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Dax und Handelsgespräche – zwei Szenarien

Für den Dax steht derzeit viel auf dem Spiel - der Ausgang der zweitägigen Gespräche ist völlig offen, da die beiderseitigen Erwartungshaltungen sehr weit auseinanderliegen

Für den Dax steht derzeit viel auf dem Spiel – heute starten die Handelsgespräche in Washington. Die Chinesen sind unter der Führung von Liu He mit der bisher umfangreichsten Delegation bereits angereist. Dennoch ist der Ausgang der zweitägigen Gespräche völlig offen, da die beiderseitigen Erwartungshaltungen sehr weit auseinander liegen.

 

Dax – für alles offen

Gäbe es ein Maß für Hoffnung, könnte man es aktuell in Bezug auf den Dax auf mehrere Hundert Punkte quantifizieren. Denn eigentlich gibt es von allen Seiten nur Gegenwind: Unternehmenszahlen, Konjunktur, hilflose Geldpolitik, zögernde Fiskalpolitik und das Brexit-Debakel.

Dennoch hält sich der deutschen Leitindex auf relativ hohem Niveau in Schlagdistanz zur der im Januar 2018 etablierten Abwärtstrendlinie. Zusammen mit der Unterstützungslinie aus dem Dezember 2018 bildete sich eine symmetrische Dreiecksformation heraus, innerhalb der sich durch den kurzfristigen Aufwärtstrend seit Mitte August ein weiteres Dreieck etabliert hat.

 

Grundsätzlich ist diese trendbestätigende Chartkonstellation konstruktiv, da die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs nach oben höher ist als umgekehrt. Bereits im Juli 2016 konnte der DAX aus einem seit April 2015 gebildeten Dreieck nach oben ausbrechen. Allerdings geschehen solche Ausbrüche nicht im luftleeren Raum. Damals war die Hoffnung auf ein gigantisches Fiskalpaket Donald Trumps Mitauslöser für die dann folgende Hausse bis Anfang 2018. Diesmal könnte ein zumindest oberflächlich positives Ergebnis der Handelsgespräche der Trigger für einen temporären Kursausbuch nach oben sein.

Dennoch werden die Bäume in diesem bullishen Szenario nicht in den Himmel wachsen, da man mit einer umfangreichen Lösung im Handelsstreit, der eigentlich ein Machtkampf um die globale Dominanz ist, nicht rechnen kann. Zudem bleiben die übrigen Negativfaktoren bestehen und mit dem 31. Oktober kommt der nächste Showdown auf den DAX zu – der Brexit.

Kommt es zu keiner Einigung in den Gesprächen und in Folge dessen zu einer weiteren Eskalation mit neuen Strafzöllen, dann wird sich die Dreiecksformation brutal nach unten auflösen, mit stark steigender Volatilität.

 

Vielleicht doch nur ein Non-Event?

Da sich symmetrische Dreiecksformationen über einen längeren Zeitraum hinziehen können, wäre es theoretisch auch möglich – wenn auch mit einer geringen Wahrscheinlichkeit – dass weder die Bullen noch die Bären genug Argumente aus den Ergebnissen der Handelsgespräche ziehen können und der DAX einfach weiter in die Spitze der Formation hineinläuft. Da für die deutsche Wirtschaft aber so viel am weiteren Verlauf der Gespräche hängt und Trump vermutlich schon am Wochenende über die geplante Zolleskalation am kommenden Dienstag entscheiden wird, läuft alles auf einen Showdown für den DAX hinaus.

Fazit und Strategie

Kurzfristig liegt die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs nach oben oder unten bei 50 Prozent, also eine klassische Coin Flip Wette, abhängig von den Verhandlungsergebnissen in Washington. Am besten eignet sich dafür eine Dax-Long-Strategie, abgesichert durch eine Vola-Long-Position oder eine bidirektionale Strategie (Long und Short) mit Stopps an den Schenkeln des symmetrischen Dreiecks.

Mittelfristig ist das Chance-Risiko-Verhältnis für den Dax deutlich ungünstiger und würde sich erst wieder aufhellen, wenn ein echter Game Changer ins Spiel kommt, z. B. ein ausreichend dimensioniertes Konjunkturprogramm.

Für den Dax steht viel auf dem Spiel in Sachen Handelskrieg



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