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Deutschland schuld an der Deflation? Der Ökonom Flassbeck und das fehlende Wort „Schulden“

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Von Markus Fugmann

Heiner Flassbeck zählt zweifellos zu den bekanntesten Ökonomen Deutschlands. Nun hat er in einer Art „Medienschelte“ die Kritik aus Deutschland an der EZB-Politik scharf zurück gewiesen. Tenor: Deutschland sei schuld an der Deflation in der Eurozone, niemand sonst!

Und das liest sich so:

„Was sich die deutschen Medien nicht trauen zu sagen, wir müssen es offen konstatieren: Es war vor allem Deutschland, dass dem Rest der Eurozone eine Politik der Senkung der staatlichen Ausgaben und eine Politik des Drucks auf die Löhne aufgezwungen hat, ohne zu bedenken, dass damit die Nachfrage in der Eurozone insgesamt zu schwach werden könnte. Deswegen ist Deutschland in erster Linie verantwortlich für die Deflation, die jahrelange Wachstumsschwäche und die Nullzinsen sowie die Enteignung seiner eigenen Sparer. Die EZB tut dagegen, was eine Notenbank tun kann, nämlich die Zinsen senken. Dass das nicht reicht, haben wir immer wieder gesagt..“

Flassbeck watscht in einem Parforce-Ritt die deutschen Medien ab, „Handelsblatt“, „FAZ“, „Welt“ – sie alle bekommen ihr Fett weg, alle ahnungslos, irgendwie bösartig, wenn sie die EZB kritisieren. Aber stimmt das wirklich, dass Deutschland schuld ist an der Deflation?

Klar: Die Merkel-Regierung hat lange darauf gedrungen, dass in Europa solide gewirtschaftet wird, man selbst ging mit gutem Beispiel voran und erzielte sogar einen leichten Überschuß, der Konjunktur in Deutschland sei Dank. Aber hat Deutschland wirklich die derzeitige Deflation verursacht mit seiner Politik? Flassbeck meint ja, und erkennt richtigerweise das Problem in der fehlenden Kreditnachfrage, nicht im Kreditangebot:

„Europa hat kein Kreditproblem, sondern ein Nachfrageproblem. Genau das dürfen aber die deutschen Leitmedien nicht sagen, weil das ja das Eingeständnis wäre, dass die deutsche Politik einschließlich großer Teile der Opposition und der meisten deutschen Chefredaktionen seit Jahren im Gleichschritt in die falsche Richtung marschiert sind.“

Dass Deutschland das eigentliche Problem sei, sehe nach Flassbeck auch Draghi so:

„Dass Draghi die Implementierung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes anmahnt, zeigt eindeutig, dass sich sein Appell vor allem an Deutschland richtet, das gemessen an den Regeln des Paktes den größten Spielraum hat, um expansive Politik zu betreiben, also die öffentlichen Defizite zu erhöhen, indem der Staat mehr ausgibt (für Investitionen) oder die Steuern senkt. Draghi fordert also indirekt die deutsche Regierung auf, die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone durch eine Ausweitung der Nachfrage zu unterstützen.“

Flassbeck möchte also Steuersenkungen und steigende öffentliche Verschuldung vor allem Deutschlands, damit dann am deutschen Wesen die Welt genesen könne. Aber irgendwie hat man den Eindruck, dass Flassbeck die Dinge sehr aus der deutschen Brille sieht: Deutschlands Politik schuld am Desaster, sodass nun nur Deutschland das wieder in Ordnung bringen könne. Ein bißchen sehr viel Deutschland in Flassbecks Kopf, sozusagen eine Art masochistischer Nationalismus!

Aber kein Wort davon bei Flassbeck, dass die Ursachen der Deflation wenn überhaupt nur zu einem minimalen Teil wirklich durch deutsches Verschulden zustande gekommen sind. Viel wichtiger sind die deflationären Wirkungen der globalisierten Internet-Ökonomie, die zu einem globalen Konkurrenzkampf und damit zu sinkenden Preisen führt. Der Trend geht stark zur Automatisierung – Maschinen ersetzen Menschen, weshalb Löhne nicht nachhaltig steigen, und ohne steigende Löhne keine Inflation.

Dazu kommt die Vergreisung der Gesellschaft: wer älter wird, investiert weniger, die Bevölkerung in Deutschland nimmt ab (es sei denn, die Flüchtlinge ersetzen die fehlenden Geburten), daher sinkt latent auch die Kreditnachfrage. Von alldem bei Flassbeck kein einziges Wort, sondern immer nur: böse deutsche Politik, die arme EZB tut was sie kann, ist aber hilflos, weil sie von der deutschen Politik so schmählich im Stich gelassen wird.

Und – das ist noch ärger – Flassbeck glaubt an das, was eigentlich nicht mehr glaubhaft ist: werden Steuern gesenkt, geben Leute mehr Geld aus, sodass die zunehmende Verschuldung durch wieder steigende Steuereinnahmen gegenfinanziert werden könne. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das ein Wunderglaube ist, der in der Realität nicht funktioniert!

Was ist das eigentliche Problem? Die überbordende Verschuldung von Staaten und Menschen. Wer verschuldet ist, muß Schulden zurück zahlen – und hat wenig Luft für neue Kredite. Das einzige, was wirklich nachhaltig gewachsen ist, sind die Schulden. Rückzahlung? Immer unwahrscheinlicher. Flassbecks Rezept: mehr Schulden machen, dann wird das schon irgendwie! Wird es nicht! Sondern die Schulden werden weiter steigen, das auf Pump finanzierte Wachstum nicht ausreichen, die Verschuldung nachhaltig wieder zurück zu führen. Im Grunde ist das, was Flassbeck vorschlägt, Keynes der ältesten Schule!

Man kann Deutschland durchaus Fehler vorwerfen. Aber die deutsche Position, dass Schulden nicht ewig wachsen können, ohne dass das System kollabiert, ist rationaler als Flassbecks Glauben an das Wunder-Wachstum durch Verschuldung. Wenn das vorwiegend aus angelsächsischer Ideologie entstammende Verschuldungs-System kollabiert sein wird, dürfte sich die von Flassbeck so scharf kritisierte deutsche Haltung als richtig erweisen!

9 Kommentare

9 Comments

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    Juke

    16. März 2016 13:25 at 13:25

    Flassbeck hat an anderer Stelle auch andere Lösungen für das Deflationsproblem gegeben. Eine seiner Thesen ist, dass Inflation innerhalb einer Währungsunion nur noch über die Löhne gesteuert werden kann. Deutschland sei das einzige Land, dass sich an diese „Inflations-Vorgabe“ der Währungsunion nicht gehalten hat weil es über Jahre hinweg die Löhne bzw. Lohnstückkosten nicht so stark angehoben hat wie z.B. Frankreich oder andere Länder. Damit drückt es die Gesamtinflation der Eurozone und verschafft seinen Unternehmen einen Kostenvorteil. Es gibt dazu einige gute Vorträge auf YouTube. Nennt sich etwas reißerisch „Ende des Euro kommt 2017“. Deutschland müsste demnach also nicht Steuern senken oder sich weiter verschulden, sondern massiv die Löhne erhöhen.

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    Wolfgang Koch

    16. März 2016 13:51 at 13:51

    Mutti hör die Signale!Sei endlich ein anständiges Mädchen&folge deinem „Bimbesdaddy“!Hau die Kohle raus,als gäb’s kein Morgen!Schaffe blühende Landschaften in Südeuropa.Pleitiert?Deutschland,ist der €uro gerettet&alles wird gut!Was sind schon mehrere Billionen Schulden in einer Galaxie von der keiner den Anfang,geschweige das Ende kennt?Ich bin immer noch praktizierender Monty-Pyton- Fan(Ältere werden ihn kennen&hoffentlich achten!),habe aber immer gedacht,dass er Satire verfilmt.Es beschleicht mich aber mehr&mehr die Gewissheit,dass es die ungeschminkte Wahrheit darstellt!Neuestes Werk:Die Ritter der €uronuss!Meine Bestände an Weihrauch&Myrrhe habe ich an die Weisen verkauft&nur das schnöde Gold behalten.Verpisst €uch ihr Anhänger der ultralockeren €urojudäischen Befreiungsfront!

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    Uwe L

    16. März 2016 18:52 at 18:52

    das fehlende Wort Schulden

    der Beitrag geht inhaltlich fehl da er die wahre Ursache der hohen Staatsverschuldung seit 2007 nicht benennt.
    die Bankenrettung seit 2007 hat die Staatsschulden weltweit stark steigen lassen und damit das ganze Desaster ausgelöst. Und warum mussten diese vom Volk gerettet werden, weil die herrschenden Eliten für ihr Wohlstandsleben das Volk weiter abzocken müssen. So einfach ist das.

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    M.Schmidt

    16. März 2016 19:19 at 19:19

    Irgendwie witzig: man liest immer nur von Schulden. Die Vermögen, die dem gegenüberstehen, scheint es gar nicht zu geben?
    Desweiteren frage ich mich, warum die Banken ihre „Rettung“ nicht zurückzahlen müssen sondern weiterhin exorbitante Boni ausschütten können.
    Und Arbeitseinkommen wird weiterhin wesentlich höher besteuert als Kapitaleinkommen…..Das ganze System ist doch oberfaul!

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    Fritz Huber

    16. März 2016 19:34 at 19:34

    Nun für Hrn. Flassbeck ist Deutschland auch Schuld, wenn in China ein Fahrrad umfällt – darum lebt er ja in Frankreich!

    Die guten Schüler müssen schlechter werden, damit die Schlechten nicht mehr so schlecht aussehen.

    Cui_bono – wem nützt die Schuldenmacherei? nur den Banken! Das Bruttosozialprodukt ist üblicherweise groß genug, um die Bedürfnisse eines Volkes abzudecken. Die Staaten kommen mehrheitlich nur durch die Zinslasten in Schwierigkeiten. Und woher kommt das Geld? aus Geldschöpfung der Banken aus dem Nichts.

    Abhilfe schafft man nur dadurch, dass die Länder wieder die Hoheit über das eigene Geld übernehmen – dann kostet das Geld auch keine Zinsen.

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    Traumschau

    16. März 2016 21:11 at 21:11

    Herr Fugmann,
    sie haben sich einen kleinen Zipfel von Aussagen Flassbecks heraus genommen und meinen nun, diese seien jetzt die Position von Flassbeck! Das ist ein grandioser Irrtum! Aber der Reihe nach:
    1. „Flassbeck möchte also Steuersenkungen und steigende öffentliche Verschuldung vor allem Deutschlands, damit dann am deutschen Wesen die Welt genesen könne.“

    Flassbeck möchte Steuer-Erhöhungen – insbesondere für die Unternehmen und Reichen. Warum? Weil die Unternehmen in DE mittlerweile Nettosparer sind. Die Haushalte sparen, die Unternehmen sparen und Schäuble spart. Wer soll denn jetzt die Ersparnisse aufnehmen? Na, das Ausland natürlich! Unser mickriges Wachstum ist nur dadurch zustande gekommen, dass sich das Ausland jedes Jahr für über 200 Milliarden Euro verschuldet, um unsere Waren abzunehmen – Exportüberschüsse! Aber wir wollen ja kein Wachstum auf Pump, oder?
    Da unsere Nachbarn ja alle einem absurden Austeritätskurs unterworfen sind, ist es klar, dass nur DE durch öffentliche Investitionen die Situation für Europa ändern kann, wenn die anderen Sektoren in DE sparen. Und natürlich brauchen wir ein insgesamt höheres Lohnniveau, gerade bei den unteren Einkommensbeziehern!!

    2. „Es war vor allem Deutschland, dass dem Rest der Eurozone eine Politik der Senkung der staatlichen Ausgaben und eine Politik des Drucks auf die Löhne aufgezwungen hat, ohne zu bedenken, dass damit die Nachfrage in der Eurozone insgesamt zu schwach werden könnte.“
    Sie unterschlagen die zentrale Aussage Flassbecks, der unermüdlich darauf hinweist, dass die Lohnmoderation, also die Abweichung von der Goldenen Lohnregel (Produktivitätsfortschritt plus Zielinflationsrate), dazu geführt hat, dass wir das Inflationsziel der EZB von 1,9% immer unterlaufen haben. Dadurch haben wir einen Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren Nachbarn erreicht: Diese haben sich zwar etwas zu hohe Löhne gegönnt, allerdings ist es deshalb falsch zu sagen, nur die anderen seien Schuld. Die Lohnstückkosten sind entscheidend! Die Auswirkungen dieser Politik sehen wir an unseren Exportüberschüssen, die dummerweise zugleich die Defizite, d.h. Schulden der anderen sind.
    Schauen sie sich doch mal die Finanzierungssalden der Sektoren der deutschen Volkswirtschaft an – dann wird alles sofort klar!

    3. Flassbeck hat noch sehr viel mehr zum Gesamtkomplex (Finanzmärkte, Währungssystem, Industrie 4.0, etc.) gesagt, was ich aber nicht alles ausführen möchte – es gibt ja genügend Vorträge von Flassbeck bei YT.

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    Steven

    17. März 2016 16:22 at 16:22

    Wann wurden denn in Deutschland steuern gesenkt und damit bewiesen das die Gegenrechnung nicht funktioniert ????

    Also bitte FMW … Warum gehört h.f. wohl zu den bekanntesten dt Ökonomen(erster Satz!) …weil es so schlecht ist ?!

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      Markus Fugmann

      17. März 2016 16:25 at 16:25

      @Steven, vielleicht nicht in Deutschland, aber in anderen Ländern durchaus..
      Ich spreche Flassbeck doch nicht ab, Qualität zu haben, halte aber seine Gegenvorschläge überwiegend für eher altmodisch und extrem-keynesianisch..

      • Avatar

        Steven

        17. März 2016 16:57 at 16:57

        Das weis ich nicht . Behaupte aber mal ganz plump in diesen Ländern ist gleichzeitig ..wenn nicht sogar vorweg gehend , die Arbeitslosigkeit gestiegen (explodiert ). Da bringen dann auch Steuersenkungen nichts .

        Dann stimmt es wieder das die gegenrechnung nicht funktioniert .
        🙂

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Trump: Rede auf dem Weltwirtschaftsforum Davos – Live-Feed

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Donald Trump spricht auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos – wird er wieder protektionistische Aussagen machen, nach dem Phase 1 Deal mit China eventuell Europa in den Blick nehmen mit der Androhung von Strafzöllen? Hier der Live-Feed zur Rede:

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Weltwirtschaftskrise – vorher schnell noch reich werden

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Beispielbild für die Weltwirtschaftskrise

Die globale Überschuldung zwingt die Notenbanken in eine Interventionsspirale. Die positiven Auswirkungen des Gelddruckens sollte man nutzen, bevor es zu einer Weltwirtschaftskrise kommt.

Relativer Wohlstand und Sicherheit statt Weltwirtschaftskrise

Nach wie vor ist vielen Menschen nicht bewusst, wem sie die scheinbare Normalität ihres Alltags zu verdanken haben. Die statistisch relativ niedrige Arbeitslosigkeit, die steigenden Vermögenspreise, die oberflächliche Stabilität des Bankensystems, Sicherheit, Freiheit, Rechtssicherheit, Unterhaltung, die Versorgung mit Lebensmitteln, Energie, Wasser, Medikamenten bis hin zur Müllentsorgung funktionieren nur noch deshalb, weil in Europa die EZB und in vielen anderen Regionen der Welt die zuständigen Noten- und Zentralbanken die Wirtschaft mit Billionensummen und historisch niedrigen Leitzinsen stabilisieren. Schon eine relativ kurze Zeitspann ohne diese Notfallmaßnahmen würde alle genannten Segnungen in akute Gefahr bringen.

Das Krisenmanagement der Zentralbanker kann man grundsätzlich kritisieren. Doch wie würde man selbst als Präsident oder Präsidentin der Europäischen Zentralbank handeln? Kann man sich überhaupt moralisch über einen Mario Draghi oder eine Christine Lagarde erheben, ohne die sich die Eurozone bereits in einer für alle spürbaren Zerfallskrise befände? Fakt ist, dass all die Immobilienmakler, Aktienhändler, Goldbugs (zu denen ich mich selbst zähle) sowie bonusverwöhnte Top-Manager ihre Erfolge und Einkommen nicht ausschließlich den eigenen Fähigkeiten verdanken, sondern in essenziellem Maße der zunehmenden Interventionspolitik der Notenbanken. Viele Ökonomen, Bestsellerautoren und Hobby-Volkswirte, die es angeblich besser wissen, würden die von ihnen prognostizierte Weltwirtschaftskrise sofort selbst auslösen, wenn sie ihrer Kritik entsprechend als Zentralbanker diese „unseriöse“ Geldpolitik sofort beenden würden.

Alt und arm ist keine Option

Anstatt sich also über andere zu erheben oder die Realität zu ignorieren, sollte man den positiven Beispielen aus der gut dokumentierten Weltwirtschaftskrise von 1929 ff. folgen. Schaut man sich die Geschichte der „Great Depression“ an, dann litten besonders die Menschen, die die Krise und ihre Herausforderungen nicht haben kommen sehen am meisten unter den Folgen. Anders als z. B. die Familie Kennedy, die erst dank des Geschäftsmannes, Diplomaten und Börsenspekulanten Joseph P. Kennedy durch den Boom am Aktienmarkt und den folgenden Crash im Jahre 1929 zu einer wohlhabenden Dynastie aufstieg oder der wohl berühmteste Short-Seller aller Zeiten, Jesse Lauriston Livermore, der auch als König der Börsenspekulanten und bester Trader aller Zeiten in die Annalen der Börsengeschichte einging (Buchempfehlung: „Das Spiel der Spiele“ von Edwin Lefèvre). Diese Männer gingen wohlhabend durch die Krise und stellten später im Falle der Kennedys sogar den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Natürlich kann niemand mit Gewissheit sagen, wie sich der Verlauf der nächsten Weltwirtschaftskrise gestaltet, wie stark unsere Demokratie noch Schaden nehmen und wie sich die Sicherheitslage darstellen wird. Aber wenn man das Wissen um die Ursachen und Auswirkungen der zunehmend systemrelevanten Geldpolitik besitzt, dann sollte man dieses Wissen auch nutzen und gemäß den Erkenntnissen des Ökonomen Richard Cantillon und dem nach ihm benannten Cantillon-Effekt im eigenen Interesse und im Interesse der eigenen Familie und Freunde opportunistisch handeln (siehe Video). Denn nur wer später noch Mittel zur Verfügung hat, kann auch anderen Helfen und eventuell sogar die Zeit nach der Krise mitgestalten. Wobei Letzteres wohl realistisch betrachtet in die Kategorie „Illusionen“ gehört. Aber nur so besteht zumindest die Chance auf ein menschenwürdiges Leben auch im Alter, trotz der vermutlich unvermeidbaren Weltwirtschaftskrise.

Die Interventionsspirale und ihre Wirkung

Optionen, wie man eine solche Krise verhindern und aus der Interventionsspirale ausbrechen kann, gibt es spätestens seit dem Platzen der New-Economy-Blase nicht mehr. Damals machte Alan Greenspan den Anfang mit radikalen Zinssenkungen, um die Folgen des Zusammenbruchs der Aktienmärkte weltweit abzumildern. Ab 2006 setzte Ben Bernanke diese Politik mit dem Start der „QE-Programme“ fort, gefolgt von der gelpolitischen „Verwalterin“ Janet Louise Yellen und nun in extremer Form neu gestartet durch Mr. Jerome Hayden „Jay“ Powell.

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Kreditwachstum abgekoppelt von der Wirtschaftsleistung – die Gründe

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Das Kreditwachstum der letzten Jahre in Deutschland ist beeindruckend. Die Bundesbank hat aktuell dazu ausführliche Daten und Grafiken veröffentlicht. Man schaue auf die folgende Grafik seit den 1980er-Jahren, wo das Kreditwachstum (an Unternehmen außerhalb der Finanzbranche) in Prozentpunkten als blaue Linie dargestellt wird. Man sieht, wie die Wirtschaftsleistung (schwarze Linie) zuletzt immer mehr Richtung Nullwachstum abfällt, aber das Kreditwachstum eine viel höhere Wachstumsrate aufweist. Woran liegt das?

Kreditwachstum vs Wirtschaftsleistung

Schauen wir dazu auch auf die folgende Grafik, wo das jährliche Kreditwachstum (Durchschnitt in blauer Linie) seit 2014 dargestellt wird. Hier auf diesen kurzen Zeitraum bezogen ist der Dreh von vormals negativen Raten ins Plus gut erkennbar. Selbst zuletzt, wo die gesamte Wirtschaftsleistung (BIP) immer mehr Richtung Null-Linie läuft, verharrt die Wachstumsrate bei Krediten über 5%.

Kreditwachstum seit 2014

Was wir lobend erwähnen möchten: Die Bundesbank hat mit einem sehr einfach verständlichen Text die Gründe dafür aufgearbeitet, warum das Kreditwachstum sich von der Wirtschaftsleistung abgekoppelt hat. Bevor wir noch einen anschließenden Kommentar abgeben, hier die Bundesbank im Wortlaut:

Die Buchkredite deutscher Banken an nichtfinanzielle Unternehmen in Deutschland sind in den letzten Jahren nachhaltig und über alle Laufzeiten, Wirtschaftszweige und Bankengruppen gestiegen. Wesentlichen Einfluss auf diesen Aufschwung hatten die anhaltende konjunkturelle Erholung sowie die gesunkenen Kosten der Kreditfinanzierung. Das kräftige Wachstum der Unternehmenskredite lässt sich mit diesen beiden Größen allein jedoch nicht vollständig erklären.

Mögliche weitere Einflussgrößen sind sowohl auf der Kreditnachfrage- als auch auf der Kreditangebotsseite zu finden. Nachfrageseitig relevant waren vor allem das anhaltend niedrige Zinsniveau sowie Verschiebungen in der Finanzierungsstruktur der Unternehmen und in der Investitionstätigkeit einzelner Wirtschaftszweige. Infolge der lebhaften Baukonjunktur sowie des damit verbundenen Preisauftriebs bei Bauleistungen und Immobilien erhöhte sich vor allem der Mittelbedarf des Bau- und Immobiliensektors. Dieser ist typischerweise besonders kreditintensiv, was dazu führte, dass die Kredite an diesen Wirtschaftszweig zur treibenden Kraft des Kreditaufschwungs wurden. Auf der Angebotsseite fällt auf, dass die Banken ihre Kreditvergabepolitik in den letzten Jahren wiederholt lockerten. Sie führten dies vor allem auf die angespannte Wettbewerbssituation im Bankensektor zurück.

Zusätzlich spielten die ab 2014 beschlossenen geldpolitischen Sondermaßnahmen des Eurosystems eine Rolle, die über ihren rein zinssenkenden Effekt hinaus positiv auf die Kreditdynamik wirkten. Eigene empirische Analysen auf der Basis von Bankbilanz-Einzeldaten deuten darauf hin, dass Banken in Deutschland, die an den gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften und am
erweiterten Programm zum Ankauf von Vermögenswerten teilnahmen, in den Jahren 2014 bis 2019 ein höheres Wachstum der Unternehmenskredite aufwiesen als nichtteilnehmende Banken. Darüber hinaus geben Umfragedaten Hinweise darauf, dass das negative Niveau des Einlagesatzes für sich genommen zwar die Nettozinserträge der Banken dämpfte, jedoch bislang nicht zu einer Einschränkung ihrer Kreditvergabe führte.

Kommen wir zur letzten Bemerkung der Bundesbank. Bislang gebe es also noch keine Anzeichen für eine Einschränkung der Kreditvergabe durch die Banken. Geht das Kreditwachstum also weiter, auf hohem Niveau bei 5%? Wir erinnern an die im Detail erläuterte Prognose des Bankexperten Markus Krall. Viele Beobachter mögen seine Analysen und Schlussfolgerungen ablehnen, weil sie zu viele Variablen enthalten. Aber dennoch sind die Worte von Markus Krall aufschlussreich. Durch das Fehlen der Zinsmarge bei den Banken (dank der von der EZB abgeschafften Zinsen) schmelze das Eigenkapital der Banken derzeit immer weiter ab. Da die Banken für jeden vergebenen Kredit einen gewissen Teil an Eigenkapital vorhalten müssen (als Risikovorsorge für ausfallende Kredite), müssten die Banken ab einem bestimmten Zeitpunkt ihre Kreditvergabe einschränken, da sie ja ein ständig schrumpfendes Eigenkapital hätten, so Markus Krall.

Und laut seinen Berechnungen (sehen Sie dazu bitte folgendes ausführliches Video ab Minute 32) werde die Kreditkontraktion (weniger Kreditvergabe durch die Banken) Ende 2020/Anfang 2021 einsetzen, weshalb die Wirtschaft mangels neuer Kredite massive Probleme bekommen werde. Soweit die Theorie von Markus Krall. Wird es so kommen? Zumindest basierend auf den aktuellen Aussagen der Bundesbank läuft jetzt noch alles rosig. Aber es sind ja noch mindestens 3 Quartale Zeit, bis laut den Schätzungen von Markus Krall die Kreditkontraktion einsetzen soll.

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