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Dax: Der Handelskrieg kommt an der Börse an!

Eine Welt, die derart vernetzt ist, soll sich nun „ent-netzen“ – nichts anderes bedeutet ja das Wort Protektionismus. Wer glaubt, dass das ohne große Erschütterungen vor sich gehen könnte, irrt gewaltig!

Markus Fugmann

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Keine Frage: das sah schon einmal besser aus für den Dax! Das gilt übergeordnet für die charttechnische Ausgangslage, nachdem der Index gestern die Chance einer Gegenreaktion nach dem vorherigen Abverkauf versäumt hat. Aber auch heute sah es schon besser aus: die asiatischen Märkte überwiegend freundlich, die US-Futures höher, der X-Dax ebenfalls höher getaxt – aber dann mit X-Dax-Eröffnung wieder der Rücksetzer bei den US-Futures wie auch beim Dax.

Dazu Dollar-Stärke auf breiter Front (daher Edelmetalle und Rohstoffe unter Druck, das britische Pfund auf 7-Monatstief etc.) – aber ein schwächerer Euro scheint dem Dax nun nicht mehr zu helfen. Blickt man auf den Dax-Chart, so sieht das nach einer baldigen Entscheidung aus! Diese Entscheidung würde fallen, wenn der Dax vom gegenwärtigen Niveau nach unten kippt und dabei dann auch noch die 12600er-Unterstützung durchbricht:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Vereinfacht gesagt: bricht die 12600, ist der „Chart nach unten offen“ mit den weiteren Zielpunkten bei 12540, 12420 und 12325/30. Der Auslöser für eine solche Bewegung könnte sein, dass den Märkten immer klarer wird, dass der Handelskrieg negative Konsequenzen haben wird – sichtbar jetzt in der Gewinnwarnung von Daimler, deren Aktien vorbörslich um -3% fallen (aber auch BMW, Continental und VW unter Druck). Daimler ist damit das erste, aber sicher nicht das letzte große Unternehmen, dass vor geringeren Erträgen in der Zukunft warnt. Faktisch ist damit der Handelskrieg nun auch ganz konkret an den Märkten angekommen: ein deutsches Unternehmen warnt, weil es Autos in den USA nach China importiert und dabei jetzt höhere Kosten (und damit geringere Gewinnmargen) hat!

An der Wall Street ist davon noch nicht viel zu sehen, aber das Thema wird fraglos auch dort ankommen. Lange kann man sich daher die derzeitige Ignoranz wohl nicht mehr leisten – faktisch reproduziert ja die Wall Street den Glauben Trumps, dass die USA aus einer Position der Stärke heraus agieren und daher den Handelskrieg nur gewinnen könnten. Die Erfahrung aber zeigt, dass niemand einen Handelskrieg wirklich gewinnen kann, sondern alle die Verlierer sind. Die einen etwas mehr (Deutschland), die anderen vielleicht etwas weniger (USA?).

Eine Welt, die derart vernetzt ist, soll sich also nun „ent-netzen“ – nichts anderes bedeutet ja das Wort Protektionismus: vermeintlicher Schutz des Eigenen auf Kosten der Anderen. Wer glaubt, dass das ohne große Erschütterungen vor sich gehen könnte, irrt gewaltig! Es ist nun wirklich Zeit, dass die Aktienmärkte – und vor allem die Wall Street – sich dieser Realität stellen!

23 Kommentare

23 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    21. Juni 2018 10:28 at 10:28

    Es ist Zeit, dass sich die Aktienmärkte der Realität stellen, oder das alte Sprichwort kommt wieder zum Zuge:
    MAN KANN DIE REALITÄT IGNORIEREN, ABER MAN KANN DIE KONSEQUENZEN DES IGNONIERENS
    NICHT IGNONIEREN !

    • Avatar

      tm

      21. Juni 2018 10:34 at 10:34

      Aber woher wissen Sie, dass Sie die Realität richtig sehen und Millionen von Anlergern falsch liegen?

      • Avatar

        Andreas

        21. Juni 2018 11:23 at 11:23

        Tm, Millionen von Menschen rauchen, soll ich jetzt auch rauchen? So viele Menschen können sich doch nicht irren. Millionen von Menschen fressen sich im McDonalds die Bäuche voll, soll ich ab sofort auch mein Mittag und Abendessen im „Megges“ zu mir nehmen?
        Millionen von Anlegern sind in der Dotcom-Blase im höheren Bereich eingestiegen. Die haben bestimmt die Realität richtig gesehen, nicht wahr?
        Es ist bestimmt klug All in in Aktien zu gehen, das machen dich Millionen Anleger. Beschwerden bitte später bei tm abgeben.

        • Avatar

          tm

          21. Juni 2018 11:29 at 11:29

          :-) gute Antwort auf den ersten Blick, aber keine wirkliche Antwort. Wenn Sie die Behauptung aufstellen, die Börse ignoriert die Realität, die Sie korrekt sehen, muss das ja auf irgendwelchen Annahmen, Beobachtungen, Daten beruhen. Die Realität ist doch, dass das KGV beim DAX zur Zeit bei 14 liegt, also keineswegs besonders hoch.

          BTW: Es gibt glaube ich mehr Nichtraucher als Raucher und sicherlich mehr Leute, die Mittags nicht bei McD essen als Menschen, die dort essen.

          • Avatar

            Andreas

            21. Juni 2018 11:46 at 11:46

            Fragen sie sich mal warum der DAX bei einem neunjährigen Bullenmarkt immer noch ein kgv von 14 hat. Liegt es vielleicht daran weil hier eher die „alten Urzeitfirmen“ vertreten sind, im Vergleich zum Nasdaq zum Beispiel, wo wir zukunftsunternehmen haben. Es hat seine Gründe warum der DAX ein kgv von 14 hat.
            Dazu empfehle ich dem heutigen Artikel von fmw, mittlerer Abschnitt:
            https://finanzmarktwelt.de/upload-filter-internet-abgeschaltet-dramatische-folgen-detail-erklaerung-rettungsmoeglichkeit-93445/

            Btw: Es gibt glaube ich mehr McDonalds Besucher und Raucher als Anleger.

          • Avatar

            tm

            21. Juni 2018 12:00 at 12:00

            Naja, woran das liegt, ist ja erstmal zweitrangig. Fakt ist, dass der DAX ein solch eher niedriges KGV aufweist und damit – zumindest bei dieser Kennziffer – keine Anzeichen von irrationaler Übertreibung zeigt. Beim Nasdaq Composite beträgt das KGV 23,8 – im historischen Vergleich eher niedrig.

            Also woran machen Sie die angebliche Ignoranz der Realität durch die Börsen fest? Oder anders gefragt: Wo müssten DAX und Nasdaq Ihrer Meinung nach aktuell stehen und wieso?

          • Avatar

            Andreas

            21. Juni 2018 12:07 at 12:07

            tm, Einfach die Geldmenge der 3 QEs der FED rausrechnen sowie die Gelddruckorgien von der EZB und sie haben ihre Lösung.

          • Avatar

            Andreas

            21. Juni 2018 12:10 at 12:10

            Ach ja, vergessen sie nicht das Fiatgeld der Schweizer Nationalbank die in die Aktienmärkte geflossen ist. Auch hier bitte die „Schweizer QE“ aus dem AKtienmarkt rechnen und sie kommen zu einem guten Ergebniss wo die Aktienmärkte stehen sollten.

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            tm

            21. Juni 2018 12:45 at 12:45

            Ne, das angebliche Gelddrucken kann ja gerade nicht die Erklärung sein. Also mal abgesehen davon, dass das Geldmengenwachstum in Europa in den letzten Jahren sehr niedrig war, müssten bei Ihrer Erkllärung die KGVs ja historisch hoch sein – sind sie aber nicht. Die aktuellen Kurse spiegeln also die aktuellen Gewinne wider.

          • Avatar

            Andreas

            21. Juni 2018 14:34 at 14:34

            Ihre Meinung und die Realität widersprechen sich des öfteren.
            Auswirkung QE auf den Aktienmarkt:
            https://www.biancoresearch.com/?p=7682

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            tm

            21. Juni 2018 15:27 at 15:27

            Ne, meine Prognosen sind ja korrekt, was dsfür spricht, dass meien Einschätzung die Reaität gut widerspiegelt. :-)

            Also das Geldmengenwachstum lag von Ende 2008 bis jetzt bei durchschnbittlich 2,6% pro Jahr – historisch niedrig. Zu Bundesbankzeiten lag das Geldmengenwachstum noch bei 7,9% pro Jahr. Wie können Sie da behaupten, das Geldmengenwachstum sei für die Kurssteigerungen verantwortlich?

            Und wie gesagt, wenn das Geldmengenwachstum für die Kurse verantwortlich wäre, müssten doe KGVs ungewöhnlich hoch sein, sind Sie aber nicht. Was verstehen Sie dan dem Argument nicht?

            Ihren Link kann ich nciht öffnen – Sie könnten aber auch so auf meien Argumente eingehen….

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    Beobachter

    21. Juni 2018 10:34 at 10:34

    Korrgenda, Ignorieren statt ignonieren

  3. Avatar

    Beobachter

    21. Juni 2018 10:52 at 10:52

    @ tm, ich spüre das im Urin, hat nicht kürzlich der kritische tm gepostet, dass es in den USA nicht gut enden wird. Die Frage ist doch nur wann, ob bei Nasdaq 7300 ,80000, 100000 oder ………………

    • Avatar

      tm

      21. Juni 2018 10:59 at 10:59

      Was hab ich gepostet?

  4. Avatar

    Beobachter

    21. Juni 2018 11:45 at 11:45

    Mir ist egal ,wieviele Millionen Anleger sagen, dass Tesla die wertvollste Autofirma ist, mir ist egal wieviele Spieler meinen Bitcoin sei eine Währung, mein kleines Hirn, das den meisten Platz zum Speichern meiner Erfahrungen braucht, sagt mir ,dass das nicht gut enden wird.
    Es motiviert mich sogar, denn je mehr Millionen Anleger, die jetzt noch richtig liegen, desto grösser werden die Auswirkungen nach dem Erwachen aus dem Traum der wundersamen Geldvermehrung sein.

    • Avatar

      tm

      21. Juni 2018 12:06 at 12:06

      ja ok, aber worauf beruht Ihre Einschätzung. Wenn Sie behaupten, die Börsen sollten endlich in der Realität ankommen, müssten Sie doch eine Einschätzung haben, woran Sie festmachen, dass die Börse nicht die Realität abbildet, die Sie sehen. Mit Tesla und Bitcoin greifen Sie nun Beispiele raus, wo ja auch die Kennziffern oder andere Zahlen weit außerhalb der Normalwerte liegen. Aber das gilt ja gerade nicht für die Börsen insgesamt.

  5. Avatar

    Polarforscher

    21. Juni 2018 14:31 at 14:31

    Ja Tesla u. Bitcoin sind nur die Spitze des Eisberges u. darunter hat es immer einen Eisberg, der die schwersten Stahlschiffe bersten lässt.

    • Avatar

      tm

      21. Juni 2018 15:30 at 15:30

      also bisher konnte hier noch niemand sagen, woran diese angebliche Übertreibung denn sichtbar ist. KGVs eher niedrig, Dividendenrenditen eher hoch. Welche Kennziffern liegen denn außerhalb der Normalwerte?

  6. Avatar

    Altbär

    21. Juni 2018 17:03 at 17:03

    @ tm, wenn es knallt dann spielen die Bewertungen keine Rolle ( kurzfristig)
    Oder waren 2008 die Bewertungen so hoch ,dass der DAX von ca. 8000 auf 3600 fallen musste ?

    • Avatar

      tm

      26. Juni 2018 10:18 at 10:18

      ne, die Ursache des Einbruchs war damals doch aber keine Überbewertung der Kurse, sondern ein massiver Konjunktureinbruch. Vor dem Einbruch im Jahr 2000 etwa waren die Aktien durchaus überbewertet, was an den Kennzahlen abzulesen war – das KGV des DAX lag in der Spitze bei 37.

      Wenn Sie nun argumentieren, die Kurse werden einbrechen, weil wir bald eine Rezession haben – ja, mag sein.

  7. Avatar

    Altbär

    21. Juni 2018 20:15 at 20:15

    @ tm, Wie erklären Sie uns ,dass ein KGV des DAX von ca. 13 so super ist, wenn n.m. Meinung Daimler als einer der weltbesten Firmen ein KGV von ca. 6 aufweist. ( Bericht von Wolfgang M.von heute)

    • Avatar

      tm

      22. Juni 2018 16:25 at 16:25

      Liegt u.a. daran, dass dort sinkende Gewinne erwartet werden – das erwartete KGV leigt bei knapp 10.

      Aber was ist denn nun Ihr Argument? Ein KGV von 14 im DAX ist ganz offenkundig ein Zeichen, dass keien irrationale Übertreibung vorliegt. Sollten die Unternehmensgewinne in naher Zukunft einbrechen, können die Kurse natürlich trotzdem fallen, aber Stand jetzt sind die Kurse durch die Unternehmensgewinne gerechtfertigt. Wenn Sie das anders sehen, nennen Sie doch einfach Kennzahlen, die diese Übertreibung anzeigen, dann können wir darüber diskutieren, welche Kennzahl aus welchen Gründen aussagekräftiger ist.

  8. Avatar

    Altbär

    25. Juni 2018 21:16 at 21:16

    @ tm ,vergessen Sie einfach alle ihre Kennzahlen, ich bin überzeugt , dass vor allem die US Aktienkurse ,
    die durch ganz andere Bedingungen zustande kamen, mit den kommenden Bedingungen nicht gehalten werden können. Auch für den DAX sieht es nicht viel besser aus.Der Anstieg auf fast 13200 nach der letzten EZB Sitzung war wirklich eine Luftnummer. Sie kommen mir vor, wie wenn Sie noch nie eine Korrektur erlebt hätten.Leute mit einem Vermögen von 2 Millionen in DAX – Werten haben in nur einer Woche ca. 150 000 Euro verloren, aber das KGV stimmt doch immer noch.
    Ich sage wieder einmal mehr, bitte Traden u.anlegen unterscheiden!

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Markus Fugmann

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Indizes

Dax: Die Korrektur dürfte sich ausweiten – Schwergewichte schwächeln

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Der Dax handelt inzwischen deutlich unter der 13.000er-Marke – auch heute wieder ist der deutsche Leitindex unter Druck. Auffallend sei, so die Commerz-Bänkerin Petra von Kerssenbrock, dass die ehemals schwachen deutschen Auto-Werte stärker geworden seien, während das Schwergewicht SAP (wie der Tech-Sektor als vermeintlicher Coorna-Gewinner insgesamt) unter Druck stehe. Daher erwartet von Kerssenbrock sowohl zeitlich als auch „räumlich“ eine Ausdehnung der Konsolodierung beim Dax.

Und wie sieht es bei den US-Indizes aus? Dazu ein Blick auf den S&P 500 und den Technologie-Index Nasdaq:

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Foto: Deutsche Börse AG

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Aktien

Aktienmärkte: Buy and Hold – nach wie vor im Vorteil?

Das Thema ist so alt wie die Aktienmärkte selbst: sollten man Aktien kaufen und liegen lassen – oder viel aktiver kaufen oder verkaufen? Ein Blick in die Geschichte

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Das Thema ist so alt wie die Aktienmärkte selbst: Man wählt einen Korb aussichtsreicher Aktien aus und handelt diese aktiv, indem man sie bei Unterschreiten von Limits verkauft, um bei den immer wieder auftretenden Korrekturen nicht dabei zu sein. Das Problem ist, dass zwar die Zahl der Korrekturen der Aktienmärkte zugenommen hat – aber eben auch die raschen, gegenläufigen Bewegungen, was ein grundsätzliches Problem darstellt. Man ist vielleicht rechtzeitig ausgestiegen, aber nicht mehr rechtzeitig zurückgekehrt. Der Corona-Crash lässt grüßen. Hierzu ein paar Fakten.

Aktienmärkte: Der langfristige Anlagestil

Buy and hold, als Strategie, dies wurde jahrzehntelang von Warren Buffett zelebriert, der seine Aktien im Schnitt 11 Jahre gehalten hat. Und vom unvergessenen André Kostolany – zumindest gilt dieses Adjektiv für die etwas ältere Anlegergeneration, schließlich ist der aus Ungarn stammende Spekulant bereits im Jahre 1993 verstorben. Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und dann reich werden, über diesen Spruch schmunzelt man noch heute.

Aber kann man im Zeitalter des fast gebührenfreien Daytradings und der ständig verfügbaren Information da noch mit den Märkten mithalten? Spontan könnte man mit einem „niemals“ antworten, aber ganz so einfach gestaltet sich die Sache nicht.

Der immerwährende Versuch des Markttimings

Es gibt heutzutage keine Wirtschafts- und Börsenpublikation, in der nicht die langen Zeitreihen (Charts) von Aktien und Indizes abgebildet sind. Mit den tiefen Einbrüchen und den ständig unterbrochenen Aufwärtstrends der Aktienmärkte. Da muss es doch möglich sein, ein paar Zusatzprozente zu ergattern. Tatsächlich wird dies auch ständig versucht: lag die Haltedauer von Aktien vor 30 Jahren noch bei circa zwei Jahren, so hat sich dies in der heutigen Welt der Onlinebroker im Schnitt mindestens geviertelt. Dies gilt weltweit.

Klar, dass damit die Ausschläge (Volatilität) der Aktienmärkte zugenommen haben.

Statistiken zeigen, dass von den 20 größten Verlusttagen seit dem Beginn des Wirtschaftswunders in Deutschland allein zehn seit der Jahrtausendwende stattgefunden haben. Der größte Einbruch der Aktienmärkte war merkwürdigerweise nicht der schwarze Montag, am 19. Oktober 1987, mit dem Kursmassaker an der Wall Street. Der 9,39 Prozent-Tagesverlust rangieren nur an vierter Stelle, Nummer eins ist der 16. Oktober 1989 mit minus 12,81 Prozent, gefolgt von einem aktuellen Coronacrash-Tag, dem 12. März 2020, mit minus 12,24 Prozent.

Dass diese Kurskapriolen aber auch ihr Gegenstück haben, beweist die Auflistung der besten 20 Dax-Tage seit über 60 Jahren, von denen allein zwölf seit der Dotcom-Blase geschehen sind. Fünf Tage mit Kursavancen von über 10 Prozent plus, der letzte war am 24. März mit plus 10,98 Prozent. Die Wende bei der Coronakrise, wer nur den ersten Wendetag verpasste, hat bereits einen Teil der Erholung der Aktienmärkte verpasst. Betrachtet man einen längeren Zeitraum, so wird auf dramatische Art und Weise klar, was gewisse Abstinenzen vom Markt für Performanceeinbrüche verursachen können.

Lutz Neumann, Leiter der Vermögensverwaltung der Sutor Bank in Hamburg, hat die Dax-Historie im Hinblick auf die Bedeutung des Investitionszeitraums untersucht. Erste Feststellung: In sechs von zehn Fällen an großen Kurseinbrüchen gibt es bereits innerhalb der nächsten zwei Wochen die besten Tage für die Aktienmärkte. Eine Erklärung dafür ist stets sicher auch die rasche Absicherung von Anlegern, die – von der Intensität des Abschwungs geschockt – ihr Depot mit Putspekulationen absichern. Oftmalige Folge: Eine kleine Eindeckungsrally.

Die Auswertung der Dax-Historie ergab ein ernüchterndes Bild für Timingversuche: Die durchschnittliche Rendite seit der Gründung vor 33 Jahren beträgt gute sieben Prozent, gleichbedeutend mit einer Verdoppelung des Index, jeweils in weniger als 10 Jahren. Wer die besten zehn Tage versäumte, reduzierte seine Performance auf 4,32 Prozent, bei 20 Tagen auf 2,21 Prozent und ab 30 Tagen hätte er sich bereits ein renditeloses Indexdepot einfangen.
Jetzt könnte man einwenden, dass man nicht in den Index zu investieren brauche, bei Einzelaktien könnte man doch viele Krücken außen vor lassen.

Auch hier hat ein Fondsmanager, Sven Lehmann, vom Vermögensverwalter HQ Trust, nachgerechnet. Und zwar gleich beim derzeit sehr beliebten MSCI World:

Innerhalb von 30 Jahren schlugen ein Drittel der 1200 Aktien in ihrer Performance den Index, zwei Drittel blieben hinter der Benchmark zurück. Allerdings benötigten einige dieser Siegeraktien oft viele Jahre, um sich von zwischenzeitlichen Einbrüchen zu erholen. Das Paradebeispiel ist für mich die Kursentwicklung von Amazon, dem Highflyer der Aktienmärkte schlechthin: Im Jahr 1997 mit einem Tief von 1,32 Euro bis zum Jahr 2000 auf sagenhafte 85,50 Euro gestiegen, um dann in der Dotcom-Krise um über 90 Prozent auf 6,40 Euro abzustürzen. Was dann folgte war das Kursspektakel schlechthin, ein Anstieg auf 2979 Euro in der Spitze oder eine Performance von über 43.000 Prozent. Allerdings wiederum mit mehr als einer Kurshalbierung während der Finanzkrise.

Es ist nicht nur schwer, die richtigen Aktien herauszufiltern, auch diese entsprechend lange zu halten, ist eine weitere Hürde für unser von Gier und Angst geflutetes Gehirnarreal.

Viele kleine Korrekturen seit der Finanzkrise

Aktienmärkte und das Timing-Problem

War nicht so einfach, seit der Finanzkrise mit Short-Spekulationen auf ide Aktienmärkte Geld zu verdienen. Nicht einmal in der Coronakrise, bei dem schnellen Einbruch und der sehr schnellen Gegenreaktion. Gerade im April während des Lockdowns kamen die ganz schlimmen Prophezeiungen.

Fazit

Es klingt immer wieder verlockend, wenn die Vertreter der aktiven Fondsbranche behaupten, dass man in Krisenzeiten nur die richtigen Aktien im Depot haben müsse, um diese Phasen zu überstehen. Nur gibt es dabei ein großes Problem: Auf diese Weisheit sind schon Tausende andere Anleger auch gestoßen, dementsprechend teuer sind diese Titel zumeist und natürlich gibt es auch die Schwierigkeit genau diese Titel zu identifizieren. Warum liegen die großen Indizes (MSCI World, S&P 500) in ihrer Performance auf längere Sicht weit vor den Produkten der Finanzindustrie?

Weil diese neben den zahlreichen Underperformern auch immer die Gewinner der jeweiligen Periode im Depot haben. Und was das Timing betrifft, also das rechtzeitige Aus- und Wiedereinsteigen iin die Aktienmärkte, darüber gibt es schon seit Jahrzehnten viele Untersuchungen – besonders aussagekräftig die des legendären Fondsmanagers von Fidelity, David Lynch: „Anleger haben mit der Vorbereitung auf oder dem Antizipieren von Marktkorrekturen viel mehr Geld verloren als in den Marktkorrekturen selbst.”

Dieses klappt nicht, weil man in schöner Regelmäßigkeit die Tage auslässt, in denen es völlig überraschend und ganz dramatisch nach oben geht.

Istv buy and hold die richtige Strategie für die Aktienmärkte?

 

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