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Dax: Wer hätte das gedacht!

FMW-Redaktion

Der Dax hatte gestern einen starken Start, um dann aber ab Mittags noch stärker abzubauen mit dem Fall unter die 13400er-Marke. Das alles im Grunde ohne Nachrichten, die diese Bewegung hätten begründen können – offenkundig zogen einige die Reißleine und sorgten damit für die Aktivierung weiterer Verlust-Stops. Wer hätte das gedacht, nachdem doch zuvor alles so wunderbar war und gestern die deutlichen Pluszeichen in Asien eigentlich auf einen weiteren Höhenflug des deutschen Leitindex gedeutet hatten?

Aber unverhofft kommt oft – dabei half dem Dax auch nicht, dass der Dow Jones als stärkster US-Index sich gerade noch ins Plus rettete und damit ein neues Allzeithoch auf Schlußkurs-Basis generierte. Aber der Nasdaq schwächer, vor allem die US-Nebenwerte im Russell 2000 sowie die Transportwerte stark unter Druck, also Aktien, die auf den amerikanischen Binnenmarkt fokussiert sind. Ist das eine Ankündigung dafür, dass nun die Dinge schwieriger werden einerseits in Sachen US-Steuerreform, andererseits in Sachen US-Konjunktur?

Vor genau einem Jahr wurde Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt, seitdem ging es für den Leitindex S&P500 um 24% nach oben – und das obwohl Trump bisher noch nichts davon geliefert hat, was die Wall Street zu dieser Rally inspiriert hatte. Hier wurden Versprechen eingepreist, die noch auf die Einlösung warten, das gilt vor alem für die US-Steuerreform, deren größter Knackpunkt die steuerliche Absetzungsfähigkeit von lokalen Steuern und Steuern an den jeweiligen Bundestsstaat von den an Washington zu zahlenden Steuern (SALT) zu sein scheint.

Um zu verstehen, warum selbst eingefleischt Republikaner damit Probleme haben, muss man wissen, dass davon vor allem die (demokratisch gesinnten) Steuerzahler der Bundesstaaten an der Westküste und der Ostküste betroffen wären – Bundesstaaten also, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke ohnehin die meist wirtschaftlich schwachen, republikanisch gesinnten Staaten des Mittleren Westens mitfinanzieren müssen. Das wäre auf deutsche Verhältnisse übertragen etwa so, als wenn die Steuerzahler in Bayern von einer rot-grünen Regierung – neben den sowieso abfließenden Geldern durch den Länderfinanzausgleich – auch noch eine Steuererhöhung bekommen würden, während etwa die Steuerzahler im Empfängerland Bremen steuerlich deutlich besser gestellt würden! All das bedeutet: die Sache wird jetzt erst richtig schwierig, die Wahrscheinlichkeit, das da noch in 2017 eine US-Steuerreform kommt, wird immer geringer.

Zurück zum Dax: der X-Dax versucht zum Handelsstart eine Erholungsbewegung, und das trotz der Abstufung des Dax-Schwergewichts BASF druch HSBC von „hold“ auf „reduce“:

Damit ist der seit Ende August bestehende Mechanismus durchbrochen: starker Aufwärtsimpuls, dann Seitwärtsbewegung, dann der nächste starke Aufwärtsimpuls. Gestern der stärkste Rücksetzer des Dax seit langem, wenn auch noch charttechnisch fast alles in Butter ist für den Index. Aber der gestrige Tag hat doch gezeigt, dass das Bullen-Momentum plötzlich weg war. Denkbar wäre, dass der Index nun den Widerstandsbereich bei 13410 anläuft, um dann wieder zu fallen mit neuen Verlaufstiefs..



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2 Kommentare

  1. Bitte auf Widerstandsbereich 13410 korrigieren.

    1. @Feldmaen, ist korrigiert, danke für den Hinweis!

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