegen Polio, Diphterie, Tetanus, Tuberkulose, Hepatitis B, Grippe, Gelbfieber, Tollwut – alles hochansteckende Infektionskrankheiten, die durch Viren übertragen werden. Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass in meinem und in eurem Impfpass schon bald ein neuer Eintrag auftaucht.

Weltweit wurden mehr als neun Millionen Menschen positiv auf das Coronavirus getestet und das Virus verbreitet sich schneller denn je, aktuell vor allem in den USA und Südamerika. Das zeigen Zahlen der Johns Hopkins University. Schon über 400.000 Menschen starben mit oder wegen Covid-19.

Das Virus hat auch die globale Wirtschaft infiziert: Zahlreiche Länder haben das öffentliche Leben für mehrere Monate runtergefahren, dadurch verdienen viele Menschen weniger oder sogar gar kein Geld mehr. Und auch ein halbes Jahr nach dem Ausbruch ist die Welt weit entfernt von Normalität. Was ist die Lösung für den Ausnahmezustand?

„The most urgent invention in the world right now is a vaccine that prevents you from getting Covid-19“, sagt Bill Gates in einem Video. Abstands- und Hygieneregeln werden weiterhin bestehen, „solange wir keinen Impfstoff haben“, meint Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und EU-Kommisionspräsidentin Ursula von der Leyen betont: „Impfen bedeutet die Unabhängigkeit von Furcht. Das Coronavirus hat uns an diese alte Wahrheit erinnert.“

Die Mächtigen dieser Welt sind sich einig: Ohne Impfstoff werden wir das Coronavirus nicht besiegen. Denn 60 bis 70 Prozent der Menschheit müssen gegen das Virus immun werden, um die Ausbreitung zu stoppen – und auf natürlichem Wege würde diese Herdenimmunität unzählige Opfer fordern. Genau deshalb läuft gerade ein weltweites Wettrennen, wer als erstes solch ein Serum an den Start bringen kann.

In diesem Beitrag zeige ich euch, wo wir bei diesem Rennen aktuell stehen, wie die USA, China und Europa sowohl konkurrieren, als auch kollaborieren – und welche Impfstoff-Technologien und -Hersteller man kennen sollte. Schließlich geht es am Ende ja um unseren Körper. Im ersten Teil erfahrt ihr grundsätzliche Hintergründe zur Entwicklung von Impfstoffen, im zweiten Teil schauen wir dann konkret auf die vielversprechendsten Kandidaten.

Der Startschuss zu dem Rennen war Mitte Januar, als chinesische Forscher das Genom des neuartigen Coronavirus entschlüsselten und im Internet teilten. Seitdem arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Laboren auf der ganzen Welt daran, einen Impfstoff zu entwickeln. Auf der Webseite der London School of Hygiene and Tropical Medicine – einer der renommiertesten Institutionen im Bereich Infektionskrankheiten – waren Ende Juni knapp 200 verschiedene Kandidaten aufgelistet. Sie sind in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung und nutzen verschiedene Technologien.

Wenn wir hier alle besprechen würden, wäre ich morgen noch dran. Deswegen konzentrieren wir uns auf Kandidaten, die sich mindestens in Phase I/II der Entwicklung befinden. Die eine Hälfte wird von den USA mit Milliarden gesponsert, die andere kommt aus China.

Ich weiß nicht, wie es um euer Wissen um die Forschung an Impfstoffen steht, aber ich persönlich hatte vor dieser Recherche keine Ahnung, was da Phase ist. Deswegen machen wir jetzt mal einen kleinen Crashkurs – und beginnen mit der wichtigsten aller Fragen:

Was passiert bei einer Impfung?

Der erste Impfstoff der Geschichte war gegen Pocken und wurde 1796 angewendet – also vor mehr als 200 Jahren. Trotzdem ist das medizinische Prinzip bis heute gleich geblieben:
Impfstoffe gaukeln dem Körper vor, dass er mit einem Virus infiziert ist. Als Reaktion darauf bildet unser Immunsystem Antikörper, damit wir den Krankheitserreger bekämpfen können, wenn wir ihn uns eines Tages tatsächlich einfangen.

Eine Impfung ist für den Körper so ähnlich wie eine Probeklausur für den Geist: Man bereitet sich auf den Ernstfall vor, um dann am Tag X alles aus dem Gedächtnis hervorzukramen und ganz locker zu bestehen.

Normalerweise dauert es viele Jahre, bis ein Impfstoff entwickelt und auf dem Markt verfügbar ist. Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Ausbruch von Ebola 2014 in Afrika, damals sind mehr als 10.000 Menschen an dem Virus gestorben. Aber erst im November 2019 wurde ein Impfstoff zugelassen. Jetzt soll alles viel schneller gehen.

„We will be able to deliver a few million hundred doses of vaccine by the end of 2020“, sagt der Chef des amerikanischen Impfstoff-Projektes bei dieser Pressekonferenz. Und er ist nicht der einzige Experte auf der Welt, der eine erfolgreiche Entwicklung noch in diesem Jahr für möglich hält. Schon jetzt stellen Impfstoffhersteller in Indien, den USA und auch in Deutschland riesige Mengen her, obwohl ihr Kandidat noch gar nicht zugelassen ist – einfach nur, um im Erfolgsfall möglichst schnell auf dem Markt zu sein. Zu den Details kommen wir gleich noch aber vorher klären wir, wie die Zulassung eigentlich funktioniert.

Coronavirus – Wie wird ein Impfstoff getestet?

Ein Impfstoff ist ein Arzneimittel, das ziemlich vielen Menschen verabreicht wird, die in den meisten Fällen kerngesund sind – deshalb sind die Vorgaben bei der Entwicklung besonders streng. In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut für die Zulassung zuständig. Deren Chef erklärt uns mal kurz, worauf seine Leute so ganz grundsätzlich achten:

In den meisten Ländern läuft die Zulassung eines Impfstoffs nach einem standardisierten Verfahren ab. Das müssen wir uns mal kurz genauer anschauen um zu verstehen, wo genau die aussichtsreichsten Kandidaten gerade stehen.

Normalerweise wird ein Impfstoff erst an Tieren wie zum Beispiel Mäusen oder Affen getestet um zu schauen, ob das Immunsystem tatsächlich reagiert. Dann kommt Phase I der Tests an Menschen. Bis zu 100 gesunde Personen bekommen die Dosis verabreicht und es geht um die Frage, ob das Serum sicher ist und der Körper so reagiert, wie sich das die Forscher vorgestellt haben.

In Phase II erhält eine größere Gruppe infizierter Menschen den Impfstoff. Entscheidend ist hier, die richtige Dosis zu finden und dann zu schauen, wie gut das Mittel tatsächlich wirkt. Die meisten Kandidaten scheitern in Phase II, daher nennen Wissenschaftler den Übergang zu Phase III auch das „Tal des Todes“. Wer das erfolgreich durchschritten hat, testet den Impfstoff dann an mehreren tausend Menschen. Hier geht es darum, die Wirksamkeit eindeutig nachzuweisen – auch bei älteren und schwachen Menschen – und die möglichen Nebenwirkungen statistisch sauber zu erfassen. Erst nach diesen Schritten wird das Arzneimittel zugelassen.

Aber wie soll all das so schnell gehen? Ein Schaubild der amerikanischen Zeitung New York Times zeigt, wie dieser Prozess beim Impfstoff gegen das Coronavirus beschleunigt wird:

Coronavirus und das Rennen um den Impfstoff

Die ersten Studien am Menschen starten meist schon parallel zu den Tierversuchen. Und auch die weiteren Phasen werden kombiniert. Außerdem ziehen die Hersteller schon während der Forschung neue Fabriken hoch, um das Arzneimittel noch vor der Zulassung in Massen produzieren und dann blitzschnell ausliefern zu können.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es so viel Druck auf der Entwicklung eines Impfstoffs. Das erhöht natürlich das gesundheitliche Risiko für uns Menschen – und damit kommen wir zur nächsten Frage:

Welche Gefahren bergen Impfungen und Impfstoffe?

In einer gemeinsamen Stellungnahme warnen die Deutsche Gesellschaft für Virologie und die Deutsche Gesellschaft für Immunologie davor, dass es „in der Geschichte der Impfstoffe einige Beispiele für Vakzinen mit zu starken Nebenwirkungen gibt und für solche, mit denen das Ziel eines sicheren Schutzes nicht erreicht werden konnte, sondern Schaden verursacht wurde.“

In den 50er Jahren zum Beispiel wurde in den USA ein Impfstoff gegen Kinderlähmung entwickelt und unter großem öffentlichen Druck überhastet genehmigt. Einer der Produzenten stellte ein unausgereiftes Produkt her, an dem mehrere Zehntausend der geimpften Schulkinder an Muskelschwäche erkrankten, einige starben sogar an den Folgen.

Oder noch ein aktuelleres Beispiel: Der französische Pharmahersteller Sanofi entwickelte im Jahr 2015 einen Impfstoff gegen das Denguefieber. Zwei Jahre später veröffentlichte Sanofi Studienergebnisse die zeigen, dass der Impfstoff die Symptome für diejenigen verschlimmern kann, die zuvor nicht mit Dengue infiziert waren. Die Impfkampagne wurde daraufhin gestoppt, zu der Zeit hatten jedoch schon Hunderttausende Menschen das Serum erhalten.

Auch bei uns in Deutschland gibt es immer noch Impfschäden. Das Paul-Ehrlich-Institut meldet aus den vergangenen 20 Jahren rund 50.000 Fälle, in denen Menschen wegen einer Impfung gesundheitliche Probleme bekamen – mehr als 400 Leute starben sogar an den Folgen. Das ist echt schrecklich aber man muss natürlich auch in Relation sehen, dass allein in den vergangenen zehn Jahren mehr als 60 Millionen Deutsche mindestens einmal geimpft wurden. Das zeigt diese Auswertung von Statista.

Worauf ich hinaus will: Es ist wichtig, den Impfstoff gegegn das Coronavirus schnell zu entwickeln, damit Leben gerettet werden und die Welt wieder zur Normalität zurückkehren kann. Aber das Wichtigste ist: Safety first. Schließlich hängt davon ja auch ab, ob sich die Menschenmassen überhaupt von einer Impfung überzeugen lassen. Laut dieser Umfrage von Kantar sind wir Deutschen im Vergleich zu anderen Industrieländern am skeptischsten: 12 % wollen sich „auf gar keinen Fall“ gegen Covid-19 impfen lassen.

Impfungen gegen das Coronavirus wären in Deutschland nicht sehr populär

Sind Impfstoffe gegen das Coronavirus ein lohnendes Geschäft?

Wenn wir an Pharmafirmen denken, kommen uns automatisch gigantische Gewinne in den Sinn. Klar: Wer einmal ein Medikament hat, das viele Menschen brauchen – und das am besten noch regelmäßig – der kann damit für ziemlich lange Zeit ziemlich viel Geld verdienen. Impfstoffe aber sind im Vergleich dazu ein recht reudiges Geschäft. Vor allem dann, wenn die Entwicklung schnell gehen muss.

Schauen wir uns dazu noch mal Ebola an: Der amerikanische Arzneimittelhersteller Merck hat es Ende vergangenen Jahres als erster geschafft, einen Impfstoff gegen das tödliche Virus auf den Markt zu bringen. Die Entwicklung dauerte Jahre und hat verdammt viel Geld gekostet. Doch der Firmenchef Ken Frazier sagte in einer offiziellen Anhörung, dass es für solche Vorhaben kein kommerzielles Potential gebe.

Ein Grund dafür ist, dass viele betroffene Menschen aus ärmeren Ländern stammen und nur sehr wenig Geld haben, um sich den Impfstoff überhaupt leisten zu können. Außerdem hatte die Ausbreitung der Seuche schon lange vor der Zulassung stark nachgelassen, die potentielle Zahl der „Kunden“ wurde also immer kleiner.

Bei der Sars-Epidemie im Jahr 2002 – einem Erreger, der dem heutigen Coronavirus zu 80 Prozent ähnelt – gab es zu Beginn auch viele Pharmafirmen, die an einem Impfstoff forschten. Als das Virus dann aber relativ schnell ausstarb, wurden die Investitionen gestoppt. Nach der simplen Marktlogik, dass man ohne Nachfrage ja auch kein Angebot schaffen braucht.

Grundsätzlich sind Impfstoffe für die Hersteller nicht so lukrativ wie Medikamente, weil wir uns meistens ja nur einmal im Leben gegen eine Krankheit impfen lassen müssen. Medikamente dagegen brauchen wir viel häufiger. Und weil die Zulassung so strikt ist, steigen natürlich auch die Kosten bei der Entwicklung. Eine wissenschaftliche Studie der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet hat ergeben, dass die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Infektionskrankheiten mehrere Hundert Millionen Dollar kosten kann – alleine, um bis zu Phase 2 zu kommen.

Unter diesen Voraussetzungen würden also nur die wenigsten Pharmakonzerne an einem Impfstoff gegen das Coronavirus forschen – obwohl ihnen natürlich bei einer erfolgreichen Zulassung viel Ruhm und Ehre winkt. Damit aber möglichst viele Vorhaben starten, stecken Staaten und Stiftungen Milliardensummen in die Entwicklung. Welche Kandidaten am vielversprechendsten sind, wo deutsche Firmen bei der Forschung stehen und wie unterschiedlich China und USA vorgehen, erfahrt ihr in Teil 2 meines Beitrags.

 

2 Kommentare

2 Comments

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    Tino Gruchmann

    24. Juni 2020 23:07 at 23:07

    Hier wird ein Fakt aussen vor gelassen bei denen die Risiko-Abschätzung unklar ist. Und zwar RNA Impfstoffe. Hier sollte sich jeder mal in die Materie einlesen bevor man sich bereitwillig einer Gefahr aussetzt. Allgemein: Aktuell kann man den Wettlauf schon als grosses Menschen Experiment bezeichnen. Wenn so ein Impfstoff in einem Jahr entwickelt wird und dann jung wie alt, krank und Gesund verabreicht wird, muss der so hohe Mengen an Verstärkern besitzen das die Gefahr einer Nebenwirkung zunimmt und Langzeitfolgen sind auch nicht absehbar. Ob es überhaupt notwendig ist einen Impfstoff zu entwickeln ist auch eine Frage die öffentlich und unabhängig diskutiert werden sollte. Die 450000Toten sind nicht alle durch Covid gestorben ohne Autopsie gar nicht feststellbar. Vor allem wenn es Anreize gibt, wie zb in NY, dort Covid Patienten zu behandeln. Auch die Dunkelziffer der infizierten ist vielfach höher was die reale Todeszahl auch nach unten setzt im Vergleich zu den infizierten und einer schweren Grippewelle annähert bei der auch die Impfungen bei Risikopatienten kaum wirken.

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    Scheer

    25. Juni 2020 09:01 at 09:01

    Mein Posting vom 20.06.2020:
    Ich bin mal gespannt wie sich die Marktlage ändert wenn wie bereits bestätigt wurde bei einer einmaligen Infektion nicht unbedingt Antikörper entwickelt werden und somit keine Herdenimmunität erreicht werden kann.
    Aus meinem Bereich haben wir bereits mehrere solche Fälle die ganeu dieses Bild abgeben.
    Also bereits infiziert gewesen und danach war der Antikörpertest negativ – ich bin einer von mehreren nachgewiesenen Personen! (laut einer Studie sollen nur 4% der infizierten tatsächlich Antiköper gebildet haben)
    Das Resultat ist, das wir
    1. Keine nachhaltige Immunität erhalten werden, weder durch die natürliche Körperabwehr noch durch irgendwelche Impfungen (RNA Impfung eingeschlossen)
    2. Durch die natürliche Mutation, wie wir Sie bei den Influenza Viren kennen werden sich auch die Covid 19 Viren an die äusseren Gegebenheiten anpassen
    3. Wir uns mit dem Virus abfinden müssen und wir uns auf eine Koexistenz einstellen sollten und das ohne Panik

    Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Studie-belegt-Zweifel-ob-sich-eine-laenger-anhaltende-Immunitaet-nach-einer-Covid-19-Infektion-4789059.html

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Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

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Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

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Coronakrise: Deutsche Exportwirtschaft bleibt pessimistisch

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Auch der Hamburger Hafen wurde von der Coronakrise hart getroffen

Eigentlich mehren sich derzeit die Indikatoren, die auf eine Erholung der Wirtschaft nach der Coronakrise im dritten Quartal hindeuten. Ob Konsumdaten, Ifo-Index oder Einkaufsmanagerindizes – die Ausnahme bildet die Exportindustrie, hier verschlechterte sich die Stimmung sogar.

Sonderumfrage zu den Auswirkungen der Coronakrise – AHK World Business Outlook

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bei den Mitgliedsunternehmen der Deutschen Auslandshandelskammern zu den Auswirkungen der Coronakrise brachte eine Ernüchterung für die Erholung der Exportwirtschaft. Die rund 3300 deutschen Unternehmen vermeldeten sogar eine Verschlechterung der Lage im Vergleich zum April. Jetzt erwarten 83 Prozent einen Umsatzrückgang, vor drei Monaten waren es noch 79 Prozent.Der Außenwirtschaftschef des DIHK, Volker Treier, hält das Thema V-förmige Erholung der Exportwirtschaft für erledigt, die Krise durch die Pandemie werde langwieriger als erwartet. Diese Meinung stützt er auf das Ergebnis der Sonderumfrage:

– 43 Prozent der Firmen gehen erst im Jahr 2022 oder sogar noch später von einer Erholung aus.
-50 Prozent rechnen bereits 2021 damit, sieben Prozent glauben noch in 2020 an eine Rückkehr zur Normalität.
-Besonders schlecht ist die Stimmung bei Firmen mit Nord-, Mittel- und Südamerika-Geschäften. Hier glaubt die Mehrheit, dass es sogar bis 2022 dauern könnte. Kaum verwunderlich bei den aktuellen Infektionszahlen aus Übersee.
-59 Prozent der Unternehmen berichten von einer schwächeren Nachfrage nach ihren Produkten, dabei sind für 63 Prozent der befragten Unternehmen die Reisebeschränkungen ein massives Problem.
-56 Prozent der Exportunternehmen kündigen an weniger investieren zu wollen, gegenüber 35 Prozent im April.
-43 Prozent gehen von Stellenstreichungen aus (April 35 Prozent).
– Die Investitionen im Ausland sollen laut DIHK von bisher 100 Milliarden Euro in diesem Jahr nur die Hälfte dieser Summe betragen.
-Von den 7,8 Millionen Arbeitsplätzen deutscher Firmen im Ausland könnten 2020 etwa 200.000 in diesem Jahr wegfallen.

Fazit der Umfrage: Insgesamt rechnet der DIHK 2020 mit einem Rückgang der deutschen Exporte um 15 Prozent, die Erholung in 2021 dürfte mit sieben Prozent plus nur einen Teil davon wieder gutmachen.

Das Außenhandelsdefizit

Als Folge dieses pandemiebedingten Rückgangs der Auslandsnachfrage sollte die Exportbilanz um 300 Milliarden Euro schrumpfen, die Importe hingegen deutlich weniger. Damit rechnet der DIHK von einem Rückgang des Handelsbilanzüberschusses von 223 Milliarden Euro auf dann nur noch rund 50 Milliarden Euro im Jahr 2020. Ein weiteres Problem sei aber der anhaltende Protektionismus in zahlreichen Ländern. Auch das ergab die Umfrage:

22 Prozent der Unternehmen sprachen davon, ihre Produktion verlagern zu wollen, 19 Prozent mit einer Rückkehr der Produktion nach Deutschland.

Fazit

Klar leidet die deutsche Exportwirtschaft besonders unter den Folgen der Coronakrise sowie auch dem beobachtbaren Trend zur Glokalisierung oder des Protektionismus. Der Anteil des Exports am deutschen Bruttoinlandsprodukt betrug im letzten Jahr 47 Prozent. Beim Export, insbesondere in westliche Ländern in Nord-, Mittel- und Südamerika, wo derzeit die Hälfte aller weltweiten Covid-19-Infektionen zu zählen sind, ist das Problem besonders groß. Allerdings ist die mit Abstand wichtigste Region für unsere Außenwirtschaft die EU-Zone (60 Prozent der Exporte) und nicht vergessen sollte man die Bedeutung des Konsums für Deutschlands Wirtschaft im Ganzen. Aber insgesamt betrachtet kann man nach den Ergebnissen zum World Business Outlook nur feststellen: Ohne eine Eindämmung von Covid-19 keine substanzielle Erholung der Weltwirtschaft und auch keine Rückkehr zu alten Wachstumszahlen in Deutschland.

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Geldanlage: Vorsicht vor dem falschen grünen Daumen!

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Grüne Geldanlagen, also Investitionen, die vermeintlich umweltfreundlich sind, stellen einen Mega-Trend dar. Spätestens seitdem einige der größten Kapitalanlagegesellschaften der Welt das Thema aufgriffen und ankündigten, Nachhaltigkeitskriterien in die Anlageentscheidungen mit einzubeziehen, müssen sich auch Anleihe-Emittenten damit befassen, wenigstens grüner zu erscheinen. Relativ schnell gelang es einer spanischen Bank, sich anzupassen. Die begab kurzerhand einen CoCo-Bonds und labelte ihn als grüne Geldanlage. Es ist nicht der einzige Versuch, mit vermeintlich grünen Geldanlagen gutgläubige Anleger anzulocken.

Bank will nicht einmal sagen, warum ihre Anleihe eine grüne Geldanlage sein soll

CoCo-Bonds sind Wandelanleihen. Also Anleihen, die in Aktien getauscht werden können. Dabei hängt die Umwandlung jedoch von einer Bedingung ab, wie zum Beispiel der Eigenkapitalquote des Emittenten. Im Gegensatz zu klassischen Wandelanleihen kann der Käufer der Anleihen bei dieser Geldanlage nicht entscheiden, ob er die Anleihe in Aktien tauschen möchte. Wenn die Wandelbedingung erfüllt ist, muss er die Aktien akzeptieren. CoCo-Bonds sind bei Banken beliebt, da sie beim Absinken der Eigenkapitalquote, zum Beispiel während einer Finanzkrise, automatisch neues Eigenkapital zugeführt bekommen. Und kommt es zu keiner Krise, die das Eigenkapital angreift, werden die CoCo-Bonds am Laufzeitende einfach wie eine gewöhnliche Anleihe getilgt. Für Käufer der CoCo-Bonds besteht der Reiz in einem höheren Zinssatz als bei gewöhnlichen Anleihen.

Um die ganze Sache für den Käufer noch attraktiver zu machen, hat die spanische Bank BBVA ihren neusten CoCo-Bonds einfach als grüne Geldanlage gelabelt. Und zwar, weil nach Angaben der Bank ein Teil der Einnahmen durch den Verkauf des CoCo-Bonds in grüne Investitionen fließen soll. Konkrete Angaben dazu vermeidet BBVA jedoch. Anleger können also nicht prüfen, ob die Bank überhaupt einen Cent der Emission in umweltfreundliche Investitionen steckt oder nicht.

Nur weil grün draufsteht, muss es noch längst keine gute Anlage sein

Das Beispiel zeigt, dass nach nachhaltigen Geldanlagen suchende Anleger vorsichtig sein sollten. Der Markt für diese Art von Geldanlage ist schon seit geraumer Zeit ein beliebtes Spielfeld für allerlei windige Geschäftemacher. Das Produktportfolio zweifelhafter Angebote reicht vom genannten CoCo-Bonds, der nicht wirklich nachhaltig ist, über Nachrangdarlehen und Genussrechte für die Errichtung von Erzeugungsanlagen für erneuerbare Energie bis hin zu geschlossenen Fonds oder Aktiengesellschaften, die angeblich in umweltfreundliche Geschäfte investieren wollen, es aber nicht tun.

Die Crux bei den Nachrangdarlehen und Genussrechten ist, dass die Zins- und Tilgungszahlungen davon abhängen, dass die finanzierte Gesellschaft auch ausreichend Gewinne macht. Tut sie das nicht, können die Zahlungen folgenlos ausgesetzt werden. Ein ideales Umfeld für Geschäftemacher, die die Renditeaussichten übertreiben und nach kurzer Zeit ganz legal die Zahlungen einstellen dürfen, weil das Investment doch nicht so viel Geld abwirft wie ursprünglich kalkuliert.

Die Bafin hat in den vergangenen Jahren diverse Investmentangebote verboten, bei denen Anleger für Investitionen in Wald geworben werden sollten (derzeit ist die Behörde sehr stark im Verbotsrausch). Doch auch nicht verbotene Angebote bergen Gefahren, denen sich Anleger nicht bewusst sind, wenn sie für ihre Geldanlage vermeintlich umweltfreundliche Projekte aussuchen. Enorme Vertriebs- und Verwaltungskosten, kaum prüfbare Plantagen in Übersee und immens lange Anlagezeiträume, in denen sich alle möglichen Risiken realisieren können, sind nur einige der Probleme, die solche Investitionen am Ende oft zum Flop werden lassen.

Meine Erfahrungen mit grünen Geldanlagen sind durchwachsen

Ich bin selbst in diversen Projekten investiert, die Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie in Europa finanzierten. Einem kompletten Betrug saß ich zwar noch nicht auf. Doch inzwischen bin ich fast das ganze Spektrum an realisierten Risiken durchgegangen. Angefangen von deutlich geringerem Ertrag als prognostiziert, plötzlich gestiegenen Kosten, die die Rendite der Geldanlage belasten, gleich angeblich gänzlich nicht funktionierenden Anlagen, die dann von der Projektgesellschaft ungefragt eigenkapitalverzehrend weit unterhalb der Baukosten verkauft wurden, bis hin zur Umwandlung von rückzahlbarem Fremd- in nicht rückzahlbares Eigenkapital war schon alles dabei. Die Durchschnittsrendite der Anlagen liegt signifikant unterhalb der Anbieterprojektionen. Eine gute Diversifizierung, also die Streuung des Kapitals über viele verschiedene Anbieter mit diversen Projekten, half dabei, die Risiken im Zaum zu halten und trotz allem noch eine aus heutiger Sicht attraktive Rendite zu erzielen. Wirklich nachhaltig sind die nachhaltigen Anlagen jedoch oft nur für den Anbieter.

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