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Giovannie Cicivelli Tradingchancen

Anleihen

Draghis Warnung an Italien: Wer aus der Eurozone austritt, muß seine Target-Schulden bezahlen!

Erstmals wird durch Draghi die Möglichkeit angesprochen, dass ein Land überhaupt die Eurozone verläßt!. Und wenn ein Land das tut, müssen die offenen Rechnungen bezahlt werden. Konkret würde das bedeuten, dass Italiens Notenbank sein negatives Target2-Saldo im Volumen von 358,6 Milliarden Euro begleichen müsste.

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am

FMW-Redaktion

In letzter Zeit ist es eher still geworden um das Thema Target2-Verbindlichkeiten – und das, obwohl diese Taget2-Salden wieder Stände erreichen, wie wir sie zur Zeit der Finanzkrise und während der Euro-Krise im Jahr 2012 gesehen hatten. Auf die Problematik der Taget2-Salde, die im Grunde Ungleichgewichte der Kapitalstörme signalisieren, hatte zuerst Hans-Werner Sinn hingewiesen – und sich damit zunächst Kritik eingehandelt. Inzwischen aber sind die Thesen Sinns allgemein anerkannt, auch wenn es vereinzelt noch Ökonomen gibt, die meinen, das spiele keine Rolle, Zentralbanken könnten diese Ungleichgewichte irgendwie nullen – Vodoo-Ökonomie eben.

Dass dem nicht so ist, darauf hat nun am Freitag Mario Draghi höchstpersönlich hingewiesen in einem Brief an zwei italienische Abgeordnete des Europaparlaments (Marco Valli und Marco Zanni) – und dabei klar gemacht: wenn ein Land aus der Eurozone austritt, muß es zuvor seine Target2-Verbindlichkeiten restlos bezahlen:

„If a country were to leave the Eurosystem, its national central bank’s claims on or liabilities to the ECB would need to be settled in full.“

Bums! Erstens wird hier im Grunde erstmals durch Draghi die Möglichkeit angesprochen, dass ein Land überhaupt die Eurozone verläßt – das ist schon bedeutsam genug. Und wenn ein Land das tut, müssen die offenen Rechnungen bezahlt werden. Konkret würde das bedeuten, dass Italiens Notenbank sein negatives Target2-Saldo im Volumen von 358,6 Milliarden Euro begleichen müsste. Und ob die italienische Notenbank überhaupt dazu in der Lage wäre, ist eine andere Frage, wenn man nämlich gezwungen ist, auf eine schnell abwertende Lira umzustellen, gleichzeitig aber die Schulden in Euro bestehen bleiben und bedient werden müssen! Deutschland übrigens hat einen positiven Target2-Saldo von 754,1 Milliarden Euros, und sollte Italien austreten und die italienische Notenbank in der Lage sein, ihre Verbindlichkeiten zu begleichen, würde vor allem die Bundesbank eine dicke Überweisung bekommen. Ja wenn..

Draghi äußert sich in dem Brief auch zu den zuletzt wieder deutlich gestiegenen Ungleichgewichten der Traget2-Salden: Diese seien vor allem bedingt durch die Käufe von Staatsanleihen der EZB im Rahmen ihres APP-Programms:

„Furthermore, TARGET2 balances remain elevated as the liquidity created by our APP is largely concentratedin particular countries. This is a reflection of the financial structure in the euro area, in which banks with business models that attract more liquidity holdings are typically located in a small number of financial centres.“

Aha, soso. Damit sagt Draghi faktisch: es sind keine realwirtschaftlichen Kapitalströme, sondern Reaktionen von Banken auf die EZB-Politik, die zu diesen Ungleichgewichten führen. Eine steile These – denn faktisch fließt ja viel Kapital nach Deutschland, weil man eben Deutschland für einen sicheren Hafen hält – und etwa ein Land wie Italien eben nicht!

Und überhaupt, so Draghi, seien diese Ungleichewichte daher nicht Symptom einer Krise wie während der Finanzkrise und dann im Zeitraum 2100 bis 2012 (Eurokrise):

„The current upward trend in balances is therefore distinct from the increase in balances observed from mid-2007 to late 2008, and again from mid-2011 to mid-2012. The increase in TARGET2 balances in those periods was rooted in the market stress and fragmentation that resulted from the financial and sovereign debt crises. As banks in certain countries lost access to market-based funding, they replaced private sources of funding with central bank liquidity obtained from their national central banks through repurchase operations.
The subsequent redistribution of this liquidity, which was heavily influenced by market stress, led to higher TARGET2 balances. However, the current increase in TARGET2 balances is not a symptom of increased stress and is therefore inherently different from the previous episodes of rising balances.“

Also alles gut, nicht wahr? Aber wer austritt, muß dann leider doch die Rechnung bezahlen, so die unverhüllte Drohung Draghis!


EZB-Chef Mario Draghi mit Bundesbank-Chef Jens Weidmann bei den EZB Cultural Days. Jetzt wissen wir auch, warum Weidmann lächelt..

32 Kommentare

32 Comments

  1. micromegas

    23. Januar 2017 10:37 at 10:37

    Draghis Fantasieschulden. Kann er doch dann gerne wieder haben. Die Italiener machen es dann wie Draghi, einfach Geld aus dem nichts schöpfen und dann damit die EZB bezahlen.

    • nordsüd

      23. Januar 2017 10:59 at 10:59

      das können sie eben nicht, weil sie nur Lira (bzw. die eigene Währung) schöpfen können, nicht die „Fremdwährung“ Euro. Das darf meines Wissens nur die EZB, es sei denn diese erlaubt es Italien, ob das geht???
      Es sei denn Italien führt die DM ein, dann würden sich die Schulden deutlich reduzieren… (Unsinn aus).
      Was macht Herr Draghi wenn Italien austritt ohne vorher die Target2 Salden bezahlt zu haben?

      • Einzahler

        23. Januar 2017 16:01 at 16:01

        Dann fahrt ihr mit ein paar Leopardpanzern runter und holt euch das italienische Staatsgold 😉

    • gerd

      23. Januar 2017 11:01 at 11:01

      Mit Lira? Da müssten die aber sehr, sehr viele drucken

  2. nas-tee

    23. Januar 2017 11:27 at 11:27

    Und was passiert wenn Deutschland austritt? Bekommt Deutschland dann sein Guthaben ausbezahlt? Worauf warten wir noch? Austreten und Draghi kauft dann von den verbliebenen Ländern einfach die Staatsschulden die sie für die Ausbezahlung an Deutschland benötigen auf. Das wäre zwar dann in Neue Deutsche Mark NDM gerechnet nicht soo ein guter Deal, aber immernoch besser als nix. Außerdem könnten wir ja dann für diese Währungs-Reserven in Euro ja im verbliebenen Rest des Euroraums ne Weile shoppen … z.B. französische Strom, spanische Ferienhäuser, Italienische Gemüse&Pasta, Niederländische Tulpen, und natürlich griechische Unterstützung bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

    • nordsüd

      23. Januar 2017 11:43 at 11:43

      sinnvollerweise können nur Länder austreten, deren eigene Währung danach aufwertet, die eigenen Euro Schulden nehmen ab, die Forderungen gegen Euro Länder zwar auch, aber richtig, so können diese sie wenigstens überhaupt irgendwie bedienen.
      Nur eine Meinung…

    • GN

      23. Januar 2017 12:34 at 12:34

      ….was für ein Guthaben denn bitte??? Das ist lediglich eine Forderung, und so wie es aussieht wird die uneinbringlich sein….

  3. columbo

    23. Januar 2017 12:03 at 12:03

    Wenn Italien austritt, ist garantiert ein Typ wie Trump der Chef. Der wird alle auslachen und keinen Cent zurückzahlen. „Italia first“ wird es heißen und dann?
    In Argentinien ist schließlich auch niemand einmarschiert.

    • nordsüd

      23. Januar 2017 12:24 at 12:24

      Argentinien hatte keine Währungsunion.

      Sollte es eine EU Armee (oder Armee der Euro Staaten) geben, wäre es zumindest theoretisch denkbar, allerdings im ‚Friedensprojekt EU‘ wohl praktisch schwierig…
      Jedenfalls ein gruseliger Gedanke.

  4. leser

    23. Januar 2017 13:01 at 13:01

    Welcher ordentliche Kaufmann läßt Kredite in Höhe der Target2 Salden ohne jegliche harte Sicherheiten zu? Das machen nur Vabanque-Spieler.

    • verinet

      23. Januar 2017 16:35 at 16:35

      tja wer kann wohl so blöd sein?

  5. micromegas

    23. Januar 2017 13:07 at 13:07

    Hier das Video zum Statemant von Mario

    https://www.youtube.com/watch?v=gAGctmB670g

  6. N.Ritter

    23. Januar 2017 18:00 at 18:00

    Es gibt da nur ein klitzekleines Problemchen: Wenn die Banca d’Italia die Summe ihrer „Targetkredite“ via TARGET überweist – dann STEIGT der Negativsaldo….
    Und umgekehrt: Wenn die Bundesbank sich ihren Saldo überweisen lässt, STEIGT der Forderungssaldo. Irre nicht?

    • gerd

      23. Januar 2017 18:51 at 18:51

      Interessanter Aspekt. Klingt fast so, es bliebe nur die Bezahlung in Naturalien. Oder sie verscherbeln die Stadt Rom an Deutschland oder Südtirol.

      Aber wie wäre es, wenn sie es mit ihren anderen Reserven bezahlen würden? Zum einen mit Gold, was aber nicht reicht.
      Sie haben aber rund 30Mrd. Dollar an Devisen, welche die EZB in Euro tauscht und den Italienern gutbringt. So hätte sich der Schuldsaldo verringert. Aber einschließlich Gold kommt man da auch nur auf eine Tilgung von
      rund 100Mrd.

      Am Schluss bleibt wohl doch nur die Frage von LESER, wer außer Vabanque-Spieler denn solche Kredite ohne handfeste Sicherheit anwachsen lässt.
      Und als Ergänzung die rhetorische Frage-Antwort von verinet, ja weer denn wohl? Soo blöd sein kann eben nur…..Na, ja Dichter Heinrich Heine hat es seinerzeit schon geahnt und wurde um seinen Schlaf gebracht.

      • N.Ritter

        23. Januar 2017 19:21 at 19:21

        Ein paar denkbare Varianten gibt es schon, man muss dabei aber berücksichtigen, dass im Falle eines italienischen Euro-Austritts die BdI die Fähigkeit verliert, EUR zu schöpfen.
        1. Sie müsste sich dann also EUR am Devisenmarkt gegen neue italienische Währung beschaffen – würde für diese neue Währung wahrscheinlich hässlich werden.
        2. Sie könnte ihre auf EUR lautenden Forderungen an die italienischen Banken an die EZB abtreten – damit wäre die BdI bilanztechnisch aus dem Schneider, aber wenn die EZB dann versucht, die Forderungen bei den italienischen Banken einzutreiben – würde das wohl auch hässlich werden.
        3. BdI oder Italien werden verdonnert, irgendwelche vorhandenen Sachwerte zu übertragen – wie Sie sagen, Gold oder Immobilien, was auch immer. Die politischen Auswirkungen auf Italien und Europa insgesamt – siehe oben.

        Es gäbe natürlich auch noch eine (natürlich völlig absurde) andere Möglichkeit: DE und andere Spar- und Exportweltweister fangen an, zu investieren, Löhne adäquat zum Produktivitätsfortschritt + Zielinflationsrate der EZB ansteigen zu lassen, so dass sich die Niveauunterschiede zwischen den Eurostaaten verringern und die Aussenhandelsüberschüsse abbauen – dann fließen automatisch Gelder für Importe aus den Defizitländern in diese zurück und voila – die TARGET-Salden verringern sich ohne Daumenschrauben.

  7. Werner Ernst

    23. Januar 2017 18:09 at 18:09

    Wirtschaftlich ist die Zahlung für Italien nicht zu leisten.
    Möglich ist daher auch eine argumentative Beruhigungspille für die Länder in denen in Kürze gewählt wird und über die Politiker zu entscheiden sein wird, die dieses System implantiert haben ! Da wird nichts nennenswertes zurückkommen, wie auch ? Diese Gelder wurden bereits für Löhne , Renten, Gehälter und z.T. für Investitionen verkonsumiert !

    • N.Ritter

      23. Januar 2017 18:28 at 18:28

      Diese Gelder wurden nicht in Italien konsumiert – sie wurden ins Ausland (z.Bsp. nach Deutschland) überwiesen. Das ist ja die Ursache für die Existenz des Saldos: wenn die BdI einer italienischen Bank einen Kredit gibt (Geldschöpfung) entsteht zunächst in der Bilanz der BdI eine Kreditforderung an diese Bank, aber auch eine gleichhohe Verbindlichkeit gegenüber dieser Bank in Form des Guthabens auf dem BdI-Konto – die Bilanz der Notenbank ist ausgeglichen. Wenn die Bank jetzt das Guthaben an eine deutsche Bank überweist, hat die BdI immer noch die Forderung in der Bilanz, aber keine Verbindlichkeit mehr. Dafür hat die deutsche Bank ein Guthaben bei der Bundesbank (Verbindlichkeit der BBk), für die die BBk aber keine Forderung hat. Der Ausgleich sind in den beiden Notenbankbilanzen die TARGET-Salden.

      • gerd

        23. Januar 2017 19:01 at 19:01

        Ich drücks mal für mich einfacher aus.
        Die Gelder wurden natürlich nicht in Italien konsumiert, sondern die in Deutschland gekauften Waren wurden verkonsumiert.

        Die Gelder wurden aber auch nicht im eigentlichen Sinne nach Deutschland überwiesen. Die EZB hat den Italienern lediglich eine Target-Kreditlinie eingeräumt im Vertrauen darauf, dass der Target-Kredit irgendwie, irgendwann zurückgeführt wird.

        • gerd

          23. Januar 2017 19:03 at 19:03

          vorsorgliche Ergänzung:
          so zumindest verstehe ich es. Ich lass mich gerne eines Besseren belehren

          • N.Ritter

            23. Januar 2017 19:38 at 19:38

            Nein, die EZB hat eben KEINE Kreditlinie eingeräumt. Die TARGET-Salden sind bilanziell notwendige Augleichsposten, die dadurch zustande kommen, dass TARGET ein TECHNISCH einheitliches System ist, RECHTLICH aber aus einer Vielzahl von (nationalen) Systemen besteht. Das Guthaben einer deutschen Bank auf ihrem TARGET-Konto schlägt sich als Verbindlichkeit in der Bilanz der BBk nieder, das einer italienischen in der Bilanz der BdI usw. Wenn diese Banken untereinander Zahlungen austauschen, braucht es in den Bilanzen der Notenbanken Ausgleichsmechanismen. Alternativ hätte man die gesamte Kontoführung auf die EZB übertragen können – dann gäb es die Salden gar nicht. Das wollte aber niemand.

            Zum Konsumieren: ja, das können Zahlungen für importierte Güter sein, sind sie wahrscheinlich häufig auch. Kann aber auch sein, dass ausländische Banken deutsche Staatsanleihen gekauft haben (z. B. die BdI im Rahmen der Geldpolitik), oder Immobilien im Ausland. Es können auch Rückzahlungen von Krediten sein – alles mögliche.

  8. bauer

    23. Januar 2017 19:18 at 19:18

    glaubt hier wirklich noch jemand,das da irgendetwas an Euros zurückbez.wird?
    Zur Erinnerung an 2012:
    Sind ja nur Garantien,egal….
    Sie werden aber jetzt fällig!!!!!
    UND ZWAR VOM DEUTSCHEN MICHEL!!!!!
    ja ja,es ist Zahltag für jeden gemeldeten dt.BÜRGER!

  9. hubi stendahl

    23. Januar 2017 19:58 at 19:58

    Nun schaut, dass ihr das mit den Italienern in den Griff bekommt,,,,,,,,,,ihr Deutschen.

    Oder abgekürzt “ fuck you“ an Deutschland. Das ist doch leicht heraus zu lesen, wenn man weiß, dass eine Bank keine Armee schicken kann. Die EZB geht dann einfah unter und die Deutschen haben die Arxxxxkarte. Dumm gelaufen.

    • gerd

      23. Januar 2017 20:25 at 20:25

      Ja, so verstehe ich den Sachverhalt in der Konsequenz auch.

  10. gerd

    23. Januar 2017 20:24 at 20:24

    @N.Ritter
    Ihr erster Beitrag:
    „Dafür hat die deutsche Bank ein Guthaben bei der Bundesbank (Verbindlichkeit der BBk), f ü r d i e
    d i e B B k a b e r k e i n e F o r d e r u n g hat. Der Ausgleich sind in den beiden Notenbankbilanzen die TARGET-Salden“

    BBk hat keine Forderung (gegenüber dem DEUTSCHEN Kreditinstitut?) O.K.. Aber eben auch keine mit Sicherheiten unterlegte Forderung gegenüber der EZB. Oder?
    Wie gesagt, ich suche nach Wissenserweiterung

    Ihr zweiter Beitrag
    „Kann aber auch sein, dass ausländische Banken deutsche Staatsanleihen gekauft haben ….oder Immobilien….“
    Der Effekt ist derselbe. O.k..
    Aus dem Nichts von der Banca Italia geschaffenes Geld wird für den Kauf verwendet.

    Ergebnis ist für mich dennoch der Saldo zu Lasten Italiens, der real da ist. Auch wenn nur wegen buchungstechnischer Ausgleichsgründe so verfahren wird.

    Eine Lösung wäre auch, wie Sie schreiben, das sich die Handelsbilanzsalden zwischen den Ländern jeweils ins Gegenteil verkehrten. Da meinte ich ganz oben mit Naturalien.

    Nebenbei glaube aber immer noch, dass die Möglichkeit, Geld aus dem Nichts zu schaffen, für die einzelnen Zentralbanken nach oben begrenzt ist. Ich kann mich dunkel dran erinnern, dass die Geldautomaten in Griechenland vor rund zwei Jahren nur deshalb nicht total leer waren (als das Geld ins Ausland gebracht wurde), weil die griechische Notenbank (das griechische Geschäftsbankensystem) von der EZB die Erlaubnis erhielt, die Verbindlichkeiten auszuweiten. Indem die Kreditlinie, so nenne ich es mal, von der EZB angehoben wurde. Ganz grob, wirklich grob, ging es da hoch von rund 70Mrd auf 80Mrd.

    Wenn ich ganz falsch denke, bitte ich eine weiteres Mal um Nachhilfe

    • N.Ritter

      23. Januar 2017 22:02 at 22:02

      In der Eurozone ist die EZB die letzte Instanz, die festlegt, wieviel Geld neugeschöpft wird und die Nationalen Zentralbanken haben das umzusetzen. Dadurch ist ist Fähigkeit der einzelnen NZB’en in der Tat begrenzt (genau wie in Ihrem Griechenland-Beispiel beschrieben).

      Das Problem bei Italien (und anderen Ländern mit Negativsaldo) ist nicht, dass sie mehr Geld schöpfen als sie dürfen, sondern dass es sofort ins Ausland abfließt. Zu einem guten Teil natürlich wegen Importüberschüssen dieser Länder, aber auch weil Inländer Geld ins Ausland „in Sicherheit“ bringen, investieren, Kredite real zurückzahlen usw. Man kann das so auslegen, dass die „unzuverlässigen“ Südländer ihren Bürgern Wohlstand auf Pump ermöglichen – allerdings sollte man da nicht vergessen, dass die aus dem Verkauf unserer Produkte und den Kapitalflüssen nach DE resultierende Einkommen und Arbeitsplätze eben auch hier anfallen.
      Die Sünder finanzieren unter anderem die geringe Arbeitslosenquote, für die sich unsere Regierung selbst feiert.
      Das Problem ist für mich die Auffassung von Herrn Sinn (und nun offenbar auch von Herrn Draghi), dass diese systembedingten Verrechnungssalden mit echten Sachwerten ausgeglichen werden sollen. Herr Sinn bringt in seiner Argumentation immer die amerikanische FED als Beispiel, weil die in ihrem FedWire-System einen Ausgleichsmechanismus haben. Ich kenne jetzt das System da nicht so genau, aber soweit ich es verstanden habe, gleichen die gar nichts in „hard Assets“ aus – die schieben einfach nur die wertpapierbesicherten Forderungen aus einer Distrikt-FED in die andere, damit die Forderungen und Verbindlichkeiten wieder in der gleichen Bilanz stehen und fertig. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass man sich hier mit der Abtretung von griechischen Kreditforderungen begnügen möchte….
      Und dabei wär’s ganz einfach: wir bräuchten diese Einnahmen nur wieder für Produkte dieser Länder ausgeben oder dort investieren, und dann hätten wir unsere Rückflüsse an realen Werten und die Salden würden sich wieder verringern.

  11. Volante

    24. Januar 2017 08:34 at 08:34

    Eine Währung sie zu knechten, sie alle zu finden, ins dunkel zu treiben und ewig zu binden.

    Der Euro ist Teufelswerkzeug 😉

  12. Wolfgang Koch

    24. Januar 2017 11:00 at 11:00

    Draghi’s obige Warnung hätte zu Zeiten,als die Notenbanken noch nicht die Marketmaker waren,ein Börsenbeben ausgelöst! Mittlerweile sind die Märkte so stoned,dass sie sowas eklatantes in ihren permanenten Drogenräuschen gar nicht mehr mitbekommen!Der Turkey ist aber so sicher,wie das Amen in der Kirche!

  13. SimsalabimFinanzkasper

    24. Januar 2017 12:28 at 12:28

    Die Lösung ist einfach und frei von jeder Verskalvung der Menschen.
    Man erschafft einen neuen Euroschein. Vielleicht 100.000.000.000.000.000 Euro. Nimmt ein bißchen buntes Papier, schreibt da ganz viele Abkürzungen drauf, die sowieso nicht schützensfähig sind EBE, ESB, EZB,… und nie in einer Legende aufgeklärt werden. Dann druckt man irgendwo eine blaue Flagge mit goldenen Sternen drauf, die schon im Eutiner Schloss von der späteren Katharina der Großen Zarin von Russland an die Decke gemalt wurde vor mehreren hundert Jahren und irgendeiner macht dann noch eine Paraphe drauf und ein Copyrightzeichen.
    Da der ESm in Bar einzuzahlen ist, schickt man Draghi dann das Papierchen und sagt hiermit sind die Tragetschulden und der ESM bezahlt, schicke mir bitte die übrige Differenz in Gold, weil ich keine anderen Euro Scheine als Geld oder Tauschmittel akzeptieren.
    Ach ja und übrigens Dein Haus in Italien haben wir gerade gepfändet, weil auch hier gibt es keine Staatshaftung. Wir wären aber bereit dir das Haus nach persönlicher Übergabe der Restmenge in Gold wieder rauszugeben. Die letzten 100 Milliarden darf er auch gerne in Getreide und Honig und Bernstein zahlen.

    Wer es immer noch nciht verstanden hat sollte man das Wort „Giralkartoffel“ im Internet suchen und es sich durchlesen.

  14. Ecker

    24. Januar 2017 14:48 at 14:48

    Es sind Italiener. Die lassen sich vom Draghi kaum was sagen. Wenn die austreten wollen, tun sie,s. Und was will der Draghi dann machen? Mehr als heiße Luft ist die Drohung nicht. Die führen die Lire wieder ein und sperren die Auslandsschulden und husten dme Rest der Eurozombiezone was.

  15. sorglos

    6. Februar 2017 20:30 at 20:30

    wo bleibt der sachliche komentar eines FACHMANNS !!!!

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Anleihen

Bundesanleihen mit 30 Jahren Laufzeit: 0,68% Rendite + Wette auf Rezession

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Heute hat die Finanzagentur Deutschland für den Bundesfinanzminister Bundesanleihen mit 30 Jahren Laufzeit zum Verkauf angeboten. Das Volumen lag bei 1 Milliarde Euro. Die Nachfrage der Investoren lag bei 1,6 Milliarden Euro. Somit gab es deutlich mehr Nachfrage als Angebot, und das bei einer Rendite, die immer weiter in den Keller rauscht. Die heutige Emissionsrendite liegt nur noch bei 0,68%. Bei der letzten Emission im März waren es noch 0,74%. Bei der letzten Emission dieser heutigen Emissionsserie (mit identischem Zinskupon) aus Oktober 2018 lag die Rendite noch bei 1,04%. Das sind Welten bei Anleiherenditen. Liebe Leute, liebe Leute. Für 30 Jahre Geld verleihen, und dafür nur noch 0,68% Rendite kassieren, wo es im Oktober noch über 1% waren.

Daran erkennt man, dass der Anleihemarkt die Politik der EZB sowie die schwächelnde Konjunktur immer stärker dahin gehend interpretiert, dass die Zinswende noch weiter in die Zukunft verschoben wird. Vielleicht bis in alle Ewigkeit? (Scherz). Spekulanten, die auf eine sich verschärfende Konjunkturabkühlung spekuliert hatten (heute erneute Absenkung der Prognose), waren am Anleihemarkt in den letzten Monaten die großen Gewinner.

Schauen wir nur mal auf die Emissionskurse der 30jährigen deutschen Bundesanleihen (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). 132,86% kostete diese Anleihe-Aufstockung dieser Serie noch im Oktober, und heute kostete die neue Anleihe-Aufstockung schon 142,03%. Alleine an diesem einfachen Vergleich sieht man: Im Anleihemarkt ließen sich in den letzten Monaten gute Kursgewinne erzielen, worauf sich vor allem institutionelle Spekulanten konzentrieren, die natürlich in erster Linie den Bund-Future handeln, der auf eine synthetische zehnjährige Bundesanleihe ausgerichtet ist.

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Anleihen

Anleiheinvestoren haben auf die Zinswende gesetzt – und sitzen teilweise auf Verlusten

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Das Thema Duration oder Kapitalbindungsdauer, war vor Kurzem Thema eines Kommentars, im Zusammenhang mit der Frage, warum Investoren Langläufer mit einer Minusrendite kaufen. Jetzt hat eine Analyse von Morningstar ergeben, dass viele Fondsmanager durch eine Fehleinschätzung der Zinsentwicklung wegen falscher Laufzeiten, dem Markt hinterherhinken.

Insbesondere Wetten auf fallende Kurse von Bundesanleihen waren zuletzt extrem verlustreich, denn seit Jahresbeginn ist der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe in der Spitze um 3,6 Prozent gestiegen. Bei dieser langen Laufzeit steigt der Kurs der Anleihe bereits um ca. 5%, wenn die Zinsen um ein halbes Prozent fallen.

 

Die Fehlspekulation auf die Zinswette

Der wichtigste europäische Anleiheindex, Bloomberg Barclays Euro Aggregate zeigt eine Duration von 6,7 Jahren an, die der aktiven Fondsmanager liegt mit 5,1 Jahren wesentlich darunter. Die Diskrepanz: Staaten verschuldeten sich wegen der niedrigen Zinsen langfristiger, aktive Fonds rechneten mit einer leichten Zinssteigerung und fürchteten die Folgen der Duration.

Dadurch stieg auch die durchschnittliche Duration der Anleiheindizes stetig an, was Manager in ihren Portfolios nicht im gleichen Maß umgesetzt haben – eben aus Angst vor steigenden Zinsen. Doch nach der Kehrtwende der Notenbanken zeigt sich, dass die Wette nicht aufgegangen ist.

Aus Angst vor steigenden Zinsen und zur Gewinnsteigerung des Portfolios haben manche Fonds sogar mit Hilfe von Terminkontrakten auf fallende Kurse der Anleihen gesetzt – mit weiteren Verlusten. Will man diese Strategie über einen längeren Zeitraum durchhalten, muss man zudem auslaufende Kontrakte immer wieder erneuern, mit dem Risiko der bekannten Rollverluste.

 

Fazit

Wie hatte der einflussreiche Banker, der CEO von JP Morgan, Jamie Dimon, Mitte 2018 gesagt: „Man müsse sich auf eine Rendite von 5% bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen einstellen!“ An dieser Fehlprognose sieht man, dass es selbst mit dem besten Research im Hintergrund nicht möglich ist, zuverlässlich in die Zukunft zu blicken – ungeachtet der viel beachteten richtigen Zufallsprognosen. Die oben dargestellte Schieflage ist auch ein kleiner Mosaikstein für diese These. Bleiben wir also kritisch, demgegenüber, was uns manche Koryphäen erzählen.

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Anleihen

Anleger stürmen deutsche Negativrendite, Scholz macht 51 Mio Euro Gewinn

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Die EZB weist den Weg, mal wieder. Wie vor wenigen Minuten verkündet wurde, wird der Leitzins noch bis Ende 2019 und wohl darüber hinaus im Keller bleiben, so sagt es die EZB. Der Anleihemarkt hat sich schon längst darauf eingestellt. Weiter schwache oder noch schwächere Renditen in Aussicht? Also besser noch diese mageren Renditen oder sogar Negativrenditen nehmen als institutioneller Investor, der große Geldsummen unterbringen muss und nicht auf dem Bankkonto parken darf, weil sonst 0,4% Negativzinsen drohen.

Noch vor drei Wochen musste man als Investor in der Emission fünfjähriger deutscher Bundesobligationen eine Negativrendite von -0,32% in Kauf nehmen. Also immer noch günstiger als letztlich von seiner Bank mit -0,4% Strafzins versehen zu werden. Aber heute, da sinkt die ganz frische fünfjährige Emission von Bundesobligationen (Kupon 0,00%) auf -0,42%. Im Januar waren es noch -0,29%. Somit würde es sich für langfristige Investoren eher lohnen das Geld auf den „normalen“ Geschäftskonto bei der Hausbank zu parken zu -0,40%, als  heute die Bobls zu kaufen.

Nun kommt aber noch die mögliche Kursspekulation ins Spiel. Investoren könnten die Anleihen kaufen in der Hoffnung, dass der Anleihekurs nach der Emission im freien Handel noch weiter steigt. Das wäre bei noch weiter sinkenden Renditen ja der automatische Schritt. Sinkende Renditen bedingen ja automatisch steigende Anleihekurse, und umgekehrt.

Heute wollte der Bund Bundesobligationen im Volumen von 3 Milliarden Euro verkaufen. Das Nachfragevolumen lag bei 4,458 Milliarden Euro. Vor drei Wochen war es ein Nachfragevolumen von 4,667 Milliarden Euro bei 4 Milliarden Euro Angebot. Also ist heute die Nachfrage in Relation zum Angebot deutlich höher als vor drei Wochen!

3 Milliarden Euro bot der Bund an, verkauft hat man aber nur 2,48 Milliarden Euro. Die Differenz in Höhe von 520 Millionen Euro floss in die sogenannte Marktpflegequote. Falls nämlich alle Investoren diese Bundesobligationen bis zum Laufzeitende in fünf Jahren im Depot belassen, gäbe es am freien Markt keine Handelbarkeit für diese Anleihen – dafür sorgt dann der Emittent „Finanzagentur Deutschland GmbH“ mit diesen 520 Millionen Euro Volumen.

Bei 2,48 Milliarden Euro verkauften Schulden (der Nominalwert von 100,00%) hat man heute zu einem Preis von 102,07% verkauft (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten). Daher man man tatsächlich heute 2,53 Milliarden Euro eingenommen. In fünf Jahren beim Auslauftermin muss der Bund aber nur den Nominalwert von 2,48 Milliarden Euro zurückzahlen. Somit macht der Bund heute per sofort einen Gewinn von 51,3 Millionen Euro.

Olaf Scholz Negativrendite
Olaf Scholz. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0 de

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