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Der Kampf zwischen Italien und Deutschland beginnt: Di Maio will mehr EU-Geld, Scholz meint, die Schulden Italiens seien das Problem der Italiener!

Während das Polit-Theater zwischen Italien und Deutschland konfrontativ beginnt, gäbe es eigentlich gute Lösungsansätze für Italien..

Markus Fugmann

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Jetzt geht es los! Die erste Runde der Auseinandersetzungen zwischen Italien und Deutschland ist eingeleitet – und sie dürfte für die Italiener eine glatte Enttäuschung sein, schließlich hatten italienische Medien (wie das staatliche Fernsehen der RAI) bereits gemeldet, dass Angela Merkel zusätzlichen Geldern für Italien aus EU-Kassen zugestimmt habe – was aber nicht der Realität entspricht (in Italien hält man Merkel für die Entscheiderin Europas)! Heute morgen sagte der neue Finanzminister Deutschlands und Vizekanzler Scholz in Bezug auf die Schulden Italiens:

„Jeder muß seine Dinge alleine regeln. Ich sage ausdrücklich: Das ist Sache der Italiener!“

Ebenfalls heute morgen nun die Forderung des Cinque Stelle-Chefs und Ministers für wirtschaftliche Entwicklung, Luigi Di Maio, nach mehr Geldern aus dem EU-Haushalt für Italien. Das dürfte aber wohl nur schwer mit Deutschland zu machen sein, wenn man die Tonlage von Scholz als Maßstab nimmt.

 

Braucht Italien wirklich mehr Geld von der EU?

Fakt ist aber, dass Italien derzeit hinter Polen die meisten Gelder aus EU-Strukturfonds bekommt (allerdings bekommen die Polen pro Kopf dreimal soviel Geld aus diesen Fonds wie die Italiener!). Diese EU-Strukturfonds zahlen Gelder an die Mitglieder der Eurozone für die Jahre 2014 bis 2020, und das Absurde ist, dass Italien von diesen bereits zugeteilten Geldern bis Ende 2017 nur 9% für Investitonen genutzt hat – ca. 30 Milliarden Euro liegen damit faktisch auf Halde und sind nicht ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt worden!

Gleichwohl hat Italien, hat Di Maio mit seiner Forderung nach mehr Geldern nicht ganz unrecht, denn Italien ist das einzige Süd-Land Europas, das faktisch Nettozahler an die EU ist (in der Reihenfolge hinter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und vor den Niederlanden). Der Grund sind die EU-Subventionen an die Landwirtschaft, die vorwiegend jenen Landwirtschaften der nördlichen Eurozone zugute kommen (Weizen, Milch, Rindfleich). Da Italien also aus dem größte Budget-Posten der EU, nämlich dem Agrar-Budget, relativ wenig Gelder bekommt, ist Italien dann faktich eben doch Netto-Zahler an die EU!

Helfen also den Italienern mehr Gelder aus der EU? Vielleicht. Aber sie lösen nicht das grundsätzliche Problem. Das grundsätzliche Problem in Italien ist vor allem die Kreditvergabe: Italiens Banken sind eng verflochten mit den Unternehmen der reichen norditalienischen Familien-Unternehmen, die zu groß und ineffizient sind, aber von den Banken problemlos Kredite bekommen. Dagegen hat es in den letzten Jahren ein regelrechtes Ausbluten kleiner und mittelständischer Unternehmen gegeben, die eben von den Banken Italiens praktisch keine Kredite bekommen!

 

Wie man die Probleme Italiens anpacken müsste!

Wer die Probleme Italiens wirklich anpacken will, muss dafür sorgen, dass sich das ändert: die kleinen Unternehmen Italiens sind häufig sehr effizient und haben gut qualifizierte Mitarbeiter, werden aber faktisch von den Geldströmen durch die Kreditvergabepraxis ausgechlossen. Wenn nun die EU-Kommission oder vielleicht auch die EZB dazu übergehen würde, diesen Firmen die Möglichkeit zu geben, an Kredite zu gelangen, könnte sich in Italien wieder ein Mittelstand ausbilden, der dem Land derzeit so schmerzhaft fehlt.

Aber es steht zu fürchten, dass genau das nicht passieren wird, weil Italiens neue Regierung wieder nur mehr Gelder einfordert aus der EU – und genau das politischen Sprengstoff birgt. Man wird also wahrscheinlich weiter Schaukämpfe veranstalten auf politischer Bühne, die keinem weiter helfen und an der ökonmischen Realität vorbei gehen, statt die Realwirtschaft zu stärken, die in Italien gerade im Mittelstand oder bei Kleinbetrieben viel Potential hätte. Nur so kann man die in Italien so hohe Arbeitsloigkeit wirksam bekämpfen, indem eben Jobs nicht bei Großunternehmen wie FIAT entstehen, sondern gerade Firmen gefördert werden, die eigentlich international hochgradig wettbewerbsfähig wären!


Von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=67282923

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Lausi

    8. Juni 2018 11:45 at 11:45

    Ich habe auch mal gelesen, dass „Basel III“ wie ein Hemmschuh bei der Kreditvergabe wirken soll. Ich habe aber keine Ahnung, ob das stimmt und wie das im Detail aussieht.

  2. Avatar

    tm

    8. Juni 2018 11:57 at 11:57

    Vielleicht sollte man die Probleme Italiens auch nicht dramatisieren. Das BIP-Wachstum ist nicht hoch, aber klar positiv und das bei einer sinkenden Bevölkerung im Erwerbsalter. Die Arbeitslosigkeit ist nicht niedrig, aber auch nicht wesentlich höher als lange Zeit in Deutschland. Italien erwirtschaftet einen Leistungsbilanzüberschuss, einen Primärüberschuss im Staatshaushalt, ist EU-Nettozahler, Norditalien gehört zu den reichtsten Regionen Europas (und damit letztlich der Welt). Also klar könnte vieles besser sein, aber wir sollten auch nicht so tun, als wäre Italien irgendeine Diktatur in Schwarzafrika.

  3. Avatar

    guguk

    8. Juni 2018 17:11 at 17:11

    Man will halt dem deutschen Depp wieder mal eine reinwürgen und ihn abzocken, den Deppen.

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Börse: Chancen und Risiken – welche Anlageklassen werden boomen?

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Die Börse hat den Corona-Crash scheinbar überwunden – die Aktienmärkte handeln an Allzeithochs, den Notenbanken sei Dank! Wie aber geht es nun weiter, mittel- bis langfristig?

„Die Börse ist gut drau und geht davon aus, dass alles gut wird“, sagt der ehemalige Hedgefundmanager Florian Homm. Dieses Mantra aber sei gefährlich und risikoreich, so Homm. Angesichts der Bewertungen an der Börse seien die Perspektiven eher mau: selbst wenn die Aktienmärkte im besten Fall 4% pro Jahr weiter steigen würden, bestünde die Gefahr, dass diese Zugewinne durch eine steigende Inflation zunehmend aufgefressen würden.

Homm analysiert in folgendem Video verschiedene Anlageklassen: Edelmetalle, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Kryptowährungen, Anleihen und Aktien. Was dürfte in den nächsten Jahren am besten funktionieren? So oder so: „Wir befinden uns in einer spannenden, hochriskanten Dekade“, sagt Florian Homm. Aber angesichts der finanziellen Repression gehe aber eben kein Weg an der Börse vorbei, so Homm. Dabei zeigt er fünf Szenarien auf:

An der Börse geht angesichts der finanziellen Repression kein Weg vorbei

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Aktiensplit bei Tesla – folgen andere bald nach?

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Es ist Thema in vielen Wirtschaftsteilen der Medien – der Aktiensplit von Tesla und die extreme Kursreaktion eines Automobilherstellers, der schon zuvor fast so viel wert war wie alle Autoproduzenten Europas. Passt natürlich auch ins Schema von Elon Musk, der einen gigantischen Optionsvertrag besitzt, der ihm beim Erreichen hoher Werte in punkto Marktkapitalisierung Zuteilungsrechte eröffnet, die es so noch nicht gegeben hat. Zig-Millionen an Aktien in Stufen bis zu einem Unternehmenswert von 650 Milliarden Dollar, wie im Artikel vom 24. Juli dargelegt.

Der Aktiensplit zum Monatsende

Durch den exponentiellen Anstieg der Aktie von Tesla von 400 Dollar zu Jahresanfang bis auf fast 1800 Dollar, Mitte Juli und in sechseinhalb Monaten, war nicht nur ein Fahnenstangen-Chart entstanden, der nach Korrektur schreit, sondern auch ein psychologisches wie auch praktisches Problem entstanden. Für Millionen Kleinanleger, vor allem die vielen Neuen des Jahres 2020, war das Papier einfach zu teuer. Claudio Kummerfeld hat gestern die Wirkung der Fünftelung des Aktienpreises in einem Artikel beschrieben. Und es hat funktioniert. Am Tag nach der Ankündigung, einen Aktiensplit zu machen, erreichte die Aktie im New Yorker Handel 1585 Dollar und schloss bei 1554 Dollar, sagenhafte 13 Prozent im Plus, obwohl sich fundamental deshalb schon rein gar nichts geändert hat. Bei Beurteilung der Börsenreaktion von Tesla muss man aber die besondere Situation bei diesem Highflyer berücksichtigen. Einer der „meistgeshorteten“ großen Titel, bei dem die Leerverkaufsquote schon einmal 25 Prozent des Free Floats ausmachte. Zuletzt waren es immer noch über 10 Prozent oder 14 Millionen und da kann jede positive Meldung einen Pain Trade auslösen, in Form der berüchtigten Short Squeezes.

Nichtsdestotrotz gibt es Anleger, die keine Aktien mögen, weil sie optisch sehr teuer wirken. Als ob eine Deutsche Bank mit 8 Euro attraktiver wäre als eine Allianz mit 180 Euro.

So hatte kürzlich erst die Ankündigung von Apple, einen Aktiensplit von 4 zu 1 zu planen, Furore gemacht.

Ende August gibt es dann viermal so viele Papiere des wertvollsten Unternehmens der Welt. Statt etwa 455 Dollar wie am gestrigen Tag würde das Papier dann nur noch etwas mehr als 110 Dollar kosten. Die angekündigte Aktiensplit hatte selbst bei einem Wert mit einer Marktkapitalisierung von über 1,9 Billionen Dollar große Wirkung und ließ den Kurs nachbörslich um sechs Prozent in die Höhe schnellen. Diese Reaktion macht Anleger neugierig und man hält Ausschau nach Titeln, die optisch teuer sind und wo sich das Management zu so einem Schritt entscheiden könnte. Nach Ansicht von Experten sollten Aktien, die für einen Aktiensplit in Frage kommen, zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssten in der letzten Zeit stark nach oben gegangen sein und die Aktien sollten über 400 Dollar kosten.

Welche Werte könnten dem Beispiel folgen?

Angesichts der „Anomalie“ einer folgenden Kurssteigerung infolge von optischen Psychotricks könnte es nicht verkehrt sein, nach Titeln Ausschau zu halten, die extrem gestiegen und extrem hohe Kurswerte aufweisen. Da fällt einem natürlich sofort Amazon ins Auge, die Online-Aktie, die es bereits zum Schnäppchenpreis von 3100 Dollar gibt. Wann wird sich Jeff Bezos zu diesem Schritt entscheiden, schließlich wurde die Aktie in diesem Jahrhundert auch noch nicht gesplittet? Immer wieder unglaublich anzusehen, die Entwicklung dieses Wertes, der im Crash des Jahres 2001 auf unter 10 Dollar gefallen war. Dann gibt es natürlich noch weitere FAANG-Aktien, die die großen Renner des Jahres waren: Alphabet mit über 1500 Dollar, Netflix mit über 450 Dollar, aber auch andere bekannte Titel wie BlackRock (580 Dollar), Adobe (450 Dollar), Nvidia (460 Dollar) oder der sehr teure und auch in Deutschland bekannte Online-Reisekonzern Booking.com mit über 1800 Dollar. An Auswahl mangelt es nicht.

Wie ist es in Deutschland?

Natürlich kennen wir hierzulande auch den Aktiensplit, vor einem Jahr war es der Sportartikelhersteller Puma, der seine Aktien gezehntelt hatte. Vor Kurzem war es die Medizintechnikfirma Eckert und Ziegler. Aber auch die großen Werte aus dem DAX wie BASF, Beiersdorf, Eon, Fresenius, SAP oder Siemens haben ihre Anteilsscheine schon geteilt, aber das ist schon viele Jahre her. Optisch richtig teure Werte gibt es derzeit nicht im Dax, aus dem MDax ragt der Küchenhersteller Rational mit seinem 600 Euro Kurswert hervor. Aber wer weiß, deutsche Unternehmen ahmen nicht selten angelsächsischen Gepfogenheiten nach und schließlich befindet sich unser Leitindex auch in seiner Mehrheit in ausländischen Händen.

Fazit

Tesla hat strategisch nachgemacht, was Apple bereits vor Monatsfrist erfolgreich vorgemacht hat: Die teuerste Firma der Welt hat bereits vier Mal einen Aktiensplit durchgeführt, der fünfte ist für Ende August angekündigt und hat zu den gewohnten (positiven) Kursreaktionen geführt. Ohne die Splits würde die Aktie des Börsengiganten Apple heute bereits 24.000 Dollar kosten. Für viele Kleinanleger unhandelbar. Dass es dennoch anders geht, zeigt die Aktie von Warren Buffett, Berkshire Hathaway.

Diese kostete bei seiner Übernahme der Firma im Jahre 1965 unter 20 Dollar und heute in der Ur-Form als A-Aktie ungesplittet etwa 318.000 Dollar, eine Performance von über 2 Millionen Prozent, allerdings in einem für Normalanleger unvorstellbar langem Zeitraum. Geschadet hat es der Performance der Aktie auf lange Sicht nicht, weil zu guter Letzt die Fundamentaldaten zählen.

Kurzfristig ist ein Aktiensplit immer ein kleiner Kursturbo, auch wenn sich fundamental nichts ändert. Und für Trader eine lohnende Angelegenheit, wenn es gelingt….?

Wie ein Aktiensplit die Kurse von Apple und Tesla treibt

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Handelskrieg, jetzt Internetkrieg zwischen USA und China?

Markus Fugmann

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