Devisen

Die Welt ist short im Dollar

Von Markus Fugmann

Der Dollar steigt – und wird weiter steigen, glaubt man Stephen Yen, der bei Morgan Stanley „chief currency economist“ war und nun als Stratege und Mit-Gründer von SLJ Macro Partners agiert. Der Grund: die Welt ist faktisch short im Dollar – und muß diese Position in den nächste Jahren Stück für Stück eindecken.

Laut Angaben der BIS (Bank For International Settlements) beträgt die von Staaten und Unternehmen in Dollar aufgenommene Verschuldung derzeit global 9 Billionen Dollar. Und diese Verschuldung muß in den nächsten Jahren zurück gezahlt werden – was die Nachfrage nach Dollars erhöhen wird. Die Welt sei daher, so Yen, „strukturell short“ im Dollar. Das absehbare Short-Covering, so Yen weiter, wird den Dollar weiter nach oben führen.

Hinzu kommen die Zentralbanken, die ihre in US-Dollar gehaltenen Währungsreserven in den letzten Jahren stark zurück gefahren haben: um die Jahrtausendwende betrug der Anteil der von den Notenbanken der Welt in Dollars notierenden Reserven noch 73%, 2011 fiel er auf nur noch 60%. Inzwischen ist der Anteil des Greenback jedoch wieder auf 63% gestiegen – Tendenz weiter steigend. Da die Renditen für Staatsanleihen in der Eurozone bereits negativ sind oder nur noch knapp über 0 liegen, dürften die Notenbanken weiter verstärkt Dollar-Reserven aufbauen.

Es sind wohl diese gigantischen Kapitalströme, die den Dollar weiter steigen lassen – trotz der extrem hohen Long-Quote von Spekulanten. Die Notenbanken bringen eben deutlich mehr auf die Waage als Hedgefunds, die auf eine weitere Aufwertung des Greenback wetten – normalerweise ist eine extrem hohe Long-Quote ein Kontraindikator: sitzen alles im selben Boot, braucht es nur eine kleine Welle, um das Boot zum kentern zu bringen ud eine Massenpanik auszulösen. So hat es zwar technische Gegenreaktionen gegen die Dollar-Rally gegegeben, aber diese fielen bislang sehr moderat aus (der Euro schaffte es nur bis 1,1054, bevor der Haupttrend wieder an Fahrt aufnahm). Der Haupttrend aber sind in Dollar aufgenommene Schulden und Notenbanken, die den Euro als Währungsreserve zurück fahren (negativer Einlagezins des Euro!) und durch den Dollar ersetzen. Hinzu kommt ohnehin die Möglichkeit, dass die Fed die Zinsen anhebt, während sich die Euro-Geldmenge in Folge des QE der EZB zuletzt stark erhöhte. Jüngste Daten zeigen, dass die Geldmenge M3 in der Eurozone nun bei 4,7% liegt – ein recht rapider Anstieg in den letzten Monaten.

Ohnehin war die Politik der Fed Auslöser der globalen Zunahme der Dollar-Verschuldung: als sie 2008 im Zuge der Finanzkrise die Zinsen auf 0 senkte, lag die global in Dollar aufgenommene Verschuldung noch bei 6 Billionen Dollar. Das „geschenkte Geld“ der Fed war inbesondere für jene Länder und Unternehmen attraktiv, die in ihren eigenen Ländern deutlich höhere Zinsen hatten und sich daher in Dollar deutlich günstiger verschulden konnten. Ein steigender Dollar aber macht auch die Schulden schwerer tragbar – wer kann, versucht daher derzeit die Dollar-Verschuldung zurück zu fahren. Und kauft damit faktisch Dollars.

Ein weiterer Faktor ist die Handelsbilanz der USA: das Defizit hat sich zuletzt aufgrund des stark gesunkenen Ölpreises und der geringeren Ölimporte (amerikanische Fracking-Industrie) deutlich verringert, von -5,9% des US-BIP im Jahre 2006 auf nun nur noch -2,3% – auch hier geht die Tendenz klar in Richtung 0. Je geringer aber das Defizit der Handelsbilanz, umso positiver für den Dollar. Obwohl also „alle Welt“ long im Dollar ist, sprechen die wirklich großen Geldströme für eine weitere Aufwertung des Greenback.



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