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Die Deutsche Bank auf dem Fußballplatz: Der Schiri ist schuld…

FMW-Redaktion

Das ist wohl der beste Vergleich für die aktuellsten Aussagen der beiden Deutsche Bank-Vorstände Jürgen Fitschen und John Cryan. An den jüngsten Kursverlusten der Deutsche Bank-Aktie sei die Bundesregierung (der Schiedsrichter) mit schuld, so darf man ihre Aussagen verstehen. Denn durch ein im letzten Jahr verabschiedetes deutsches Gesetz über die Haftungsregeln für Anleihegläubiger hätten die Ratingagenturen Schuldtitel als riskaner eingestuft, so die beiden gegenüber der FAZ in einem Interview.

So sagen die beiden, dass die klassischen Anleihen von Banken in Zukunft durch Ratingagenturen als riskanter eingestuft werden, weil durch das neue Gesetz in Deutschland normale Anleihen deutscher Banken bei zukünftigen Schieflagen zur Abdeckung von Verlusten herangezogen würden. Die Bundesregierung „hat zwar damit das Problem des Haftungskapitals gelöst, aber andere Probleme geschaffen. Das ist bislang nur in Deutschland so, was uns international zu einem Sonderfall macht“, so Cryan.

Also ist die Fußballmannschaft am schlechten Saisonverlauf und am verlorenen Spiel nicht selbst schuld, sondern der böse Schiri, weil er die Regeln verändert hat? Und nicht nur das. Auch an der Verunsicherung der Kapitalmärkte über die „Coco-Anleihen“ der Deutschen Bank sei nicht die Deutsche Bank schuld, sondern die gesetzliche Vorgabe, dass die Ausschüttung für diese Anleihen aus den Rücklagen der HGB-Bilanz zu erfolgen habe. Die ausländischen Anleger könnten aber mit der deutschen Rechnungslegung nichts anfangen. Man räume ein, dass es nicht gelungen sei die sehr technischen Aspekte klar und deutlich zu kommunizieren, so Cryan.

Damit macht Cryan dort weiter, wo Fitschen und Co aufgehört hatten. Irgendwie sind immer die anderen schuld. Aktuell ist anscheinend der Hauptschuldige der deutsche Staat mit seinen (nervigen?) Vorschriften. Ach, diese blöden deutschen Gesetzte, die scheinen echt zu stören beim Agieren auf dem internationalen Kapitalmarktparkett.

Auch interessant ist folgende Aussage von Cryan zu den Aktivitäten in Russland. Die „ins Gerede gekommenen Geschäfte mit russischen Aktien“ würden seiner Ansicht nach Fragen danach aufwerfen „wie wirksam unsere Systeme und Kontrollen sind“. Da kann man sich als Außenstehender doch fragen: Cryan und Fitschen sind doch die Chefs der Bank. Wieso stellen sie Fragen? Sie sind doch diejenigen, die Probleme abstellen können, mit nur einem Telefonat, einer Mail, einer Dienstanweisung. Worauf wird gewartet? Ist Herr Fitschen noch nicht lange genug im Amt? Ach ja, und für John Cryan sind die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Bank absurd, da man durch die Aufseher gezwungen werde sehr hohe Barmittel vorzuhalten.

Da ist er wieder, dieser durchgehend genervte Unterton in jedem Satz. Der Staat, der Gesetzgeber, diese ganzen Regeln, das nervt irgendwie alles nur, stimmts?. Man stelle sich vor die Bank könnte endlich ganz ohne diese nervigen Regeln agieren. Dann könnte sie endlich effizient, höchst gewinnträchtig und völlig ohne Probleme arbeiten, richtig??



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