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Hintergrund

Der programmierte Crash

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Folgender Text ist eine exklusiv auf finanzmarktwelt.de veröffentlichtes Kapital aus dem kürzlich erschienenen Buch „Der Crash ist die Lösung“ von Matthias Weik und Marc Friedrich. Sie können das Buch hier direkt bestellen!

Wenn wir die Menschen, denen wir täglich begegnen, fragen, ob
 „die Finanzkrise“ vorbei sei, so ist die Antwort im Prinzip immer
 die gleiche. Niemand glaubt dies! Egal, ob wir über das Thema mit 
Kunden, mit Geschäftspartnern oder mit Freunden sprechen. Egal,
ob die Leute beruflich mit Geldgeschäften zu tun haben oder nicht.
 Egal, ob sie viel oder wenig von Wirtschaft verstehen. Allen sagt ihr
 Bauch etwas anderes: Wir erleben seit 2008 einen epochalen Wandel! Weltwirtschaft und globales Finanzsystem sind aus den Fugen
 geraten. Ohne einen grundlegenden Paradigmenwechsel rasen wir
 nahezu ungebremst auf einen Abgrund zu. Alle ahnen dunkel, dass 
der Absturz gewaltig sein wird. Aber nur wenige haben eine etwas
 genauere Vorstellung davon, auf welchem Grund wir am Ende aufschlagen werden. In diesem Buch analysieren wir, wer da eigentlich
 am Steuer sitzt. Warum diese Leute fahren wie die Irren. Wo die 
Reise unserer Meinung nach hinführen wird. Und wie wir alle wieder
 die Kontrolle über das soziale Vehikel Geld zurückgewinnen können.

Seit Herbst 2008 sind Krisen unsere ständigen Begleiter: die Immobilienkrise, die Lehman-Krise, die Finanz- und die Bankenkrise,
 die Staatsschuldenkrise, die Eurokrise. Krisen und Pleitegefahren in
 Irland, Griechenland, Spanien, Zypern, Italien. Keine dieser Krisen
wurde jemals gelöst. Ganz im Gegenteil. Sobald ein Brandherd gelöscht ist, flammt an anderer Stelle ein neues, noch stärkeres Feuer 
auf. Trotz gigantischer Anstrengungen wird die Halbwertszeit der
 geschnürten Rettungspakete immer kürzer, kommen die Einschläge
 immer näher, werden die sogenannten Rettungspakete immer teurer
 und vor allem immer fragwürdiger.

Schon jetzt ist diese in der Geschichte einmalige und scheinbar 
unendliche Rettungsorgie eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lug und Betrug. Eigentümer und Einleger von Pleitebanken müssen deren waghalsige Risiken tragen? Ach was! Es muss 
nur einer der Verantwortlichen „systemrelevant“ rufen, und schon
 zahlen wir alle als Steuerzahler die Zeche. Kein Schuldentransfer
 zwischen Euro-Staaten? Längst ist diese Regel das Papier nicht mehr
wert, auf dem sie formuliert wurde. Die Europäische Zentralbank als
 unabhängige Währungshüterin? Inzwischen ist sie zu einer Finanzagentur für Staatsanleihen mutiert. 2009 jagte eine Krisenkonferenz
die andere. Nach jeder wurde uns erzählt, dass Banken, Investmenttrusts oder Hedgefonds jetzt aber wirklich an die Kette gelegt würden. Dass Banken deutlich mehr Eigenkapital zur Absicherung ihrer 
Risiken bilden müssten. Dass Schluss sei mit den Fantasie-Boni für
 Finanzmanager.

Und was ist tatsächlich passiert? So gut wie nichts! 
Viele Banken verdienen wieder besser als vor der Krise. Die ohnehin
 laschen Ziele bei der Erhöhung der Eigenkapitalquoten wurden bis 
ins Jahr 2019 gestreckt. Dafür schütten selbst Institute mit bescheidenen Gewinnen schon jetzt wieder fette Prämien an ihre Topleute aus.
 Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 und besonders seit Sommer
2012 hat die Politik, Hand in Hand mit der Finanzbranche und den
 Notenbanken, lediglich die Symptome der Krankheit bekämpft. Die
 wahren Ursachen der Krise wurden nicht in Angriff genommen. Da-mit wurde vor allem eines enorm beschleunigt: die volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit und der 
Demokratie. Lange Zeit Unvorstellbares wird seither getan, um Zeit
 zu gewinnen und die ungelöste Dauerkrise weiter in die Zukunft zu
verschieben. Unternehmen und Banken werden verstaatlicht, Bürger,
 Aktionäre und Sparer enteignet. Obendrein werden am laufenden
 Band und von oberster Stelle geltende Gesetze gebrochen, um das 
kaputte System künstlich am Leben zu erhalten. Dabei ist der Patient Finanzsystem eigentlich klinisch tot.

Der Euro als Wohlstandsvernichter

Bedauerlicherweise ist vieles von dem, was wir in unserem ersten 
Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ Anfang 2012 vorhergesagt haben, bereits mit einer Dynamik eingetroffen, die selbst uns überrascht.
 Wir erleben gegenwärtig nicht nur in einigen Staaten die größte
 Insolvenzverschleppung in der Geschichte der Menschheit, sondern
 auch das größte politische Währungs- und Notenbankexperiment.
 Nie zuvor war mehr Geld im System als heute. Die Bilanzen der Notenbanken haben historische Dimensionen angenommen. Und der 
Euro ist in Wahrheit längst gescheitert. Denn Geld, das man retten 
muss, ist kein Geld! Die volkswirtschaftlichen Zahlen untermauern 
deutlich: Der Euro zerstört Europa und vernichtet unseren Wohlstand! Die EU mag aus historischer Perspektive ja ein ganz respektabler Friedensnobelpreisträger sein. Aber vielen Ländern Europas
beschert der Euro eine Rekordarbeitslosigkeit. In Ländern wie Spanien und Griechenland findet inzwischen jeder Zweite unter 25 keine
 Arbeit mehr. Erwachsene Menschen, ja ganze Familien mit Kindern
 müssen wieder zu ihren Eltern ziehen oder ihr Land verlassen. Da 
wird eine komplette Generation verbrannt, um ein gescheitertes, 
politisch motiviertes Währungsexperiment am Leben zu erhalten.
 So verschieden die ökonomischen Hintergründe im Einzelnen sein 
mögen – Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und die USA sind 
de facto bankrott. Wir gehen sogar noch weiter: Wir zählen auch 
Italien, Frankreich und die Niederlande zu den Pleitekandidaten.
 Anlässlich der Europawahlen im Mai 2014 werden Politiker von
 Helsinki bis Rom und von Lissabon bis Warschau gefühlvolle Sonntagsreden halten, in denen sie die Segnungen der europäischen Friedensordnung und die unbestreitbaren Vorteile grenzüberschreitender
 wirtschaftlicher Zusammenarbeit preisen. Doch zugleich schaffen 
dieselben Politiker durch krasse Fehlentscheidungen einen brand
gefährlichen Nährboden für Populisten, Nationalisten, Separatisten und Extremisten. Selbst bürgerkriegsähnliche Zustände, wie wir
 sie 2012 in Athen erleben mussten, könnten früher oder später auch 
in anderen Krisenstaaten drohen.

Ob nun „Bail out“Banken werden mittels staatlicher Bürgschaf
ten, also mit Steuergeldern gerettet oder „Bail-in“-Banken werden
 durch ihre Eigentümer, Gläubiger und Sparer gerettet. Egal, wie es
 genannt wird, im Endeffekt bedeutet es immer nur eines: Wir alle,
 wir Steuerzahler und Bürger, müssen haften und für die Zockereien
 und Verluste der Banken zahlen. Das zeigt in aller Deutlichkeit,
 wie verzweifelt die Situation ist. Auf uns als Ökonomen wirken die
 bisher durchgeführten Versuche zur Lösung der Finanzkrise und 
ihrer verheerenden Auswirkungen wie ein endloser Horrorfilm.

Nullzinsen und Spekulationsblasen

Verstärkt wird der Schrecken durch die Tatsache, dass wir alle seit 
Jahren durch die Notenbanken schleichend enteignet werden. In 
allen wichtigen Wirtschaftsräumen liegen die Leitzinsen nahe
 null. Die Verzinsung unserer Ersparnisse, ganz gleich, ob wir sie
 aufs gute alte Sparbuch legen oder ob wir sie in Staatsanleihen oder
 andere Anlageformen stecken, liegt fast ausnahmslos unterhalb der
Inflationsrate. Nur wenn wir mal kurzfristig unser Konto überziehen, 
verlangt unsere Bank oder Sparkasse Wucherzinsen – obwohl sie das
Geld, mit dem sie da „arbeitet“, von der Europäischen Zentralbank 
(EZB ) buchstäblich geschenkt bekommt.

Derweil vagabundieren Unsummen dieses billigen Geldes um die 
Welt und suchen Anlagemöglichkeiten. So erklimmen Aktienkurse
 und teilweise auch Immobilienpreise schon wieder Rekordhöhen.
 Bestehende oder kürzlich geplatzte Spekulationsblasen werden nur 
durch neue, immer größere Spekulationsblasen abgelöst. Auf die zynische Aussage des ehemaligen Chefs der Citigroup, Chuck Prince,
 die wir bereits in unserem ersten Buch zitierten, müssen wir daher
 hier zurückkommen: „Man muss tanzen, solange die Musik spielt“,
sagte Prince 2008. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass die Musik
 mittlerweile schon wieder sehr laut spielt. Und dass die Finanzprofis 
in New York, London und Frankfurt längst wieder ausschweifend
 tanzen. Dass nebenbei die Welt in Schulden versinkt, dass immer 
mehr Länder vor dem Bankrott stehen, dass sich die Schere zwischen
 Arm und Reich immer weiter öffnet, dass die Mittelschicht kontinuierlich ausradiert wird und dass die sozialen Spannungen zunehmen – all dies interessiert unsere Traumtänzer auf dem Finanzparkett leider 
nicht die Bohne.
Die Finanzbranche hat die Welt mit ihrer Gier und ihrem egoistischen, unverantwortlichen Handeln mehrfach an den Rand
des Abgrunds gebracht.

Trotzdem wurden und werden die großen,
 vermeintlich „systemrelevanten“ Banken immer wieder gerettet. 
Dieser Automatismus hat sich ins Bewusstsein der Protagonisten
 eingebrannt. „Too big to fail“ zu sein, das ist für die Finanzmanager
 der Welt kein unkontrollierbares Risiko, sondern perverserweise 
ein nachgerade vernünftiges Ziel. Denn wenn meine Pleite ganze
 Volkswirtschaften ruinieren kann, dann werden die verantwortlichen
Politiker alles tun, um diese Pleite zu verhindern. Folglich sind die
 Banken seit 2008 noch größer, noch mächtiger und vor allem noch
 „systemrelevanter“ geworden. Ihre Manager halten die Staaten fest
 im Schwitzkasten. So perfide es klingt, die Krisenverursacher sind
 die Krisengewinner. Es ist wie im Casino: Die Bank gewinnt immer!

Das Wirtschaftswachstum in den USA und in Europa verharrt 
trotz der enormen Anstrengungen auf schwachem Niveau. Japan,
 das am höchsten verschuldete Industrieland der Welt, kommt nach
 zwanzig Jahren Stagnation nur schleppend wieder auf die Beine. Und 
auch bislang boomenden Schwellenländern wie Brasilien, Indien
oder der Türkei geht die wirtschaftliche Puste aus. Wo es noch zartes Wachstum gibt, wurde es mit einer exorbitanten Geldflut teuer 
erkauft – und ist letztendlich doch nur auf Treibsand gebaut. Wir
 sind Zeugen eines komplett fahrlässigen und unverantwortlichen
 Spiels auf Zeit, bei dem am Ende jeder nur verlieren kann.

Die Krisen mehren sich, und mit jeder neuen Krise gewinnen sie 
an Kraft und Stärke hinzu. Die Welle, die sich dadurch kontinuierlich auftürmt, rollt unaufhaltsam heran. Es gibt keine Möglichkeit,
 sie zu stoppen. Lediglich die Entscheidung, ob Sie auf der Welle
 mitsurfen oder ob Sie von ihr weggerissen werden, können Sie bis 
zu einem gewissen Grad noch selbst treffen. 
Einzig die Verursacher all dieser Krisen in der Finanzbranche
 mussten bislang kaum Federn lassen. Großbanken und andere milliardenschwere Kapitalsammelstellen präsentieren sich ungebrochen 
als alternativlos für die Weltwirtschaft. Es ist wie beim Kinomonster
Godzilla: Size does matter. Die Herren der Finanzwelt glauben nach 
wie vor, sich über die Gesetze stellen zu können. Ungerührt bitten 
sie den Steuerzahler zur Kasse und treten jegliche Art von Gesetzen, 
Normen und Werten mit Füßen, ohne dafür zur Verantwortung 
gezogen zu werden. Denn während die Politik im Schneckentempo
an vermeintlich schärferen Regeln der Bankenaufsicht laboriert, tun
 sich immer neue Skandale um Manipulationen, kriminelle Machenschaften und Betrug auf.

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Finanzbranche wird dabei immer weiter demontiert. Dass ihr Ansehen nur noch knapp 
oberhalb von dem krimineller Drogenkartelle rangiert, ist vielen
 Finanzmanagern natürlich schmerzlich bewusst. Und den Klügeren
 unter ihnen ist auch durchaus klar, dass ihr System ungebremster
 Renditespekulation nicht mehr lange funktionieren kann. Deshalb
 ist dieses Buch auch ein Appell an die Verantwortungsträger der
 Geldbranche und Politik: Nichts ist alternativlos, schon gar nicht
 unser jetziges Finanzsystem. Es gibt immer Alternativen! Was wir 
brauchen, ist eine Reform des Bank- und Finanzwesens an Haupt
 und Gliedern. Eine Neuausrichtung an einer nachhaltigen, menschenorientierten Unternehmensphilosophie. Wir alle müssen den 
Banken und Versicherungen die Hand reichen und sie wieder in die
 Gesellschaft integrieren. Mit spürbarem gesellschaftlichem Druck 
lassen sie sich auf den Pfad wenn nicht der Tugend, so doch immerhin den der ökonomischen Vernunft zurückführen.

Das sinnlose Spiel auf Zeit

Fakt ist: Es gibt keine Heilung und keine Lösung innerhalb des
 bestehenden Systems. Gäbe es diese Lösung, die Politik hätte sie uns
schon längst stolz und lautstark präsentiert. Zudem fehlen bei den
 Verantwortlichen anscheinend der Wille und der Mut, den Status quo
 aufzugeben und einen wirklich nachhaltigen Wandel zum Besseren 
herbeizuführen. Stattdessen wird unverdrossen an den Symptomen 
herumgedoktert und zu Lasten von uns Bürgern auf Zeit gespielt. 
Wir alle wissen, dass es zum Beispiel im Fußball durchaus sinnvoll
sein kann, auf Zeit zu spielen. Das sieht zwar selten schön aus, aber 
man kann so sein Ergebnis halten. Schließlich wird das Spiel nach
 90 Minuten abgepfiffen. Doch im globalen Finanzkrisenspiel gibt
 es für die meisten längst nichts mehr zu gewinnen. Es wird auch
 nicht abgepfiffen. Irgendwann wird abgerechnet. Und wenn diese
unvermeidliche Abrechnung kommt, dann werden alle bisherigen
 Krisen seit 2008 nur wie ein winziger Vorgeschmack wirken. Im
 Vergleich mit dem endgültigen Kollaps des Finanzsystems waren 
die Lehman-Pleite, die Eurokrise und selbst der Absturz der griechischen Wirtschaft eher ein Kindergeburtstag.

Der Crash wird kommen. Wir sind keine Hellseher, sondern Ökonomen. Daher wissen wir nicht, wann er kommt und wie viele Krisen 
in welchen Teilsystemen des Finanzsystems ihm noch vorausgehen
werden. Aber dass er kommt, ist keine dunkle Prophetie. Der finale
 Kollaps ist eine logische Konsequenz unbestreitbarer wirtschaftlicher 
Grundregeln. Was wir momentan erleben, wird in die Geschichtsbücher eingehen. Noch nie war mehr ungedecktes Geld im System
 wie derzeit. Noch nie wurden die Bilanzen der Notenbanken stärker 
aufgebläht, und noch nie waren die Zinsen so niedrig. Wir alle wissen, dass man einen Ballon nicht ewig aufblasen kann. Irgendwann
 muss entweder Luft herausgelassen werden – oder der Ballon platzt. 
Unsere gut begründete Vermutung ist, dass es zum Luftablassen
 längst zu spät ist.

Eigentlich hatten wir nicht die Absicht, ein zweites Buch zu
schreiben. Aber die unglaublichen Ereignisse und Entwicklungen
seit 2012 sowie das Versagen von Politik und Finanzwirtschaft, aus
 der Krise die notwendigen Schlüsse zu ziehen, zwingen uns regelrecht dazu. Als überzeugte Demokraten und Europäer können wir
 die zahllosen von den Verantwortlichen verbreiteten Halbwahrheiten
 und Lügen nicht länger ertragen. Wir müssen weiterhin den Finger in die Wunde legen, auf die nach wie vor bestehenden krassen 
Missstände hinweisen und die Verantwortlichen, die uns für dumm
 verkaufen, belügen, betrügen, abzocken und enteignen, beim Namen
nennen. Jeder Bürger muss verstehen, was da gerade vor unseren 
Augen geschieht, welche Auswirkungen es für ihn persönlich und
 für uns alle haben wird. Und jeder sollte wissen, wie er sich gegen
 den kommenden Crash wappnen kann. Je mehr Menschen sowohl 
mental als auch finanziell auf diesen Jahrhundert-Crash vorbereitet
 sind, desto glimpflicher wird er für uns als Gesellschaft ablaufen.
Schon in „Der größte Raubzug der Geschichte“ haben wir beschrieben,
 dass alle ungedeckten Papiergeldsysteme, aber auch alle Währungsunionen der Vergangenheit ausnahmslos gescheitert sind. Geld
 ohne realwirtschaftlichen Bezug ist immer wertlos, mögen noch so
viele zunächst an dessen Wert glauben. Solche Systeme zeichnen 
sich nämlich durch den Glauben an ein unbegrenztes, exponentielles
 Wachstum aus. Wir leben aber in einem geschlossenen System mit
 endlichen Ressourcen. Es gibt kein ewiges Wachstum. Den Glauben 
daran müssen wir endlich ad acta legen. Wir Menschen können uns 
vielleicht die Natur bis zu einem gewissen Grade untertan machen.
 Aber wir können nicht die Mathematik überlisten. Leider wird genau
 das momentan wieder versucht. Doch auch unser Finanzsystem hat
 eine mathematisch begrenzte Lebensdauer – und das Haltbarkeitsdatum ist abgelaufen. Wie gesagt: Wir können auch nicht in die
 Zukunft blicken und mit Gewissheit vorhersagen, was passieren wird.
 Geschweige denn, wann genau. Aber wir haben die Möglichkeit, aus
 der Vergangenheit zu lernen und uns auf das Kommende einiger
maßen vorzubereiten.

Als Ökonomen verstehen wir etwas von den durchaus komplexen
 Hintergründen der Krise. Doch als Schwaben verzichten wir auf
 Experten-Kauderwelsch. Wir reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist: in einer verständlichen, ehrlichen und deutlichen Sprache. 
Und garantiert dialektfrei!
 In unserem ersten Buch haben wir den größten Vermögenstransfer
 der Menschheit von unten und der Mitte nach ganz oben beschrieben. 
Mit diesem Buch wollen wir nicht zuletzt dazu beitragen, dass Sie
 auf der richtigen Seite stehen. Dass Sie Ihr Erspartes und das Ihrer
 Familie erhalten können. Sie haben nämlich durchaus eine Chance,
 Ihr Geld vor Entwertung und Enteignung zu schützen. Noch ist
 Zeit, sich auf den Crash vorzubereiten. Aber das Zeitfenster wird
 jeden Tag kleiner.
Der Crash ist die Lösung! Das ist eine heftige Aussage. Aber
 wir zeigen auf, warum er im Enddefekt sogar gut und notwendig 
ist. Für die Finanzwelt, deren Macht gebrochen werden muss. Für 
die Gesellschaft, die wieder gerechter werden muss. Und für jeden
 Einzelnen, der in einer wahrhaft sozialen Marktwirtschaft vom vernünftigen Eigennutz aller profitieren soll, statt für den irrationalen
 Reichtum sehr weniger zur Kasse gebeten zu werden.
Matthias Weik & Marc Friedrich

(Klicken Sie auf das Bild, um das Buch zu bestellen.)

_______________

Matthias Weik und Marc Friedrich sind Ökonomen, Querdenker, Honorarberater und Bestsellerautoren. Die beiden haben zusammen das Buch „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ geschrieben, das im Mai 2012 erschienen ist. Das Buch ist seit über 23 Monaten in allen wichtigen Bestsellerlisten vertreten und erschien am 15. April als aktualisiertes und überarbeitetes Taschenbuch. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch im deutschsprachigen Raum 2012 & 2013. Klicken Sie rechts auf das Bild, um das Buch zu bestellen.

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Börsianer

    4. Juni 2014 17:06 at 17:06

    Brillianter und kluger Artikel.
    Buch ist bestellt. Danke

  2. Avatar

    Alfie72

    4. Juni 2014 17:32 at 17:32

    Dies ist das beste was ich seit langem gelesen habe. Leider stimme ich in fast allen Punkten mit den beiden Autoren überein.

  3. Avatar

    Handeln mit dem Recht an seiner Seite

    4. Juni 2014 22:05 at 22:05

    Ein Buch für das Ego. Nett, am Ende aber für den privaten Trader völlig nutzlos. Seit Erscheinung des ersten Buchs der Autoren am 30.05.12 haben mit Sicherheit viele Leser in intellektueller Erleutung auf den Crash gewartet und jede Menge Geld an der Börse verloren (Short-Wetten). In dieser Zeit ist der DAX 3.600 Punkte (90.000€ pro Kontrakt) gestiegen. Seine Meinung (respektive Ego) zu traden ist sehr teuer. Fragen sie mal Herrn Hoeness…

    Ja sicher, ein Crash wird kommen. Ja, die Autoren (und die dadurch beflügelten Leser) werden Recht behalten. Super! Toll! Klasse! Wahnsinn! In Zeiten des Crashs werden sich wieder 95% der Anleger an ihrer „geistigen Überlegenheit“ ergötzen, während die Trader und Investoren (Buffett und Co.) den reich gedeckten Tisch zum Einstieg nutzen und schlichtweg einfach nur verdammt viel Geld verdienen (das auch dann noch Zahlungsmittel sein wird und wenn es Micky Maus Tauschscheine heißt). Ein Jahr nach dem Crash erscheint dann das dritte und zwei Jahre später das vierte Buch der Autoren und jeder kann mal wieder bestaunen was vom Geschriebenen in Relation zu den Märkten nicht sein kann, nicht sein darf. Die Hausse läuft Jahr um Jahr und irgendwann hat dann auch wieder der allerletzte Crashprophet inkl. seiner Leser Recht (Applaus!). Die Autoren haben verdammt gut Kasse gemacht (ohne zu lügen) und werden belohnt mit diesem ekeligen FIAT-Geld. Die Investoren müssen mal wieder ihre Yacht verlängern lassen, einen dritten Airbus 380 als Privatjet ordern oder in den Hamptons eine 60 Millionen-Hütte kaufen. Die Kollegen sind ja auch nicht doof und tauschen die Millionen Bits und Bytes auf einem Server ihres Brokers in was Handfestes. Mit der restlichen Millionen der ungedeckten Währung lässt sich weiterhin gut leben.

    Ja gewiss, die Leser des Buches hatten Recht behalten (wieder Applaus!), aber zu welchem Preis? Die Rechnungen, das Studium für die Kinder, das Essen, das Auto, das Haus wird damit nicht schneller bezahlt sein. Im Gegenteil, selbst hier behalten die Autoren Recht mit der stillen Enteignung. Die Zeche bezahlen die Steuerzahler, also in den allermeisten Fällen die Leser. So, jetzt ist es raus. Wird sicher alles nochmals im fünften Buch beschrieben in sieben Jahren. Mit Recht. Und jetzt?

  4. Avatar

    System2014

    5. Juni 2014 07:53 at 07:53

    Der Artikel ist eine sehr gute Zusammenfassung des Status Quo – Chapeau!

  5. Avatar

    T2014

    5. Juni 2014 08:05 at 08:05

    Wieder mal so eine zynische Schrift, die beinahe von einem der Tavistock-Eugeniker kommen könnte. Es gibt selbstverständlich kein ewiges „Wachstum“ im Sinne der Finanzmärkte, aber es gibt ein ewiges Wachstum im Sinne der weiterentwicklung, Energiedichte, Potential usw.

    Was dieses Buch bewirken soll, ist mit hohlem Gerede über ein imaginäres „System“ von den Wahren Ursachen abzulenken – Korruption und Vetternwirtschaft, die völlig am Ausufern sind.

    Das „System“ als solches ist nicht schuld, sondern die Kriminalität und Seilschaften. Dasselbe Spiel lief z.B. auch in einer Sowjetunion, nur eben ganz anders verpackt. Die „Spieler“ waren und sind dieselben, nach wie vor, hier wie dort.

  6. Avatar

    T2014

    5. Juni 2014 08:11 at 08:11

    Und ja, natürlich kommt der Crash „irgendwann“. Irgendwann explodiert auch unsere Sonne als Supernova,“irgendwann“ ist ein nicht-Begriff.

    Ich persönlich sehe eher einen mehr oder weniger globalen Währungsschnitt auf uns zukommen, als einen Crash.

    Und bald sind wir(= Kunden) hoffentlich eh alle auf so was wie Bitcoin und ähnliches umgestiegen und eure Finanzinstrumente und Banken können nur noch mit sich selbst spielen. Ok, das ist nur so ein kleiner Wunschtraum von mir.

  7. Avatar

    Tkz

    5. Juni 2014 08:44 at 08:44

    Statt immer zu motzen sollten wir systemkritiker uns lieber vernetzen. Ich kenne das Buch nicht aber der Artikel ist fundiert, klug und leider nah an der Realität.

  8. Avatar

    Tommy Rasmussen

    5. Juni 2014 12:02 at 12:02

    „Wir können auch nicht in die
 Zukunft blicken und mit Gewissheit vorhersagen, was passieren wird.
 Geschweige denn, wann genau. Aber“ :
    .
    30.05.2014 – Ein Dollar Dividende von Gazprom kostet weniger als halb so viel. Was ist der große Unterschied? Alles was ich weiß, ist, dass man in Russland mehr für sein Geld erhält als in den USA. Ziehen Sie Ihre eigenen Schlussfolgerungen.
    http://www.investor-verlag.de/diese-schuldenhoehe-ist-verrueckt/107196172/?nlid=dos#kommentar
    .
    „Ziehen Sie Ihre eigenen Schlussfolgerungen“:
    .
    Der IWF hält alle 5 Jahre eine Konferenz zu den SDR. Nächste Treffen: Ende 2014/Anfang 2015. Ein US-Dollar ist heute 0,64 SDR wert. Nach Einbindung des Yuan in den SDR-Korb wird der Dollar in den Pennybereich abstürzen.
    http://www.alt-market.com/articles/2126-false-eastwest-paradigm-hides-the-rise-of-global-currency
    http://konjunktion.info/2014/05/ukraine-das-ablenkungsmanoever-auf-dem-weg-zur-weltwaehrung/
    .
    29.09.2000 – „Da bleibt nur noch die USA als Problem einer globalen Weltregierung, und die Lösung haben sie schon…..Stellen Sie sich einmal die Situation vor, in welcher zivile Ungehorsamkeit herrscht. In welcher Natur-Katastrophen stattfinden und gleichzeitig auch ein finanzieller Kolaps! USA wird in zwei Distrikte aufgeteilt werden. Atlanta und Denver haben bereits identische Flughäfen bekommen. Alle Regierungsbüros von Washington sind schon nachgemacht worden, und existieren bereits in diesen beiden Städten! New York City (das Heim der UNO) wird eine Internationale Zone, ein Distrikt. – Denjenigen, die den Hintergrund nicht kennen, sei kurz gesagt: Mein Grossonkel war der erste Präsident der UDSSR, sein Name war Jakob Swerdlow. Das Gebiet und die Stadt Swerdlowsk wurden nach ihm benannt. Er hatte die grosse Ehre, die Ermordung des Zaren und seiner Familie anzuordnen.“ – Vortrag Steward Swerdlow am 29.Sep. 2000 im Kongreßhaus Zürich, Verein Kristallschlüssel, 8053 Zürich
    http://s.wsj.net/public/resources/images/P1-AO116_RUSPRO_NS_20081228191715.gif
    http://online.wsj.com/news/articles/SB123051100709638419
    http://www.youtube.com/watch?v=Id2QSKE12zE&feature=player_embedded
    http://www.seite3.ch/Mystery+Special+Woche+Das+Geheimnis+vom+Flughafen+Denver/418606/detail.html

  9. Avatar

    Neuling

    17. Juni 2014 08:11 at 08:11

    Hallo,

    ich habe gestern dieses außergwöhnliche Interview gehört/gesehen:
    http://www.ardmediathek.de/tv/Leute-night/Der-Crash-ist-die-Lösung/SWR-Fernsehen/Video?documentId=21890752&bcastId=8758476

    und war sofort begeistert! Die beiden schaffen es klartext zu reden und sind sympathisch. Habe nun beide Bücher bestellt und nach den beiden gegoogelt und dabei diese Seite hier gefunden. Großartig! Werde in Zukunft öfters vorbeischauen.

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(Chart durch anklicken vergrößern)

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Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

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Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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