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Donald Trump ist nicht das Problem, sondern das Resultat eines Problems

Claudio Kummerfeld

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US-Präsident Donald Trump im Juni im Weißen Haus

Um es mal frei und fröhlich auszudrücken: Dieser Tage hofft, bibbert, bangt und betet die breite mediale Öffentlichkeit, dass Donald Trump die Wahlen in den USA im November doch bitte verlieren möge. Denn Donald Trump selbst ist ja das Problem? Und ja, man darf es ruhig sagen: Donald Trump ist ein Rüpel, Sexist, außenpolitisch ohne Allgemeinwissen… und man könnte sicher noch viele schlimmere Aussagen über ihn aufstellen, und das wohl zurecht. Und so ist man wirklich geneigt zu glauben, dass mit einer Wahlniederlage von Donald Trump das Problem verschwindet, und in den USA wieder Normalität einkehrt.

Donald Trump abgewählt, Probleme verschwinden?

Donald Trump verschwindet in seinem Golf-Club, und Joe Biden als neuer US-Präsident beseitigt die Trümmer der Trump-Präsidentschaft, versöhnt die Schwarzen mit den Weißen, besteuert die bösen Reichen und beseitigt die Arbeitslosigkeit. Und zack, den USA geht es wieder gut, außenpolitisch kehren die USA wieder an den Verhandlungstisch zurück, der Handelskrieg wird begraben, und wir alle können aufatmen. Das würde auf den aller ersten Blick wohl so sein. Aber wenn Donald Trump nicht wiedergewählt werden wird, wäre das Problem nicht weg.

Das Problem besteht nämlich darin, dass die USA seit Jahrzehnten wirtschaftlich den Bach runtergehen. Man kann die Staatsverschuldung nehmen, die unter George Bush und Barack Obama jeweils verdoppelt wurde, und auch unter Trump immer weiter ansteigt! Oder man kann die desaströse Außenhandelsbilanz nehmen (alleine im Juli -63 Milliarden Dollar), die schon lange vor Donald Trump das Geld quasi aus den USA raus spülte Richtung China und Europa. Die USA als Volkswirtschaft (Staat, Unternehmen und Bürger) müssen sich seit Jahrzehnten immer weiter verschulden, um ihren wunderschönen Lebensstandard halten zu können, der sich durch totalen Überfluss-Konsum definiert.

USA leben seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse

Aber die Wertschöpfung um dieses wunderschöne Leben finanzieren zu können, findet in den USA seit Jahrzehnten nicht im notwendigen Ausmaß statt – um es höflich zu formulieren. Statt dieses schöne Leben in den USA durch Wertschöpfung zu finanzieren, schwenkten Politik und Volkswirtschaft schon seit den 90ern um in Richtung Schuldenfinanzierung. Immer mehr Schulden machen. Und wenn nichts mehr geht, einfach alles nochmal umschulden. Der normale Amerikaner schichtet von einer auf die nächste Kreditkarte um, wenn für Essen oder Tanken kein Geld mehr da ist.

Langsam aber sicher ist die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten in den USA über die Jahrzehnte immer weiter angestiegen. Damit die Party immer weiter geht, sind die Zinsniveaus immer weiter gesunken. Der einfache Bürger, der wird aber (irgendwie) gemerkt haben, dass sein Lebensstandard von den 80ern, über die 90er und 2000er-Jahre bis in die Obama-Ära sich irgendwie immer weiter verschlechtert hat. Gleichzeitig hört man im TV von jedem Präsidenten immer nur, wie toll die USA doch sind, wie groß, stark und reich. Barack Obama mit seinem großen Heilsversprechen (Yes we can) wird wohl endgültig zahlreiche Wähler verprellt haben, die sich nach seinen acht Amtsjahren enttäuscht von der „normalen“ Politik abgewendet haben. Denn sie hatten sich von ihm die große politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Wende für die USA versprochen. Aber unterm Strich tat auch Obama nichts, außer mit vielen neuen Schulden durch die Finanzkrise zu kommen.

Statt einer Clown-Figur wie Donald Trump hätte nach Obama auch irgendjemand sonst auf der Bühne erscheinen können. Die Amerikaner gehen viel pragmatischer an die Dinge ran als die Europäer. „Das hat nicht funktioniert – also versuchen wir was Neues“. Und so hat man dem verrückten, abgedrehten Prolo-Politk-Outlaw Donald Trump die Chance gegeben alles besser und anders zu machen als all die Establishment-Politiker vor ihm. Instinktiv erkannte er, was Obama, Bush und Clinton überhaupt nicht beachtet hatten. Nämlich dass die Industrie seit Jahrzehnten aus den USA verschwindet.

Trump erkannte das Kernproblem der USA

Neben anderen Baustellen war das eines der Hauptversprechen von Donald Trump vor seiner ersten Wahl. Echte Industrieproduktion zurück in die USA holen, damit Arbeiter, die vielleicht noch den 90ern einen gut bezahlten Job in einer Fabrik hatten und heute für einen lausigen Stundenlohn mit zwei Vollzeitjobs bei Burger-Bratern an der Kasse stehen, wieder einen besser bezahlten Job bekommen. Es ist klar. Donald Trump hat auch sehr viel versprochen, und nur wenig halten können. Die Industrie ist nicht massenhaft in die USA zurückgekehrt. Trump senkte die Steuern massiv für große Konzerne wie Apple, die gigantische Geldsummen im Ausland parkten. Sie warteten jahrelang genau auf so eine Chance, zu sehr niedrigen Steuern das Geld in die USA zurückzuholen. Trump erwartete von ihnen als Gegenleistung neue gute Jobs für Amerikaner. In großem Umfang geschah da aber nichts.

Zwar hatte Donald Trump mit seiner großen Steuersenkung für Bürger und Unternehmen Gutes getan. Aber vor allem die Superreichen profitierten, und die Staatsverschuldung der USA explodierte nur noch schneller. Nun überdeckt die Coronakrise und die neue Massenarbeitslosigkeit in den USA, dass auch Donald Trump keine Wunder bewirken konnte. Jetzt versucht er sich in dieser Krise als großer Retter der Nation hinzustellen. Ob es gelingt, ist noch unklar. Obwohl Joe Biden in den Umfragen führt, sollte man Donald Trump nicht unterschätzen – das taten vor der letzten Wahl auch so ziemlich alle Medien und Umfrageexperten.

Auch nach Trump bleibt das Problem

Nehmen wir mal an, dass dank Donald Trumps zahlreichen Eskapaden, verbalen Peinlichkeiten, Rüpeleien etc zu viele Wechselwähler von ihm Abstand nehmen und Joe Biden wählen. Das Problem verschwindet nicht mit seiner Abwahl. Es bleibt. Selbst wenn Joe Biden die Bürger in den USA weiter mit frisch gedrucktem Geld überfluten wird, bis die Krise vorbei ist und die Arbeitslosigkeit wieder deutlich sinkt. Das hohe Außenhandelsdefizit der USA wird bleiben, und die Amerikaner kehren nach der Krise nicht zurück in gut bezahlte Jobs in der Industrie, sondern in ihre Jobs bei Walmart, Disneyland oder McDonalds. Es ist nichts Schlechtes daran bei diesen Unternehmen zu arbeiten. Aber die allermeisten Dienstleistungsjobs sind nun mal so schlecht bezahlt, dass viele Amerikaner bei ihren horrenden Lebenshaltungskosten selbst mit zwei Vollzeitjobs kaum über die Runden kommen.

Auch nach der Ära von Donald Trump wird der Frust breiter Bevölkerungsschichten über ihren eigenen gesellschaftlichen und finanziellen Abstieg nicht verschwinden. Der Frust wird sich nur weiter aufstauen. Bei Joe Biden ist keinerlei ökonomisches Programm erkennbar, um die wirtschaftlichen Probleme der USA zu lösen. Alles dreht sich nur darum, Donald Trump abzulösen. Inhaltlich hat man nichts zu bieten. Und womöglich kommt nach einem moderaten Joe Biden vier Jahre später bei den Republikanern ein nach außen seriöser auftretender Trump 2.0. Ein Nachfolger von Donald Trump, eine neue Generation eines radikalen Nicht-Politikers, der sich in der Öffentlichkeit aber viel besser beherrschen kann und seriös auftritt. Der aber zum Beispiel in Sachen China noch viel konsequenter und radikaler den Handelskrieg entfacht, und auch gegen Europa noch viel radikaler auftritt, um mit Zöllen die Handelsdefizite der USA abzubauen. Der gigantische Jubel für den Fall von Trumps Wahlniederlage wird die dahinter schlummernden Probleme nur optisch überdecken.

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Zimmermann

    9. September 2020 12:56 at 12:56

    Bei diesem Artitikel kann man jedem Wort, jedem Satz und jedem Punkt nur zustimmen. Trump ist nur das Produkt, was dort seit Jahrzehnten schief läuft. Dieses Land hat fertig. Wenn die nicht den Internetmarkt beherrschen würden, wäre Schicht im Schacht.

    Meiner Meinung wird, sollten die Unruhen anhalten, Trump mit seiner Law and Order Politik auch die Wahl gewinnen und man kann nur hoffen, dass der Wahlsieg eindeutig ausfällt.

    Wenn nicht, wird das für die USA ganz unangenehm werden. Das ganze Checks and Balances Geschwaffel, wird dann auch nicht helfen. Man sieht es ja schon daran, dass es nicht funktioniert, wenn Trump öffentlich zu Rechtsbrüchen aufruft.

  2. Avatar

    PK

    9. September 2020 13:03 at 13:03

    ziemlich überzeugende Analyse.
    Mag was dran sein.
    Trotzdem sorgt Trump als Multiplikator und Brandbeschleuniger der Probleme und des Hasses der unterschiedlichen Gruppen aufeinander.
    Die anderen brauchen vor den USA keine Angst mehr zu haben.
    Wir werden im Fall eines eskalierenden Handelskrieges sehen, daß der Rest der Welt ganz gut alleine klar kommt.
    Ich würde meine Kohle aktuell eher auf China setzen als auf USA.

  3. Avatar

    Diemand

    9. September 2020 18:20 at 18:20

    Sehr geehrter Herr Kummerfeld,
    mit Erstaunen lese ich heute Ihren Bericht über Donald Trump. Es ist schon traurig, wenn sich Leute wie Sie so herablassend über einen amtierenden US Präsidenten äußern. Aber das ist ja heute so Usus. ZDF, ARD, NTV etc., etc. lassen grüßen.
    Einen Präsidenten als „Clown-Figur“ zu beschimpfen, oder als „verrückten, abgedrehten Prolo-Politk-Outlaw“ zu titulieren, gehört wohl in unterste Kategorie eines Journalisten. Sie sind doch ein Journalist, oder?
    Herr Trump ist der erste Präsident, der die Welt über Twitter an seinem Tun und Handeln teilhaben lässt. Unter vielen seiner Kommentare hat er doch unter anderem klar und deutlich gesagt, dass er es leid ist, dass die USA seit Jahrzehnten überall auf der Welt Kriege angezettelt, heraufbeschworen und letztendlich auch durgeführt haben. Er hat die Nase, auf gut deutsch gesagt, voll von dieser Politik. Und er wird dieser Politik ein Ende setzen. Dem industriell-/militärischen Komplex in den US hat er damit den Kampf angesagt. Gut so! 70.000 Bomben jährlich, die USA die letzten Jahre irgendwo auf dieser Welt haben fallen lassen, sollte auch Ihnen nicht entgangen sein.
    Allein dieser Punkt, neben gewaltig sehr vielen Punkten, die positiv Herrn Trump zugestanden werden können, lässt Ihre Diffamierung als eine reine Unverschämtheit darstellen. Falls Sie eine Auflistung haben wollen, die eindeutig darlegen, welche Wahlversprechen Herr Trump während seiner bisherigen Amtszeit umgesetzt hat, sollten Sie doch an Hand Ihrer journalistischen Möglichkeiten leicht im Netz nachvollziehen können.
    Würden Sie tatsächlich einen Herrn Biden, der neben seiner offensichtlichen pädophilen Neigung, bereits heute Demenzerscheinungen offen zur Schau stellt, als Präsident der USA Herrn Trump vorziehen? Na dann Prost. Aber vielleicht ist Herr Biden ja nur Mittel zum Zweck und die Demokraten möchten über die Hintertür eine andere Person in das Präsidentenamt hieven.
    Selbstverständlich sind das meinerseits nur Verschwörungstheorien.
    Es gibt ein Sprichwort, das auf Ihre Person vortrefflich passt: „Schuster bleib bei deinen Leisten“. Bleiben Sie in Ihrem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Das können Sie gut. Für den Rest haben Sie offensichtlich keine journalistische Kompetenz. Schade, ich lese Ihre Kommentare regelmäßig und seien Sie gewiss, ich werde dies auch weiterhin tun (vielleicht).
    Diemand

  4. Avatar

    Echt Irre

    9. September 2020 19:46 at 19:46

    Alles richtig! Nur, was bedeutet das für uns? Im Prinzip braucht man zwei Szenarien: 1) Die USA lösen das Problem zu geringer Wertschöpfung/ zu hoher Verschuldung und holen Arbeitsplätze zurück. Mit welchen Auswirkungen auf die Mehrheit in D. 2) Die USA lösen ihr Problem von Verschuldung und zu geringer Wertschöpfung nicht. Mit welchen Auswirkungen auf die Mehrheit in D?

    Irgendwie fühlt sich beides nicht gut an.

  5. Avatar

    Vladimir Puff- Paff

    9. September 2020 21:27 at 21:27

    @ Diemand, schon super wenn Sie Herr Kummerfeld des Trump -Bashing beschuldigen und gleichzeitig Biden als pädophil und dément beschreiben. Wo haben sie alle ihre Tassen ,aber sicher nicht im Schrank.
    Die Kummerfeldsche Trumpbeschreibung ist sehr zurückhaltend und diplomatisch.Es gäbe da noch andere Eigenschaften ihres Lieblings zu benennen, die nicht so vorzüglich wären. Warum ist er zu Putin so anständig? Der schlaue Putin hat doch meines Wissens Videos eines Moskaubesuches vor seiner Amtszeit
    die iihn in einem Schlechten Licht ( Rotlicht) zeigen.

  6. Avatar

    Michael

    9. September 2020 22:57 at 22:57

    Wer als amerikanischer Bürger bei ohnehin horrenden Lebenshaltungskosten selbst mit zwei bis drei Vollzeitjobs kaum über die Runden kommt, fragt sich wohl zurecht, warum Inflation und Teuerungsrate angeblich seit vielen Jahren viel zu niedrig sind.

    Ein politischer Clown und wirtschaftlicher Pleitier (ein Zombie?) wie Trump konnte weder die zu niedrige Inflation erhöhen, noch die exorbitanten Lebenshaltungskosten senken 🙈

    Dennoch war er extrem erfolgreich, die Staatsverschuldung inflationär-fahnenstangenmäßig mit Fast-Null-Effekt ins Weltall zu befördern und die Zinsen einzustampfen. Inflationäre Wahlkampfgeschenke zugunsten von FATMAAN inklusive.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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So sichern Sie Ihr Depot optimal ab – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Aktienmärkte eilen von einem Rekord zum nächsten. Das Virus wühlt zwar weiterhin, und tatsächlich eilt auch die Anzahl der Covid-Neuinfektionen weltweit von einem Rekord zum nächsten. Wir vertrauen allerdings auf die Kraft des Impfstoffes und sehen die Volkswirtschaften dieser Welt nächstens befreit.

Bei so viel Euphorie beschleicht allerdings den ein oder anderen Börsianer ein ungutes Gefühl. Sie haben also das Bedürfnis Ihr Depot, Ihre Buchgewinne einmal zumindest teilweise abzusichern. Im Folgenden erkläre ich Ihnen, welche drei goldenen Regeln Sie berücksichtigen müssen, damit die Absicherung auch wirklich greift.

Das Absichern oder Shorten eines Depots ist kein Hexenwerk. Allerdings sind wir als Börsianer natürlich eher geeicht auf steigende Kurse und Chancen. Mit anderen Worten: Shorten zählt bei den meisten von uns nicht zur ersten Begabung.

Das sind die drei goldenen Regeln:

– Fassen Sie immer punktuell und kurzfristig zu!
– Definieren Sie Ihren Depotschwerpunkt und vergessen Sie Einzelaktien!
– Legen Sie eine prozentuale Absicherungsquote fest!

Was sagen uns diese Regeln konkret?

Zu 1. Ein Short – ganz gleich ob als Optionsschein, Short-ETF oder Zertifikat – ist kein Pkw-Anschnallgurt, den wir fortwährend zur Anwendung bringen. Erfolgreiches Shorten verlangt eine kurzfristige Marktmeinung. Solche Instrumente kaufen wir immer punktuell und lediglich für wenige Wochen oder Monate. Andernfalls verzichten wir auf Geld und Rendite. Dabei sind weniger die laufenden Kosten eines Short-ETFs oder eines Optionsscheins das Problem. Sondern: Shorts – egal in welcher Form – bringen uns Verluste, wenn der Markt entgegen unserer Prognose doch steigt. Zudem fehlt uns das Kapital für den Short auf der Aktienseite. Zu Deutsch: Ein unsauber gesetzter Short wird schnell zum doppelten Renditekiller.

Zu 2. Das ist offensichtlich: Wenn von 20 Ihrer Depotpositionen 15 aus dem DAX stammen, sichern Sie nicht gegen den S&P 500 oder NASDAQ-Index ab, sondern natürlich gegen den DAX. Als kluger Börsianer kennen Sie den Schwerpunkt Ihres Depots und erwerben dazu passend einen Short. Ganz wichtig: Vergessen Sie…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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