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Die Inflation kommt: Paradigmenwechsel an den Finanzmärkten

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Von Markus Fugmann

Es hat sich etwas verändert, seit letztem Donnerstag. Das Entscheidende ist nicht, dass die EZB nochmals die Zinsen auf mehreren Ebenen gesenkt hat. Das hat sie schon oft getan, und davon ist die Welt nicht untergegangen, aber auch nicht wirklich besser geworden. Die entscheidende Botschaft der EZB vom Donnerstag ist: wir werden Inflation erzeugen! Und diese Inflation wird einerseits ausgelöst durch die beabsichtige Ausweitung der Bilanzsummme der EZB, andererseits – noch entscheidender – durch eine stärkere Abwertung des Euro, die auch von der europäischen Politik gewollt ist, insbesondere der Politiker der Euro-Peripherie. Die EZB wird so zur globalen Liquiditätsspenderin Nummer eins in der Welt, damit faktisch zur wichtigsten Notenbank der Welt. Sie löst die amerikanische Fed ab, und die Märkte werden bald realisieren, dass die Musik, zu der man tanzen muß, in Frankfurt spielt – nicht mehr in New York (Aktienmarkt), Washington (Fed) oder Chicago (Futures-Märkte).

Und wenn die EZB zur wichtigsten Notenbank avanciert, wird Frankfurt faktisch der zentrale Marktplatz der Kapitalströme. Im Herbst wird die EZB die Aufsicht über die 121 größten Banken der Eurozone übernehmen – und diese Zentralisierung des europäischen Finanzmarkts ist in seiner Bedeutung für die Zukunft kaum zu überschätzen. Dabei fällt der Aufstieg Frankfurts zusammen mit dem Abstieg Londons, dessen Zukunft als Finanzzentrum Europas stark gefährdet ist. Nicht zufällig ist das britische Pfund seit Wochen schwer unter Druck. Es geht um die Frage, welche Rolle London in der Zukunft spielen wird, und die derzeit noch dominante Rolle der britischen Hauptstadt als Finanzzentrum ist schweren Gefährdungen ausgesetzt. Schon der Austritt Schottlands wäre ein schwerer Schlag, aber wenn die Briten aus der EU austreten, wird London von den zentralen Nervensträngen der Finanzströme abgekoppelt. Es würde ein bedeutender Finanzplatz bleiben, aber eben ein randständiger – ein Ort, an dem nicht mehr zentrale Zukunftsentscheidungen getroffen werden.

Das Zentrum verschiebt sich so nach Deutschland. Faktisch gibt es ja derzeit zwei Machtfaktoren in der westlichen Welt: die Politik einerseits, und die Finanzmärkte mit ihren Big Playern (vor allem die Notenbanken) andererseits. Liegt das poltische Zentrum Europas bereits in Berlin, so wird mit Frankfurt auch das Finanzzentrum der global bedeutendsten Notenbank in Deutschland lokalisiert sein. Das ist eine enorme Bedeutungsausweitung Deutschlands in der Welt. Man wird sehen müssen, wie die deutsche Poltitik mit dieser neuen Rolle umgehen wird – jedenfalls dürfte der nächste Kanzler (oder Kanzlerin) noch selbstbewußter agieren, als es Merkel schon tut.

Zurück zur Inflation. Unmittelbar nach der EZB-Entscheidung hat sich auch an den Märkten etwas verändert – die Inflationserwartung. Die Renditen für länger laufende Staatsanleihen gingen nach oben, weil die Märkte in the long run erkennen, dass Inflation die logische Folge der EZB-Politik sein wird. Bislang war das Thema eher zu niedrige Inflation bzw. gar Deflation, weswegen die Prämien für Staatsanleihen kontinuierlich fielen. Wenn sich die Erwartung ändert – was bereits passiert ist – beginnt an den Finanzmärkten ein völlig neues Spiel.

Diese neue Spiel manifestiert sich schon daran, dass die amerikanischen (Staats-)Anleihemärkte in den letzten Wochen auf die Entwicklung in Europa stark reagieren – vor allem auf die Entwicklung der 10-jährigen deutschen Staatsanleihe, als sie unter die 1%-Marke fiel. Zuvor war es genau umgekehrt: alles orientierte sich an amerikanischen Staatsanleihen. Aber seit einigen Wochen, so hat es Bill Gross, der den größten Anleihefond der Welt steuert, formuliert, setzt die deutsche Budnesanleihe den „Marktton“ auch für amerikanische Staatsanleihen. Das Zentrum des größten Marktes der Welt verschiebt sich also bereits nach Frankfurt!

Bislang war ja der Träger der eigentliche Hausse der Staatsanleihenmarkt, nicht wirklich die Aktienmärkte – trotz deren Allzeithochs in den USA und – zwischendurch – auch beim Dax. Die Renditen für deutsche, spanische, französische etc. Anleihen fielen immer weiter, von einem historischen Tief zum nächsten. Die Entwicklung war eine Lawine in Zeitlupe. Aber diese Lawine ist nun schon im Tal angekommen, ebenso wie die Renditen für längerlaufende Staatsanleihen. Die Anleihemärkte werden das Opfer der neuen Inflationserwartung. Die Party ist vorbei. Wenn die Gefahr besteht, dass die Inflation in den nächsten zehn Jahren über 3% oder gar über 5% steigt, bin ich etwa mit einer deutschen 10-jährigen Staatsanleihe, deren Rendite aktuell knapp unter 1% liegt, nicht gerade gut bedient. Auch nicht mit einer 10-jährigen spanischen oder italienischen Anleihe, deren Renditen jeweils noch knapp über 2% liegen. Es ist vermutlich kein Zufall, dass Staaten wie Spanien, Portugal und Frankreich noch kurz vor der EZB-Sitzung letzten Donnerstag noch einmal zu extrem vorteilhaften Konditionen Staatsanleihen mit 15 Jahren, 30 Jahren und 50 Jahren (also extrem langen Laufzeiten) am Markt platziert haben – ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Bislang ist in den letzten Jahren die Liquidität vorwiegend in Staatsanleihen geflossen. Wenn das nicht mehr passiert, verschiebt sich automatisch die Tektonik der Finanzwelt. Wohin wird das Geld stattdessen strömen? In die Wirtschaft, in Form von Krediten für Unternehmen? Vielleicht, aber wenn, dann nur marginal. Der Hauptstrom des frei werdenen Kapitals wird einerseits in die Aktienmärkte fließen und so die Hausse dort noch einmal mehr anfachen. Hinzu kommt, dass auch China versucht, seinen Aktienmärkten globale Bedeutung zu verschaffen, indem es Kapitalströme ab Oktober nach Hong Kong lenkt – und andererseits den Yuan in Frankfurt und London als Weltwährung etabliert. China wird so den run auf Aktien noch zusätzlich verstärken – seit August läuft in China eine Regierungskampagne, die den Chinesen dringend rät, in Aktien zu investieren, nach dem Motto: seid jetzt dabei im chinesischen Aktienmarkt, bevor die Ausländer großflächig einsteigen.

Die Aktienmärkte sind also das einer der neuen Profiteure – wenn die Inflationserwartung steigt, sind Aktien als Sachwerte eine gute Sache, vor allem dann, wenn sogar noch Dividenden ausgeschüttet werden. Und das andere sind natürlich Sachwerte wie Rohstoffe, die in den letzten Jahren nicht gerade die Highflyer waren. Besonders lohnend etwa dürfte Gold sein, vor allem, wenn man auf einen Anstieg dess Goldpreises in Euro spekuliert – weil der Euro als globale Billig-Währung faktisch der Muster-carry-trade für die Finanzwelt sein wird. Eines der zentralen Argumente für Gold ist ja Inflation – und da die Finanzwelt eher Deflation erwartet hatte, wird es auch einen Paradigmenwechsel beim gelben Metall geben.

Wichtig aber ist: Sachwerte werden einen Höhenflug erleben, weil die durch die Politik der EZB gesteuerte Geldmenge deutlich stärker in der Realwirtschaft ankommen wird als bisher. Auch die Umlaufgeschwindigkeit des geschöpften Geldes wird deutlich steigen. Rohstoffe sind endlich, die Ausweitung der Nullen bei der Geldschöpfung aber potentiell unendlich – mit der Folge, dass die Preise für Rohstoffe steigen. Dass dies bislang nicht passiert ist, liegt an der Tatsache, dass bisher keine entscheidende Notenbank zwischen den Zeilen so klar die Absicht formuliert hat, die Inflation anzuheizen.

Ich war bisher kein Verfechter des Goldes: als Krisenmetall für den worst-case erschien es mir zu angreifbar – wenn es darauf ankommt, wird sein Besitz von den Regierungen (oder Notenbanken) gerne verboten. Das ist historisch des Öfteren schon passiert – und kann, wenn das Gesamtsystem des westlichen Finanzkapitalismus ernsthaft gefährdet ist, wieder passieren. Aber bis dahin ist eine Spekulation als Wette auf einen Anstieg des Goldpreises, vor allem in Euro, mehr als verlockend!

Wird das Experiment „wir erzeugen Inflation“ gelingen? Unwahrscheinlich. Aber es wird an den Finanzmärkten eine neue Party auslösen, diesmal jedoch mit anderen Vorzeichen: Aktien und Sachwerte hui, Staatsanleihemärkte pfui. Ensteht dadurch Wirtschaftswachstum? Eher nicht. Inflation ohne Wachstum ist Stagflation. Für die Bürger der Eurozone ist das eine schlechte Nachricht: ein fallender Euro wird die Importkosten erhöhen und so die Lebensshaltungskosten steigen lassen, während gleichzeitig die Löhne nicht oder nur wenig steigen (Maschinisierung, globale Lohnkonkurrenz der Arbeitnehmer). Und damit verstärkt sich der Trend zur Vermögensumverteilung von unten nach oben. Wer dem entgehen will, sollte jetzt besser in Sachwerte investieren.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Gregor

    9. September 2014 10:05 at 10:05

    Ich hätte eine Frage an Sie:
    Wie stellen Sie sich die Situation vor,wenn in den westl. Ländern das Chaos herrscht und ich glaube bei einer starken Inflation ist das der Fall,könnten Regierungen noch ein Goldverbot aussprechen oder den Goldhandel aussetzen.Wer würde sich daran halten?In Deutschland würde ein Bürgerkrieg ausbrechen,wir haben genug Immigranten,die nicht mehr alimentiert werden könnten und in der Situation möchte ich eine Regierung sehen ,die ernsthaft noch Gesetze durchsetzen kann.Im Strafrecht ist sie heute schon nicht mehr in der Lage.

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Aktuell: Pinterest-Aktie mit erstem Börsenkurs 25% im Plus

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Die Pinterest-Aktie wurde gestern mit 19 Dollar offiziell an die Erstzeichner verkauft. Soeben wurde der erste frei handelbare Börsenkurs an der New York Stock Exchange mit 23,75 Dollar festgestellt. Hat diesmal ja „nur“ zwei Stunden gedauert, bis der Kursmakler in der Erstauktion die Preisfindung geschafft hat. Damit notiert die Aktie 4,75 Dollar oder genau 25% über dem gestrigen Emissionskurs. Aktuell steigt sie sogar etwas weiter auf 24,51 Dollar. Mehr Detail-Infos zum Pinterest-Börsengang finden Sie hier.

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Markus Koch LIVE vor dem Wall Street-Start: Pinterest im Fokus

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Markus Koch berichtet gerade im LIVE-Video von der Wall Street. Aktuell ist die heutige Erstnotierung der Pinterest-Aktie im Fokus.

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Commerzbank DB-Fusion: Zwei Gründe, warum es kein Zurück mehr gibt

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Der folgende Text ist eine rein subjektive Meinung! Also, zur Sache. Die Deutsche Bank kann eigentlich nicht mehr zurück. Nach trostlosen Jahren unter Anshu Jain sowie dem tristen Sanierer von der Insel (wer kennt noch seinen Namen?) versucht nur der sachliche Bankkaufmann Christian Sewing sein Glück an der Spitze der Deutschen Bank. Die angedachte Fusion mit der Commerzbank ist seit Jahren der einzige Hoffnungsschimmer für die DB. wie traurig. Nicht tolle Geschäfte, sondern noch „eine weitere Fusion“ bringt Hoffnung in die Bude.

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Wir hatten bereits darüber geschrieben. Die Deutsche Bank ist das Paradebeispiel dafür, dass Zukäufe und Fusionen zum Zwecke des „Immer größer werden“ nicht automatisch ein gutes Ende finden. Bankers Trust gekauft, Morgan Grenfell gekauft, Postbank gekauft, Sal Oppenheim gekauft. Und trotzdem ist die Deutsche Bank ein Rendite-Desaster, und im Investmentbanking auch keine Profit-Fabrik wie die Konkurrenten aus dem Ausland. Aber die merkwürdige Hoffnung ist da, dass durch die Fusion mit der Commerzbank nun endlich alles besser wird. Bei der CoBa schön massiv Stellen streichen und runter mit den Kosten, und dann durch einen Riesen-Zuwachs im Mengengeschäft die Gewinne hochschrauben? Das scheint die Hoffnung zu sein.

Commerzbank muss „in gute Hände“ kommen

Ist die DB für die Commerzbank ein guter Ehepartner? Es geht wohl eher darum, was die Politik denkt, was gut und richtig für die Commerzbank ist, beziehungsweise für das deutsche Finanzsystem. Jüngst tat die Berliner Politik ja alles um so zu tun, dass die mögliche Fusion eine rein privatwirtschaftliche Sache sei. Man halte sich da raus. Dabei ist es in Berlin und Frankfurt ein offenes Geheimnis, dass der ehemalige Goldman Sachs-Chef in Frankfurt Jörg Kukies, der seit dem Amtsantritt von Olaf Scholz Staatssekretär im Bundesfinanzministerium ist, diese Fusion hinter den Kulissen vorantreibt.

Aber nochmal ein Schritt zurück. Seit Monaten haben die Gerüchte immer weiter zugenommen, dass Commerzbank und Deutsche Bank über eine Fusion sprechen. Aber erst vor genau vier Wochen gab es dazu die offizielle Bestätigung. Seit dieser offiziellen Verkündung lief die CoBa-Aktie besser als die Aktie der Deutschen Bank. Und seit Jahresanfang, wo die Gerüchte so langsam aufkamen, hat die CoBa im Kurs um satte 42% (! ! !) zugelegt.

Von 5,70 auf 8,08 Euro, das ist ein guter Trade gewesen für jemanden, der im Januar eingestiegen ist. Auf lange Sicht aber ist dieser Anstieg im Chart kaum wahrnehmbar. Noch schlimmer ist die Lage beim Betrachten dieses Charts, der bis 2015 zurückreicht. 2016 lag das Tief in der Commerzbank-Aktie bei 5,20 Euro. Ende 2018 wurde dieses Tief fast wieder erreicht. Die Fusionsgerüchte mit der DB brachten die Kurswende für die Aktie. Der Markt preist positive Ereignisse immer schon mit Gerüchten und Erwartungen vorher in die Kurse ein.

Was, wenn nun die Fusion abgesagt wird? Die Phantasie wäre weg, und der Kurs würde einbrechen. Das kann sich die Commerzbank kaum leisten. In der Banken-Szene ist es ein offenes Geheimnis, dass es in Frankreich und den Niederlanden durchaus Banken geben soll, die Interesse daran hätten die Commerzbank relativ günstig zu schießen. Aber wohl am Ehesten könnte die italienische UniCredit bereit stehen als Käufer. Und das wäre wohl ein absolutes No Go für die Berliner Politik. Man sehe nur, zu was für einer leeren Hülle die Italiener die HypoVereinsbank gemacht haben, die einst eine der vier großen deutschen Banken war. Ein ähnliches Schicksal könnte der Commerzbank als UniCredit-Außenstelle bevorstehen.

Man darf davon ausgehen, dass die Bundesregierung dies nach Möglichkeit vermeiden will, im Sinne der finanziellen Staatsraison. Die Commerzbank selbst kann einen erneuten Kurseinbruch nicht brauchen, falls die DB-Fusion abgesagt wird. Durch den zuletzt immer weiter gestiegenen Aktienkurs wird nun auch die Fallhöhe nach einem Scheitern immer höher. Halten sich potenzielle ausländische Käufer danach erstmal zurück, könnte der CoBa-Kurs schön in die Tiefe rauschen. Dann könnten sie einen Anlauf nehmen für ihre Schnäppchenjagd. Und das kann die Berliner Politik kaum wollen. Olaf Scholz hat mit dem 15%-Anteil an der Commerzbank ein gewichtiges Wort mitzureden bei der letztlichen Entscheidung. Man darf durchaus vermuten, dass bei Problemen in den Fusionsgesprächen ein „nettes“ Machtwort des 15%-Eigentümers erfolgt. Los, seht zu, zieht die Fusion durch.

Commerzbank Handelssaal
Handelssaal der Commerzbank in Frankfurt am Main. Foto: FNDE CC BY-SA 4.0

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