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Die Auswirkungen der chinesischen Stahlschwemme in Europa

Redaktion

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FMW-Redaktion

China hat massive Überkapazitäten in seiner Stahlindustrie angehäuft – das zeigte sich schon Mitte 2015. Zu viele Werke, Mitarbeiter, zu viel produziertes Volumen. Die KP verkündete bereits auf dem letzten großen Kongress man werde Überkapazitäten abbauen. Dennoch versucht China parallel zu Massenentlassungen von Millionen eigener Stahlarbeiter sein überschüssiges Stahlangebot am Weltmarkt loszuwerden. Und wie macht man das? Richtig, mit Dumpingpreisen, also unter den eigenen Produktionskosten. Und diese Dumpingpreise zerstören jetzt gerade die europäische Stahlindustrie, so drastisch darf man es formulieren.

Der indische Industriekonzern Tata, der mit seiner Tochter Tata Steel in Großbritannien bisher massiv präsent war, hat vor allem durch den Druck der Chinesen die Lust auf Großbritannien als Stahlstandort verloren. Gestern verkündete man den Großteil seiner dortigen Standorte für einen symbolischen Kaufpreis von 1 Pfund an den Finanzinvestor Greybull Capital verkauft zu haben. Der nennt die neuen Standorte zukünftig wieder „British Steel“. Das zauberte gestern schnell ein Lächeln auf viele patriotische Gesichter auf der Insel, aber die Freude dürfte nur von kurzer Dauer sein. Denn ein Finanzinvestor, wie es der Name schon sagt, ist nicht wohltätig unterwegs, sondern will Rendite sehen. Besseren Stahl als Tata wird man auch nicht produzieren können, also wird es zwangsläufig heißen: Entlassungen, Gehaltskürzungen usw. So hat man gestern auch als Teil des Kaufs verkündet, mit Gewerkschaften und Zulieferern Kostensenkungen vereinbart zu haben.

Das größte britische Stahlwerk in Port Talbot in Wales mit 4.400 Mitarbeitern ist nicht Teil des Deals, und ist wohl kaum noch zu retten. Hier muss David Cameron entweder von Staatsseite her retten, oder den Standort fallen lassen. Seine Gegner halten Cameron und seiner Partei vor seit der Ära von Margaret Thatcher die ganze Industrie zerstört zu haben. Jetzt steht er, auch gerade mal zwei Monate vor der Brexit-Wahl, vor dieser schwierigen Entscheidung, ob UK dauerhaft zubuttern soll in ein Stahlwerk. Auch wäre fraglich, in wie weit die EU-Kommission das überhaupt erlauben würde als verbotene staatliche Subvention. Käme es noch kurz vor der Brexit-Wahl zu genau dieser Problematik, würde das womöglich deutlich mehr Briten ins Brexit-Lager treiben. Aktuell ausgelöst wurde dieses Problem, das natürlich auch struktureller Natur ist, seit knapp einem Jahr vor allem durch die Schwemme des chniesischen Überangebots.

Deutschland

In Deutschland sieht es da kaum besser aus. Gestern veranstalteten (was ungewöhnlich ist) Stahlarbeiter und ihre Arbeitgeber in Deutschland einen gemeinsamen Aktionstag gegen den chinesischen Dumpingstahl. Vor allem wurde in Richtung EU-Kommission gefordert endlich umfassende Strafzölle gegen chinesischen Stahl zu erheben. Merkwürdig oder auch fast lustig: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabiel war auf einen großen Protestbühne in Duisburg anwesend und beteiligte sich am Protest. Aber eigentlich ist er doch der Adressat des Protests, oder? Er müsste doch als verantwortlicher Minister in dieser Sache in Brüssel vorstellig werden bei Herrn Juncker und umgehend auf Importzölle bestehen. Warum steht er auf der Bühne  und protestiert mit, mag sich so manch Stahlarbeiter vor der Bühne gefragt haben. Gabriel sagte gestern zwar er werde die Stahlarbeiter unterstützten – wie genau, sagte er aber nicht.

Proteste gab es im Saarland, in Duisburg und in Berlin. Auch wg. strengerer EU-Umweltauflagen, aber vor allem wg. dem Hauptproblem China gingen die Stahlarbeiter auf die Straße. Gewerkschaftsvertreter wie auch Arbeitgeber warnten vor umfassenden Jobverlusten in Deutschland in relativ kurzer Zeit, sogar von 50% der Arbeitsplätze war die Rede.

Die chinesischen Stahlexporte haben sich in den letzten 3 Jahren verdoppelt, und alleine im letzten Jahr sanken die weltweiten Stahlpreise (laut der Stahlholding Saar) um 28%. Man stelle sich das mal bei VW oder einem Restaurantbetreiber vor, wenn man dort die Preise so weit senken müsste. Was würde das wohl dort für den Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze bedeuten? Wenn China, wie es nun wirklich jeder Spatz von den Dächern pfeift, weit unter Produktionspreisen den Stahl auf den Weltmarkt wirft, hilft in der Tat nur noch eins: Strafzölle, sofort, in deutlicher Höhe – solange bis chinesische Anbieter wieder zu marktwirtschaftlichen Preisen „fair“ arbeiten.

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    John C.

    13. April 2016 05:21 at 05:21

    Die politische Entscheidung in China ist bereits gefallen. Subventionen für die Stahlbetriebe sollen „demnächst“ gestrichen werden. Es kann sich da also nur noch um Jahre handeln… wahrscheinlich genau so lang bis sich Europa auf Strafzölle einigt. Dann werden die Subventionen gerade rechtzeitig aufgehoben, dass die Zölle nicht in Kraft treten.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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