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Die Volatilität kollabiert an allen Fronten – ein ehemaliger Fed-Gouverneur warnt vor nächster Finanzkrise

Gestern schloss das Volatilitätsbarometer VIX so tief wie seit dem Jahr 1993 nicht mehr. Also ist alles super, nachdem Macron in Frankreich die Stichwahl gewonnen hat, ist nun jedes denkbare Risiko aus den Märken scheinbar entwichen. Der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh aber warnt vor der grassierenden Vertrauensseligkeit und fühlt sich an die Zeit kurz vor Ausbruch der Finanzkrise erinnert!

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Gestern schloss das Volatilitätsbarometer VIX (das die erwartete Volatilität des S&P500 anhand der Optionspreise wiedergibt) so tief wie seit dem Jahr 1993 nicht mehr. Also ist alles super, nachdem Macron in Frankreich die Stichwahl gewonnen hat, ist nun jedes denkbare Risiko aus den Märken scheinbar entwichen.

Alleine seit dem ersten Wahlgang in Frankreich hat der VIX nun 32% verloren, gestern fiel der als Future gehandelte Volatilitätsindex 7,6% auf 9,77. Das wird schon deutlich bei der Handelsspanne: diese liegt in diesem Jahr beim S&P500 bei durchschittlich 0,31% – im Vorjahr 2016 waren es durchschnittlich noch 0,58%. Dabei stiegen die westliche Märkte seit Jahresbeginn, angeführt von den Aktienindizes in Frankreich und Deutschland (+11%) um durchschnittlich 9%.


(VIX)

Manch einer fühlt sich da an die seligen Zeiten kurz vor Ausbruch der Finanzkrise erinnert, so zum Beispiel die japanische Großbank Nomura in einer Mitteilung an ihre Kunden: die Rückkehr der Vertrauensseligkeit sei geradezu atemberaubend! Und das vor allem vor dem Hintergrund überwiegend schwacher US-Konjunkturdaten in den letzten Wochen und Monaten mit einem anämischen BIP im ersten Quartal von +0,7% – das schwächste Quartal seit Jahren. Aber die amerikanische Notenbank Fed signalisierte kürzlich ihre Zuversicht: alles in Ordnung, das letzte Quartal war nur ein temporärer Ausrutscher.

Dabei herrscht auch bei anderen Märkten sorgenfreie Ruhe: die Volatilität beim Euro Stoxx 50 fiel gestern auf den tiefsten Stand seit März. Am US-Anleihemarkt ging die Volatilität im Vergleich zum Vormonat um 24% zurück und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2016. Ein ähnliches Bild auch am Devisenmarkt: bei den G7-Währungen ist die Vola derzeit so niedrig wie seit über zwei Jahren nicht mehr.

Doch gibt es immerhin, wenngleich sehr vereinzelt, Warner. So gestern der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Walsh, der der US-Notenbank vorwirft, Herdenverhalten durch ihre Geldpolitik zu schüren – komme die nächste Krise, werde das daher umso schädlicher sein für die Wirtschaft, vor allem aber für die Finanzmärkte. Alle säßen im selben Boot, hätten die gleiche Meinung zur US-Konjunktur und Inflation, würden sich daher ähnlich an den Märkten positionieren. Das letzte Mal, als er so eine Gleichförmigkeit der Meinungen erlebt habe, so Warsh, sei vor 10 Jahren gewesen – mithin also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise.

Da niemand mit einem Abwärtsschock rechne, habe die Fed auch kaum Mittel, mit ihrer Geldpolitik die Folgen eines solchen Desasters abzufedern. Eines der großen Probleme derzeit, so Warsh weiter, sei, dass die US-Firmen zu wenig investierten, sondern das Geld meist für Aktienrückkäufe und Dividenden ausgeben würden.

Was aber bedeutet die derzeitige Vertrauensseligkeit, wie sie beim VIX sichtbar wird? Hier eine Einschätzung von Peter Garnry, der sich, anders als Kevin Warsh, kaum Sorgen zu machen scheint und damit mustergültig den Mainstream verkörpert:

24 Kommentare

24 Comments

  1. Avatar

    gerd

    9. Mai 2017 14:03 at 14:03

    Wir sollten uns langsam mal dran gewöhnen, dass ein Aktiendepot heute sowas ist wie früher das Sparbuch. Fast schon mündelsicher. Wozu da noch absichern?

    Es wurde ja ständig geklagt, dass die Masse der Menschen – insbesondere in Deutschland – Aktienmuffel sind.
    Jetzt tauschen sie ihr mickriges Sparbuch gegen ne hochrentierliche Anlage in Aktie und schon kommt Verwunderung auf.

    • Avatar

      PK

      9. Mai 2017 14:58 at 14:58

      aber sowas passiert halt. Solche Prozesse brauchen bei den Anlegern sehr sehr lange. Wir haben wirklich erstmals in Deutschland seit langem eine negative Realverzinsung und irgendwann kapiert auch der allerletzte, daß das vielleicht keinen Sinn mehr macht mit dem Sparbuch. Die exakte Bewertung des Dax ist für so einen Newcomer absolut uninteressant. Er sieht nur, daß er bei Daimler vielleicht 4% Dividende bekommt und auf sein Sparbuch 0.1%. Im Gegenteil, ein lange ansteigender Markt mit geringer Vola ist für so einen Anleger eher anziehend.
      Also, was ich sagen will, es kann schon sein, daß von solchen Anlegern noch ein zunehmender Anlagedruck in Aktien kommen wird.
      Und geringe Vola ist absolut kein Zeichen für eine Trendumkehr – sowas kann noch Monate nach oben kriechen. Es bedeutet aber, daß der Markt nach unten, falls er doch ins straucheln kommen sollte, recht schlecht supported ist. Dann setzt die übliche Stoplosskaskade ein.

  2. Avatar

    Thomas

    9. Mai 2017 15:19 at 15:19

    Schauen wir doch mal auf den Bondmarkt und die TÄGLICHEN Veränderungen:
    Frankreich 2 Jahre 5 Jahre 10 Jahre
    -0.49 +0.9% -0.01 +71.4% 0.81 +5.1%
    Ein Zuwachs in einer 5 Jährigen Staatsanleihe von 71,4 % ist schon ein Hammer

  3. Avatar

    Geduldsbär

    9. Mai 2017 15:28 at 15:28

    FED WARNT VOR ÜBERHITZUNG
    MERKEL SAGTE GESTERN ,EZB SEI SCHULD AM HANDELSBILANZÜBERSCHUSS MIT FRANKREICH,
    Das könnten Anzeichen sein ,dass der Druck auf die Notenbanken steigt, vor allem nach überstandener FR Wahl,die Geldschwemme einzudämmen, d.h die Feuerwehr könnte aufhören zu spritzen bevor der Wasserschaden grösser ist als der gelöschte Brand.

  4. Avatar

    Walter Schmid

    9. Mai 2017 18:26 at 18:26

    ACHTUNG!
    Die Banken machen in den letzten Monaten zunehmend massiv Werbung für die Aktienanlage, insbesondere für die von Ihnen vertriebenen Investmentfonds (natürlich zumeist hinter dem Deckmantel einer allgemeinen neutralen Anlageberatung). Das erinnert mich an Ende der 1990er Jahre. Den unbedarften Sparer wird die Performance der letzten 8 Jahre vorgelegt, der kommt dabei aus dem Staunen nicht mehr raus und lässt sich bequatschen. Wen wundert’s also, wenn die Kurse immer weiter steigen?

  5. Avatar

    Marko

    9. Mai 2017 18:28 at 18:28

    Ich hab auch noch ganz tolle Vergleiche zwschen 2000 und 2017 gelesen, super ! :D

    Was lassen sich die Bären noch so einfallen ?

    Jetzt, mal ehrlich, 2000 das war e-Commerce- Euophrie (!), wo seht Ihr hier Euphorie ?

  6. Avatar

    Marko

    9. Mai 2017 18:36 at 18:36

    Ich greife Euch Bären an, das stimmt, macht aber nix, a bisserl Spannung/Diskussion gehört dazu, dafür ist so ein Forum da.

    Was mich wundert, Ihr denkt an den nächsten Umkehrpunkt, bei 12800 ,12900, 13000 und dann haut ihr volle Kanne rein.

    Aber, dass das vieles ist, aber kein Bärenmarkt interessiert Euch nicht ?
    Jetzt schmiert Gold schon wieder ab…

  7. Avatar

    Marko

    9. Mai 2017 18:49 at 18:49

    Die Amis sind teuer, der Dicke (S&P 500) bei 2400,verstehe ich, alles klar…

    Nur was ich nicht verstehen kann, dass Ihr so negativ gegenüber Europa eingestellt seid, weil Europa einiges aufzuholen hat, gegenüber den Amis.
    Darüberhinaus haben die Bären ein Riesenproblem : die Notenbanken, die spucken Euch eiskalt in Eure Bärenphantasie-Suppe ! ;)

    Nochmal : kein Problem, jeder darf seine eigene Meinung haben, Ihr „befeuert“ die Hausse…

    • Avatar

      Robert14021984

      9. Mai 2017 19:14 at 19:14

      @Marko…ich glaub das sich die Bären die letzten Monate eine ganz schön blutige Nase geholt haben.. glaub das ein paar schon was gelernt haben und nicht einfach so reinshorten..
      kann auch mal umgekehrt laufen.. dieses ewige hoch kaufen und immer nach kaufen geht halt auch nicht ewig gut..

      keiner ist hier negativ Europa…
      die frage ist doch.. sollte die USA mal etwas runter kommen glaubst du wirklich das die EU Märkte dann weiter steigen ???

  8. Avatar

    Geduldsbär

    9. Mai 2017 18:59 at 18:59

    Wer denkt da Böses, könnte ja sein, dass irgendjemand zu hohen Preisen kaufen muss wenn irgendwelche mit vielen Milliarden zu hohen Preisen glattstellen wollen.Habe in diese Tagen gelesen,dass die CH Notenbank ( als vielleicht grösster Hedgefonds ) Apple Aktien im Wert von2,7 Mia Dollar besitzt.Glaubt jemand dass das eine Langfristanlage ist,die werden IRGENDWANN GEWINNE MITNEHMEN u.andere werden folgen.Die drucken tonnenweise CH FR ,kaufen Euros um den FR zu schwächen u.kaufen unter anderem vor allem US Aktien (ist einer der grössten Aktionäre von Apple ) FAZIT- ES WERDEN MIT GEDRUCKTEM GELD AKTIEN HOCHGETRIEBEN ! Das ist das Fundament der anscheinend alternativlosen Anlagen, MIR GRAUT’S Ich bin gespannt wie das endet, ich habe Geduld,DIE FALLHÖHE WIRD NUR GRÖSSER !

  9. Avatar

    Geduldsbär

    9. Mai 2017 19:16 at 19:16

    Mein Kommentar war hauptsächlich als Anmerkung zum Kommentar v.W.Schmid gedacht,der anscheinend ähnlich denkt wie ich .
    Noch ein Gedanke zu Marko, glaubt er wirklich,wenn die USA deftig korrigiert ,dass EU Aktien ein Eigenleben führen könnten ? ?

  10. Avatar

    Marko

    9. Mai 2017 19:18 at 19:18

    “ So gestern der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Walsh, der der US-Notenbank vorwirft, Herdenverhalten durch ihre Geldpolitik zu schüren – komme die nächste Krise, werde das daher umso schädlicher sein für die Wirtschaft, vor allem aber für die Finanzmärkte. Alle säßen im selben Boot, hätten die gleiche Meinung zur US-Konjunktur und Inflation, würden sich daher ähnlich an den Märkten positionieren. Das letzte Mal, als er so eine Gleichförmigkeit der Meinungen erlebt habe, so Warsh, sei vor 10 Jahren gewesen – mithin also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise.“

    mein lieber Markus, die letzte Finanzkrise sahen wir durch die Dummheit der US-Regierung Lehman pleite gehen zu lassen (ABS-Papiere) ?

    Das war wirklich, wirklich dumm, weil dann die QE-Programme, Zinssenkungen bis-zum-geht-nicht-mehr… kamen, die Folgen sehen wir bis heute, gerade in Europa !

    Die Geldpoltik der FED ist übrigens ok., will hier keiner hören, ich weiss…;)

  11. Avatar

    columbo

    9. Mai 2017 19:24 at 19:24

    Das menschliche Gehirn ist
    ein komplexes Organ mit der
    Fähigkeit, stets jene Gründe zu
    finden, die es einem Menschen
    erlauben, zu glauben, was er
    eben glauben will.

    • Avatar

      PK

      9. Mai 2017 19:31 at 19:31

      ja, deswegen sind wir ja so ungeeignet um an der Börse zu spekulieren.

      • Avatar

        PK

        9. Mai 2017 19:32 at 19:32

        P.S. Der erste Weg an der Börse erfolgreich zu werden ist sich dieser ganzen Fehler bewusst zu werden (vermeiden kann man sie sowieso nie ganz).
        Ist wie ein Alkoholiker, der als ersten Schritt annehmen muss, daß er einer ist.

        • Avatar

          Michael

          9. Mai 2017 21:43 at 21:43

          Wir sind so ungeeignet, an der Börse zu spekulieren weil???

          Weil an der Börse Subjekte und Objekte handeln, die kein Gehirn haben. Verantwortungslose Großzocker und dämlich programmierte Algorithmen.

          Interessanter Gedanke mit dem Alkoholiker, weil eigentlich genau das Gegenteil der Fall ist. Denn der Alki macht einen Fehler, weil er tatsächlich neben der Realität steht, aber glaubt, seine Sichtweise sei Fakt und die Realität läge daneben.
          An den Börsen werden von Party feiernden, irrationalen und geldgierigen (also mindestens vergleichbar Endorphinabhängigen) sogenannte Realitäten geschaffen, die aufgrund von Vernunft und Verstand handelnde Menschen per definitionem gar nicht verstehen können.

          Schleicht sich langsam eine Art typisch amerikanischer Doppel- oder Triplemoral ein, à la „Fuck my daughter, fuck my wife, I did this all for my family“

    • Avatar

      Walter Schmid

      9. Mai 2017 19:42 at 19:42

      @colombo
      Wie wahr. Des Menschen Glaube ist sein Himmelreich.

  12. Avatar

    Beobachter

    9. Mai 2017 19:35 at 19:35

    Zum Glück haben wir diesen Marko der alles besser weiss als alle andern u.uns wieder einmal bestätigt dass Börsen nur steigen können, ausser dumme US Regierungen u.Fed Gouverneure haben keine Ahnung und machen dumme Fehler.

    • Avatar

      Walter Schmid

      9. Mai 2017 19:47 at 19:47

      Ja, gut dass wir Marko haben. Der weiß echt Bescheid und kennt die Bären alle ganz genau.

  13. Avatar

    Marko

    9. Mai 2017 19:59 at 19:59

    Ihr Bären gebt nicht auf, super ! :D

    Dass ich mich in die „Höhle des Löwen“ wage, ist mir schon klar, aber Einsicht, von den Bären auf dieser Seite ?

    – Hätte ich auch nicht erwartet, meine Süßen… Wieso ?

    Ihr müsst noch viel mehr Kohle verlieren ! :D

    Herr Beobachter, Sie wissen was ABS-Papiere sind, ohne „Tante Google“ zu fragen ?

    „Short-sein“ ist immer gut ?

    Sie wissen, was die US-Regierung veranstaltet hat, in Sachen Lehman ? – Vielleicht sind das ja nur „Fake-News“, wer weiß ? :D

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      9. Mai 2017 20:01 at 20:01

      @Marko, Lehman war ein sicher ein Fehler, aber nur die Folge eines größeren Problems, nämlich das Platzen der US-Immobilienblase!

      • Avatar

        Marko

        9. Mai 2017 20:52 at 20:52

        Ja, aber Lehman, war der Auslöser eines der größten Finanzmarktwelt-Crashes aller Zeiten !

        Das war „kurz vor knapp“, generell gesehen,.

        Markus, Du hast Recht, damals (2007) waren wir (bzw. der Amiladen) in einer Immobilienblase, aber heute ?

        Der Immobilienmarkt mag derzeit „überhitzt“ sein, aber wir Deutschen sind keine Amis, die über Kredite auf Wertsteigerungen ihre Häuser spekulieren, dazu sind wir viel zu „seriös“… :D

        In einer Aktienblase ? – Verglichen mit 2000 ? – Definitiv nicht !!!

        Wie sieht es mit dem Rentenmarkt aus, der BUFU bei 160, das ist überhaupt keine Blase, da durch die Notenbaken „gewollt“ ? Wohin soll er denn steigen, der liebe BUFU auf die 200 ????

    • Avatar

      Michael

      9. Mai 2017 22:13 at 22:13

      @Marko
      Sehen Sie das ganze Börsengeschehen als Spiel „Bullen gegen Bären“?
      Als Verhöhnen Andersdenkender, wenn die Kurse mal für Sie laufen, als eine Art Monopoly für pubertäre Längenvergleiche?
      In Sachen Symptome Lehman wurde nicht richtig reagiert, weil man bereits die Ursachen nicht ausgerottet hatte. Die Chance, diesen Fehler nicht zu wiederholen, bestünde nun erneut. Denken Sie mal nach, bevor Sie weiterhin in der großen Euphorie schwelgen und die Blase weiter mit Heißluft versorgen…

  14. Avatar

    Marko

    9. Mai 2017 20:28 at 20:28

    Nein Markus, die Ursache für den Crash, war eben jener, dass die US-Regierung sich gedacht hatte, den Lehman-Brothers (den Bankern), den zeigen wir es…

    Wir lassen den Laden knallhart pleite gehen, als „Machtdemonstration“ sozusagen, dass das eine Kettenreaktion zur Folge hatte, haben die Amis nicht bedacht (Kettenreaktion), sowas war „dumm“.

    Ich kann eine bedeutende Bank nicht pleite gehen lassen, und dann denken : alles super… Deswegen ist z.B. die Deutsche Bank (mein Liebling) „sicher“, da „systemrelevant“. :D

    Und diesen ganzen Ami-Quatsch löffeln wir bis heute beispielsweise durch die QE-Programme aus !

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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fashionette: Onlineshop für Luxus-Shopping geht an die Frankfurter Börse

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Bürotürme in Frankfurt

fashionette ist kein normaler Onlineshop für Klamotten und Schuhe. Nein, hier werden nur hochpreisige Handtaschen, Schuhe, Schmuck etc verkauft. Darauf hat sich die Düsseldorfer fashionette AG spezialisiert. Man konzentriert sich auf die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Nach eigenen Angaben bietet das Portal 11.000 Artikel von 150 Premium- und Luxus­marken, und hat pro Monat mehr als 3 Millionen Seitenaufrufe. Die Umsatzerlöse lagen im Jahr 2019 bei 73 Millionen Euro, und der Gewinn (EBITDA) lag bei 6,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 9,3 Prozent.

Die Deutsche Börse hat heute offizielle Angaben zur Aktienzeichnung und zum ersten Handelstag an der Börse für das Unternehmen veröffentlicht. Die Aktienzeichnung für den Börsengang der fashionette AG (ISIN: DE000A2QEFA1) an der Frankfurter Wertpapierbörse ist heute gestartet und wird voraussichtlich bis zum 27. Oktober andauern. Inklusive der Mehrzuteilungsoption werden bis zu 3.605.000 Aktien angeboten, die Bookbuilding-Spanne liegt bei 30,00 bis 38,00 Euro je Aktie. Der erste Handelstag der fashionette AG im Segment Scale ist laut der Deutschen Börse für den 29. Oktober geplant.

Beim Klick an dieser Stelle finden sie alle Detaildaten zu dieser Emission bei der Frankfurter Börse.

Der Börsengang von fashionette hat einen Gesamtumfang von bis zu 137 Millionen Euro. Aber der Großteil der Papiere werden vom aktuellen Hauptaktionär Genui verkauft, womit ein Großteil der Emission nicht in der Firma landet, sondern an den Altaktionär fließt. Im Unternehmen werden von der Emission wohl 36-46 Millionen Euro ankommen.

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