Folgen Sie uns

Aktien

Das Mark Zuckerberg-Protokoll – die interessantesten Inhalte

Facebook-Chef Mark Zuckerberg wurde gestern Abend stundenlang vor dem US-Kongress von Senatoren befragt. Eigentlich sollte es dabei hauptsächlich um das zentrale Thema Datenschutz und den Datenmissbrauch durch die…

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Facebook-Chef Mark Zuckerberg wurde gestern Abend stundenlang vor dem US-Kongress von Senatoren befragt. Eigentlich sollte es dabei hauptsächlich um das zentrale Thema Datenschutz und den Datenmissbrauch durch die Firma „Cambridge Analytica“ gehen. Aber die Befragung wurde eher eine Art Rundumschlag an Fragen zu allem, was rund um Facebook interessant ist. Denn wie oft bekommt man als Senator Mark Zuckerberg schon mal zu einer offiziellen Befragung in den Kongress – da packt man doch am liebsten alles Fragenswerte in eine Anhörung.

Cambridge Analytica

Natürlich gab es von mehreren Senatoren Fragen zu „Cambridge Analytica“. Von 87 Millionen Facebook-Nutzern wurden Daten illegal verkauft (nicht durch Facebook selbst). Dafür entschuldigte sich Mark Zuckberg natürlich, dass Facebook dies nicht verhindert habe. Letztlich erzählte er das, was Facebook schon in den letzten Wochen dazu veröffentlicht hatte. Wer zu dem Thema sensationelle Enthüllungen erwartete, wurde enttäuscht.

Facebook habe die Möglichkeit schon vor langer Zeit abgeschaltet, dass so ein Datenmissbrauch erneut stattfinden könne. Habe er im Jahr 2015, als der Diebstahl von Cambridge Analytica bei Facebook auffiel, diese Info an die zuständige US-Behörde „FTC“ gemeldet? Nein, das habe man nicht getan, so Mark Zuckerberg. Warum? Nun, man habe sich von Cambridge Analytica schriftlich bestätigen lassen, dass die Daten vernichtet und nicht verwendet wurden. Von daher habe man keine Notwendigkeit gesehen den Vorfall zu melden. Dass die Firma die Daten nicht vernichtet und doch weiter verwendet habe, das habe man bei Facebook auch erst dieses Jahr erfahren, so Zuckerberg.

Facebook bald kostenpflichtig?

Auch deutete Zuckerberg indirekt an, dass es in Zukunft eine kostenpflichtige Variante von Facebook geben werde – die wird es womöglich für User geben, die in keinster Weise wollen, dass Facebook ihre Daten speichert und für gezielte Werbung einsetzt. Das war einer der Haupt-Diskussionspunkte gestern Abend. Senatoren sprachen immer wieder die Datensammlung und Nutzung für Werbung an. Zuckerberg antwortete darauf, dass dies nun mal das Geschäftsmodell von Facebook sei – damit verdiene man sein Geld.

Und da kann man ihm ja Recht geben – der ganze Dienst ist für die Nutzer kostenlos – wie also soll der Laden Geld verdienen, wenn nicht über die Verwertung der Nutzerdaten für gezielte Werbung! Dazu klärte Mark Zuckberberg eine Senatorin auf, dass für Werbung niemals Nutzerdaten das Netzwerk verlassen. Die Werbekunden sagen Facebook, auf welche Zielgruppe genau die Werbung ausgerichtet werden soll, und Facebook selbst strahle die Werbung dann zielgerichtet an die richtigen User aus. Diese Userdaten würden niemals nach außen gelangen an die Werbekunden.

Facebook werde aber immer „eine kostenlose Version anbieten“ so Zuckberberg. Damit ist klar: In Zukunft kann sich der User wohl aussuchen: Du zahlst für Facebook, und Deine Daten werden in keinster Weise gesammelt oder ausgewertet. Oder Du surfst kostenlos, und zahlst mit Deinen Daten! Wir tippen mal: Die allermeisten User werden auch in Zukunft mit ihren Daten zahlen!

Was noch?

Interessant war Folgendes. Mark Zuckberberg konnte die Frage eines Senators nicht beantworten, ob Facebook weiterhin Daten sammelt, wenn ein User weiter durchs Netz surft, nachdem er sich aus Facebook ausgeloggt hat. Da meint man doch: Sowas müsste der Facebook-Chef doch eigentlich wissen! Diese Info wolle er den Senatoren in den nächsten Tagen aber noch nachliefern.

Bei vielen kleinen Detailfragen konnte Mark Zuckberg gar keine Antwort liefern, sondern musste anbieten, dass sein Team die Antworten in einigen Tagen nachliefert. Das ist auch verständlich, denn die Senatoren boten nun wirklich Detailfragen zu sehr vielen Kleinigkeiten auf.

Auch ein großes Thema war die Beeinflussung von Wahlkämpfen über Facebook. So berichtete Mark Zuckberberg über zahlreiche Seiten und Anbieter vor allem aus Russland, die inzwischen ganz gesperrt wurden. In Zukunft müssten alle Anbieter, die politische Werbung auf Facebook schalten wollen, ihre Identität offenbaren – also welche echte Person hinter dem Anbieter steht.

Mark Zuckerberg mit Rollentausch

Und auf einmal war Mark Zuckberberg bei einer Frage nicht der Datensammler, sondern die Privatperson, deren Daten nicht in die Öffentlichkeit kommen sollen. Denn ein Senator fragte ihn, ob er denn hier und jetzt verraten wolle, in welchen Hotel in Washington er gerade wohne, und an wen er denn die letzten Tage Messages geschickt habe? Da guckte er verdutzt und wusste erst gar nicht, warum er das gefragt wird, und antwortete stotternd mit „ähhh nein, das möchte ich hier nicht verraten“.

Das sei es worum es hier gehe, so der Senator. Die Privatsphäre, und wie viel man im modernen Amerika aufgeben wolle, um alle Menschen verbinden zu wollen. Gab es da vielleicht einen kurzen Moment, wo Mark Zuckberberg begriff, dass Datenschutz wichtig ist? Denn ein paar Sekunden lang war ihm sichtlich unwohl, dass er jetzt preis geben müsse, wo genau er nächtigt

Das Facebook-Monopol und ein gewiefter Senator

Sehr interessant war eine ganz bestimmte Frage, die mit dem eigentlich Datenskandal nichts zu tun hatte. Ein gewiefter Senator sagte Mark Zuckberg, dass er einfach auf eine andere Automarke umsteigen könne, wenn er mit seinem Ford nicht mehr zufrieden sei. Welche vollwertige Alternative hätte man denn als Facebook-Nutzer, so die Frage. Damit wollte der Senator natürlich aus Zuckerberg heraus kitzeln, dass er ein Monopolist ist.

Denn mal ehrlich – einen vollwertigen Konkurrenten zu Facebook gibt es nicht. Und so konnte Zuckerberg nicht sofort antworten, und musste überlegen. Er wich aus, dass es ja zahlreiche Konkurrenten gebe, die bestimmte Social Media-Anwendungen wie Messenger etc anbieten. Auch sagte er, dass man in bestimmten Bereichen ja konkurriere mit Amazon, Google, Apple usw. Da hakte der Senator erneut nach und fragte nach einem vollwertigen Konkurrenten, auf den ein Nutzer ausweichen könne, wenn er Facebook nicht mehr nutzen möchte.

Zwar erwähnte Mark Zuckerberg auch Anbieter wie Twitter, aber auch das überzeugte nicht – denn wie man weiß, ist dies bei Weitem kein vollwertiger Konkurrent. So richtig konnte Zuckberg keine Antwort bieten auf diese Frage des Senators. Indirekt und ohne es auszusprechen war damit allen Anwesenden im Raum klar, dass Facebook ein Monopolist ist. Für die Zukunft kann das enorme Probleme für Facebook mit sich bringen, denn die Amerikaner hassen Monopole – die Abgeordneten und die Regierung haben in den letzten Jahrzehnten bei Monopolen stets knallhart durchgegriffen, und sie immer wieder auch komplett zerschlagen (Telefon, Öl etc).

Facebook-Aktie

Alles in allem konnte man sagen, dass Mark Zuckerberg recht unbeschadet durch die Anhörung kam. Gigantische sensationelle Enthüllungen konnten die Senatoren ihm nicht entlocken – aber sie taten ihr Bestes. Die Facebook-Aktie stieg ab 20:30 Uhr deutscher Zeit, wo die Anhörung wirklich begann, bis Börsenschluss von 162 auf 165 Dollar. Nachbörslich schloss die Aktie bei 164,38 Dollar, also immer noch spürbar besser als zum Start der Anhörung.

Mark Zuckerberg
Mark Zuckerberg. Foto: Friesehamburg / Wikipedia (CC BY-SA 4.0) Ausschnitt aus Originalfoto

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Simply

    11. April 2018 09:59 at 09:59

    Danke für den kurzen Überblick!

  2. Avatar

    leser

    11. April 2018 10:24 at 10:24

    Eine große Schau für die Medien und alles läuft weiter wie bisher.

    Aber immerhin weiß ich jetzt, dass Zuckerberg auch einen Anzug und Krawatte besitzt, https://www.tichyseinblick.de/meinungen/mark-zuckerberg-to-make-sure-those-tools-are-used-for-good/

  3. Avatar

    frank

    11. April 2018 10:33 at 10:33

    Ich hab mir gestern Teile der Anhörung live angesehen. Zunächst muss man zugestehen, dass Zuckerberg eine sehr gute Figur machte und sich sehr gut geschlagen hat. Teilweise waren es schon fiese Fragen, andererseits ist Mark Zuckerberg auch einer der einflussreichsten und reichsten Menschen der Welt. Da hilft es auch nichts dass er immer noch wie ein unschuldiger Teenager aussieht…

    Sehr interessant waren die Fragen von Ted Cruz. Er fragte Zuckerberg direkt nach der Zensur von Inhalten die nicht als „links“ gelten und zur politischen Einstellung der 20.000 „Zensoren“ die für FB im Silicon Valley arbeiten. Zuckerberg konnte bzw. wollte darauf nicht direkt antworten, räumte aber unumwogen ein, dass im Silicon Valley ein linkes Denken vorherrsche. Das ist schon eine Aussage, jeder weiß es aber dass der FB CEO das so direkt zugibt ist schon interessant…

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Impfstoff-Montag 3.0

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Den dritten Montag in Folge veröffentlicht ein Pharmahersteller einen konkrete Impfstoff-Meldung.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

SAP nach Kurssturz antizyklisch kaufen? – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

das war nicht das Gelbe vom Ei, liebe SAP! Während die US-Konkurrenz in den Coronazeiten mit Cloud und anderen digitalen Anwendungen punktet, tritt die europäische Branchengröße auf der Stelle. Unter dem Strich sank der Umsatz um 4 %, während der operative Gewinn sogar um 12 % schrumpfte.

Offensichtlich sind die schwachen Quartalszahlen keine Eintagsfliege. So hat man die Umsatz- und Gewinnprognosen auch für die Jahre 2021 und 2022 gleich nach unten korrigiert. In der Folge erlebte die Aktie einen mächtigen Ausverkauf und verlor zeitweise über 20 % ihres ursprünglichen Wertes. Das kommt einem mittelprächtigen Erdbeben gleich.

Wo hakt es bei der SAP, warum kann das Unternehmen aus Walldorf zunächst nicht an die starken Wachstumsraten der vergangenen Jahre anknüpfen? Ich sehe drei Faktoren:

1)
Negative Währungseffekte: Die Dollarschwäche bzw. Eurostärke hat die Gewinnentwicklung spürbar belastet. Die US-Konkurrenz hingegen profitiert vom weichen Dollar.

2)
Das Covid-Virus: Die Software-Palette des Unternehmens ist nur eingeschränkt Corona-fest. Ein Beispiel: Mit der SAP-Software Concur planen die Unternehmenskunden der SAP Dienst- und Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter. Es bedarf keiner besonderen Erklärung: Diese Anwendung war in diesem Jahr kein Verkaufsknüller, sondern schlichtweg überflüssig.

3)
Schwächen in der Cloud: Aus der Branche hört man, dass SAP derzeit Defizite im Cloud-Geschäft hat. Die Kunden streben in die Cloud, allein SAP konnte nicht immer liefern. Hier gilt also: US-Konkurrenten wie Oracle und Salesforce haben hier die Nase vorne. Deshalb schwächelt das Neugeschäft der SAP.

Gleichwohl haben die Investoren – wie so oft – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Der Kursrücksetzer war zwar notwendig, aber in seiner Dimension stark übertrieben. SAP verfügt über eine treue Kundenbasis. Rund 74 % des Umsatzes beruhen auf langfristigen Software-Verträgen. Mit anderen Worten: Das Unternehmen wird auch künftig gut verdienen und verfügt über die Mittel, um den technologischen Rückstand im Cloud-Geschäft wettzumachen.

Trotzdem: Kurzfristig ist die SAP-Aktie sicherlich noch kein Kauf. Wie gesagt es wurde schon Porzellan zerschlagen und Vertrauen verloren. Das deutsche Software-Unternehmen muss sich also nun…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Aktien

Achtung Trader: Deutsche Börse führt „Xetra Trade-at-Close“ ein

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Achtung Trader! Ab 24. November bietet die Deutsche Börse für Trades über Xetra eine neue Handelsmöglichkeit an, die „Xetra Trade-at-Close“ Order. Sie bietet laut aktueller Aussage der Deutschen Börse eine zusätzliche Möglichkeit für Handelsteilnehmer zum offiziellen Schlusskurs zu handeln. Der Service steht dann für alle Wertpapiere im Xetra-Handel zur Verfügung. Hier die Details zu dem neuen Angebot im Wortlaut von der Deutschen Börse:

„Schlussauktionen gelten als Säule der Marktstabilität und des Anlegerschutzes. Sie bündeln die Liquidität pro Wertpapier zu einem Zeitpunkt und gewährleisten eine effiziente Preisbildung unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen. Xetra Trade-at-Close adressiert die wachsende Nachfrage nach Orderausführungen am Ende des Handelstages“, sagt Michael Krogmann, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse.

Der neue Service bietet verschiedene Vorteile: Mit Xetra Trade-at-Close können Marktteilnehmer Aufträge auch nach Ende der Schlussauktion auf Xetra eingeben. Sie profitieren davon, zu einem festen Preis zu handeln, ohne an der Preisbildung in der Schlussauktion teilzunehmen. Außerdem erhalten sie eine zusätzliche Möglichkeit, Positionen vor Ende des Handelstages zu schließen und dabei mit zusätzlicher Liquidität im börslichen Handel zu interagieren.

Wird die Option Trade-at-Close für eine Order ausgewählt, werden Aufträge, die in der Schlussauktion nicht ausgeführt wurden, automatisch in die Trade-at-Close-Phase übertragen. Während der Trade-at-Close-Phase können auch neue Orders eingegeben werden. Der Schlusskurs wird vor allem von Buy-side-Kunden wie Pensionskassen oder Investmentfonds zur Berechnung von Portfoliorenditen, zur Bewertung von Investmentfonds und als Grundlage für viele Derivategeschäfte verwendet.

Xetra-Bildschirme der Deutschen Börse
Xetra-Bildschirme. Foto: Deutsche Börse AG

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage