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Deutsche Post in der Märchenwelt 2.0: Argumente basteln gegen Verdi

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Die Deutsche Post versucht mit allen Mitteln die Streikenden in die Nörgler-Ecke zu stellen. Es gäbe z.B. gar keine Lohnkürzungen, und auch sei hier eine Schlichtung undenkbar, weil es sich nicht um Tariffragen handele…

Deutsche Post Chef Frank Appel
Deutsche Post-Chef Frank Appel
Foto: Kandschwar / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Schlichtung undenkbar

Jürgen Gerdes, neben Frank Appel ebenfalls im Vorstand der Deutschen Post, ist der Meinung eine Schlichtung in dem aktuellen Streik von Verdi sei undenkbar, denn es handele sich hier nicht um einen Streit über Tariffragen. Man könne nicht schlichten bei „freien unternehmerischen Entscheidungen“. Damit meint er die Neugründungen der Regionalgesellschaften der Deutsche Post-Tochter DHL namens „DHL Delivery“. Die Argumentationsidee: Man gründet eine ganz neue Firma, und dort werden ganz neue Arbeitsverträge ausgefertigt. Dass die Mitarbeiter von DHL nur von A nach B „umgebucht“ werden sollen, erwähnt er dabei nicht. Es ist kaum anzunehmen, dass die DHL Delivery neue Versandzentren baut – die Arbeit wird wohl in den selben Gebäuden, mit den selben Abläufen weitergehen wie bisher. Von „neuer Firma“ ist da wohl nur auf dem Papier die Rede.

Deutsche Post und Lohnkürzungen? Quatsch!

Wir zitieren hier am besten aus einer Pressemitteilung der Deutschen Post:

„Das im Vergleich zum Wettbewerb doppelt so hohe Lohnniveau verhindert aber auf mittlere Sicht, dass die Deutsche Post dauerhaft im Wettbewerb mithalten kann. Daher schlug sie vor, für zukünftige Mitarbeiter markgerechtere Löhne einzuführen, die sich an den von ver.di vereinbarten Regionaltarifen für die Logistik orientieren. Diese Gespräche hatte ver.di grundsätzlich abgelehnt. Daraufhin hatte das Unternehmen eigene Tochtergesellschaften gegründet und angekündigt, bis 2020 mindestens 10.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Inzwischen arbeiten bereits 6.000 Menschen für die neuen Gesellschaften, darunter bereits mehr als 2.000 vom externen Arbeitsmarkt, die alle nach den ver.di-Branchenlöhnen bezahlt werden. Diese neue Struktur ist unverzichtbar, um auch den heute bereits bei der Deutschen Post AG beschäftigten Mitarbeitern ihre Anstellung zu den heutigen überdurchschnittlichen Konditionen zu sichern, sagt Kreis.“

„Niemand verliert durch die DHL Delivery seinen Arbeitsplatz. Niemand hat dadurch Lohneinbußen oder den Verlust seines Besitzstandes zu befürchten. Aber nur durch eine dauerhaft wettbewerbsfähige Lohnstruktur können wir uns auch zukünftig erfolgreich am Markt behaupten. Wir appellieren an ver.di, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und im Interesse der Beschäftigten und ihrer Zukunft zu handeln“, fordert Melanie Kreis.“

Schon im ersten Satz sagt die Deutsche Post eindeutig, dass das Lohnniveau gedrückt werden soll. Im zweiten Absatz dann der krasse Widerspruch, niemand habe Lohneinbußen zu befürchten. Wie geht das? Kann mir das jemand erklären? Funktioniert wohl nur in der Traumwelt in der Vorstandsetage der Deutschen Post.

Dabei wird es nicht bleiben

Die Erfahrung lehrt: Bei dieser einen Auslagerung wird es nicht bleiben. Möglich, dass die Deutsche Post als nächstes in großem Umfang auch Festangestellte der Muttergesellschaft in eine eigene Gesellschaft „auslagert“. Jetzt nur eine Vermutung, aber kommt ein Vorstand ein Mal damit durch, ist er schon durch den Druck der Aktionäre und die sich verselbstständigende Spirale der Kostensenkungen gezwungen, immer weiter zu machen. Immer mehr outsourcen, immer mehr ausgliedern, immer mehr „optimieren“. Vielleicht erfindet die Deutsche Post dann für die Mitarbeiter in den Brief-Verteilzentren eine neue Gesellschaft mit dem tollen Namen „Deutsche Post Letter Distribution AG“.

Dass es auch anders geht, zeigt der Konkurrent UPS. Eigentlich würde man gerade von einem US-Anbieter brutale Mitarbeiterausbeutung erwarten, aber gerade dieser direkte Konkurrent von DHL beweist, dass man auf Ausgliederung und selbständige Paketfahrer verzichten kann, hohe Löhne zahlen und trotzdem als Unternehmen Gewinne einfahren und konkurrenzfähig bleiben kann.

Die Börse scheint derzeit jedenfalls den Zusicherungen von Frank Appel zu glauben, dass der Streik das Tagesgeschäft nicht allzu arg beeinträchtigt. Um am Ende noch etwas Öl ins Feuer gießen: Erst vor zwei Wochen wurde die Dividende für die Aktionäre von 0,80 auf 0,85 Euro pro Aktie erhöht… die Dividendenrendite der Post liegt derzeit bei 3,14%, die von UPS bei 2,9% – so viel zum Thema „Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit“.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Tom

    10. Juni 2015 13:25 at 13:25

    Sehr guter Artikel,der es auf den Punkt bringt.
    Die Deutsche Post hat einen Maktanteil von circa 42 %,ist faktisch Monopolist;Hat allein 2014 einen operativen Gewinn von circa 3 Milliarden genacht(bei 56 Milliarden Umsatz).
    Das Lohndumping wird nur angestrebt um den Gewinn AUF 5 Milliarden zu vergrößern imZuge der Shareholder-Value-Strategie 2020;
    dies ist der eigentliche Kern und nicht die angebliche Wettbewerbsunfähigkeit d.h.selbst systemimmanent lügen diese Leute.Zugleich genehmigen jene die Wasser predigen sich selber immer den edelsten Wein..die Vorstandsbezüge erhöhen sich kontiuierlich…allein Herr Appel hat letztes Jahr ein Salär inklusive Boni von circa über 9(!!)Millionen Euro eingestrichen.
    Und da stellt sich dieser Typ hin und verlangt das Arbeiter für die gleiche Arbeit noch weniger Geld verdienen sollen..eine bodenslose Unverschämtheit!
    Wie da aussieht kann man in der stationären Bearbeitung ganz konkret festmachen:Für die gleiche Arbeit bekommt dabei ein neuer Mitarbeiter maximal 1.200 Euro,während jemand mit Besitzstand(das setzt eine Betriebszugehörigkeit von mindestens 15 Jahren voraus,weil ab dem Jahre 2000 schon einmal niedrigere Löhne vereinbart wurden) circa Minimum 2000 Euro verdient.Eine Differenz von 800 Euro …die aber entscheidend ist um ein vernünftiges Leben führen zu können.Das ganze Beispiel bezieht sich übrigens auf Akkord +Nachtschicht wohlgemerkt,für die Kräfte amTag schaut es noch lausiger aus.
    Der Autor hat recht:Dieses Outsourcing..wenn es durchkommt ist nur der Anfang..sie quetschen die Beschäftigen wie eine Zitrone aus..für den abfall soll dann der Staat aufkommen..mit Hartz 4 usw.
    Deshalb ist der Streik mehr als berechtigt!

  2. Avatar

    ZustellerMA

    10. Juni 2015 17:14 at 17:14

    Sollte die Sparpolitik der Deutschen Post glaubhaft klingen und notwendig sein, was bei einem operativen Ergebnis von fast 3 mrd Euro nicht nachvollziehbar ist, dann Herr Appel bitte in allen Hierarchien nach steuern. Wenn Sie, Herr Appel schon behaupten unsere Löhne seien nicht wettbewerbsfähig, dann schaffen Sie bitte Perallelbedingungen. Kein Mitbewerber hat einen Konzernchef, der 9.560.000 € verdient, oder Vorstände mit Millionen Einkommen, keine RGB, keine
    49 Niederlassungsleiter, etc. Was meinen Sie würden alle diese Funktionsinhaber bei der Konkurrenz verdienen? Garantiert mehr wie die Hälfte weniger. Können die Mitbewerber das was wir können. Bundesweit EA zustellen, Bildzeitungsaktionen an alle Haushalte etc. Wenn wir schon außergewöhnliches leisten, dann bitte auch gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne schaffen. Auch wenn ich meinen Job liebe und bis vor kurzem Stolz war bei der Deutschen Post zu arbeiten muss ich sagen. Ich schäme mich für meinen AG

    • Avatar

      Bajon

      11. Juni 2015 16:11 at 16:11

      Es ist eine Bodenlose Frechheit wie der Postvorstand reagiert,haben einen Marktanteil von 42% bei Paketdienste und wollen den neuen Mitarbeitern (DElivery) die Löhne bis 30% weniger zahlen.Die kriegen den Hals nicht voll.Die Aktionäre müssen befriedigt werden,Ausschüttungen steigen.Alle zusteller müßten auf die Straße gehen und steiken, damit der Raffzahn endlich aus seiner Traumwelt erwacht und zur Realität zurückkehrt.

  3. Avatar

    appelraus

    12. Juni 2015 00:26 at 00:26

    Konzernchef raus und dem Unternehmen würde es noch besser gehen.

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Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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am

Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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