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Der steigende Ölpreis und Goldman Sachs: Nachbetrachtung

FMW-Redaktion

Schon in Kürze werden sich Angebot und Nachfrage beim Öl angleichen, so Goldman Sachs. Gestern berichteten wir schon über die überraschende Kehrtwende der Goldmänner mit ihren angehobenen Kurszielen von jetzt 49 statt bisher 40 Dollar für das 3. Quartal. US-Börsenkommentator (manche nennen ihn auch Börsenclown) Jim Cramer wies gestern öffentlichkeitswirksam darauf hin, dass Goldman die ganze Zeit im Öl falsch gelegen habe. Er wies auch darauf hin, dass Goldman sich jetzt seiner eigenen Prognose angepasst habe.

Ölpreis 1
Seit Goldman´s Kursschwenk ist der Ölpreis seit gestern früh um genau 2 Dollar gestiegen.

Schaut man sich die Medienlandschaft und auch die Reaktionen der Trader an, ist gestern gefühlt der ganze Markt auf die Goldman-Welle aufgesprungen und treibt den Ölpreis bis jetzt weiter an über aktuell 48 Dollar. Schaut man sich den Chart seit Freitag Abend an, kann man in der Tat zur Schlussfolgerung kommen „alle rennen in blindem Gehorsam Goldman hinterher“. Dabei wissen eigentlich alle, dass Goldman schon gerne mal daneben liegt (nett formuliert). Alle Fakten, die Goldman bringt, sind öffentlich bekannt. Ob und wie schnell eine reale Ausbalancierung am Ölmarkt zustande kommt, wissen wir alle erst im Nachhinein.

Es geht hier also um jede Menge Psychologie und Vertrauen in den (vorhandenen?) Mythos Goldman. Aber was ist der wirklich wert? Sollte nicht besser jeder selbst bewerten, was da vor sich geht? Goldman selbst sagte gestern ab Anfang 2017 würden gestiegene Fördermengen aus den Golfstaaten das Angebot wieder so kräftig erhöhen, dass der Ölpreis dann leicht zurückgeht. Cramer sagte gestern als direkte Kritik an Goldman Sachs dort säßen hochbezahlte Experten, die mit ihrem Aussagen nach oben wie nach unten übertreiben würden – durch ihre 20 Dollar-Prognose von Anfang des Jahres hätten sie nach unten viel Panik ausgelöst. Jetzt sollten sie sich nach oben moderater äußern.

Cramer weist nochmal auf einem von uns ebenfalls schon beschriebenen Mechanismus hin. Laut Cramer würde nämlich ab 50 Dollar Ölpreis (also nicht mal mehr 2 Dollar entfernt) die Angebotsmenge wieder kräftig steigen (durch Fracker in den USA), da sich für viele ab diesem Punkt die Ölförderung wieder rechne. Dies ist wohl die Kernkritik von Cramer für Goldman´s schnelle Kurskorrektur seiner Prognose. Denkt man Cramer´s Gedankengang zu Ende, könnte die Produktion in den USA schon in wenigen Wochen wieder so stark anziehen, dass der Ölpreis wieder kräftig fällt, und nicht erst Anfang 2017. Irgendwie schon fast witzig, dieser Mechanismus. Aber man darf sich schon fragen, warum all die Öl-Trader wie die Lemminge Goldman auf dem Weg nach oben blind folgen? Denn wie man öfters lernen durfte: Die Goldmänner wissen auch nicht mehr als Jim Cramer oder die Termintrader.

Jetzt sind wir kurz vor der 50 Dollar-Marke angekommen. Natürlich braucht es jetzt ein paar Wochen Vorlaufzeit, bis Fracking-Unernehmen in den USA es hinbekommen ihre Produktion wieder hochzufahren. Wohl ab Juli kann man in den Produktionsdaten der USA ablesen, ob die Fördermenge wieder ansteigt durch plötzlich rentabel gewordene Fracking-Felder.



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