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Dax – erfolgreicher Ausbruch oder Bullenfalle?

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Dank der Wiederannäherung im Handelskrieg zwischen den USA und China sowie dem Start neuer Anleihekaufprogramme durch die EZB und die Fed stehen die Chancen für einen Ausbruch des deutschen Leitindex DAX aus seinem Abwärtstrend recht gut.

DAX – charttechnisch spannend

Die Verlautbarungen aus Washington zur Annäherung der Konfliktparteien im Handelskrieg am Freitagabend schoben den DAX in einer großen Kerze um 350 Punkte nach oben. Intraday stand der Index in der Spitze damit sogar knapp 90 Punkte über dem oberen Schenkel der Dreiecksformation. Nachdem über das Wochenende mehr und mehr Details aus den Verhandlungen bekannt wurden und die chinesische Seite Aussagen Donald Trumps zu konkreten Zusagen Pekings relativierte, kehrte heute Ernüchterung ein und der DAX notiert aktuell wieder knapp 30 Punkte unter der Ausbruchslinie.

Rein charttechnisch ist damit nach wie vor alles offen. Ein Abprallen der Notierungen in Richtung der 200-Tage-Linie bei ca. 11.853 Punkten ist ebenso möglich, wie ein erneuter Ausbruchsversuch nach oben. Dennoch gibt es Hoffnung für die Bullen.

Die Impulse sind zwar aktuell stark gegenläufig: Auf der einen Seite ist von den deutschen Unternehmenszahlen in Summe keine Unterstützung zu erwarten, ebenso wenig wie von der konjunkturellen Seite. Dennoch könnte es zu leichten Überraschungen auf der Oberseite kommen, da die Erwartungen in Sachen Fundamentaldaten momentan sehr niedrig angesetzt sind. Auf der anderen Seite zeichnet sich ab, dass die Geldpolitik weltweit gewillt ist, die Party mit noch niedrigeren Zinsen und zusätzlichen Liquiditätsspritzen am Laufen zu halten.

Schaut man sich die Positionierung am Terminmarkt an, dann spricht kurzfristig auch das Put-Call-Ratio für eine Bewegung nach oben. Bei den Privatanlegern signalisiert der Euwax Sentiment Index mit einer Put-Quote auf den DAX von 63,16 Prozent eher steigende Notierungen (Kontraindikation). Auch der Fear & Greed Index in den USA steht mit -42 im Angstbereich und bietet von der Stimmungsseite her noch Luft nach oben für den Aktienmarkt.

Deutsche Standardaktien relativ günstig

Vergleicht man die Bewertungen der deutschen Standardaktien mit denen der USA, dann wundert es kaum, dass momentan die Geldflüsse über den Atlantik klar in Richtung Eurozone gerichtet sind. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den DAX liegt aktuell bei 14,34. Die US-Aktien im S&P 500 sind gut 54 Prozent teurer und müssen aktuell mit einem KGV von 22,1 bezahlt werden.

Natürlich gibt es Gründe für die unterschiedlichen Bewertungen. Doch an den Märkten zählt die absehbare Perspektive. Die US-Werte hatten ihre Party, angefeuert durch eine 1,5 Billionen US-Dollar schwere Steuersenkung und die größten Aktienrückkaufvolumina aller Zeiten. Doch die Steuereffekte bilden sich bedingt durch den Basiseffekt bereits zurück. Das BIP-Wachstum in den USA wird für das dritte Quartal nur noch mit 1,7 Prozent erwartet, nach 2,1 Prozent im zweiten und 3,1 Prozent im ersten Quartal 2019. Auch die Aktienrückkaufvolumina, die sich ebenfalls zu großen Teilen aus Effekten aus der US-Steuerreform speisten, gehen allmählich zurück.

Neue Fiskalstimuli sind in den USA aufgrund der angespannten Haushaltslage und der fehlenden Regierungsmehrheit im Kongress eher unwahrscheinlich. Die Staatsverschuldung liegt bei 106 Prozent des BIP und die Neuverschuldung bei knapp 5 Prozent. In Europa und speziell in Deutschland ist hingegen zumindest theoretisch noch viel Spielraum für fiskalpolitische Stimuli. Bei einer Staatsverschuldung von knapp 60 Prozent und einer praktisch nicht vorhandenen Defizitquote (Schwarze Null) gibt es noch Potenzial, DAX-Konzerne konjunkturpolitisch zu unterstützen. Eine Fantasie, die auch in den US-Medien aktuell ein Thema ist und zu verstärkter Nachfrage nach DAX-Titeln aus Übersee führen könnte.

Fazit und Ausblick

Ein Risiko für die weitere DAX-Entwicklung bleibt die Berichtssaison, in der die bisherigen Nachrichten sehr uneinheitlich ausfallen und zudem die Erwartungen klar unter den Zahlen des Vorjahres liegen. Auf der anderen Seite, und das ist entscheidend, ist all das mittlerweile bekannt und der Überraschungsfaktor liegt eher auf der Oberseite.

Es ist schwer einzuschätzen, was in naher Zukunft schwerer wiegt: die fundamentalen Nachrichten mit Enttäuschungspotenzial auf Ebene der Brexit- und Handelskriegs-Verhandlungen oder die jetzt wieder startenden Gelddruckprogramme der EZB mit 20 Mrd. Euro pro Monat ab 1. November und der US-Notenbank Fed bereits morgen mit zunächst 60 Mrd. US-Dollar pro Monat inklusive weiter Senkungen der Fed Funds Rate.

Sollte der DAX die obere Begrenzungslinie erneut überwinden, trotz Ernüchterung im Handelskrieg, dann ist die Richtungsfrage zumindest kurzfristig positiv beantwortet.

Bricht der Dax nach oben aus?

Foto: Deutsche Börse AG

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Rüdiger Born: Aktuelle Chancen bei Dow und Nasdaq

Rüdiger Born

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Dax: Privatanleger verkaufen den Profis ihre Aktien!

Markus Fugmann

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am

Lange lief der Dax seitwärts, dann folgte am Montag ein impulsiver Abverkauf. Wie aber ist jetzt die Stimmung der Investoren hierzulande – herrscht Pessimismus nach dem Kursrückgang, oder sieht man nun die niedrigeren Kurse als Kaufchance?

In der wöchentlichen Umfrage der Deutschen Börse zeigt sich, dass vor allem die Profi-Investoren bullischer werden für den Dax: so sind nun 46% im Lager der Bullen, ein Anstieg zur Vorwoche von +11% und zugleich der höchste Stand an Optimismus seit Anfang März! Es sind vor allem jene, die zuvor an der Seitenlinie standen, die nun ins Camp der Bullen gewandert sind, denn die neutral Eingestellten verlieren bei den Profis -13% auf nun nur noch 16%, während das Lager der Bären sogar leicht zulegen kann auf nun 38% (+2% zur Vorwoche).

Bei den Privatinvestoren hingegen, die zuletzt deutlich optimistischer waren als die Profis, stellt sich die Lage andere dar: hier sind noch 38% bullisch (-2% zur Vorwoche), während die Pessimisten nun auf 39% kommen und +8% zur Vorwoche hinzugewinnen.

Man könnte also gewisserweise sagen: die Privatanleger verkaufen den zuvor an der Seitenlinie stehenden Profis ihre Aktien! Ähnlich sieht das auch Joachim Goldberg:

„Damit bleibt die Stimmungskluft zwischen institutionellen und privaten Anlegern zwar fast unverändert, aber die Panels haben fast in identischem Maße ihre Rollen und Positionen aus der Vorwoche getauscht. Man könnte auch sagen, dass die vormals optimistischen Privatanleger ihre Aktienbestände an die Institutionellen weitergereicht haben. Dies macht sich insbesondere in der Sentiment-Betrachtung auf Sicht von sechs Monaten bemerkbar. Hier zeigt sich, dass der relative Optimismus bei unserer Befragung in der vergangenen Woche für beide Gruppierungen noch etwa gleich hoch war.“

Was bedeutet das für den Dax?

Ist diese Stimmung nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für den Dax? Dazu Goldberg weiter:

„Nach dieser Lesart sind die Privatanleger zwar immer noch leicht optimistisch, aber der relativ deutliche Optimismus bei den institutionellen Investoren – er ist so hoch wie zuletzt Anfang März dieses Jahres – stellt für den DAX eine Belastung dar. Nicht nur, weil auf höherem Niveau (möglicherweise zwischen 13.050 und 13.100 Zählern) Abgaben aus Gewinnmitnahmen drohen. Im Falle erneuter Kursrückgänge fehlen naturgemäß durch die jüngsten Käufe Nachfrager, die dem DAX normalerweise eine Stütze wären. Auch könnte der zuletzt schwächelnde Euro ein Indiz dafür sein, dass überdies, wie bereits in den vergangenen Wochen geschehen, internationale Kapitalabflüsse auf den Aktienmärkten der Eurozone lasten.“

Ausführlicher dazu Goldberg auch hier im Video: nach unten sei der Dax „ungeschützt“, oben sei der „Deckel drauf“..

Die Profis werden optimistischer für den Dax - ein Kontraindikator?

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Aktien

Aktienmärkte: „Zeit, dass etwas Luft aus der Blase entweicht“

Markus Fugmann

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Es sei nun Zeit, dass etwas Luft aus der Blase der Aktienmärkte entweicht, sagt der Vermögensverwalter Hendrik Leber in einem Interview von money.de. Das einzige, was derzeit positiv sei, so Leber, sei, dass es genug Geld gäbe.

Ansonsten aber dominieren laut Leber schlechte Nachrichten für die Aktienmärkte:

  • die Unsicherheit vor der US-Wahl (Trump hat auf der Pressekonferenz gestern Nacht erneut offen gelassen, ob er das Ergebnis der Wahl akzeptieren wird)
  • der Stimulus durch die US-Politik kommt nicht mehr vor der Wahl
  • bei vielen Aktien wie etwa Tesla seien die Bewertungen viel zu hoch – ein Zeichen für eine Blase wie im Jahr 200

Hendrik Leber hält daher erst einmal sein Pulver trocken und wartet ab. Aber eine optimistische Botschaft für die Aktienmärkte hat der Vermögensverwalter dann doch: er glaubt, dass schon Ende des Jahres der Impfstoff kommen werde und sich damit das Corona-Problem erldigt habe (was wir jedoch für extrem unwahrscheinlich halten):

Die Aktienmärkte mit Anzeichen einer Blase

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