Folgen Sie uns

Anleihen

Draghis Warnung an Italien: Wer aus der Eurozone austritt, muß seine Target-Schulden bezahlen!

Erstmals wird durch Draghi die Möglichkeit angesprochen, dass ein Land überhaupt die Eurozone verläßt!. Und wenn ein Land das tut, müssen die offenen Rechnungen bezahlt werden. Konkret würde das bedeuten, dass Italiens Notenbank sein negatives Target2-Saldo im Volumen von 358,6 Milliarden Euro begleichen müsste.

Avatar

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

In letzter Zeit ist es eher still geworden um das Thema Target2-Verbindlichkeiten – und das, obwohl diese Taget2-Salden wieder Stände erreichen, wie wir sie zur Zeit der Finanzkrise und während der Euro-Krise im Jahr 2012 gesehen hatten. Auf die Problematik der Taget2-Salde, die im Grunde Ungleichgewichte der Kapitalstörme signalisieren, hatte zuerst Hans-Werner Sinn hingewiesen – und sich damit zunächst Kritik eingehandelt. Inzwischen aber sind die Thesen Sinns allgemein anerkannt, auch wenn es vereinzelt noch Ökonomen gibt, die meinen, das spiele keine Rolle, Zentralbanken könnten diese Ungleichgewichte irgendwie nullen – Vodoo-Ökonomie eben.

Dass dem nicht so ist, darauf hat nun am Freitag Mario Draghi höchstpersönlich hingewiesen in einem Brief an zwei italienische Abgeordnete des Europaparlaments (Marco Valli und Marco Zanni) – und dabei klar gemacht: wenn ein Land aus der Eurozone austritt, muß es zuvor seine Target2-Verbindlichkeiten restlos bezahlen:

„If a country were to leave the Eurosystem, its national central bank’s claims on or liabilities to the ECB would need to be settled in full.“

Bums! Erstens wird hier im Grunde erstmals durch Draghi die Möglichkeit angesprochen, dass ein Land überhaupt die Eurozone verläßt – das ist schon bedeutsam genug. Und wenn ein Land das tut, müssen die offenen Rechnungen bezahlt werden. Konkret würde das bedeuten, dass Italiens Notenbank sein negatives Target2-Saldo im Volumen von 358,6 Milliarden Euro begleichen müsste. Und ob die italienische Notenbank überhaupt dazu in der Lage wäre, ist eine andere Frage, wenn man nämlich gezwungen ist, auf eine schnell abwertende Lira umzustellen, gleichzeitig aber die Schulden in Euro bestehen bleiben und bedient werden müssen! Deutschland übrigens hat einen positiven Target2-Saldo von 754,1 Milliarden Euros, und sollte Italien austreten und die italienische Notenbank in der Lage sein, ihre Verbindlichkeiten zu begleichen, würde vor allem die Bundesbank eine dicke Überweisung bekommen. Ja wenn..

Draghi äußert sich in dem Brief auch zu den zuletzt wieder deutlich gestiegenen Ungleichgewichten der Traget2-Salden: Diese seien vor allem bedingt durch die Käufe von Staatsanleihen der EZB im Rahmen ihres APP-Programms:

„Furthermore, TARGET2 balances remain elevated as the liquidity created by our APP is largely concentratedin particular countries. This is a reflection of the financial structure in the euro area, in which banks with business models that attract more liquidity holdings are typically located in a small number of financial centres.“

Aha, soso. Damit sagt Draghi faktisch: es sind keine realwirtschaftlichen Kapitalströme, sondern Reaktionen von Banken auf die EZB-Politik, die zu diesen Ungleichgewichten führen. Eine steile These – denn faktisch fließt ja viel Kapital nach Deutschland, weil man eben Deutschland für einen sicheren Hafen hält – und etwa ein Land wie Italien eben nicht!

Und überhaupt, so Draghi, seien diese Ungleichewichte daher nicht Symptom einer Krise wie während der Finanzkrise und dann im Zeitraum 2100 bis 2012 (Eurokrise):

„The current upward trend in balances is therefore distinct from the increase in balances observed from mid-2007 to late 2008, and again from mid-2011 to mid-2012. The increase in TARGET2 balances in those periods was rooted in the market stress and fragmentation that resulted from the financial and sovereign debt crises. As banks in certain countries lost access to market-based funding, they replaced private sources of funding with central bank liquidity obtained from their national central banks through repurchase operations.
The subsequent redistribution of this liquidity, which was heavily influenced by market stress, led to higher TARGET2 balances. However, the current increase in TARGET2 balances is not a symptom of increased stress and is therefore inherently different from the previous episodes of rising balances.“

Also alles gut, nicht wahr? Aber wer austritt, muß dann leider doch die Rechnung bezahlen, so die unverhüllte Drohung Draghis!


EZB-Chef Mario Draghi mit Bundesbank-Chef Jens Weidmann bei den EZB Cultural Days. Jetzt wissen wir auch, warum Weidmann lächelt..

32 Kommentare

32 Comments

  1. Avatar

    micromegas

    23. Januar 2017 10:37 at 10:37

    Draghis Fantasieschulden. Kann er doch dann gerne wieder haben. Die Italiener machen es dann wie Draghi, einfach Geld aus dem nichts schöpfen und dann damit die EZB bezahlen.

    • Avatar

      nordsüd

      23. Januar 2017 10:59 at 10:59

      das können sie eben nicht, weil sie nur Lira (bzw. die eigene Währung) schöpfen können, nicht die „Fremdwährung“ Euro. Das darf meines Wissens nur die EZB, es sei denn diese erlaubt es Italien, ob das geht???
      Es sei denn Italien führt die DM ein, dann würden sich die Schulden deutlich reduzieren… (Unsinn aus).
      Was macht Herr Draghi wenn Italien austritt ohne vorher die Target2 Salden bezahlt zu haben?

      • Avatar

        Einzahler

        23. Januar 2017 16:01 at 16:01

        Dann fahrt ihr mit ein paar Leopardpanzern runter und holt euch das italienische Staatsgold 😉

    • Avatar

      gerd

      23. Januar 2017 11:01 at 11:01

      Mit Lira? Da müssten die aber sehr, sehr viele drucken

  2. Avatar

    nas-tee

    23. Januar 2017 11:27 at 11:27

    Und was passiert wenn Deutschland austritt? Bekommt Deutschland dann sein Guthaben ausbezahlt? Worauf warten wir noch? Austreten und Draghi kauft dann von den verbliebenen Ländern einfach die Staatsschulden die sie für die Ausbezahlung an Deutschland benötigen auf. Das wäre zwar dann in Neue Deutsche Mark NDM gerechnet nicht soo ein guter Deal, aber immernoch besser als nix. Außerdem könnten wir ja dann für diese Währungs-Reserven in Euro ja im verbliebenen Rest des Euroraums ne Weile shoppen … z.B. französische Strom, spanische Ferienhäuser, Italienische Gemüse&Pasta, Niederländische Tulpen, und natürlich griechische Unterstützung bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

    • Avatar

      nordsüd

      23. Januar 2017 11:43 at 11:43

      sinnvollerweise können nur Länder austreten, deren eigene Währung danach aufwertet, die eigenen Euro Schulden nehmen ab, die Forderungen gegen Euro Länder zwar auch, aber richtig, so können diese sie wenigstens überhaupt irgendwie bedienen.
      Nur eine Meinung…

    • Avatar

      GN

      23. Januar 2017 12:34 at 12:34

      ….was für ein Guthaben denn bitte??? Das ist lediglich eine Forderung, und so wie es aussieht wird die uneinbringlich sein….

  3. Avatar

    columbo

    23. Januar 2017 12:03 at 12:03

    Wenn Italien austritt, ist garantiert ein Typ wie Trump der Chef. Der wird alle auslachen und keinen Cent zurückzahlen. „Italia first“ wird es heißen und dann?
    In Argentinien ist schließlich auch niemand einmarschiert.

    • Avatar

      nordsüd

      23. Januar 2017 12:24 at 12:24

      Argentinien hatte keine Währungsunion.

      Sollte es eine EU Armee (oder Armee der Euro Staaten) geben, wäre es zumindest theoretisch denkbar, allerdings im ‚Friedensprojekt EU‘ wohl praktisch schwierig…
      Jedenfalls ein gruseliger Gedanke.

  4. Avatar

    leser

    23. Januar 2017 13:01 at 13:01

    Welcher ordentliche Kaufmann läßt Kredite in Höhe der Target2 Salden ohne jegliche harte Sicherheiten zu? Das machen nur Vabanque-Spieler.

    • Avatar

      verinet

      23. Januar 2017 16:35 at 16:35

      tja wer kann wohl so blöd sein?

  5. Avatar

    micromegas

    23. Januar 2017 13:07 at 13:07

    Hier das Video zum Statemant von Mario

    https://www.youtube.com/watch?v=gAGctmB670g

  6. Avatar

    N.Ritter

    23. Januar 2017 18:00 at 18:00

    Es gibt da nur ein klitzekleines Problemchen: Wenn die Banca d’Italia die Summe ihrer „Targetkredite“ via TARGET überweist – dann STEIGT der Negativsaldo….
    Und umgekehrt: Wenn die Bundesbank sich ihren Saldo überweisen lässt, STEIGT der Forderungssaldo. Irre nicht?

    • Avatar

      gerd

      23. Januar 2017 18:51 at 18:51

      Interessanter Aspekt. Klingt fast so, es bliebe nur die Bezahlung in Naturalien. Oder sie verscherbeln die Stadt Rom an Deutschland oder Südtirol.

      Aber wie wäre es, wenn sie es mit ihren anderen Reserven bezahlen würden? Zum einen mit Gold, was aber nicht reicht.
      Sie haben aber rund 30Mrd. Dollar an Devisen, welche die EZB in Euro tauscht und den Italienern gutbringt. So hätte sich der Schuldsaldo verringert. Aber einschließlich Gold kommt man da auch nur auf eine Tilgung von
      rund 100Mrd.

      Am Schluss bleibt wohl doch nur die Frage von LESER, wer außer Vabanque-Spieler denn solche Kredite ohne handfeste Sicherheit anwachsen lässt.
      Und als Ergänzung die rhetorische Frage-Antwort von verinet, ja weer denn wohl? Soo blöd sein kann eben nur…..Na, ja Dichter Heinrich Heine hat es seinerzeit schon geahnt und wurde um seinen Schlaf gebracht.

      • Avatar

        N.Ritter

        23. Januar 2017 19:21 at 19:21

        Ein paar denkbare Varianten gibt es schon, man muss dabei aber berücksichtigen, dass im Falle eines italienischen Euro-Austritts die BdI die Fähigkeit verliert, EUR zu schöpfen.
        1. Sie müsste sich dann also EUR am Devisenmarkt gegen neue italienische Währung beschaffen – würde für diese neue Währung wahrscheinlich hässlich werden.
        2. Sie könnte ihre auf EUR lautenden Forderungen an die italienischen Banken an die EZB abtreten – damit wäre die BdI bilanztechnisch aus dem Schneider, aber wenn die EZB dann versucht, die Forderungen bei den italienischen Banken einzutreiben – würde das wohl auch hässlich werden.
        3. BdI oder Italien werden verdonnert, irgendwelche vorhandenen Sachwerte zu übertragen – wie Sie sagen, Gold oder Immobilien, was auch immer. Die politischen Auswirkungen auf Italien und Europa insgesamt – siehe oben.

        Es gäbe natürlich auch noch eine (natürlich völlig absurde) andere Möglichkeit: DE und andere Spar- und Exportweltweister fangen an, zu investieren, Löhne adäquat zum Produktivitätsfortschritt + Zielinflationsrate der EZB ansteigen zu lassen, so dass sich die Niveauunterschiede zwischen den Eurostaaten verringern und die Aussenhandelsüberschüsse abbauen – dann fließen automatisch Gelder für Importe aus den Defizitländern in diese zurück und voila – die TARGET-Salden verringern sich ohne Daumenschrauben.

  7. Avatar

    Werner Ernst

    23. Januar 2017 18:09 at 18:09

    Wirtschaftlich ist die Zahlung für Italien nicht zu leisten.
    Möglich ist daher auch eine argumentative Beruhigungspille für die Länder in denen in Kürze gewählt wird und über die Politiker zu entscheiden sein wird, die dieses System implantiert haben ! Da wird nichts nennenswertes zurückkommen, wie auch ? Diese Gelder wurden bereits für Löhne , Renten, Gehälter und z.T. für Investitionen verkonsumiert !

    • Avatar

      N.Ritter

      23. Januar 2017 18:28 at 18:28

      Diese Gelder wurden nicht in Italien konsumiert – sie wurden ins Ausland (z.Bsp. nach Deutschland) überwiesen. Das ist ja die Ursache für die Existenz des Saldos: wenn die BdI einer italienischen Bank einen Kredit gibt (Geldschöpfung) entsteht zunächst in der Bilanz der BdI eine Kreditforderung an diese Bank, aber auch eine gleichhohe Verbindlichkeit gegenüber dieser Bank in Form des Guthabens auf dem BdI-Konto – die Bilanz der Notenbank ist ausgeglichen. Wenn die Bank jetzt das Guthaben an eine deutsche Bank überweist, hat die BdI immer noch die Forderung in der Bilanz, aber keine Verbindlichkeit mehr. Dafür hat die deutsche Bank ein Guthaben bei der Bundesbank (Verbindlichkeit der BBk), für die die BBk aber keine Forderung hat. Der Ausgleich sind in den beiden Notenbankbilanzen die TARGET-Salden.

      • Avatar

        gerd

        23. Januar 2017 19:01 at 19:01

        Ich drücks mal für mich einfacher aus.
        Die Gelder wurden natürlich nicht in Italien konsumiert, sondern die in Deutschland gekauften Waren wurden verkonsumiert.

        Die Gelder wurden aber auch nicht im eigentlichen Sinne nach Deutschland überwiesen. Die EZB hat den Italienern lediglich eine Target-Kreditlinie eingeräumt im Vertrauen darauf, dass der Target-Kredit irgendwie, irgendwann zurückgeführt wird.

        • Avatar

          gerd

          23. Januar 2017 19:03 at 19:03

          vorsorgliche Ergänzung:
          so zumindest verstehe ich es. Ich lass mich gerne eines Besseren belehren

          • Avatar

            N.Ritter

            23. Januar 2017 19:38 at 19:38

            Nein, die EZB hat eben KEINE Kreditlinie eingeräumt. Die TARGET-Salden sind bilanziell notwendige Augleichsposten, die dadurch zustande kommen, dass TARGET ein TECHNISCH einheitliches System ist, RECHTLICH aber aus einer Vielzahl von (nationalen) Systemen besteht. Das Guthaben einer deutschen Bank auf ihrem TARGET-Konto schlägt sich als Verbindlichkeit in der Bilanz der BBk nieder, das einer italienischen in der Bilanz der BdI usw. Wenn diese Banken untereinander Zahlungen austauschen, braucht es in den Bilanzen der Notenbanken Ausgleichsmechanismen. Alternativ hätte man die gesamte Kontoführung auf die EZB übertragen können – dann gäb es die Salden gar nicht. Das wollte aber niemand.

            Zum Konsumieren: ja, das können Zahlungen für importierte Güter sein, sind sie wahrscheinlich häufig auch. Kann aber auch sein, dass ausländische Banken deutsche Staatsanleihen gekauft haben (z. B. die BdI im Rahmen der Geldpolitik), oder Immobilien im Ausland. Es können auch Rückzahlungen von Krediten sein – alles mögliche.

  8. Avatar

    bauer

    23. Januar 2017 19:18 at 19:18

    glaubt hier wirklich noch jemand,das da irgendetwas an Euros zurückbez.wird?
    Zur Erinnerung an 2012:
    Sind ja nur Garantien,egal….
    Sie werden aber jetzt fällig!!!!!
    UND ZWAR VOM DEUTSCHEN MICHEL!!!!!
    ja ja,es ist Zahltag für jeden gemeldeten dt.BÜRGER!

  9. Avatar

    hubi stendahl

    23. Januar 2017 19:58 at 19:58

    Nun schaut, dass ihr das mit den Italienern in den Griff bekommt,,,,,,,,,,ihr Deutschen.

    Oder abgekürzt “ fuck you“ an Deutschland. Das ist doch leicht heraus zu lesen, wenn man weiß, dass eine Bank keine Armee schicken kann. Die EZB geht dann einfah unter und die Deutschen haben die Arxxxxkarte. Dumm gelaufen.

    • Avatar

      gerd

      23. Januar 2017 20:25 at 20:25

      Ja, so verstehe ich den Sachverhalt in der Konsequenz auch.

  10. Avatar

    gerd

    23. Januar 2017 20:24 at 20:24

    @N.Ritter
    Ihr erster Beitrag:
    „Dafür hat die deutsche Bank ein Guthaben bei der Bundesbank (Verbindlichkeit der BBk), f ü r d i e
    d i e B B k a b e r k e i n e F o r d e r u n g hat. Der Ausgleich sind in den beiden Notenbankbilanzen die TARGET-Salden“

    BBk hat keine Forderung (gegenüber dem DEUTSCHEN Kreditinstitut?) O.K.. Aber eben auch keine mit Sicherheiten unterlegte Forderung gegenüber der EZB. Oder?
    Wie gesagt, ich suche nach Wissenserweiterung

    Ihr zweiter Beitrag
    „Kann aber auch sein, dass ausländische Banken deutsche Staatsanleihen gekauft haben ….oder Immobilien….“
    Der Effekt ist derselbe. O.k..
    Aus dem Nichts von der Banca Italia geschaffenes Geld wird für den Kauf verwendet.

    Ergebnis ist für mich dennoch der Saldo zu Lasten Italiens, der real da ist. Auch wenn nur wegen buchungstechnischer Ausgleichsgründe so verfahren wird.

    Eine Lösung wäre auch, wie Sie schreiben, das sich die Handelsbilanzsalden zwischen den Ländern jeweils ins Gegenteil verkehrten. Da meinte ich ganz oben mit Naturalien.

    Nebenbei glaube aber immer noch, dass die Möglichkeit, Geld aus dem Nichts zu schaffen, für die einzelnen Zentralbanken nach oben begrenzt ist. Ich kann mich dunkel dran erinnern, dass die Geldautomaten in Griechenland vor rund zwei Jahren nur deshalb nicht total leer waren (als das Geld ins Ausland gebracht wurde), weil die griechische Notenbank (das griechische Geschäftsbankensystem) von der EZB die Erlaubnis erhielt, die Verbindlichkeiten auszuweiten. Indem die Kreditlinie, so nenne ich es mal, von der EZB angehoben wurde. Ganz grob, wirklich grob, ging es da hoch von rund 70Mrd auf 80Mrd.

    Wenn ich ganz falsch denke, bitte ich eine weiteres Mal um Nachhilfe

    • Avatar

      N.Ritter

      23. Januar 2017 22:02 at 22:02

      In der Eurozone ist die EZB die letzte Instanz, die festlegt, wieviel Geld neugeschöpft wird und die Nationalen Zentralbanken haben das umzusetzen. Dadurch ist ist Fähigkeit der einzelnen NZB’en in der Tat begrenzt (genau wie in Ihrem Griechenland-Beispiel beschrieben).

      Das Problem bei Italien (und anderen Ländern mit Negativsaldo) ist nicht, dass sie mehr Geld schöpfen als sie dürfen, sondern dass es sofort ins Ausland abfließt. Zu einem guten Teil natürlich wegen Importüberschüssen dieser Länder, aber auch weil Inländer Geld ins Ausland „in Sicherheit“ bringen, investieren, Kredite real zurückzahlen usw. Man kann das so auslegen, dass die „unzuverlässigen“ Südländer ihren Bürgern Wohlstand auf Pump ermöglichen – allerdings sollte man da nicht vergessen, dass die aus dem Verkauf unserer Produkte und den Kapitalflüssen nach DE resultierende Einkommen und Arbeitsplätze eben auch hier anfallen.
      Die Sünder finanzieren unter anderem die geringe Arbeitslosenquote, für die sich unsere Regierung selbst feiert.
      Das Problem ist für mich die Auffassung von Herrn Sinn (und nun offenbar auch von Herrn Draghi), dass diese systembedingten Verrechnungssalden mit echten Sachwerten ausgeglichen werden sollen. Herr Sinn bringt in seiner Argumentation immer die amerikanische FED als Beispiel, weil die in ihrem FedWire-System einen Ausgleichsmechanismus haben. Ich kenne jetzt das System da nicht so genau, aber soweit ich es verstanden habe, gleichen die gar nichts in „hard Assets“ aus – die schieben einfach nur die wertpapierbesicherten Forderungen aus einer Distrikt-FED in die andere, damit die Forderungen und Verbindlichkeiten wieder in der gleichen Bilanz stehen und fertig. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass man sich hier mit der Abtretung von griechischen Kreditforderungen begnügen möchte….
      Und dabei wär’s ganz einfach: wir bräuchten diese Einnahmen nur wieder für Produkte dieser Länder ausgeben oder dort investieren, und dann hätten wir unsere Rückflüsse an realen Werten und die Salden würden sich wieder verringern.

  11. Avatar

    Volante

    24. Januar 2017 08:34 at 08:34

    Eine Währung sie zu knechten, sie alle zu finden, ins dunkel zu treiben und ewig zu binden.

    Der Euro ist Teufelswerkzeug 😉

  12. Avatar

    Wolfgang Koch

    24. Januar 2017 11:00 at 11:00

    Draghi’s obige Warnung hätte zu Zeiten,als die Notenbanken noch nicht die Marketmaker waren,ein Börsenbeben ausgelöst! Mittlerweile sind die Märkte so stoned,dass sie sowas eklatantes in ihren permanenten Drogenräuschen gar nicht mehr mitbekommen!Der Turkey ist aber so sicher,wie das Amen in der Kirche!

  13. Avatar

    SimsalabimFinanzkasper

    24. Januar 2017 12:28 at 12:28

    Die Lösung ist einfach und frei von jeder Verskalvung der Menschen.
    Man erschafft einen neuen Euroschein. Vielleicht 100.000.000.000.000.000 Euro. Nimmt ein bißchen buntes Papier, schreibt da ganz viele Abkürzungen drauf, die sowieso nicht schützensfähig sind EBE, ESB, EZB,… und nie in einer Legende aufgeklärt werden. Dann druckt man irgendwo eine blaue Flagge mit goldenen Sternen drauf, die schon im Eutiner Schloss von der späteren Katharina der Großen Zarin von Russland an die Decke gemalt wurde vor mehreren hundert Jahren und irgendeiner macht dann noch eine Paraphe drauf und ein Copyrightzeichen.
    Da der ESm in Bar einzuzahlen ist, schickt man Draghi dann das Papierchen und sagt hiermit sind die Tragetschulden und der ESM bezahlt, schicke mir bitte die übrige Differenz in Gold, weil ich keine anderen Euro Scheine als Geld oder Tauschmittel akzeptieren.
    Ach ja und übrigens Dein Haus in Italien haben wir gerade gepfändet, weil auch hier gibt es keine Staatshaftung. Wir wären aber bereit dir das Haus nach persönlicher Übergabe der Restmenge in Gold wieder rauszugeben. Die letzten 100 Milliarden darf er auch gerne in Getreide und Honig und Bernstein zahlen.

    Wer es immer noch nciht verstanden hat sollte man das Wort „Giralkartoffel“ im Internet suchen und es sich durchlesen.

  14. Avatar

    Ecker

    24. Januar 2017 14:48 at 14:48

    Es sind Italiener. Die lassen sich vom Draghi kaum was sagen. Wenn die austreten wollen, tun sie,s. Und was will der Draghi dann machen? Mehr als heiße Luft ist die Drohung nicht. Die führen die Lire wieder ein und sperren die Auslandsschulden und husten dme Rest der Eurozombiezone was.

  15. Avatar

    sorglos

    6. Februar 2017 20:30 at 20:30

    wo bleibt der sachliche komentar eines FACHMANNS !!!!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Anleihen

Deutsche Staatsanleihen – das Interesse lässt nach

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Flucht in vermeintliche Sicherheit hatte im vergangenen Jahr schon unglaubliche Entwicklungen auf dem Markt für Staatsanleihen ausgelöst – besonders deutsche Staatsanleihen waren gefragt. Über ein Viertel der weltweiten Staatsbonds (17 Billionen Dollar) notierte daher im negativen Bereich. Diese Summe hat sich in den letzen Wochen wieder der 10 Billionen-Dollar-Marke genähert. Als einer der sichersten Häfen waren die deutschen Staatsanleihen gefragt, mit kurzzeitig negativer Verzinsung in allen Laufzeiten – bis zur 30-jöhrigen Staatsanleihe. Doch inzwischen hat sich doch einiges geändert, wie die jüngsten Emissionen zeigen.

Deutsche Staatsanleihen – Unterdeckung

Der Renditeanstieg bei deutschen Staatsanleihen schreitet voran. Während man zum Höhepunkt der „Kurshausse“ bei den deutschen 10-jährigen Bunds Anfang September 2019 noch eine Verzinsung von minus 0,74 Prozent akzeptierte, sind es aktuell nur noch minus 0,21 Prozent. Aber mehr noch: Bei der Emission neuer 30-jähriger deutscher Staatsanleihen am Mittwoch kam es zu einer Unterdeckung, sprich die Nachfrage fiel geringer aus als das Angebot des deutschen Staates. Man hatte 1,5 Milliarden Euro angeboten, die Nachfrage belief sich aber nur auf 1,2 Milliarden Euro. Dies war auch schon vor Wochenfrist der Fall, als es für eine neue 10-Jährige auch schon zu wenig Nachfrage gab.

Mit dem Rückgang der Negativrendite zeigt sich damit ein Trend: Der Hunger der Investoren auf deutsche Staatsanleihen mit einem Nullkupon hat nachgelassen, die Schwelle für die Negativverzinsung liegt derzeit bei einer Laufzeit von 14 Jahren. Bisher wurden viele Papiere, die eine Negativverzinsung geboten hatten, sehr zur Verwunderung mancher Beobachter gekauft – einfach auch aus dem Grund, weil man bei weiter nachgebenden Zinsen schöne Kursgewinne einfahren konnte. Dies scheint aber jetzt vorbei zu sein, der Kauf von Anleihen mit Negativverzinsung und langer Laufzeit könnte sich wegen der Duration zu einem waghalsigen Geschäft entwickeln.

Fazit

Die Angst vor einem weiteren Absacken der Konjunktur hat nachgelassen, die Kurse deutscher Staatspapiere haben nachgegeben und den spekulativen Anlegern sehr viel Geld gekostet. Was wird erst die österreichische 100-Jährige an Kursverlusten eingefahren haben? In Deutschland wird die Diskussion um die Abkehr von der schwarzen Null auch immer lauter, es werden nicht nur von der EZB von Deutschland staatliche Investitionsprgramne gefordert, auch Maßnahmen gegen den Klimawandel könnten zur Emission neuer Papiere führen. Also doch ein langsamer Zinsanstieg? Dies würde aber (kurzfristig) die Anleihen noch einmal unattraktiver zu den Dividendenpapieren machen – TINA könnte nochmals einen kleinen (letzten?) Schub bekommen.

 

Deutsche Staatsanleihen waren zuletzt weniger gefragt - wohl nicht zur Freude von Bundesfinanzminister Scholz

Olaf Scholz. Foto: Christoph Braun CC0

 

weiterlesen

Anleihen

Anleihen mit 100 Jahren Laufzeit: Das sind die Gründe ihres Booms!

Avatar

Veröffentlicht

am

Negative Zinsen haben einen Boom für 100-jährige Anleihen ausgelöst. Denn das sind eine der letzten verbliebenen Bastionen positiver Zinsen. Der Nachteil: Die Zinsen sind trotz der langen Laufzeit erstaunlich niedrig und für 100 Jahre festgeschrieben. Gibt es in der Zwischenzeit Inflation oder geht der Schuldner pleite, haben Sie als Anleger Pech gehabt!

Die Bundesrepublik Deutschland beschränkt sich bis jetzt auf eine maximale Laufzeit von 30 Jahren bei neu emittierten Anleihen. Die Rendite liegt dabei derzeit bei nur 0,31%. Angesichts dieser historischen Niedrigzinsen haben aber bereits einige andere staatliche und private Emittenten begonnen, Anleihen mit 100-jähriger Laufzeit auszugeben. Die Zinsen sind dabei zwar deutlich höher als bei 30-jähriger Laufzeit, aber im historischen Maßstab niedrig. Der Emittent sichert sich damit das derzeit niedrige Zinsniveau für die kommenden 100 Jahre, während Anleger deutlich höhere Zinsen bekommen, als es bei Anleihen mit kürzerer Laufzeit möglich wären.

So erzielen Sie überproportionale Kursgewinne bei weiter fallenden Zinsen!

Solange die Zinsen weiter sinken, können Anleger sogar überproportionale Kursgewinne mit den lang laufenden Anleihen erzielen. Denn Kurse und Renditen sind bei Anleihen negativ miteinander gekoppelt. Anleihen des gleichen Emittenten mit gleicher Laufzeit haben stets die gleiche Rendite. Eine im Jahr 2005 herausgegebene Anleihe der Bundesrepublik Deutschland mit Fälligkeit im Jahr 2030 wirft pro Jahr 6,25% Zinsen ab. Eine neue Anleihe mit Fälligkeit im Jahr 2030 bringt hingegen nur noch 0% Zinsen. Wäre der Kurs beider Anleihen gleich, würden alle Anleger die Anleihe aus dem Jahr 2005 kaufen, die 6,25% Zinsen abwirft. Dadurch steigt der Kurs dieser alten Anleihe. Derzeit müssen Sie für diese alte Anleihe 165,81% des Nennwerts bezahlen.

Sie bezahlen also heute 1.658,10 Euro, bekommen aber nur auf 1.000 Euro 6,25% Zinsen und im Jahr 2030 auch nur 1.000 Euro Rückzahlung. Alle Zahlungsströme zusammengerechnet ergibt das ein Nullsummenspiel: 0% Rendite. Genauso wie die heute neu emittierte Anleihe mit 0% Zinsen und 10 Jahren Laufzeit.

Sinken also die Zinsen am Markt, müssen die Kurse bereits emittierter Anleihen steigen, um die niedrigere Marktrendite zu reflektieren. Je länger die Restlaufzeit einer Anleihe und je höher deren Zins ist, umso stärker steigen die Kurse, um die sinkende Marktrendite zu reflektieren. Es ist dieser Effekt, der die überdurchschnittlich gute Rendite von Anleihefonds und Rentenversicherungen in den vergangenen Jahren erzeugte.

Doch es ist nur ein temporärer Effekt. Bis zur Endfälligkeit der Anleihen sinkt der Kurs wieder auf 100%. Rentenfonds haben also heute eine gute Performance, dafür in den kommenden Jahren eine schlechtere. Mit möglichst lang laufenden Anleihen kann dieser Effekt noch ein wenig in die Zukunft verschoben werden. Denn bei den Langläufern wie den 100-jährigen Anleihen sind die Kursgewinne exorbitant, solange die Zinsen weiter fallen. Eine im September 2017 mit 2,1% Zinsen herausgegebene Anleihe Österreichs erzielte bis heute fast 61% Kursgewinn. Denn der Marktzins für 100-jährige Anleihen Österreichs sank in diesen nicht einmal 30 Monaten von 2,1% auf 1,04%.

Eine vor zehn Monaten herausgegebene 100-jährige Anleihe Nordrhein-Westfalens bringt es auf 36,7% Kursgewinn. Und behält der Wirtschaftswissenschaftler, über den ich gestern berichtete, Recht, dann wird diese Entwicklung auch noch in den kommenden Jahrzehnten weitergehen. Denn er geht davon aus, dass bis zum Ende des Jahrhunderts auch die Mehrheit der lang laufenden Anleihen weltweit negative Renditen aufweisen wird.

Langläufer-Anleihen haben auch große Risiken!

Die Sache hat nur zwei Haken:

1)
Kehrt sich der Zinstrend wider Erwarten um, werden diese Anleihen überproportionale Kursverluste aufweisen, um den steigenden Marktzinsen zu folgen.
2)
Geht der Emittent in diesem für Menschen unüberschaubaren Zeitraum pleite, ist das Geld zum Großteil bis vollständig verloren.

Und so sicher auch Emittenten wie Österreich oder Deutschland wirken, sie sind es nicht. In den vergangenen 102 Jahren fiel das Deutsche Kaiserreich, es gab Hyperinflation, den 2. Weltkrieg, die DDR entstand und ging unter. Wer eine Deutsche 100-jährige Anleihe im Jahr 1918 zeichnete, weil er von sinkenden Zinsen in den kommenden 100 Jahren ausging, hatte also gleich mehrmals die Chance, damit all sein Geld zu verlieren.

Wie schnell das gehen kann, erleben gerade diejenigen Anleger, die erst Ende Dezember 2017 100-jährige Anleihen Argentiniens zeichneten. Die warfen schon damals 7,125% Zinsen ab. Heute liegt die Rendite schon bei 15,6% und der Kurs sank um 52,5%! Denn die Bonität Argentiniens wird heute, kaum mehr als zwei Jahre nach der Emission, deutlich schlechter eingeschätzt.

Der morbide Charme von Anleihen mit 100 Jahren Laufzeit

weiterlesen

Anleihen

Zinsen fallen – und zwar seit Jahrhunderten

Die Zinsen fallen in ihrer Tendenz schon seit dem Jahr 1300!

Avatar

Veröffentlicht

am

Es klingt unglaublich, was eine wissenschaftliche Langzeit-Studie des Harvard-Wissenschaftlers Paul Schmelzing zutage gebracht hat: Die Zinsen fallen in ihrer Tendenz schon seit dem Jahr 1300, aber jetzt ist ein kritischer Punkt erreicht.

Die aktuellen Niedrigzinsen

In vielen Wirtschaftsmedien wird seit Monaten die Frage diskutiert, welch unsinniges Niveau die Zinsen weltweit angenommen haben. Viele Ökonomen führen die jetzige Zinssituation auf geldpolitische Fehlentscheidungen der letzten Jahre beziehungsweise Jahrzehnte (Japan) zurück. Auf Negativzinsen ist unser ganzes Geldsystems sicherlich nicht vorbereitet, aber der Trend zu immer niedrigeren Zinsen ist uralt, wie die wissenschaftliche Arbeit des Harvard-Wissenschaftlers Paul Schmelzing nachweist: seine Datensätze zur Zinslandschaft reichen bis ins frühe 14. Jahrhundert zurück.

Die historische Entwicklung der Zinsen

Schmelzings erste Zinsdaten stammen bereits aus dem Jahre 1311, aus den italienischen Stadtstaaten Venedig, Genua und Florenz, die als erste Institutionen die Möglichkeit boten Geld verzinslich anzulegen – zu wahrlich fürstlichen Konditionen. Die Auflistung der historischen Zinsdaten ergeben ein umfassendes Bild der Kreditgeschichte in den westlichen Ländern, sogar unter Berücksichtigung des realen Zinsniveaus, also unter Einberechnung der Inflationsraten. Schmelzing kommt hierbei zu dem Ergebnis, dass es nicht erst seit dem 20. Jahrhundert einen Trend zu niedrigeren Zinsen gibt, sondern dass dieser Trend schon mindestens 500 Jahren alt ist. Dabei sei es auch egal, welches Land man hier in die Betrachtung einbeziehe.

Für das gesamte 20. Jahrhundert kommt der Autor auf eine Realverzinsung langfristiger sicherer Anlehen, zum Beispiel die der US-Treasuries von zwei Prozent. Im 19. Jahrhundert lag der reale Zins nach seinen Berechnungen bei 3,4 Prozent, im 17. Jahrhundert bei 4,6 Prozent und noch einmal 200 Jahre vorher waren es 9,1 Prozent gewesen.

Aktuell ragen insbesondere Deutschland und Japan (aber auch die Schweiz) mit einem extrem gesunkenen Zinsniveau heraus. Im Bereich der zehnjährigen Bundesanleihen muss man einen jährlichen Wertverlust oder eine Minusverzinsung von 0,2 Prozent in Kauf nehmen. Vor einem Jahrzehnt gab es noch drei Prozent plus. Noch negativer wird es bei Einbeziehung der Realverzinsung: Anfang 2010 gab es mit mit den Zehnjährigen noch einen 2,5 Prozent-Vermögenszuwachs erzielen, heute ist es ein Minus von 1,3 Prozent p.a.

Die Erklärung für das sinkende Niveau der Zinsen

Als Erklärung für das tendenziell sinkende Zinsniveau wird die Zahl der Konflikte zwischen Staaten herangeführt, die seit Jahrhunderten zurückgeht. „Es gibt einen Trend zu fallenden Renditen auf Staatsanleihen, teilweise weil die Welt reicher und sicherer geworden ist“, glaubt Moritz Schularick, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. Heute seien die Staaten stabiler als in der frühen Neuzeit. „Im 16. Jahrhundert war die Welt doch um einiges volatiler.“ Also seien die Risikoprämien auf Staatsanleihen deshalb rückläufig.

Daran ändere auch die Kriegssituation im 20. Jahrhundert nichts, diese haben den Trend auch nur vorübergehend unterbrochen. Allerdings könnte der Zusammenschluss westeuropäischer Staaten in einer großen Euro-Zone einen Einfluss haben, warum der Zins in Europa verschwindet. (Persönliche Anmerkung: Seit einigen Jahren hat die EZB-Politik aber einen weitaus größeren Einfluss). Der Autor begründet dies damit, dass Staaten seltener darauf angewiesen sind, Geld aufzunehmen, um einen Krieg für sich zu entscheiden.

Das Problem der Minuszinsen

Allerdings lässt sich diese Entwicklung nicht so einfach in den Minusbereich fortschreiben. Professor Thomas Mayer sieht auch einen Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg der westlichen Zivilisation in den letzten Jahrhunderten und dem Fall der Zinsen. Aber auch die steigende Lebenserwartung könnte für ihn eine Rolle spielen, da sich die Gegenwartspräferenz relativ zur Zukunftspräferenz verringere. Je älter Menschen werden, desto leichtherziger können sie erspartes Geld vorübergehend weggeben – und desto weniger dringlich wird die Aufnahme von Kredit innerhalb einer eng begrenzten Lebensspanne. Mit der Alterung der Gesellschaft senke sich die Waagschale zugunsten der Schuldner und damit für die Staaten.

Aber nach seiner Ansicht könne der Preis des Geldes in einem unmanipulierten Markt gleichwohl nicht dauerhaft unter Null fallen. „Wenn man Zins als Zeitpräferenz versteht, dann darf die Reihe nicht in den Bereich von Null- und Negativzinsen extrapoliert werden.“ Solange das menschliche Leben endlich und Zeit für jeden Menschen ein knappes Gut sei, könne der Preis der Zeit nicht null oder negativ werden. Die Marktwirtschaft ist, wie wir an den Vorsorgesystemen erkennen, nicht auf eine längere Nullzinsphase vorbereitet.

Fazit

Was könnte man aus diesen Argumenten schlussfolgern?

Eine uralte Weisheit: Das Wichtigste für eine Gesellschaft und deren Wirtschaft ist Frieden und Wohlstand für die Masse der Bevölkerung.

Aber auch: Die niedrigen Zinsen könnten nicht nur ein vorübergehendes Phänomen von staatlichen Versäumnissen verursachter und von den Notenbanken umgesetzter Geldpolitik sein. Dies träfe dann ganz besonders Sparmeister Deutschland mit seinen Bürgern, die derzeit nicht weniger als 2,4 Billionen Euro auf nicht verzinslichen Geldkonten parken.

Die Zinsen sind, wie eine wissenschaftliche Untersuchung gezeigt hat, seit Jahrhunderten rückläufig

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen