Devisen

Der Dollar: immer unbeliebter..

FMW-Redaktion

Es ist noch nicht wirklich lange her, als das Boot der Dollar-Freunde so voll war, dass es zu kentern drohte. Nun aber verlassen die Freunde des Greenback zunehmend das (sinkende?) Schiff. Wie der am Freitag veröffentlichte CFTC-Bericht zeigt, reduzieren die Investoren ihre Dollar-Long-Positionen weiter – mit Ausnahme zum britischen Pfund aufgrund der Brexit-Sorgen.

Die Veränderungen zur Vorwoche sind dabei nicht groß – aber im Vergleich zu den wichtigsten acht Währungen liegt die Pro-Dollar-Positionierung nun auf dem nierigsten Stand seit gut zwei Jahren. Offenkundig ist den Investoren der Glaube abhanden gekommen, dass die Fed es wirklich ernst meint mit den Zinsanhebungen, nachdem Janet Yellen wider alle Logik und US-Konjunkturdaten eine Straffung der Geldpolitik weiter auf die lange Bank geschoben hat.

Davon profitieren vor allem Rohstoff-Währungen wie der kanadische Dollar, der eine imposante Rally zum US-Dollar absolviert hat, offenkundig aufgrund von Shorteindeckungen (also Käufen derjenigen, die einen weiter schwachen Kanada-Dollar erwartet hatten und ihre Positionen dann glatt stellen mußten):

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(US-Dollar-kanadischer Dollar: von 1,46 auf 1,28 in zweieinhalb Monaten)

Blickt man auf den Dollar-Index, so sieht man, dass der Wendepunkt im Dezember kam, also ziemlich genau dann, als die Fed die Zinsen anhob. Das ist ein typisches Muster: der Dollar ist stark vor Zinsanhebungen, er wird schwächer nach der ersten Anhebung:

Dollar-Index040416

(Dollar-Index)

 

Derzeit wird der Dollar schwächer, weil unklar ist, ob die Fed überhaupt noch einmal die Zinsen anheben wird. Derzeit preisen die Fed Fund Futures Zinsanhebungen von 22 Basispunkten bis Ende 2016 ein – also nicht einemal eine 0,25% Anhebung in diesem Jahr.

Von der Dollar-Schwäche profitieren auch Rohstoffe: seit sechs Wochen in Folge werden, auch das zeigen die CFTC-Daten – Rohstoffe hinzugekauft durch Investoren. Damit einher geht die Erholung der Emerging Markets, deren Währungen ebenfalls extrem stark gelaufen sind (so gut wie seit 1998 nicht mehr nach dem herben Abverkauf zuvor).

Nur Öl zeigt derzeit Schwäche, weil die Lager in den USA zum Bersten voll sind – die Trader in den USA importieren dabei auch ausländisches Öl, lagern es – und hoffen auf Preissteigerungen, um dann wieder zu verkaufen. Derzeit – und das erklärt, warum WTI nicht steigen kann derzeit – lagern die USA doppelt so viel Öl wie die „Restwelt“.

Noch ist der Anti-Dollar-Trend nicht beendet, aber ewig wird die Dollar-Schwäche wohl auch nicht dauern..



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