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Coronavirus: Wer gewinnt die Milliardenwette um den Impfstoff?

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Wann kommt der Impfstoff gegen das Coronavirus , die laut Bill Gates „dringendste Erfindung der Welt“? So arbeiten China, die USA und Deutschland unter höchstem Druck an der Entwicklung – ein Erklärstück in 2 Teilen.

Einen Impfpass haben wohl fast alle von euch irgendwo zu Hause in der Schublade. Als Vorbereitung für diese Recherche habe ich mir meinen mal genauer angeschaut – und gestaunt: Ich wurde schon 26 Mal geimpft! Unter anderem gegen Polio, Diphterie, Tetanus, Tuberkulose, Hepatitis B, Grippe, Gelbfieber, Tollwut – alles hochansteckende Infektionskrankheiten, die durch Viren übertragen werden. Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass in meinem und in eurem Impfpass schon bald ein neuer Eintrag auftaucht.

Weltweit wurden mehr als neun Millionen Menschen positiv auf das Coronavirus getestet und das Virus verbreitet sich schneller denn je, aktuell vor allem in den USA und Südamerika. Das zeigen Zahlen der Johns Hopkins University. Schon über 400.000 Menschen starben mit oder wegen Covid-19.

Das Virus hat auch die globale Wirtschaft infiziert: Zahlreiche Länder haben das öffentliche Leben für mehrere Monate runtergefahren, dadurch verdienen viele Menschen weniger oder sogar gar kein Geld mehr. Und auch ein halbes Jahr nach dem Ausbruch ist die Welt weit entfernt von Normalität. Was ist die Lösung für den Ausnahmezustand?

„The most urgent invention in the world right now is a vaccine that prevents you from getting Covid-19“, sagt Bill Gates in einem Video. Abstands- und Hygieneregeln werden weiterhin bestehen, „solange wir keinen Impfstoff haben“, meint Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und EU-Kommisionspräsidentin Ursula von der Leyen betont: „Impfen bedeutet die Unabhängigkeit von Furcht. Das Coronavirus hat uns an diese alte Wahrheit erinnert.“

Die Mächtigen dieser Welt sind sich einig: Ohne Impfstoff werden wir das Coronavirus nicht besiegen. Denn 60 bis 70 Prozent der Menschheit müssen gegen das Virus immun werden, um die Ausbreitung zu stoppen – und auf natürlichem Wege würde diese Herdenimmunität unzählige Opfer fordern. Genau deshalb läuft gerade ein weltweites Wettrennen, wer als erstes solch ein Serum an den Start bringen kann.

In diesem Beitrag zeige ich euch, wo wir bei diesem Rennen aktuell stehen, wie die USA, China und Europa sowohl konkurrieren, als auch kollaborieren – und welche Impfstoff-Technologien und -Hersteller man kennen sollte. Schließlich geht es am Ende ja um unseren Körper. Im ersten Teil erfahrt ihr grundsätzliche Hintergründe zur Entwicklung von Impfstoffen, im zweiten Teil schauen wir dann konkret auf die vielversprechendsten Kandidaten.

Der Startschuss zu dem Rennen war Mitte Januar, als chinesische Forscher das Genom des neuartigen Coronavirus entschlüsselten und im Internet teilten. Seitdem arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Laboren auf der ganzen Welt daran, einen Impfstoff zu entwickeln. Auf der Webseite der London School of Hygiene and Tropical Medicine – einer der renommiertesten Institutionen im Bereich Infektionskrankheiten – waren Ende Juni knapp 200 verschiedene Kandidaten aufgelistet. Sie sind in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung und nutzen verschiedene Technologien.

Wenn wir hier alle besprechen würden, wäre ich morgen noch dran. Deswegen konzentrieren wir uns auf Kandidaten, die sich mindestens in Phase I/II der Entwicklung befinden. Die eine Hälfte wird von den USA mit Milliarden gesponsert, die andere kommt aus China.

Ich weiß nicht, wie es um euer Wissen um die Forschung an Impfstoffen steht, aber ich persönlich hatte vor dieser Recherche keine Ahnung, was da Phase ist. Deswegen machen wir jetzt mal einen kleinen Crashkurs – und beginnen mit der wichtigsten aller Fragen:

Was passiert bei einer Impfung?

Der erste Impfstoff der Geschichte war gegen Pocken und wurde 1796 angewendet – also vor mehr als 200 Jahren. Trotzdem ist das medizinische Prinzip bis heute gleich geblieben:
Impfstoffe gaukeln dem Körper vor, dass er mit einem Virus infiziert ist. Als Reaktion darauf bildet unser Immunsystem Antikörper, damit wir den Krankheitserreger bekämpfen können, wenn wir ihn uns eines Tages tatsächlich einfangen.

Eine Impfung ist für den Körper so ähnlich wie eine Probeklausur für den Geist: Man bereitet sich auf den Ernstfall vor, um dann am Tag X alles aus dem Gedächtnis hervorzukramen und ganz locker zu bestehen.

Normalerweise dauert es viele Jahre, bis ein Impfstoff entwickelt und auf dem Markt verfügbar ist. Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Ausbruch von Ebola 2014 in Afrika, damals sind mehr als 10.000 Menschen an dem Virus gestorben. Aber erst im November 2019 wurde ein Impfstoff zugelassen. Jetzt soll alles viel schneller gehen.

„We will be able to deliver a few million hundred doses of vaccine by the end of 2020“, sagt der Chef des amerikanischen Impfstoff-Projektes bei dieser Pressekonferenz. Und er ist nicht der einzige Experte auf der Welt, der eine erfolgreiche Entwicklung noch in diesem Jahr für möglich hält. Schon jetzt stellen Impfstoffhersteller in Indien, den USA und auch in Deutschland riesige Mengen her, obwohl ihr Kandidat noch gar nicht zugelassen ist – einfach nur, um im Erfolgsfall möglichst schnell auf dem Markt zu sein. Zu den Details kommen wir gleich noch aber vorher klären wir, wie die Zulassung eigentlich funktioniert.

Coronavirus – Wie wird ein Impfstoff getestet?

Ein Impfstoff ist ein Arzneimittel, das ziemlich vielen Menschen verabreicht wird, die in den meisten Fällen kerngesund sind – deshalb sind die Vorgaben bei der Entwicklung besonders streng. In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut für die Zulassung zuständig. Deren Chef erklärt uns mal kurz, worauf seine Leute so ganz grundsätzlich achten:

In den meisten Ländern läuft die Zulassung eines Impfstoffs nach einem standardisierten Verfahren ab. Das müssen wir uns mal kurz genauer anschauen um zu verstehen, wo genau die aussichtsreichsten Kandidaten gerade stehen.

Normalerweise wird ein Impfstoff erst an Tieren wie zum Beispiel Mäusen oder Affen getestet um zu schauen, ob das Immunsystem tatsächlich reagiert. Dann kommt Phase I der Tests an Menschen. Bis zu 100 gesunde Personen bekommen die Dosis verabreicht und es geht um die Frage, ob das Serum sicher ist und der Körper so reagiert, wie sich das die Forscher vorgestellt haben.

In Phase II erhält eine größere Gruppe infizierter Menschen den Impfstoff. Entscheidend ist hier, die richtige Dosis zu finden und dann zu schauen, wie gut das Mittel tatsächlich wirkt. Die meisten Kandidaten scheitern in Phase II, daher nennen Wissenschaftler den Übergang zu Phase III auch das „Tal des Todes“. Wer das erfolgreich durchschritten hat, testet den Impfstoff dann an mehreren tausend Menschen. Hier geht es darum, die Wirksamkeit eindeutig nachzuweisen – auch bei älteren und schwachen Menschen – und die möglichen Nebenwirkungen statistisch sauber zu erfassen. Erst nach diesen Schritten wird das Arzneimittel zugelassen.

Aber wie soll all das so schnell gehen? Ein Schaubild der amerikanischen Zeitung New York Times zeigt, wie dieser Prozess beim Impfstoff gegen das Coronavirus beschleunigt wird:

Coronavirus und das Rennen um den Impfstoff

Die ersten Studien am Menschen starten meist schon parallel zu den Tierversuchen. Und auch die weiteren Phasen werden kombiniert. Außerdem ziehen die Hersteller schon während der Forschung neue Fabriken hoch, um das Arzneimittel noch vor der Zulassung in Massen produzieren und dann blitzschnell ausliefern zu können.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es so viel Druck auf der Entwicklung eines Impfstoffs. Das erhöht natürlich das gesundheitliche Risiko für uns Menschen – und damit kommen wir zur nächsten Frage:

Welche Gefahren bergen Impfungen und Impfstoffe?

In einer gemeinsamen Stellungnahme warnen die Deutsche Gesellschaft für Virologie und die Deutsche Gesellschaft für Immunologie davor, dass es „in der Geschichte der Impfstoffe einige Beispiele für Vakzinen mit zu starken Nebenwirkungen gibt und für solche, mit denen das Ziel eines sicheren Schutzes nicht erreicht werden konnte, sondern Schaden verursacht wurde.“

In den 50er Jahren zum Beispiel wurde in den USA ein Impfstoff gegen Kinderlähmung entwickelt und unter großem öffentlichen Druck überhastet genehmigt. Einer der Produzenten stellte ein unausgereiftes Produkt her, an dem mehrere Zehntausend der geimpften Schulkinder an Muskelschwäche erkrankten, einige starben sogar an den Folgen.

Oder noch ein aktuelleres Beispiel: Der französische Pharmahersteller Sanofi entwickelte im Jahr 2015 einen Impfstoff gegen das Denguefieber. Zwei Jahre später veröffentlichte Sanofi Studienergebnisse die zeigen, dass der Impfstoff die Symptome für diejenigen verschlimmern kann, die zuvor nicht mit Dengue infiziert waren. Die Impfkampagne wurde daraufhin gestoppt, zu der Zeit hatten jedoch schon Hunderttausende Menschen das Serum erhalten.

Auch bei uns in Deutschland gibt es immer noch Impfschäden. Das Paul-Ehrlich-Institut meldet aus den vergangenen 20 Jahren rund 50.000 Fälle, in denen Menschen wegen einer Impfung gesundheitliche Probleme bekamen – mehr als 400 Leute starben sogar an den Folgen. Das ist echt schrecklich aber man muss natürlich auch in Relation sehen, dass allein in den vergangenen zehn Jahren mehr als 60 Millionen Deutsche mindestens einmal geimpft wurden. Das zeigt diese Auswertung von Statista.

Worauf ich hinaus will: Es ist wichtig, den Impfstoff gegegn das Coronavirus schnell zu entwickeln, damit Leben gerettet werden und die Welt wieder zur Normalität zurückkehren kann. Aber das Wichtigste ist: Safety first. Schließlich hängt davon ja auch ab, ob sich die Menschenmassen überhaupt von einer Impfung überzeugen lassen. Laut dieser Umfrage von Kantar sind wir Deutschen im Vergleich zu anderen Industrieländern am skeptischsten: 12 % wollen sich „auf gar keinen Fall“ gegen Covid-19 impfen lassen.

Impfungen gegen das Coronavirus wären in Deutschland nicht sehr populär

Sind Impfstoffe gegen das Coronavirus ein lohnendes Geschäft?

Wenn wir an Pharmafirmen denken, kommen uns automatisch gigantische Gewinne in den Sinn. Klar: Wer einmal ein Medikament hat, das viele Menschen brauchen – und das am besten noch regelmäßig – der kann damit für ziemlich lange Zeit ziemlich viel Geld verdienen. Impfstoffe aber sind im Vergleich dazu ein recht reudiges Geschäft. Vor allem dann, wenn die Entwicklung schnell gehen muss.

Schauen wir uns dazu noch mal Ebola an: Der amerikanische Arzneimittelhersteller Merck hat es Ende vergangenen Jahres als erster geschafft, einen Impfstoff gegen das tödliche Virus auf den Markt zu bringen. Die Entwicklung dauerte Jahre und hat verdammt viel Geld gekostet. Doch der Firmenchef Ken Frazier sagte in einer offiziellen Anhörung, dass es für solche Vorhaben kein kommerzielles Potential gebe.

Ein Grund dafür ist, dass viele betroffene Menschen aus ärmeren Ländern stammen und nur sehr wenig Geld haben, um sich den Impfstoff überhaupt leisten zu können. Außerdem hatte die Ausbreitung der Seuche schon lange vor der Zulassung stark nachgelassen, die potentielle Zahl der „Kunden“ wurde also immer kleiner.

Bei der Sars-Epidemie im Jahr 2002 – einem Erreger, der dem heutigen Coronavirus zu 80 Prozent ähnelt – gab es zu Beginn auch viele Pharmafirmen, die an einem Impfstoff forschten. Als das Virus dann aber relativ schnell ausstarb, wurden die Investitionen gestoppt. Nach der simplen Marktlogik, dass man ohne Nachfrage ja auch kein Angebot schaffen braucht.

Grundsätzlich sind Impfstoffe für die Hersteller nicht so lukrativ wie Medikamente, weil wir uns meistens ja nur einmal im Leben gegen eine Krankheit impfen lassen müssen. Medikamente dagegen brauchen wir viel häufiger. Und weil die Zulassung so strikt ist, steigen natürlich auch die Kosten bei der Entwicklung. Eine wissenschaftliche Studie der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet hat ergeben, dass die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Infektionskrankheiten mehrere Hundert Millionen Dollar kosten kann – alleine, um bis zu Phase 2 zu kommen.

Unter diesen Voraussetzungen würden also nur die wenigsten Pharmakonzerne an einem Impfstoff gegen das Coronavirus forschen – obwohl ihnen natürlich bei einer erfolgreichen Zulassung viel Ruhm und Ehre winkt. Damit aber möglichst viele Vorhaben starten, stecken Staaten und Stiftungen Milliardensummen in die Entwicklung. Welche Kandidaten am vielversprechendsten sind, wo deutsche Firmen bei der Forschung stehen und wie unterschiedlich China und USA vorgehen, erfahrt ihr in Teil 2 meines Beitrags.

 

2 Kommentare

2 Comments

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    Tino Gruchmann

    24. Juni 2020 23:07 at 23:07

    Hier wird ein Fakt aussen vor gelassen bei denen die Risiko-Abschätzung unklar ist. Und zwar RNA Impfstoffe. Hier sollte sich jeder mal in die Materie einlesen bevor man sich bereitwillig einer Gefahr aussetzt. Allgemein: Aktuell kann man den Wettlauf schon als grosses Menschen Experiment bezeichnen. Wenn so ein Impfstoff in einem Jahr entwickelt wird und dann jung wie alt, krank und Gesund verabreicht wird, muss der so hohe Mengen an Verstärkern besitzen das die Gefahr einer Nebenwirkung zunimmt und Langzeitfolgen sind auch nicht absehbar. Ob es überhaupt notwendig ist einen Impfstoff zu entwickeln ist auch eine Frage die öffentlich und unabhängig diskutiert werden sollte. Die 450000Toten sind nicht alle durch Covid gestorben ohne Autopsie gar nicht feststellbar. Vor allem wenn es Anreize gibt, wie zb in NY, dort Covid Patienten zu behandeln. Auch die Dunkelziffer der infizierten ist vielfach höher was die reale Todeszahl auch nach unten setzt im Vergleich zu den infizierten und einer schweren Grippewelle annähert bei der auch die Impfungen bei Risikopatienten kaum wirken.

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    Scheer

    25. Juni 2020 09:01 at 09:01

    Mein Posting vom 20.06.2020:
    Ich bin mal gespannt wie sich die Marktlage ändert wenn wie bereits bestätigt wurde bei einer einmaligen Infektion nicht unbedingt Antikörper entwickelt werden und somit keine Herdenimmunität erreicht werden kann.
    Aus meinem Bereich haben wir bereits mehrere solche Fälle die ganeu dieses Bild abgeben.
    Also bereits infiziert gewesen und danach war der Antikörpertest negativ – ich bin einer von mehreren nachgewiesenen Personen! (laut einer Studie sollen nur 4% der infizierten tatsächlich Antiköper gebildet haben)
    Das Resultat ist, das wir
    1. Keine nachhaltige Immunität erhalten werden, weder durch die natürliche Körperabwehr noch durch irgendwelche Impfungen (RNA Impfung eingeschlossen)
    2. Durch die natürliche Mutation, wie wir Sie bei den Influenza Viren kennen werden sich auch die Covid 19 Viren an die äusseren Gegebenheiten anpassen
    3. Wir uns mit dem Virus abfinden müssen und wir uns auf eine Koexistenz einstellen sollten und das ohne Panik

    Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Studie-belegt-Zweifel-ob-sich-eine-laenger-anhaltende-Immunitaet-nach-einer-Covid-19-Infektion-4789059.html

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Hongkong: Die Wahrheit über das Nationale Sicherheitsgesetz

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Ich bin ein Hongkonger und hier ist meine Heimat, aber das Nationale Sicherheitsgesetz macht es für viele von uns schwierig in Hongkong zu bleiben. Das Hongkong, in dem wir aufgewachsen sind gibt es nämlich seit dem 30.06.2020 so nicht mehr. Meinen Erfahrungsbericht schreibe ich aus Sicherheitsgründen anonym. Auch ich bin mit dem Gefühl von Freiheit und Demokratie herangewachsen, aber die Situation hat sich dramatisch verändert. Denn seit Juli gilt das Sicherheitsgesetz, hiermit hat China faktisch die Macht übernommen.

Seit fast zwei Wochen ist das Nationale Sicherheitsgesetz in Hongkong aktiv – was ist seitdem passiert? Für uns hat sich in der Zeit viel verändert. Die Menschen haben Angst für Demokratie auf die Straße zu gehen und machen sich große Sorgen um ihre Sicherheit. Der 30.06.2020 wird als schwarzer Tag in die Geschichte Hongkongs eingehen. Aktivisten und Anführer der Demokratiebewegung verlassen scharenweise die Stadt. Entsprechend zählt die Auswanderungsagentur so viele Anträge wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, im Folgenden können Sie sich ein Bild von der aktuellen Lage machen.

Auswirkungen auf Presse- und Redefreiheit

Die meisten Nachrichtenagenturen in Hongkong gehören mittlerweile der Kommunistischen Partei. Damit erleben wir zukünftig die gleiche Propaganda, die auch in Festland China zum Alltag gehört. Es gibt inzwischen nur noch eine Medienanstalt die Unabhängig berichtet, das ist Apple Daily, aber auch diese könnte mit zunehmender Zeit dem immer größerem Einfluss aus China unterliegen oder bald gänzlich verschwinden. Journalisten sind hier ebenfalls großen Gefahren ausgesetzt. Die Pressefreiheit, wie wir sie kannten, existiert nämlich nicht mehr. Dadurch entsteht eine sehr einseitige Berichterstattung, Kritik und Meinungen sind nicht erwünscht, außer sie sind pro China. Es ist so weit, auch wir geraten in die Mühlen der Propagandamaschine der chinesischen Regierung. Jeder öffentliche Aufruf zu Demokratie und Freiheit könnte demnach strafrechtlich verfolgt werden.

Nicht nur die Pressefreiheit wurde uns genommen, auch die Redefreiheit. Dies betrifft mehrere Bereiche des alltäglichen Lebens, unter anderem die Sozialen Medien, das öffentliche Leben und sogar Schulen und Universitäten. Zum Beispiel hat man bisher die Sozialen Medien genutzt, um seine Meinung kund zu tun, Diskussionen über Demokratie zu führen und sich zu informieren. Facebook-Gruppen haben dabei geholfen sich auszutauschen und Beiträge und News zu posten. Außerdem halfen Apps wie Telegram dabei die Massenproteste zu organisieren. Das ist aber wegen des Sicherheitsgesetzes nicht mehr möglich, da die Regierung jetzt freie Bahn hat alles und jeden zu überwachen.

Nicht nur das, darüber hinaus können Informationen geblockt oder komplett gelöscht werden und die Verfasser strafrechtlich verfolgt. Tausende von uns mussten deswegen ihre Posts und Chatverläufe löschen. Trotz der Angst steht die absolute Mehrheit der Hongkonger hinter der Demokratiebewegung. Zahlreiche Restaurants und öffentliche Einrichtung haben Plakate und Aufkleber in ihren Schaufenstern, um die Bewegung zu unterstützen. Aber seit Anfang Juli besucht die Polizei diese Einrichtungen und droht den Eigentümern mit Verhaftungen, sollten sie diese nicht entfernen.

Das Ende der Demokratie-Bewegung in Hongkong?

Durch die Einführung des Sicherheitsgesetzes ist sehr viel Unsicherheit bei den Hongkongern zu spüren, Massenproteste wie im vergangenen Jahr werden in Zukunft unmöglich sein. Zwar gibt es fast täglich kleinere Demonstrationen in der Mittagspause, aber diese müssen sehr achtsam sein und sich schnell auflösen, bevor die Polizei eingreifen kann. Die Gefahr verhaftet zu werden, ist einfach zu groß. Auf allen Demonstrationen sieht man nur noch weiße Plakate, da die Slogans der Demokratiebewegung verboten sind. Die Hongkonger wenden immer wieder kreative Lösungen an, um die entwürdigenden Einschränkungen der Regierung zu umgehen.

Der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong musste aufgrund des Sicherheitsgesetzes aus der Demosisto Partei austreten und diese auflösen. Seine langjährigen Wegbegleiter Nathan Law und Agnes Chow verließen ebenfalls die Partei, bevor das Sicherheitsgesetz in Kraft getreten ist. Nathan Law hat Hongkong bereits verlassen und kämpft weiterhin in Übersee. Im kommenden September findet eine wichtige Wahl statt. Peking befürchtet, dass wie im letzten Jahr das pro-demokratische-Lager auch die kommende Parlamentswahl im September 2020 haushoch gewinnen könnte. Deshalb besteht die Gefahr einer Disqualifizierung der pro-demokratischen Partei. Damit hätte sie keine Chance mehr ein Teil des gesetzgebenden Rates zu sein. Schließlich würde es keinen Sitz und keine Stimme im Parlament geben, die für die Belange der Hongkonger einsteht.

Abteilung zur nationalen Sicherheit in Hongkong

Die kommunistische Partei hat in Hongkong die Abteilung zur nationalen Sicherheit gegründet. Diese Abteilung erweitert die Befugnisse der Hongkonger Polizei enorm. Die Polizei ist jetzt berechtigt, Orte, Menschen und deren Mobiltelefone zu durchsuchen und auszuspionieren. Dafür benötigt sie keine Ermächtigung des Gerichtshofs. Außerdem kann so fortan Sicherheitskräfte aus China hinzuziehen, um die ortsansässige Polizei bei der nationalen Sicherheit zu unterstützen. Dies ist eigentlich ein Verstoß gegen das Grundrecht (Basic Law), ist aber jetzt rechtens. Die Hongkonger Polizei ist nun ein Organ mit allen Befugnissen – quasi wie die Stasi.

Zukünftig werden alle Straftaten, die unter die Kategorie “Nationale Sicherheit” fallen, anders behandelt als bisher. Zur Erklärung, fast jede kleine Straftat unterliegt nun diesen Regeln. Das heißt, Peking kann Hongkonger nach China ausliefern, wo sie ohne faires Gerichtsverfahren ins Gefängnis oder Umerziehungslager kommen. Gemäß dem Sicherheitsgesetz haften alle Menschen, unabhängig davon, ob sie Bürger von Hongkong sind. Gleichfalls ist es egal, ob die Taten innerhalb oder außerhalb Hongkongs geschehen. Ja, sie haben richtig gelesen, jeder egal wo er sich befindet kann angeklagt werden, sobald die Taten gegen das Gesetz verstoßen. Damit ist der letzte Funken Rechtsstaatlichkeit Hongkongs zerstört. Die Abmachung Großbritanniens und China, dass Hongkong 50 Jahre nach der Methode “Ein Land, zwei Systeme” agieren kann, ist somit zu Ende. Es hat nur 23 Jahre gehalten.

Ein paar Worte zum Schluss

Ich kann mir vorstellen, dass Sie an manchen Stellen gedacht haben – das kann doch nicht sein? oder das ist doch nicht möglich? Aber ja, es ist möglich und es passiert in diesem Moment. Für jemanden der Demokratie und Freiheit für selbstverständlich hält, ist das kaum nachvollziehbar. Leider erleben wir jeden Tag, dass es nicht selbstverständlich ist. Ich hoffe, Sie konnten einen Eindruck gewinnen und eventuell hat es Ihnen auch ein wenig die Augen geöffnet. Wir stehen nämlich ziemlich allein dar mit unserer Forderung auf Einhaltung der 50 Jahre Autonomie für Hongkong. Am Beispiel von Hongkong sieht man, wozu China fähig ist. Wir Hongkonger haben uns 23 Jahre lang für die richtige Sache eingesetzt, aber wie es aussieht werden wir verlieren.

Hongkong: Die Wahrheit über das Nationale Sicherheitsgesetz

 

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Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

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Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

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Coronakrise: Deutsche Exportwirtschaft bleibt pessimistisch

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Auch der Hamburger Hafen wurde von der Coronakrise hart getroffen

Eigentlich mehren sich derzeit die Indikatoren, die auf eine Erholung der Wirtschaft nach der Coronakrise im dritten Quartal hindeuten. Ob Konsumdaten, Ifo-Index oder Einkaufsmanagerindizes – die Ausnahme bildet die Exportindustrie, hier verschlechterte sich die Stimmung sogar.

Sonderumfrage zu den Auswirkungen der Coronakrise – AHK World Business Outlook

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bei den Mitgliedsunternehmen der Deutschen Auslandshandelskammern zu den Auswirkungen der Coronakrise brachte eine Ernüchterung für die Erholung der Exportwirtschaft. Die rund 3300 deutschen Unternehmen vermeldeten sogar eine Verschlechterung der Lage im Vergleich zum April. Jetzt erwarten 83 Prozent einen Umsatzrückgang, vor drei Monaten waren es noch 79 Prozent.Der Außenwirtschaftschef des DIHK, Volker Treier, hält das Thema V-förmige Erholung der Exportwirtschaft für erledigt, die Krise durch die Pandemie werde langwieriger als erwartet. Diese Meinung stützt er auf das Ergebnis der Sonderumfrage:

– 43 Prozent der Firmen gehen erst im Jahr 2022 oder sogar noch später von einer Erholung aus.
-50 Prozent rechnen bereits 2021 damit, sieben Prozent glauben noch in 2020 an eine Rückkehr zur Normalität.
-Besonders schlecht ist die Stimmung bei Firmen mit Nord-, Mittel- und Südamerika-Geschäften. Hier glaubt die Mehrheit, dass es sogar bis 2022 dauern könnte. Kaum verwunderlich bei den aktuellen Infektionszahlen aus Übersee.
-59 Prozent der Unternehmen berichten von einer schwächeren Nachfrage nach ihren Produkten, dabei sind für 63 Prozent der befragten Unternehmen die Reisebeschränkungen ein massives Problem.
-56 Prozent der Exportunternehmen kündigen an weniger investieren zu wollen, gegenüber 35 Prozent im April.
-43 Prozent gehen von Stellenstreichungen aus (April 35 Prozent).
– Die Investitionen im Ausland sollen laut DIHK von bisher 100 Milliarden Euro in diesem Jahr nur die Hälfte dieser Summe betragen.
-Von den 7,8 Millionen Arbeitsplätzen deutscher Firmen im Ausland könnten 2020 etwa 200.000 in diesem Jahr wegfallen.

Fazit der Umfrage: Insgesamt rechnet der DIHK 2020 mit einem Rückgang der deutschen Exporte um 15 Prozent, die Erholung in 2021 dürfte mit sieben Prozent plus nur einen Teil davon wieder gutmachen.

Das Außenhandelsdefizit

Als Folge dieses pandemiebedingten Rückgangs der Auslandsnachfrage sollte die Exportbilanz um 300 Milliarden Euro schrumpfen, die Importe hingegen deutlich weniger. Damit rechnet der DIHK von einem Rückgang des Handelsbilanzüberschusses von 223 Milliarden Euro auf dann nur noch rund 50 Milliarden Euro im Jahr 2020. Ein weiteres Problem sei aber der anhaltende Protektionismus in zahlreichen Ländern. Auch das ergab die Umfrage:

22 Prozent der Unternehmen sprachen davon, ihre Produktion verlagern zu wollen, 19 Prozent mit einer Rückkehr der Produktion nach Deutschland.

Fazit

Klar leidet die deutsche Exportwirtschaft besonders unter den Folgen der Coronakrise sowie auch dem beobachtbaren Trend zur Glokalisierung oder des Protektionismus. Der Anteil des Exports am deutschen Bruttoinlandsprodukt betrug im letzten Jahr 47 Prozent. Beim Export, insbesondere in westliche Ländern in Nord-, Mittel- und Südamerika, wo derzeit die Hälfte aller weltweiten Covid-19-Infektionen zu zählen sind, ist das Problem besonders groß. Allerdings ist die mit Abstand wichtigste Region für unsere Außenwirtschaft die EU-Zone (60 Prozent der Exporte) und nicht vergessen sollte man die Bedeutung des Konsums für Deutschlands Wirtschaft im Ganzen. Aber insgesamt betrachtet kann man nach den Ergebnissen zum World Business Outlook nur feststellen: Ohne eine Eindämmung von Covid-19 keine substanzielle Erholung der Weltwirtschaft und auch keine Rückkehr zu alten Wachstumszahlen in Deutschland.

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