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Deutsche Bank nimmt deutsche Autoindustrie in Schutz, und gibt noch Kommentar zur Bundestagswahl ab

FMW-Redaktion

Die Deutsche Bank äußert sich kurz vor der Bundestagswahl nochmal zu möglichen Regierungskonstellationen. Auch kritisiert man, dass viele Vorschläge der Parteien auf eine „nicht nachhaltige Expansion des Sozialstaats abzielen“. Was wir dazu anmerken möchten: Derzeit wachsen die Sozialausgaben des deutschen Staats deutlicher schneller als das Bruttoinlandsprodukt. Hier auszugsweise der Kommentar der Bank:


Dabei wird deutlich, dass das als Alternative zur Großen Koalition gehandelte Bündnis von Union, FDP und Grünen – die so genannte Jamaika-Koalition – viele Differenzen überwinden müsste. Ob es um einen höheren Spitzensteuersatz oder die Haltung zu einem bedingungslosen Grundeinkommen geht: Viele Punkte im Parteiprogramm der Grünen unterscheiden sich stark von den Positionen der Liberalen.

Auch SPD und Union hätten in einer Neuauflage der Großen Koalition einiges zu diskutieren. Die Ökonomen erwarten, dass als Kompromiss erneut zahlreiche Entscheidungen zugunsten der eigenen Stammwählerschaft getroffen werden – wie die Rente mit 63 oder die Mütterrente in der ablaufenden Legislaturperiode. Gleichzeitig erwarten sie von einem Bündnis aus CDU/CSU und der SPD eine eher nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik – warnen aber davor, dass eine Politik, die nur auf die kurzfristige Nachfrage abstellt, negativ für das Trendwachstum wäre.

Dass das Trendwachstum schon heute sinkt, gehört nach Einschätzung von Deutsche Bank Research zu einer Reihe wichtiger ökonomischer Themen, die im Wahlkampf vernachlässigt wurden. Die Ökonomen warnen davor, die gute konjunkturelle Lage zu überschätzen. Das Potenzialwachstum, also die langfristige Veränderung des Bruttoinlandsprodukts, wenn die Produktionskapazitäten normal ausgelastet sind, dürfte sich nach ihrer Einschätzung von 1996 bis 2025 halbieren. Eine der größten Herausforderungen aus ihrer Sicht: Älter werdende Arbeitnehmer müssen sich an die Digitalisierung anpassen.

Auch um die Zukunft der Jüngeren hat sich die Politik nach Meinung der Bank-Ökonomen zu wenig gekümmert. Sie merken an, dass die Sozialausgaben durch vermeidbare „Geschenke“ wie die Rente mit 63 und die Mütterrente stark gestiegen seien. Viele Vorschläge zielten auf eine nicht nachhaltige Expansion des Sozialstaats ab. Der starke Aufschwung verleite Parteien dazu, die Ausgaben weiter zu erhöhen und die Steuern zu senken. Unhaltbare Versprechen von heute würden die Parteien später noch einholen und zu mehr Politikverdrossenheit führen. Die Warnung der Ökonomen: Der Tag der Abrechnung kommt noch.


Der Bundestags-Plenarsaal. Foto: Times – Eigenes Werk / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)



Hier der Kommentar der Deutschen Bank auszugsweise zur Autoindustrie, die man ganz klar in Schutz nimmt gegen Vorwürfe die Zukunft verschlafen zu haben:


Auch die Marktanteile deutscher Autohersteller in den drei wichtigsten Automärkten der Welt (China, USA, Westeuropa) haben sich in den letzten Jahren unterschiedlich entwickelt. Hier lohnt es sich, die lange von der kurzen Frist zu unterscheiden. Langfristig konnten die deutschen Autohersteller (Konzernmarken) in allen drei Märkten ihre Anteile ausbauen. Sie übertreffen am aktuellen Rand (H1 2017) das Niveau von 2005, und das zum Teil deutlich. So lag der Anteil in China mit zuletzt 20,8% um knapp 4%-Punkte über dem Niveau von 2005.

Kurzfristig ist das Bild jedoch nicht so (eindeutig) positiv. Denn die Marktanteile im 1. Halbjahr 2017 erreichen in allen drei Märkten nicht ihre jeweiligen Höchstwerte: In den USA ist er seit 2012 recht stetig und in Summe um gut 1%-Punkt auf 7,6% gesunken. Der Imageschaden aufgrund des Diesel-Skandals dürfte zumindest seit 2015 hierzu beigetragen haben, obwohl Diesel als Kraftstoff in den USA bei den Light Vehicles nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ein weiterer Grund für den Marktanteilsverlust deutscher Konzernmarken in den USA liegt darin, dass unter den Light Vehicles das Teilsegment der für europäische Verhältnisse besonders voluminösen Light Trucks seit einigen Jahren an Bedeutung gewinnt; hier sind deutsche Hersteller aber nicht so gut positioniert wie im zweiten Teilsegment, den klassischen Pkw.

In China lag der Marktanteil deutscher Konzernmarken im 1. Halbjahr 2017 um 0,6%-Punkte zwar unter dem Höchstwert von 2014; dies bedeutet jedoch eine Verbesserung gegenüber den Werten von 2015 und 2016. Die jüngsten Schwankungen dürften teilweise auf den Modellzyklus zurückzuführen zu sein. Zudem hat eine Steuervergünstigung für Fahrzeuge mit relativ kleinen Motoren 2015 und 2016 heimische Hersteller begünstigt. Auch in China spielt Diesel als Kraftstoff im Pkw-Markt keine Rolle.

In Westeuropa, dem mit Abstand größten Markt für Diesel-Pkw weltweit, kamen deutsche Hersteller im 1. Halbjahr 2017 auf einen Marktanteil von 48,2%; dies sind 2,3%-Punkte weniger als 2014, dem bisherigen Rekordjahr. Es ist sehr plausibel, dass dieser Marktanteilsrückgang mit der Diesel-Debatte zusammenhängt, zumal die VW-Gruppe überdurchschnittlich hohe Verluste hinnehmen musste und andere deutsche Hersteller zulegen konnten. Aber auch für Westeuropa gilt, dass die Entwicklung der Marktanteile – jetzt und auch in Zukunft – nicht monokausal zu begründen ist.

Die deutsche Automobilindustrie hat grundsätzlich gute Chancen, auch künftig ihre Marktposition in den wichtigen Automärkten der Welt mindestens zu halten. Der Vorwurf, der von Teilen der Medien, Politik und NGOs häufig vorgebracht wird, deutsche Hersteller hätten bestimmte technologische Trends wie die Elektromobilität (oder autonomes Fahren) verschlafen, ist in seiner Pauschalität schlicht falsch. Alternative Antriebstechnologien befinden sich ohnehin nach wie vor in der Nische und kommen ganz überwiegend nur dort auf höhere Marktanteile, wo sie subventioniert werden. Sich als Autohersteller auf ein großzügiges Subventionsregime für Elektroautos zu verlassen, birgt regulatorische und wirtschaftliche Risiken.

Der technologische Fortschritt wird in den kommenden Jahren dazu beitragen, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit von Elektro- und Hybridfahrzeugen gegenüber Autos mit klassischem Verbrennungsmotor zu verbessern. Auch regulatorische Vorgaben wie CO2-Grenzwerte für Pkw sorgen für eine höhere Marktdurchdringung alternativer Antriebe. Aber letztlich entscheidet der Kunde. Und die deutsche Automobilindustrie war in der Vergangenheit gut darin, den Kundengeschmack zu treffen, auch wenn manche (ökologisch orientierte) Marktbeobachter die Sinnhaftigkeit von SUVs, Geländewagen oder stark motorisierten Oberklassefahrzeugen infrage stellen.




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1 Kommentar

  1. Es ist doch logisch, dass die Ausgaben für soziale Lasten (Sozialausgaben) immer größer werden und uns aus dem Ruder laufen in Zukunft. Es kommen immer mehr Zuwanderer, die hier per se nie arbeiten werden, ggf. einmal ihre Nachkommen. Dann immer mehr Arbeitnehmer, die trotz 40 Wochenstunden aufstocken müssen, dann Rentner, die Zuschüsse zur Rente bekommen etc. pp. . Die wachsenden Sozialausgaben sind Zahlungen, damit niemand auf die Idee kommt gegen diesen Staat zu opponieren. Es wird, um es einmal einfach zu sagen, Ruhe vom Staat gekauft (Transferzahlungen gegen Ruhe). So weit so gut, wo liegt nun das Problem?
    Dieses o.g. Modell setzt eines voraus, das ist Geld, viel Geld, sehr viel Geld. Wer muss zahlen? Alle Michel die Steuerzahler sind, alle Vermieter, Kapitalbesitzer, Immobilienerwerber etc.. Kann das ewig gut gehen? Nein, wenn das große Kapital geht, geht auch Know-How, gehen Arbeitsplätze etc. Und was dann? Auch ganz einfach: Game over – neues Spiel.

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