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Hintergrund

Die große Umverteilung von Eigentum

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„Letztlich kann man nur von denen wegnehmen, die was haben..“ (Daniel Stelter)

Angesichts der ausufernden Schuldenspirale mehren sich die Anzeichen, dass führende Politiker und Organisationen an einem Lösungsmodell für den worst-case arbeiten: so bemerkte die Bundesbank in ihrem Januar-Monatsbericht, dass „auch vorhandenes privates Vermögen dazu beitragen kann, eine staatliche Insolvenz abzuwenden“. Wie nicht anders zu erwarten, zeigte sich das deutsche Finanzministerium wenig begeistert – man möchte schließlich keine schlafenden Hunde wecken.

Der Vorstoß der Bundesbank bedeutet nichts anderes als Enteignung durch den Staat – hier zunächst noch auf den Fall einer Staatsinsolvenz begrenzt. In ähnliche Richtung zielte schon im Oktober 2013 der IWF mit seiner Publikation „Taxing Times“.

Denn eins dürfte sowohl der Bundesbank als auch dem IWF klar sein: die Schulden wachsen schneller als die Wirtschaft. Die aktuelle Krise um die Schwellenländer gewinnt ihre Bedeutung vor allem dadurch, dass den Finanzmärkten dämmert, dass die Verschuldung auch im Westen nicht geordnet zurückführbar ist.

Sie bestrafen mit Kapitalflucht daher zunächst mit den Schwellenländern die schwächsten Glieder der Verschuldungskette. Aus den einstigen Highflyern wurden in rasender Geschwindigkeit Problemkinder. Wird diese Dynamik nicht schnell gebremst, ist ein Übergreifen der Krise auf Europa (noch vor den USA) nicht zu vermeiden, schließlich sind die Schwellenländer nur die Spitze des Verschuldungs-Eisbergs.

Während aber in den Schwellenländern insbesondere die Konsumenten verschuldet sind, nicht aber die Staaten selbst (aufgrund eines nicht ausgeprägten Sozialsystems), sind in der westlichen Welt die Staaten verschuldet, weniger aber ihre Konsumenten. So hart es klingt: im europäischen Westen begann die Ausbildung des Sozialstaats Ende des 19.Jahrhunderts – in Deutschland unter Bismarck – parallel zur imperialistischen Dominanz der europäischen Großmächte. Die sozialen Segnungen gingen in Westeuropa nicht nur, aber auch auf Kosten der Kolonialisierten.

In den USA begann dieser Prozess erst unter der Regierung der Demokraten mit ihrer Forderungen, dass jeder Amerikaner ein Anrecht auf ein Eigenheim haben müsse, also tief im 20.Jahrhundert. Subtext dieser Forderung war: wenn wir als Amerikaner (besonders nach dem Untergang der Sowjetunion) schon die Welt beherrschen, dann soll es uns auch gut gehen. Das Scheitern dieser Illusion – ewig steigende Immobilien-Preise, Kredite auch an extrem bonitätsschwache Kreditnehmer – war Auslöser der Finanzkrise ab 2007. Es ist kein Zufall, dass die USA als erste die Krise überwinden konnten, weil die Verschuldung über Kreditverbriefungen ins Ausland exportiert worden war. Die „Restwelt“, besonders aber deutsche Landesbanken etc., hat sich an dem einzig echten Exportschlager der USA – Schulden – schwer verhoben und die Rechnung überwiegend bezahlt.

Die USA aber hatten, neben dem Schuldenexport, eine zweite Wunderwaffe: die amerikanische Fed. Die ultralaxe Geldpolitik der Fed rettete zunächst die amerikanischen Banken, sollte aber auch über Anleihekäufe die Hypothekenzinsen künstlich niedrig halten und so den US-Immobilienmarkt wieder in Schwung bringen. Das ist gelungen, allerdings treten als Käufer eben kaum „die“ Amerikaner auf, sondern Profinvestoren, die das billige Geld der Fed in den Immobilienmarkt pumpten.

Die ultralaxe Geldpolitik der Fed seit der Finanzkrise dient der Bekämpfung der Deflation, dem zentralen ökonomischen Trauma amerikanischer Geschichte. Dahinter steht der Glaube und die Hoffnung, dass mit dem Drucken virtuellen Geldes auch die „echten“ Preise wieder steigen werden, also die Realwirtschaft wieder anspringt.

Das ist der zentrale Hoffnungsmythos der Notenbanken und ihres welthistorisch einmaligen Experiments: die Notenbanken rechtfertigen ihr Tun mit „der hoffenden Seite der Deflationsbekämpfung. Die setzt darauf, dass eines Tages der Leistungssektor Produktivität und Output so stark gesteigert haben wird, dass die jetzt durch Manipulation geschwellten Preise aufgrund neuer „echter“ Werte auf der jetzigen Höhe auch dann verharren, wenn die Manipulationen aufhören“ (Gunnar Heinsohn).

Die aktuelle Krise speist sich nun aus zwei Quellen: erstens der beginnende Reduzierung der Anleihekäufe durch die Fed (Tapering), zweitens durch die Erkenntnis, dass die zentrale Hoffnung der Notenbanken sich nicht erfüllt. Die Realwirtschaft bleibt deflationär, während das billige Geld Inflation an den Aktienmärkten und bei Staatsanleihen produziert hat. Faktisch muss sich jetzt die Schere zwischen deflationärer Realwirtschaft und inflationärem Aktienmarkt/Staatsanleihen schließen.

Die Notenbanken aber verlieren die Kontrolle. Sie haben die Märkte lange beherrscht und manipuliert, scheitern aber an ihren eigenen geldpolitischen Illusionen. Und wenn die Notenbanken die Kontrolle verlieren, verlieren die Gläubiger den Glauben an die Rückzahlbarkeit von Schulden.

Deswegen werden insbesondere die Vermögenden im Westen bezahlen müssen, wenn Staaten verhindern wollen, dass ein plündernder Mob durch die Straßen zieht. Wir stehen vor einer gigantischen Umverteilung!

Ein Kommentar

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    max

    31. Januar 2014 12:02 at 12:02

    „…verlieren die Gläubiger den Glauben an die Rückzahlbarkeit von Schulden.

    Deswegen werden insbesondere die Vermögenden im Westen bezahlen müssen, wenn Staaten verhindern wollen, dass ein plündernder Mob durch die Straßen zieht. “

    Hervoragender Artikel, der an allen Schulen und Universitäten dauerinhaliert werden sollte.

    Nur der letzte Absatz bedarf imho der Korrektur: Wie stets wird die Lösung INFLATION eißen…

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finanztreff

Beste aller Welten eingepreist! Videoausblick

Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten – kein Risiko, nirgends..

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Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten: die Fed werde ihnen nicht mehr weh tun, es werde einen tragfähigen Deal zwischen den USA und China geben, dazu auch eine Lösung im US-Budgetstreit (heute muß sich Trump entscheiden, ob er den Kompromißvorschlag annimmt oder nicht). Gleichzeitig sind die US-Indizes so überkauft wie seit Ende 2016 nicht mehr (als damals nach einem ersten Schock über die Wahl Trumps eine massive Rally eingesetzt hatte). All das kann noch extremer werden – aber die Vergangenheit lehrt: lange geht so eine Vertrauensseligkeit nicht gut. Der Dax hinkt den US-Märkten weiter hinterher..

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Dax: Bullenpower sieht anders aus..

Über das radikale Auseinanderdriften der globalen Aktienmärkte..

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

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Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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