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Die Chinesen, ein Volk von Sparern? Das war einmal – Leben mit Krediten, heißt die Devise!

China wandelt sich zu einer Nation verschuldeter Unternehmen und Haushalte – und da kommt ein Handelskrieg eigentlich zu Unzeit

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Trotz der viel beschriebenen Mentalität des chinesischen Volkes, mit seinem Fleiß, seiner Leidensfähigkeit und seiner Unterwürfigkeit, gibt es eine Entwicklung im Lande, die zeigt, wie stark man sich westlichen Gepflogenheiten schon angenähert hat – dem Leben auf Pump. Hatten chinesische Haushalte in den letzten Dekaden noch eine unglaubliche Sparrate von 30 Prozent, so scheint sich dieses Verhalten, auch initiiert durch die Regierung, geändert zu haben.

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Auf dem Weg zu einer Konsumgesellschaft

Die Daten zeigen es. Die private Haushaltsverschuldung kletterte in den vergangenen zehn Jahren von 18 auf 53 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Sie liegt damit schon weit über dem Durchschnittswert für Entwicklungsländer von 40 Prozent. Gemäß einer Studie der Bank of International Settlements unter 54 Volkswirtschaften hat eine zu hohe private Haushaltsverschuldung von mehr als 60 Prozent des BIP gravierende Langfristkonsequenzen für den Konsum. Eine Marke, die China nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF), könnte bereits 2023 erreicht haben könnte.

Lange hieß es, dass sich private Haushalte ruhig noch höher verschulden können“, bemerkt Zhang Zhiwei, China-Chefökonom der Deutschen Bank.

 

Chinas Schuldenprobleme nehmen zu

China wandelt sich zu einer Nation verschuldeter Unternehmen und Haushalte – und da kommt ein Handelskrieg eigentlich zu Unzeit. Wie bereits mehrfach berichtet lagen die Unternehmenskredite bei 160 Prozent zum BIP, aktuell bei astronomischen 19,7 Billionen US-Dollar. Die Achillesferse Chinas (wie der Aktienmarkt für die USA).

Die kleine Baoshang Bank stand erst kürzlich vor der Pleite und musste vom Staat aufgefangen werden. Das Niveau der Kredite an Privathaushalte beträgt mit 6,6 Billionen US-Dollar bereits ein Drittel der Unternehmenskredite. Während Peking sich bereits seit drei Jahren des Problem des Schuldenabbaus im Unternehmenssektor angenommen hat, waren 2017 private Haushalte zum ersten Mal die größten Empfänger neuer Kredite. Dabei steigt die Verschuldung insbesondere in ärmeren Provinzen, wo man sich kurzfristig verschuldet, um langfristige Immobilienschulden zu bedienen, sagt eine Studie der Deutschen Bank.

Alles in allem zeigt es doch wie es auch China schwerfallen sollte, dem neuen Druck eines eskalierenden Handelskriegs standzuhalten und das Wachstumsziel von mindestens sechs Prozent zu erfüllen.

 

Fazit

Schulden machen, heißt die Devise, nicht nur im Land der unendlichen Möglichkeiten (Kreditkarten). Der Trend ist jetzt auch im Reich der Mitte zu sehen, mit einer Gesamtverschuldung von 244 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt. Wo soll das hinführen, lautet die ebenso philosophische wie praktische Frage?

Aber die großen Schulden wurden noch nie zurückgezahlt, sondern inflationiert und mit einem großen schmerzhaften Cut gestrichen, genau wie die Vermögen. Aber wann? Historisch gesehen in einem langen Menschenleben, aber wir wollen jetzt nicht spekulieren.

Noch ein Wort zur Leidensfähigkeit des chinesischen Volkes: Die aktuellen Bilder aus Hongkong, wo sich Schüler und Studenten zu Hunderttausenden mit Ketten und in Häftlingskleidung zeigen, wie man sich gesellschaftlich schon im Wandel befindet – 30 Jahre nach den Vorfällen auf dem Platz des Himmlischen Friedens.

In Festlandchina leben bereits hunderte Millionen Chinesen in Städten, in zunehmend westlichem Lebensstil. Diese werden sich im Falle eines Wirtschaftseinbruchs nicht so einfach in die Zeiten des Arbeiter- und Bauernstaats zurückwerfen lassen. Entbehrungsbereit und unterwürfig ja und weitaus stärker als „Joe Sixpack“ in den USA, aber nicht so wie in vergangenen Jahrzehnten. Das weiß Xi Jinping, deshalb auch die Politik der Nadelstiche gegenüber dem großen Konkurrenten. Aber er wird vorsichtig sein in seinen Reaktionen, im Bewusstsein, dass es den großen Wirtschaftseinbruch zu verhindern gilt.

 

Von Mauchai – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7650610

4 Kommentare

4 Comments

  1. tm

    12. Juni 2019 11:52 at 11:52

    “ mit einer Gesamtverschuldung von 244 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt.“

    Wurde diese Zahl nicht noch vor recht kurzer Zeit hier angezweifelt?

    „ber die großen Schulden wurden noch nie zurückgezahlt, sondern inflationiert und mit einem großen schmerzhaften Cut gestrichen“

    US-Schuldenquote 1944: über 120%, 1982: 30%
    UK-Schuldenquote 1950 fast 250%, 1990: 30%
    Irland Schuldenquote 1985: 110%, 2007: 24% (und jünst von 120% auf 65%)
    Die Liste lässt sich leicht fortsetzten und das alles ohne „schmerzhaften Cut“.

    Für China dürfte es alelrdings tatsächlich schwieriger sein als für die o.g. Länder, da die demographische Situation weitaus schwieriger ist.

    • Wolfgang M.

      12. Juni 2019 14:37 at 14:37

      Hallo tm. Natürlich findet sich der ein oder andere Staat, der seine Verschuldung zurückführen kann. Aber die Regel sagt doch etwas anderes. Seit 1800 gab es 227 Staatspleiten, Spanien ist 13-mal dabei, aber auch Österreich und Deutschland mit jeweils sieben Mal. (Auslöser waren natürlich oft Kriegskosten). Dafür sorgt schon der negative Zinseszinseffekt. Lassen Sie mal Schulden über 200 Jahre mit drei Prozent oder mehr p.a. wachsen.
      VG

      • Shong09

        12. Juni 2019 15:19 at 15:19

        Wie ™ das schon sagte, bei einer Inflationsrate die über dem Zinssatz liegt, wie aktuell eben auch bei diversen Währungen, spielt die Zeit für den Schuldner und es bedarf keinerlei Tilgung, in 50 Jahren haben Sie dann einen realen Nennwert, der vlt noch bei 20% der ursprünglichen Schulden liegt. Dafür hat ™ doch auch schöne Bespiele angeführt, ganz ohne Schuldenschnitt. BIP Wachstum und weitere Verschuldung nicht weiter betrachtet, erstes wird die Weginflationierung durch Vergrößerung des Nenners noch begünstigt haben, letzteres hingegen wirkt dem natürlich entgegen, hat aber auch mit dem ursprünglichem Schuldenstand nichts zu tun (abgesehen von Zinszahlungen).

        Ich habe in Ihrem Text, Wolfgang M, gedanklich an entsprechender Stelle anstatt einem und ein oder platziert, und schon ist es stimmig.

        • Wolfgang M.

          12. Juni 2019 16:18 at 16:18

          @Shong09. Haben Sie da nicht noch etwas vergessen? Den Verbraucher! Wenn die Inflationsrate Jahrzehnte über der Zinsrate liegt, ist der Realzins negativ, die Vermögen nehmen ständig ab und alle Vorsorgesysteme geraten ins Schlingern. Der Verbraucher kann immer weniger konsumieren, die Unternehmen leiden. Bei einem negativen Realzins über ganz lange Zeiträume kollabiert die Volkswirtschaft. Bei erhöhter Kreditaufnahme entsteht irgendwann hohe Inflation.
          So einfach funktioniert die finanzielle Repression nicht.
          Gruß

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