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Donald Trump ist nicht das Problem, sondern das Resultat eines Problems

Claudio Kummerfeld

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US-Präsident Donald Trump im Juni im Weißen Haus

Um es mal frei und fröhlich auszudrücken: Dieser Tage hofft, bibbert, bangt und betet die breite mediale Öffentlichkeit, dass Donald Trump die Wahlen in den USA im November doch bitte verlieren möge. Denn Donald Trump selbst ist ja das Problem? Und ja, man darf es ruhig sagen: Donald Trump ist ein Rüpel, Sexist, außenpolitisch ohne Allgemeinwissen… und man könnte sicher noch viele schlimmere Aussagen über ihn aufstellen, und das wohl zurecht. Und so ist man wirklich geneigt zu glauben, dass mit einer Wahlniederlage von Donald Trump das Problem verschwindet, und in den USA wieder Normalität einkehrt.

Donald Trump abgewählt, Probleme verschwinden?

Donald Trump verschwindet in seinem Golf-Club, und Joe Biden als neuer US-Präsident beseitigt die Trümmer der Trump-Präsidentschaft, versöhnt die Schwarzen mit den Weißen, besteuert die bösen Reichen und beseitigt die Arbeitslosigkeit. Und zack, den USA geht es wieder gut, außenpolitisch kehren die USA wieder an den Verhandlungstisch zurück, der Handelskrieg wird begraben, und wir alle können aufatmen. Das würde auf den aller ersten Blick wohl so sein. Aber wenn Donald Trump nicht wiedergewählt werden wird, wäre das Problem nicht weg.

Das Problem besteht nämlich darin, dass die USA seit Jahrzehnten wirtschaftlich den Bach runtergehen. Man kann die Staatsverschuldung nehmen, die unter George Bush und Barack Obama jeweils verdoppelt wurde, und auch unter Trump immer weiter ansteigt! Oder man kann die desaströse Außenhandelsbilanz nehmen (alleine im Juli -63 Milliarden Dollar), die schon lange vor Donald Trump das Geld quasi aus den USA raus spülte Richtung China und Europa. Die USA als Volkswirtschaft (Staat, Unternehmen und Bürger) müssen sich seit Jahrzehnten immer weiter verschulden, um ihren wunderschönen Lebensstandard halten zu können, der sich durch totalen Überfluss-Konsum definiert.

USA leben seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse

Aber die Wertschöpfung um dieses wunderschöne Leben finanzieren zu können, findet in den USA seit Jahrzehnten nicht im notwendigen Ausmaß statt – um es höflich zu formulieren. Statt dieses schöne Leben in den USA durch Wertschöpfung zu finanzieren, schwenkten Politik und Volkswirtschaft schon seit den 90ern um in Richtung Schuldenfinanzierung. Immer mehr Schulden machen. Und wenn nichts mehr geht, einfach alles nochmal umschulden. Der normale Amerikaner schichtet von einer auf die nächste Kreditkarte um, wenn für Essen oder Tanken kein Geld mehr da ist.

Langsam aber sicher ist die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten in den USA über die Jahrzehnte immer weiter angestiegen. Damit die Party immer weiter geht, sind die Zinsniveaus immer weiter gesunken. Der einfache Bürger, der wird aber (irgendwie) gemerkt haben, dass sein Lebensstandard von den 80ern, über die 90er und 2000er-Jahre bis in die Obama-Ära sich irgendwie immer weiter verschlechtert hat. Gleichzeitig hört man im TV von jedem Präsidenten immer nur, wie toll die USA doch sind, wie groß, stark und reich. Barack Obama mit seinem großen Heilsversprechen (Yes we can) wird wohl endgültig zahlreiche Wähler verprellt haben, die sich nach seinen acht Amtsjahren enttäuscht von der „normalen“ Politik abgewendet haben. Denn sie hatten sich von ihm die große politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Wende für die USA versprochen. Aber unterm Strich tat auch Obama nichts, außer mit vielen neuen Schulden durch die Finanzkrise zu kommen.

Statt einer Clown-Figur wie Donald Trump hätte nach Obama auch irgendjemand sonst auf der Bühne erscheinen können. Die Amerikaner gehen viel pragmatischer an die Dinge ran als die Europäer. „Das hat nicht funktioniert – also versuchen wir was Neues“. Und so hat man dem verrückten, abgedrehten Prolo-Politk-Outlaw Donald Trump die Chance gegeben alles besser und anders zu machen als all die Establishment-Politiker vor ihm. Instinktiv erkannte er, was Obama, Bush und Clinton überhaupt nicht beachtet hatten. Nämlich dass die Industrie seit Jahrzehnten aus den USA verschwindet.

Trump erkannte das Kernproblem der USA

Neben anderen Baustellen war das eines der Hauptversprechen von Donald Trump vor seiner ersten Wahl. Echte Industrieproduktion zurück in die USA holen, damit Arbeiter, die vielleicht noch den 90ern einen gut bezahlten Job in einer Fabrik hatten und heute für einen lausigen Stundenlohn mit zwei Vollzeitjobs bei Burger-Bratern an der Kasse stehen, wieder einen besser bezahlten Job bekommen. Es ist klar. Donald Trump hat auch sehr viel versprochen, und nur wenig halten können. Die Industrie ist nicht massenhaft in die USA zurückgekehrt. Trump senkte die Steuern massiv für große Konzerne wie Apple, die gigantische Geldsummen im Ausland parkten. Sie warteten jahrelang genau auf so eine Chance, zu sehr niedrigen Steuern das Geld in die USA zurückzuholen. Trump erwartete von ihnen als Gegenleistung neue gute Jobs für Amerikaner. In großem Umfang geschah da aber nichts.

Zwar hatte Donald Trump mit seiner großen Steuersenkung für Bürger und Unternehmen Gutes getan. Aber vor allem die Superreichen profitierten, und die Staatsverschuldung der USA explodierte nur noch schneller. Nun überdeckt die Coronakrise und die neue Massenarbeitslosigkeit in den USA, dass auch Donald Trump keine Wunder bewirken konnte. Jetzt versucht er sich in dieser Krise als großer Retter der Nation hinzustellen. Ob es gelingt, ist noch unklar. Obwohl Joe Biden in den Umfragen führt, sollte man Donald Trump nicht unterschätzen – das taten vor der letzten Wahl auch so ziemlich alle Medien und Umfrageexperten.

Auch nach Trump bleibt das Problem

Nehmen wir mal an, dass dank Donald Trumps zahlreichen Eskapaden, verbalen Peinlichkeiten, Rüpeleien etc zu viele Wechselwähler von ihm Abstand nehmen und Joe Biden wählen. Das Problem verschwindet nicht mit seiner Abwahl. Es bleibt. Selbst wenn Joe Biden die Bürger in den USA weiter mit frisch gedrucktem Geld überfluten wird, bis die Krise vorbei ist und die Arbeitslosigkeit wieder deutlich sinkt. Das hohe Außenhandelsdefizit der USA wird bleiben, und die Amerikaner kehren nach der Krise nicht zurück in gut bezahlte Jobs in der Industrie, sondern in ihre Jobs bei Walmart, Disneyland oder McDonalds. Es ist nichts Schlechtes daran bei diesen Unternehmen zu arbeiten. Aber die allermeisten Dienstleistungsjobs sind nun mal so schlecht bezahlt, dass viele Amerikaner bei ihren horrenden Lebenshaltungskosten selbst mit zwei Vollzeitjobs kaum über die Runden kommen.

Auch nach der Ära von Donald Trump wird der Frust breiter Bevölkerungsschichten über ihren eigenen gesellschaftlichen und finanziellen Abstieg nicht verschwinden. Der Frust wird sich nur weiter aufstauen. Bei Joe Biden ist keinerlei ökonomisches Programm erkennbar, um die wirtschaftlichen Probleme der USA zu lösen. Alles dreht sich nur darum, Donald Trump abzulösen. Inhaltlich hat man nichts zu bieten. Und womöglich kommt nach einem moderaten Joe Biden vier Jahre später bei den Republikanern ein nach außen seriöser auftretender Trump 2.0. Ein Nachfolger von Donald Trump, eine neue Generation eines radikalen Nicht-Politikers, der sich in der Öffentlichkeit aber viel besser beherrschen kann und seriös auftritt. Der aber zum Beispiel in Sachen China noch viel konsequenter und radikaler den Handelskrieg entfacht, und auch gegen Europa noch viel radikaler auftritt, um mit Zöllen die Handelsdefizite der USA abzubauen. Der gigantische Jubel für den Fall von Trumps Wahlniederlage wird die dahinter schlummernden Probleme nur optisch überdecken.

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Zimmermann

    9. September 2020 12:56 at 12:56

    Bei diesem Artitikel kann man jedem Wort, jedem Satz und jedem Punkt nur zustimmen. Trump ist nur das Produkt, was dort seit Jahrzehnten schief läuft. Dieses Land hat fertig. Wenn die nicht den Internetmarkt beherrschen würden, wäre Schicht im Schacht.

    Meiner Meinung wird, sollten die Unruhen anhalten, Trump mit seiner Law and Order Politik auch die Wahl gewinnen und man kann nur hoffen, dass der Wahlsieg eindeutig ausfällt.

    Wenn nicht, wird das für die USA ganz unangenehm werden. Das ganze Checks and Balances Geschwaffel, wird dann auch nicht helfen. Man sieht es ja schon daran, dass es nicht funktioniert, wenn Trump öffentlich zu Rechtsbrüchen aufruft.

  2. Avatar

    PK

    9. September 2020 13:03 at 13:03

    ziemlich überzeugende Analyse.
    Mag was dran sein.
    Trotzdem sorgt Trump als Multiplikator und Brandbeschleuniger der Probleme und des Hasses der unterschiedlichen Gruppen aufeinander.
    Die anderen brauchen vor den USA keine Angst mehr zu haben.
    Wir werden im Fall eines eskalierenden Handelskrieges sehen, daß der Rest der Welt ganz gut alleine klar kommt.
    Ich würde meine Kohle aktuell eher auf China setzen als auf USA.

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    Diemand

    9. September 2020 18:20 at 18:20

    Sehr geehrter Herr Kummerfeld,
    mit Erstaunen lese ich heute Ihren Bericht über Donald Trump. Es ist schon traurig, wenn sich Leute wie Sie so herablassend über einen amtierenden US Präsidenten äußern. Aber das ist ja heute so Usus. ZDF, ARD, NTV etc., etc. lassen grüßen.
    Einen Präsidenten als „Clown-Figur“ zu beschimpfen, oder als „verrückten, abgedrehten Prolo-Politk-Outlaw“ zu titulieren, gehört wohl in unterste Kategorie eines Journalisten. Sie sind doch ein Journalist, oder?
    Herr Trump ist der erste Präsident, der die Welt über Twitter an seinem Tun und Handeln teilhaben lässt. Unter vielen seiner Kommentare hat er doch unter anderem klar und deutlich gesagt, dass er es leid ist, dass die USA seit Jahrzehnten überall auf der Welt Kriege angezettelt, heraufbeschworen und letztendlich auch durgeführt haben. Er hat die Nase, auf gut deutsch gesagt, voll von dieser Politik. Und er wird dieser Politik ein Ende setzen. Dem industriell-/militärischen Komplex in den US hat er damit den Kampf angesagt. Gut so! 70.000 Bomben jährlich, die USA die letzten Jahre irgendwo auf dieser Welt haben fallen lassen, sollte auch Ihnen nicht entgangen sein.
    Allein dieser Punkt, neben gewaltig sehr vielen Punkten, die positiv Herrn Trump zugestanden werden können, lässt Ihre Diffamierung als eine reine Unverschämtheit darstellen. Falls Sie eine Auflistung haben wollen, die eindeutig darlegen, welche Wahlversprechen Herr Trump während seiner bisherigen Amtszeit umgesetzt hat, sollten Sie doch an Hand Ihrer journalistischen Möglichkeiten leicht im Netz nachvollziehen können.
    Würden Sie tatsächlich einen Herrn Biden, der neben seiner offensichtlichen pädophilen Neigung, bereits heute Demenzerscheinungen offen zur Schau stellt, als Präsident der USA Herrn Trump vorziehen? Na dann Prost. Aber vielleicht ist Herr Biden ja nur Mittel zum Zweck und die Demokraten möchten über die Hintertür eine andere Person in das Präsidentenamt hieven.
    Selbstverständlich sind das meinerseits nur Verschwörungstheorien.
    Es gibt ein Sprichwort, das auf Ihre Person vortrefflich passt: „Schuster bleib bei deinen Leisten“. Bleiben Sie in Ihrem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Das können Sie gut. Für den Rest haben Sie offensichtlich keine journalistische Kompetenz. Schade, ich lese Ihre Kommentare regelmäßig und seien Sie gewiss, ich werde dies auch weiterhin tun (vielleicht).
    Diemand

  4. Avatar

    Echt Irre

    9. September 2020 19:46 at 19:46

    Alles richtig! Nur, was bedeutet das für uns? Im Prinzip braucht man zwei Szenarien: 1) Die USA lösen das Problem zu geringer Wertschöpfung/ zu hoher Verschuldung und holen Arbeitsplätze zurück. Mit welchen Auswirkungen auf die Mehrheit in D. 2) Die USA lösen ihr Problem von Verschuldung und zu geringer Wertschöpfung nicht. Mit welchen Auswirkungen auf die Mehrheit in D?

    Irgendwie fühlt sich beides nicht gut an.

  5. Avatar

    Vladimir Puff- Paff

    9. September 2020 21:27 at 21:27

    @ Diemand, schon super wenn Sie Herr Kummerfeld des Trump -Bashing beschuldigen und gleichzeitig Biden als pädophil und dément beschreiben. Wo haben sie alle ihre Tassen ,aber sicher nicht im Schrank.
    Die Kummerfeldsche Trumpbeschreibung ist sehr zurückhaltend und diplomatisch.Es gäbe da noch andere Eigenschaften ihres Lieblings zu benennen, die nicht so vorzüglich wären. Warum ist er zu Putin so anständig? Der schlaue Putin hat doch meines Wissens Videos eines Moskaubesuches vor seiner Amtszeit
    die iihn in einem Schlechten Licht ( Rotlicht) zeigen.

  6. Avatar

    Michael

    9. September 2020 22:57 at 22:57

    Wer als amerikanischer Bürger bei ohnehin horrenden Lebenshaltungskosten selbst mit zwei bis drei Vollzeitjobs kaum über die Runden kommt, fragt sich wohl zurecht, warum Inflation und Teuerungsrate angeblich seit vielen Jahren viel zu niedrig sind.

    Ein politischer Clown und wirtschaftlicher Pleitier (ein Zombie?) wie Trump konnte weder die zu niedrige Inflation erhöhen, noch die exorbitanten Lebenshaltungskosten senken 🙈

    Dennoch war er extrem erfolgreich, die Staatsverschuldung inflationär-fahnenstangenmäßig mit Fast-Null-Effekt ins Weltall zu befördern und die Zinsen einzustampfen. Inflationäre Wahlkampfgeschenke zugunsten von FATMAAN inklusive.

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Bundesbank veröffentlicht erschreckende Zahl für deutsche Banken

Claudio Kummerfeld

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Banken in Frankfurt

Die Coronakrise trifft die Wirtschaft und auch die Banken, das ist verständlich. Aber bei der folgenden Zahl möchten wir betonen, dass es um das Gesamtjahr 2019 geht, also die Zeit noch vor dem Ausbruch der Coronakrise. Las man die großen Medienpublikationen, dann lief ja noch in 2019 alles total rosig in der Wirtschaft. Gut, hier und da eine „kleine Delle“ bei den Autoherstellern. Aber es gab doch de facto Vollbeschäftigung, die Steuereinnahmen sprudelten. Alles war doch irgendwie in Ordnung?

Nein, einige Kritiker wie zum Beispiel Markus Krall weisen seit Jahren auf eine schwelende Krise hin, und auch speziell auf den sich immer weiter fortsetzenden Niedergang der Banken. Und dieser Niedergang sei eine sehr, sehr ernste Angelegenheit für die ganze Volkswirtschaft. Denn wenn Banken Verluste machen, schrumpft ihr Eigenkapital. Und je weniger Eigenkapital, desto weniger neue Kredite können Banken vergeben. Denn jeder Kredit muss mit einem gewissen Eigenkapital-Anteil als Sicherheit für Kreditausfälle hinterlegt werden.

Bundesbank präsentiert Jahresverlust für deutsche Banken

Und jetzt sehen wir was? Die Bundesbank schreibt ganz frisch in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht September, dass die deutschen Banken in der Gesamtbetrachtung (im Jahr 2019) 2,2 Milliarden Euro Verlust nach Steuern gemacht haben. Und das nach einem Gewinn in 2018 in Höhe von 12,2 Milliarden Euro. Und wie gesagt, in diesen 2,2 Milliarden Euro Verlust im deutschen Bankensystem war die gesamte Coronakrise ja noch überhaupt nicht berücksichtigt. Die kommt erst im folgenden Jahr 2020 noch oben drauf.

Der Chart im folgenden Tweet der Barkow Consulting zeigt, wie die deutschen Banken also zu Ende letzten Jahres insgesamt ins Defizit gerutscht sind, nach jahrelangen Gewinnen. Zuletzt waren sie im Zuge der Finanzkrise 2008 zwei Jahre im Minus gewesen. Zur Ehrenrettung der Bankenbranche darf man erwähnen, dass die Großbanken diesen Verlust im Jahr 2019 verursacht haben. Die große Bundesbank-Tabelle zeigt Finanzdaten nach Bankensektoren. Nur die Großbanken machten Verlust. Sparkassen, Volksbanken etc lagen in der Gewinnzone. Aber abwarten, wie das Gesamtjahr 2020 aussehen wird! Können die Zahlen möglicherweise optisch deutlich besser ausfallen, als sie es tatsächlich sind? Denn bis Ende September gilt eine Sonderregel, nach der Banken wegen Corona gestundete Kredite nicht als Kreditausfall abschreiben müssen. Wird diese Sonderregel bis Jahresende verlängert, könnten die Jahreszahlen der Banken für 2020 rein optisch weniger katastrophal aussehen.

Grafik zeigt Finanzdaten deutscher Banken im Jahr 2019

Hier auszugsweise Aussagen der Bundesbank im Wortlaut:

Die Betrachtung der einzelnen Bankengruppen zeigt, dass die Gesamtentwicklung wesentlich durch die Großbanken getrieben wurde. Vor allem aufgrund eines negativen Sondereffekts infolge des strategischen Umbaus bei einem Institut verringerten sich bei den Großbanken der Zins- und Provisionsüberschuss, wodurch die Großbanken einen starken Rückgang ihrer operativen Erträge um 3,1 Mrd € auf 27,6 Mrd € verzeichneten. Die Sparkassen wiesen 2019 mit 29,7 Mrd € um 0,9 Mrd € geringere operative Erträge aus als noch im Jahr zuvor. Die Kreditgenossenschaften konnten hingegen ihre operativen Erträge im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,2 Mrd € auf 22,1 Mrd € steigern. Den mit 1,6 Mrd € größten Anstieg bei den operativen Erträgen auf 20,8 Mrd € im Jahr 2019 verzeichneten die Regional- und sonstigen Kreditbanken.

Auch die Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität wurde wesentlich durch den Sondereffekt bei einem Institut aus der Gruppe der Großbanken getrieben. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern in dieser Bankengruppe brach von 1,14 % im Vorjahr auf – 16,63 % im aktuellen Berichtsjahr ein.

Die Eigenkapitalrentabilität der Sparkassen sank

leicht um 0,33 Prozentpunkte auf 6,86 %. Dagegen steigerten die Kreditgenossenschaften ihre Eigenkapitalrentabilität um 1,04 Prozentpunkte auf 9,23 % und näherten sich damit anders als die Sparkassen ihrem langfristigen Mittel (10,76 %) an.

Chart zeigt Eigenkapitalrentabilität der Banken

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Warum wir technische Innovationen unterschätzen – Werbung

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Lieber Börsianer,

als damals zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die ersten Autos über die Straßen rollten, wollte niemand so richtig an die Zukunft dieser Vehikel glauben. Sie waren schmutzig, laut und nicht besonders zuverlässig. Lediglich besonders wohlhabende Menschen und technikaffine Bastler interessierten sich für diese Entwicklung. Der Verkehrsalltag wurde, auch nach der Erfindung des Automobils von Kutschen und Pferdekarren dominiert. Die meisten Menschen glaubten daran, dass sich das wohl nie ändern würde. Kaiser Wilhelm II soll gesagt haben: „Ich glaube an das Pferd, das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“

Diese Geschichte lehrt uns, wie falsch die meisten Menschen die Tragweite von technischer Innovation beurteilen. Innerhalb weniger Jahrzehnte sind Autos und Lastkraftwagen zur Normalität geworden. Das Pferd als Transportmittel ist hingegen zu einem Exoten für Liebhaber geworden.

Die technische Innovation schreitet seit Menschheitsbeginn immer schneller voran und keine Branche ist davor geschützt, plötzlich obsolet zu werden. Die Kunst liegt darin, diese Veränderungen frühzeitig vorherzusehen. Allerdings ist das gar nicht so einfach, denn den meisten Menschen fällt es schwer das Potential neuer Technologien zu erkennen.

Während sich viele Unternehmen auf eine spezielle Branche fokussieren, kämpfen andere gleich an zahlreichen Fronten. Ein gutes Beispiel ist Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt. Kaum ein Konzern hat die Entwicklung moderner PCs so maßgeblich beeinflusst wie das Unternehmen aus Cupertino. Seit der Jahrtausendwände dringt Apple regelmäßig in neue Märkte vor. Mit dem iPod hat Apple die Branche für mobile Mediaplayer quasi erfunden. Mit dem iPhone revolutionierte Apple den Handymarkt und drängte die großen Player wie Nokia und Blackberry in die Bedeutungslosigkeit. Auch das iPad war das erste massentaugliche Gerät seiner Klasse.

Vor fünf Jahren hat das Unternehmen mit der Apple Watch einen neuen Markt betreten. Anfangs wurde die Computeruhr von vielen belächelt. Geringe Akkukapazität, geringe Leistung. Jetzt auch noch die Armbanduhr jede Nacht ans Ladegerät hängen zu müssen, war für viele Menschen, die erst kurz zuvor von den alten Handys mit schier ewiger Akkuleistung auf die energiehungrigen Smartphones umgestiegen sind, eine Horrorvorstellung.

Die meisten dachten wohl, die Apple Watch wird ein Nischenprodukt für Technikfreaks. Niemand rechnete damit, dass Apple eine ernsthafte Konkurrenz für die altehrwürdige Luxusuhren oder für die Hersteller auf dem Massenmarkt werden könnte.

Wer so dachte, unterlag dem gleichen Irrtum wie einst Kaiser Wilhelm II. Innerhalb weniger Jahre stieg die Apple Watch zur meistverkauften Uhr der Welt auf. Im Jahr 2019 verkaufte Apple 31 Millionen Stück seiner…..

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Aktuell: Risk Off treibt US-Dollar – Dax, Goldpreis und Euro fallen

Claudio Kummerfeld

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Da hatten wir gerade erst darüber berichtet, dass man als Gold-Trader genauer auf den US-Dollar schauen sollte, dann bewegt er sich kurz darauf tatsächlich. Nur halt in die falsche Richtung, aus Sicht der Gold-Bullen. Der Dollar-Index (Währungskorb gegen Euro, Pfund, Franken etc) prallte bei 92,80 Indexpunkten zum siebten Mal in zehn Tagen nach oben ab, und steigt die letzten Stunden auf aktuell 93,32 Indexpunkte.

Risk Off beeinflusst US-Dollar

Risk Off nennt man das. Hat der Markt aufgrund bestimmter Umstände plötzlich Angst, flieht man in sichere Häfen. Und heute ist dies der US-Dollar. Euro, Pfund und Franken verlieren heute alle gleichzeitig gegen den US-Dollar. Und wenn er schnell steigt, leidet oft auch der Goldpreis. Manchmal ist beim Risk Off auch Gold als sicherer Hafen der große Gewinner. Aber schon seit Wochen schielt der Goldpreis in erster Linie auf den US-Dollar, und nimmt logischerweise die gegenteilige Positionierung ein. Der Goldpreis verliert daher seit heute früh von 1.954 auf aktuell 1.931 Dollar.

Dax, Euro und Goldpreis fallen gleichzeitig

Der Euro verliert seit heute früh gegen den US-Dollar von 1,1870 auf aktuell 1,1784. Von einem schwächeren Euro profitiert in der Regel der exportlastige Dax. Aber nicht so in einem Corona-Umfeld mit steigenden Infektionen und immer mehr Beschränkungen (ganz aktuell zum Beispiel in Bayern). Sowas macht auch in angelsächsischen Medien die Runde, dass sogar im so „erfolgreichen“ Deutschland nun wieder mehr Corona-Restriktionen um sich greifen! Der Dax verliert im Vergleich zu Freitag Abend gut 450 Punkte. Im Chart sehen wir seit Freitag den heute steigenden US-Dollar gegen den gleichzeitig fallenden Dax und Goldpreis.

Chart zeigt Kursverläufe von US-Dollar, Goldpreis, Dax

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