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Desaster: Wie die EU in 120 Tagen 62 Milliarden Euro an Russland zahlte

Aktuelle Statistikdaten zeigen, wie die EU-Staaten in nur 120 Tagen netto 62 Milliarden Euro nach Russland überwiesen haben.

Wladimir Putin

Es ist ein Desaster. Der gesamte Westen und vor allem die EU haben Russland extrem hart sanktioniert. Man könnte meinen, dass Russland nun langsam das Geld ausgeht, und der Krieg dann bald beendet wird, wenn man Putin den Geldhahn abschneidet? Obwohl man in der EU bereits jetzt weniger Rohstoffe aus Russland einkauft, wird der Sanktionseffekt aber immer mehr ad absurdum geführt. Und das geht so.

Russland ist der große finanzielle Profiteur des Kriegs

Während Europa in Russland seit Ausbruch des Angriffskriegs gegen die Ukraine bereits weniger Rohstoffe einkauft, steigen aber die Geldzahlungen Europas Richtung Russland stärker an als vor dem Krieg. Denn die Ironie des Kriegs ist, dass durch Ausfälle in der Ukraine und vor allem durch die westlichen Sanktionen gegen Russland eben diese russischen Rohstoffe auf dem Weltmarkt fehlen – zumindest für die westlichen Einkäufer. Dies treibt die Rohstoffpreise seit Kriegsausbruch in die Höhe. Und so profitiert Russland massiv von dem Krieg, den es selbst begonnen hat.

Erst am Montag zeigten Daten des Statistischen Bundesamts für den Monat April, wie massiv Russland vom Außenhandel mit Deutschland profitiert seit Kriegsausbruch. Die russischen Importe aus Deutschland fielen dramatisch wegen der Sanktionen. Gleichzeitig erhöhten sich aber die russischen Ausfuhrvolumen nach Deutschland, wegen der gestiegenen Preise – bei gleichzeitig sinkenden Exportmengen.

EU-Staaten überweisen netto 62,6 Milliarden Euro in 120 Tagen nach Russland

Das selbe Desaster sehen wir heute im großen Format auf EU-Ebene. Heute hat die europäische Statistikagentur Eurostat die aktuellsten Außenhandelsdaten für den Warenhandel der EU veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die EU im Zeitraum Januar-April 2022 gegenüber Russland ein Handelsdefizit mit Waren in Höhe von 62,6 Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Es flossen also netto 62,6 Milliarden Euro aus EU-Staaten für den Einkauf von Waren nach Russland. Und jetzt kommt der Vergleich, der das ganze Desaster aufzeigt. Im Vergleichszeitraum Januar-April 2021 belief sich das Defizit der EU gegenüber Russland nur auf 14,7 Milliarden Euro. Es verschlechterte sich im Jahresvergleich also um 47,9 Milliarden Euro. Trotz weniger Importmengen zahlt Europa also deutlich mehr Geld an Russland für die eingekauften Rohstoffe.

Es ist gut möglich, dass diese stark gestiegenen Geldflüsse von der EU in Richtung Russland nach und nach schrumpfen werden. Denn wenn die importierten Warenmengen weiter stark rückläufig sind, und die Preise nicht immer weiter explodieren, dürfte dies nunmal letztlich zu einem geringeren Geldfluss gen Osten führen. Aber hier und heute ist es ein Desaster, das aus Sicht der EU nicht zu vermeiden war. Denn die steigenden Weltmarktpreise für Rohstoffe sind nun mal die Folge der Verknappungsängste auf der Angebotsseite, als Folge des Kriegs. Und noch muss Europa notgedrungen einige Rohstoffe in Russland einkaufen. Hier und heute füllt Europa „Putins Kassen“ mit voller Wucht. Ihm wird so schnell also nicht das Geld für seine Kriegsmaschinerie ausgehen.

Gesamtbilanz der EU rutscht kräftig ins Minus

Abgesehen von Russland: Die Gesamtbilanz für den Außenhandel der EU mit Waren hat sich kräftig ins Negative entwickelt. Vergleicht man den Wert des Zeitraums Januar-April 2021 mit einem Überschuss in Höhe von 61,1 Milliarden Euro mit Januar-April 2022, dann sieht man jetzt ein Defizit von 125,9 Milliarden Euro! Diese dramatische Verschlechterung im Außenhandel der EU kann man klar auf die stark gestiegenen Importkosten für Energieprodukte zurückführen. Hatte die EU bei Energie im Vorjahr noch ein Defizit von 66,8 Milliarden Euro, so waren es in den ersten vier Monaten dieses Jahres -183,6 Milliarden Euro. Neben dem kräftig gestiegenen Defizit der EU gegenüber Russland ist auch das Gesamtdefizit gegenüber China dramatisch gestiegen. Im Vergleich zu -65,8 Milliarden Euro im Vorjahr ist das Defizit in den ersten vier Monaten 2022 auf 122 Milliarden Euro angestiegen. Auch gegenüber Norwegen ist das EU-Defizit spürbar gewachsen – denn das Land ist abgesehen von Russland der wichtigste europäische Gas-Lieferant für die EU.

Eurostat-Detaildaten zeigen auch das EU-Defizit gegenüber Russland Eurostat-Grafik zeigt auch die Details zum EU-Außenhandel mit Russland.



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12 Kommentare

  1. Gibt es auch eine Statistik, wieviel in der EU aus Solidarität für die Ukraine an Gas an GW eingespart wurde? Der ehemalige deutsche Bundespräsident hatte doch gesagt wie es geht. Oder wird sich die Solidarität der Gaseinsparung für den nächsten Winter aufgespart.
    Angenehmer Nebeneffekt wäre ja auch Einsparung von CO2 Abgaben in die Atmosphäre.
    Ich bin ja mal auf die Neujahrsansprache gespannt.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. „Man könnte meinen, dass Russland nun langsam das Geld ausgeht, und der Krieg dann bald beendet wird“

    Das ist ohnehin eine absolut dämliche Annahme. Für die eigene Rüstungsindustrie und auch die Gehälter der Soldaten kann Russland per se nie das Geld ausgehen. Die werden nämlich alle in der eigenen Währung bezahlt. Und die kann man unbegrenzt selbst „herstellen“.

    Das einzige was Russland treffen kann ist seine (auch bei Rüstungsgütern) starke Abhängigkeit von High Tech Produkten aus dem Westen und dem (fernen) Osten. Die Frage ist daher nicht was Russland an Devisen einnimmt, sondern ob es die wieder ausgeben kann.

    „Es ist gut möglich, dass diese stark gestiegenen Geldflüsse von der EU in Richtung Russland nach und nach schrumpfen werden.“
    Auch das ist irrelevant, sofern Russland die Infrastruktur schafft um nach und nach andere beliefern zu können. Denn die Abhängigkeit ist aktuell ja gegenseitig. Löst man die auf, wird auch die Gegenseite weniger abhängig. Und der Weltmarkt ist nun mal wie ein riesiger See in den die Produzenten reinkippen und die Konsumenten rausschöpfen. Wer da was wo reinkippt oder rausfischt ist völlig irrelevant.

    „Diese dramatische Verschlechterung im Außenhandel der EU kann man klar auf die stark gestiegenen Importkosten für Energieprodukte zurückführen.“
    Auch falsch. So lange die Außenhandelsbilanz gegenüber Russland negativ ist, bezahlen wir nicht Russland, sondern Russland uns. Wir kriegen Gas, Öl und Kohle und „liefern“ dafür bunt bedruckte Schuldscheine von denen wir wissen das sich der Kreml damit irgendwann den Hintern abwischen kann.

    Abgesehen davon das Sanktionen eh nur dann funktionieren, wenn praktisch alle gegen einen mitmachen. Denn
    in einer verflochtenen Wirtschaft zahlt immer die Summe aller Konsumenten die Forderungen aller Produzenten. Eine direkte Beziehung zwischen einzelnen Entitäten besteht nicht, weshalb man die eben auch nicht „kappen“ kann.

    1. Hallo thinkSelf,
      ja, wenn eine Erklärung so durchschlagend ist, dann bleiben wenigstens die “ Frustkommentare aus, denn da noch ein Haar in der Suppe zu finden, um sich dann auch noch überzogen aufzubauen, wird sogar den reinen Frustlesern schwer fallen.
      Vielleicht sollte die Redaktion eine Damenhoch- oder Daumenrunterfunktion einführen.
      Da könnten die Leser mal eben drücken, auch die Gefrusteten.
      Mein Daumen wäre oben.

      Viele Grüße aus Andalusien
      Helmut

      1. @Helmut

        Das ist doch Erkenntnis und Lösungsansatz für Sie und Ihre Fanboys zugleich: Einfach auch so „durchschlagende Erklärungen“ ohne Haar in der Suppe schreiben, dann gibt es keine Frustkommentare. Aber solange Sie uns immer andalusische Toupet-Consommé servieren, tendiere ich zu 👎

        1. Jacques Grenouille

          👍👍
          Zumindest serviert er seine Spezialität auf dem Feingold-Tablett!

          Viele Grüße aus dem Froschfresserland
          Jacques

        2. Ich hatte zu diesem Thema nichts über Spanien geschrieben.

          1. Ich auch nicht! War eine völlig präzise Antwort nur auf diesen Ihren Kommentar.

    2. Falsch. Bezahlt wird in Rubel. Daran müssen sich alle Kunden halten.

  3. Staatspräsident Emmanuel Macron spricht sich für Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland aus. Bei entsprechenden Resultaten gilt es wieder die Rohstoffvorkommen der Russische Föderation entsprechend zu nutzen. Am besten mit einem Premiumstatus, welcher moderate Erdöl- und Erdgaspreise mit sich bringen würde.

    1. Aha… jetzt wo man schärfsten Sanktionen quasi gescheitert ist, kommt man auf die Verhandlungen zurück und möchte aus der Position der Stärke sich privilegierte Konditionen heraushandeln?!?
      Die Naivität pur…

      1. Antwort und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

  4. Nachrichten aus dem Paralleluniversum:
    „Wir sehen, wie die westliche Gemeinschaft seit vielen Jahren diese Geschichte von einer Einbindung der Ukraine in ihre Integrationsstrukturen manipuliert“, sagt Außenamtssprecherin Maria Sacharowa in Moskau laut russischen Nachrichtenagenturen. Der Ukraine gehe es jedoch „immer schlechter“.

    Ob das wirklich am Westen liegt oder am brutalen Angriffskrieg gegen Zivilbevölkerung und Infrastruktur oder einfach nur der idiotischen Logik von Zar Wladi dem Kleinen folgt, der heute allen Ernstes in die Welt hinaus posaunte, der Westen wolle andere Teile der Welt kolonialisieren? Echt jetzt? Dann doch lieber freiwillig mit Zustimmung und Unterstützung des Volkes kolonialisiert, als brutal in ein mittelalterliches Imperium annektiert.

    Dazu passt auch bestens auch die Aussage von Alexander Chodakowskij, dem ehemaligen sogenannten „Sicherheitsminister“ der selbst ernannten „Volksrepublik Donezk“. Der beklagt sich allen Ernstes über die Bevölkerung des Donbas, weil die Schlingel die ukrainischen Streitkräfte unterstützen und ihnen Informationen über die Besatzer, – Entschuldigung: die Befreier – liefern.

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