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Anleihen

Draghis Warnung an Italien: Wer aus der Eurozone austritt, muß seine Target-Schulden bezahlen!

Erstmals wird durch Draghi die Möglichkeit angesprochen, dass ein Land überhaupt die Eurozone verläßt!. Und wenn ein Land das tut, müssen die offenen Rechnungen bezahlt werden. Konkret würde das bedeuten, dass Italiens Notenbank sein negatives Target2-Saldo im Volumen von 358,6 Milliarden Euro begleichen müsste.

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

In letzter Zeit ist es eher still geworden um das Thema Target2-Verbindlichkeiten – und das, obwohl diese Taget2-Salden wieder Stände erreichen, wie wir sie zur Zeit der Finanzkrise und während der Euro-Krise im Jahr 2012 gesehen hatten. Auf die Problematik der Taget2-Salde, die im Grunde Ungleichgewichte der Kapitalstörme signalisieren, hatte zuerst Hans-Werner Sinn hingewiesen – und sich damit zunächst Kritik eingehandelt. Inzwischen aber sind die Thesen Sinns allgemein anerkannt, auch wenn es vereinzelt noch Ökonomen gibt, die meinen, das spiele keine Rolle, Zentralbanken könnten diese Ungleichgewichte irgendwie nullen – Vodoo-Ökonomie eben.

Dass dem nicht so ist, darauf hat nun am Freitag Mario Draghi höchstpersönlich hingewiesen in einem Brief an zwei italienische Abgeordnete des Europaparlaments (Marco Valli und Marco Zanni) – und dabei klar gemacht: wenn ein Land aus der Eurozone austritt, muß es zuvor seine Target2-Verbindlichkeiten restlos bezahlen:

„If a country were to leave the Eurosystem, its national central bank’s claims on or liabilities to the ECB would need to be settled in full.“

Bums! Erstens wird hier im Grunde erstmals durch Draghi die Möglichkeit angesprochen, dass ein Land überhaupt die Eurozone verläßt – das ist schon bedeutsam genug. Und wenn ein Land das tut, müssen die offenen Rechnungen bezahlt werden. Konkret würde das bedeuten, dass Italiens Notenbank sein negatives Target2-Saldo im Volumen von 358,6 Milliarden Euro begleichen müsste. Und ob die italienische Notenbank überhaupt dazu in der Lage wäre, ist eine andere Frage, wenn man nämlich gezwungen ist, auf eine schnell abwertende Lira umzustellen, gleichzeitig aber die Schulden in Euro bestehen bleiben und bedient werden müssen! Deutschland übrigens hat einen positiven Target2-Saldo von 754,1 Milliarden Euros, und sollte Italien austreten und die italienische Notenbank in der Lage sein, ihre Verbindlichkeiten zu begleichen, würde vor allem die Bundesbank eine dicke Überweisung bekommen. Ja wenn..

Draghi äußert sich in dem Brief auch zu den zuletzt wieder deutlich gestiegenen Ungleichgewichten der Traget2-Salden: Diese seien vor allem bedingt durch die Käufe von Staatsanleihen der EZB im Rahmen ihres APP-Programms:

„Furthermore, TARGET2 balances remain elevated as the liquidity created by our APP is largely concentratedin particular countries. This is a reflection of the financial structure in the euro area, in which banks with business models that attract more liquidity holdings are typically located in a small number of financial centres.“

Aha, soso. Damit sagt Draghi faktisch: es sind keine realwirtschaftlichen Kapitalströme, sondern Reaktionen von Banken auf die EZB-Politik, die zu diesen Ungleichgewichten führen. Eine steile These – denn faktisch fließt ja viel Kapital nach Deutschland, weil man eben Deutschland für einen sicheren Hafen hält – und etwa ein Land wie Italien eben nicht!

Und überhaupt, so Draghi, seien diese Ungleichewichte daher nicht Symptom einer Krise wie während der Finanzkrise und dann im Zeitraum 2100 bis 2012 (Eurokrise):

„The current upward trend in balances is therefore distinct from the increase in balances observed from mid-2007 to late 2008, and again from mid-2011 to mid-2012. The increase in TARGET2 balances in those periods was rooted in the market stress and fragmentation that resulted from the financial and sovereign debt crises. As banks in certain countries lost access to market-based funding, they replaced private sources of funding with central bank liquidity obtained from their national central banks through repurchase operations.
The subsequent redistribution of this liquidity, which was heavily influenced by market stress, led to higher TARGET2 balances. However, the current increase in TARGET2 balances is not a symptom of increased stress and is therefore inherently different from the previous episodes of rising balances.“

Also alles gut, nicht wahr? Aber wer austritt, muß dann leider doch die Rechnung bezahlen, so die unverhüllte Drohung Draghis!


EZB-Chef Mario Draghi mit Bundesbank-Chef Jens Weidmann bei den EZB Cultural Days. Jetzt wissen wir auch, warum Weidmann lächelt..

32 Kommentare

32 Comments

  1. micromegas

    23. Januar 2017 10:37 at 10:37

    Draghis Fantasieschulden. Kann er doch dann gerne wieder haben. Die Italiener machen es dann wie Draghi, einfach Geld aus dem nichts schöpfen und dann damit die EZB bezahlen.

    • nordsüd

      23. Januar 2017 10:59 at 10:59

      das können sie eben nicht, weil sie nur Lira (bzw. die eigene Währung) schöpfen können, nicht die „Fremdwährung“ Euro. Das darf meines Wissens nur die EZB, es sei denn diese erlaubt es Italien, ob das geht???
      Es sei denn Italien führt die DM ein, dann würden sich die Schulden deutlich reduzieren… (Unsinn aus).
      Was macht Herr Draghi wenn Italien austritt ohne vorher die Target2 Salden bezahlt zu haben?

      • Einzahler

        23. Januar 2017 16:01 at 16:01

        Dann fahrt ihr mit ein paar Leopardpanzern runter und holt euch das italienische Staatsgold 😉

    • gerd

      23. Januar 2017 11:01 at 11:01

      Mit Lira? Da müssten die aber sehr, sehr viele drucken

  2. nas-tee

    23. Januar 2017 11:27 at 11:27

    Und was passiert wenn Deutschland austritt? Bekommt Deutschland dann sein Guthaben ausbezahlt? Worauf warten wir noch? Austreten und Draghi kauft dann von den verbliebenen Ländern einfach die Staatsschulden die sie für die Ausbezahlung an Deutschland benötigen auf. Das wäre zwar dann in Neue Deutsche Mark NDM gerechnet nicht soo ein guter Deal, aber immernoch besser als nix. Außerdem könnten wir ja dann für diese Währungs-Reserven in Euro ja im verbliebenen Rest des Euroraums ne Weile shoppen … z.B. französische Strom, spanische Ferienhäuser, Italienische Gemüse&Pasta, Niederländische Tulpen, und natürlich griechische Unterstützung bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

    • nordsüd

      23. Januar 2017 11:43 at 11:43

      sinnvollerweise können nur Länder austreten, deren eigene Währung danach aufwertet, die eigenen Euro Schulden nehmen ab, die Forderungen gegen Euro Länder zwar auch, aber richtig, so können diese sie wenigstens überhaupt irgendwie bedienen.
      Nur eine Meinung…

    • GN

      23. Januar 2017 12:34 at 12:34

      ….was für ein Guthaben denn bitte??? Das ist lediglich eine Forderung, und so wie es aussieht wird die uneinbringlich sein….

  3. columbo

    23. Januar 2017 12:03 at 12:03

    Wenn Italien austritt, ist garantiert ein Typ wie Trump der Chef. Der wird alle auslachen und keinen Cent zurückzahlen. „Italia first“ wird es heißen und dann?
    In Argentinien ist schließlich auch niemand einmarschiert.

    • nordsüd

      23. Januar 2017 12:24 at 12:24

      Argentinien hatte keine Währungsunion.

      Sollte es eine EU Armee (oder Armee der Euro Staaten) geben, wäre es zumindest theoretisch denkbar, allerdings im ‚Friedensprojekt EU‘ wohl praktisch schwierig…
      Jedenfalls ein gruseliger Gedanke.

  4. leser

    23. Januar 2017 13:01 at 13:01

    Welcher ordentliche Kaufmann läßt Kredite in Höhe der Target2 Salden ohne jegliche harte Sicherheiten zu? Das machen nur Vabanque-Spieler.

    • verinet

      23. Januar 2017 16:35 at 16:35

      tja wer kann wohl so blöd sein?

  5. micromegas

    23. Januar 2017 13:07 at 13:07

    Hier das Video zum Statemant von Mario

    https://www.youtube.com/watch?v=gAGctmB670g

  6. N.Ritter

    23. Januar 2017 18:00 at 18:00

    Es gibt da nur ein klitzekleines Problemchen: Wenn die Banca d’Italia die Summe ihrer „Targetkredite“ via TARGET überweist – dann STEIGT der Negativsaldo….
    Und umgekehrt: Wenn die Bundesbank sich ihren Saldo überweisen lässt, STEIGT der Forderungssaldo. Irre nicht?

    • gerd

      23. Januar 2017 18:51 at 18:51

      Interessanter Aspekt. Klingt fast so, es bliebe nur die Bezahlung in Naturalien. Oder sie verscherbeln die Stadt Rom an Deutschland oder Südtirol.

      Aber wie wäre es, wenn sie es mit ihren anderen Reserven bezahlen würden? Zum einen mit Gold, was aber nicht reicht.
      Sie haben aber rund 30Mrd. Dollar an Devisen, welche die EZB in Euro tauscht und den Italienern gutbringt. So hätte sich der Schuldsaldo verringert. Aber einschließlich Gold kommt man da auch nur auf eine Tilgung von
      rund 100Mrd.

      Am Schluss bleibt wohl doch nur die Frage von LESER, wer außer Vabanque-Spieler denn solche Kredite ohne handfeste Sicherheit anwachsen lässt.
      Und als Ergänzung die rhetorische Frage-Antwort von verinet, ja weer denn wohl? Soo blöd sein kann eben nur…..Na, ja Dichter Heinrich Heine hat es seinerzeit schon geahnt und wurde um seinen Schlaf gebracht.

      • N.Ritter

        23. Januar 2017 19:21 at 19:21

        Ein paar denkbare Varianten gibt es schon, man muss dabei aber berücksichtigen, dass im Falle eines italienischen Euro-Austritts die BdI die Fähigkeit verliert, EUR zu schöpfen.
        1. Sie müsste sich dann also EUR am Devisenmarkt gegen neue italienische Währung beschaffen – würde für diese neue Währung wahrscheinlich hässlich werden.
        2. Sie könnte ihre auf EUR lautenden Forderungen an die italienischen Banken an die EZB abtreten – damit wäre die BdI bilanztechnisch aus dem Schneider, aber wenn die EZB dann versucht, die Forderungen bei den italienischen Banken einzutreiben – würde das wohl auch hässlich werden.
        3. BdI oder Italien werden verdonnert, irgendwelche vorhandenen Sachwerte zu übertragen – wie Sie sagen, Gold oder Immobilien, was auch immer. Die politischen Auswirkungen auf Italien und Europa insgesamt – siehe oben.

        Es gäbe natürlich auch noch eine (natürlich völlig absurde) andere Möglichkeit: DE und andere Spar- und Exportweltweister fangen an, zu investieren, Löhne adäquat zum Produktivitätsfortschritt + Zielinflationsrate der EZB ansteigen zu lassen, so dass sich die Niveauunterschiede zwischen den Eurostaaten verringern und die Aussenhandelsüberschüsse abbauen – dann fließen automatisch Gelder für Importe aus den Defizitländern in diese zurück und voila – die TARGET-Salden verringern sich ohne Daumenschrauben.

  7. Werner Ernst

    23. Januar 2017 18:09 at 18:09

    Wirtschaftlich ist die Zahlung für Italien nicht zu leisten.
    Möglich ist daher auch eine argumentative Beruhigungspille für die Länder in denen in Kürze gewählt wird und über die Politiker zu entscheiden sein wird, die dieses System implantiert haben ! Da wird nichts nennenswertes zurückkommen, wie auch ? Diese Gelder wurden bereits für Löhne , Renten, Gehälter und z.T. für Investitionen verkonsumiert !

    • N.Ritter

      23. Januar 2017 18:28 at 18:28

      Diese Gelder wurden nicht in Italien konsumiert – sie wurden ins Ausland (z.Bsp. nach Deutschland) überwiesen. Das ist ja die Ursache für die Existenz des Saldos: wenn die BdI einer italienischen Bank einen Kredit gibt (Geldschöpfung) entsteht zunächst in der Bilanz der BdI eine Kreditforderung an diese Bank, aber auch eine gleichhohe Verbindlichkeit gegenüber dieser Bank in Form des Guthabens auf dem BdI-Konto – die Bilanz der Notenbank ist ausgeglichen. Wenn die Bank jetzt das Guthaben an eine deutsche Bank überweist, hat die BdI immer noch die Forderung in der Bilanz, aber keine Verbindlichkeit mehr. Dafür hat die deutsche Bank ein Guthaben bei der Bundesbank (Verbindlichkeit der BBk), für die die BBk aber keine Forderung hat. Der Ausgleich sind in den beiden Notenbankbilanzen die TARGET-Salden.

      • gerd

        23. Januar 2017 19:01 at 19:01

        Ich drücks mal für mich einfacher aus.
        Die Gelder wurden natürlich nicht in Italien konsumiert, sondern die in Deutschland gekauften Waren wurden verkonsumiert.

        Die Gelder wurden aber auch nicht im eigentlichen Sinne nach Deutschland überwiesen. Die EZB hat den Italienern lediglich eine Target-Kreditlinie eingeräumt im Vertrauen darauf, dass der Target-Kredit irgendwie, irgendwann zurückgeführt wird.

        • gerd

          23. Januar 2017 19:03 at 19:03

          vorsorgliche Ergänzung:
          so zumindest verstehe ich es. Ich lass mich gerne eines Besseren belehren

          • N.Ritter

            23. Januar 2017 19:38 at 19:38

            Nein, die EZB hat eben KEINE Kreditlinie eingeräumt. Die TARGET-Salden sind bilanziell notwendige Augleichsposten, die dadurch zustande kommen, dass TARGET ein TECHNISCH einheitliches System ist, RECHTLICH aber aus einer Vielzahl von (nationalen) Systemen besteht. Das Guthaben einer deutschen Bank auf ihrem TARGET-Konto schlägt sich als Verbindlichkeit in der Bilanz der BBk nieder, das einer italienischen in der Bilanz der BdI usw. Wenn diese Banken untereinander Zahlungen austauschen, braucht es in den Bilanzen der Notenbanken Ausgleichsmechanismen. Alternativ hätte man die gesamte Kontoführung auf die EZB übertragen können – dann gäb es die Salden gar nicht. Das wollte aber niemand.

            Zum Konsumieren: ja, das können Zahlungen für importierte Güter sein, sind sie wahrscheinlich häufig auch. Kann aber auch sein, dass ausländische Banken deutsche Staatsanleihen gekauft haben (z. B. die BdI im Rahmen der Geldpolitik), oder Immobilien im Ausland. Es können auch Rückzahlungen von Krediten sein – alles mögliche.

  8. bauer

    23. Januar 2017 19:18 at 19:18

    glaubt hier wirklich noch jemand,das da irgendetwas an Euros zurückbez.wird?
    Zur Erinnerung an 2012:
    Sind ja nur Garantien,egal….
    Sie werden aber jetzt fällig!!!!!
    UND ZWAR VOM DEUTSCHEN MICHEL!!!!!
    ja ja,es ist Zahltag für jeden gemeldeten dt.BÜRGER!

  9. hubi stendahl

    23. Januar 2017 19:58 at 19:58

    Nun schaut, dass ihr das mit den Italienern in den Griff bekommt,,,,,,,,,,ihr Deutschen.

    Oder abgekürzt “ fuck you“ an Deutschland. Das ist doch leicht heraus zu lesen, wenn man weiß, dass eine Bank keine Armee schicken kann. Die EZB geht dann einfah unter und die Deutschen haben die Arxxxxkarte. Dumm gelaufen.

    • gerd

      23. Januar 2017 20:25 at 20:25

      Ja, so verstehe ich den Sachverhalt in der Konsequenz auch.

  10. gerd

    23. Januar 2017 20:24 at 20:24

    @N.Ritter
    Ihr erster Beitrag:
    „Dafür hat die deutsche Bank ein Guthaben bei der Bundesbank (Verbindlichkeit der BBk), f ü r d i e
    d i e B B k a b e r k e i n e F o r d e r u n g hat. Der Ausgleich sind in den beiden Notenbankbilanzen die TARGET-Salden“

    BBk hat keine Forderung (gegenüber dem DEUTSCHEN Kreditinstitut?) O.K.. Aber eben auch keine mit Sicherheiten unterlegte Forderung gegenüber der EZB. Oder?
    Wie gesagt, ich suche nach Wissenserweiterung

    Ihr zweiter Beitrag
    „Kann aber auch sein, dass ausländische Banken deutsche Staatsanleihen gekauft haben ….oder Immobilien….“
    Der Effekt ist derselbe. O.k..
    Aus dem Nichts von der Banca Italia geschaffenes Geld wird für den Kauf verwendet.

    Ergebnis ist für mich dennoch der Saldo zu Lasten Italiens, der real da ist. Auch wenn nur wegen buchungstechnischer Ausgleichsgründe so verfahren wird.

    Eine Lösung wäre auch, wie Sie schreiben, das sich die Handelsbilanzsalden zwischen den Ländern jeweils ins Gegenteil verkehrten. Da meinte ich ganz oben mit Naturalien.

    Nebenbei glaube aber immer noch, dass die Möglichkeit, Geld aus dem Nichts zu schaffen, für die einzelnen Zentralbanken nach oben begrenzt ist. Ich kann mich dunkel dran erinnern, dass die Geldautomaten in Griechenland vor rund zwei Jahren nur deshalb nicht total leer waren (als das Geld ins Ausland gebracht wurde), weil die griechische Notenbank (das griechische Geschäftsbankensystem) von der EZB die Erlaubnis erhielt, die Verbindlichkeiten auszuweiten. Indem die Kreditlinie, so nenne ich es mal, von der EZB angehoben wurde. Ganz grob, wirklich grob, ging es da hoch von rund 70Mrd auf 80Mrd.

    Wenn ich ganz falsch denke, bitte ich eine weiteres Mal um Nachhilfe

    • N.Ritter

      23. Januar 2017 22:02 at 22:02

      In der Eurozone ist die EZB die letzte Instanz, die festlegt, wieviel Geld neugeschöpft wird und die Nationalen Zentralbanken haben das umzusetzen. Dadurch ist ist Fähigkeit der einzelnen NZB’en in der Tat begrenzt (genau wie in Ihrem Griechenland-Beispiel beschrieben).

      Das Problem bei Italien (und anderen Ländern mit Negativsaldo) ist nicht, dass sie mehr Geld schöpfen als sie dürfen, sondern dass es sofort ins Ausland abfließt. Zu einem guten Teil natürlich wegen Importüberschüssen dieser Länder, aber auch weil Inländer Geld ins Ausland „in Sicherheit“ bringen, investieren, Kredite real zurückzahlen usw. Man kann das so auslegen, dass die „unzuverlässigen“ Südländer ihren Bürgern Wohlstand auf Pump ermöglichen – allerdings sollte man da nicht vergessen, dass die aus dem Verkauf unserer Produkte und den Kapitalflüssen nach DE resultierende Einkommen und Arbeitsplätze eben auch hier anfallen.
      Die Sünder finanzieren unter anderem die geringe Arbeitslosenquote, für die sich unsere Regierung selbst feiert.
      Das Problem ist für mich die Auffassung von Herrn Sinn (und nun offenbar auch von Herrn Draghi), dass diese systembedingten Verrechnungssalden mit echten Sachwerten ausgeglichen werden sollen. Herr Sinn bringt in seiner Argumentation immer die amerikanische FED als Beispiel, weil die in ihrem FedWire-System einen Ausgleichsmechanismus haben. Ich kenne jetzt das System da nicht so genau, aber soweit ich es verstanden habe, gleichen die gar nichts in „hard Assets“ aus – die schieben einfach nur die wertpapierbesicherten Forderungen aus einer Distrikt-FED in die andere, damit die Forderungen und Verbindlichkeiten wieder in der gleichen Bilanz stehen und fertig. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass man sich hier mit der Abtretung von griechischen Kreditforderungen begnügen möchte….
      Und dabei wär’s ganz einfach: wir bräuchten diese Einnahmen nur wieder für Produkte dieser Länder ausgeben oder dort investieren, und dann hätten wir unsere Rückflüsse an realen Werten und die Salden würden sich wieder verringern.

  11. Volante

    24. Januar 2017 08:34 at 08:34

    Eine Währung sie zu knechten, sie alle zu finden, ins dunkel zu treiben und ewig zu binden.

    Der Euro ist Teufelswerkzeug 😉

  12. Wolfgang Koch

    24. Januar 2017 11:00 at 11:00

    Draghi’s obige Warnung hätte zu Zeiten,als die Notenbanken noch nicht die Marketmaker waren,ein Börsenbeben ausgelöst! Mittlerweile sind die Märkte so stoned,dass sie sowas eklatantes in ihren permanenten Drogenräuschen gar nicht mehr mitbekommen!Der Turkey ist aber so sicher,wie das Amen in der Kirche!

  13. SimsalabimFinanzkasper

    24. Januar 2017 12:28 at 12:28

    Die Lösung ist einfach und frei von jeder Verskalvung der Menschen.
    Man erschafft einen neuen Euroschein. Vielleicht 100.000.000.000.000.000 Euro. Nimmt ein bißchen buntes Papier, schreibt da ganz viele Abkürzungen drauf, die sowieso nicht schützensfähig sind EBE, ESB, EZB,… und nie in einer Legende aufgeklärt werden. Dann druckt man irgendwo eine blaue Flagge mit goldenen Sternen drauf, die schon im Eutiner Schloss von der späteren Katharina der Großen Zarin von Russland an die Decke gemalt wurde vor mehreren hundert Jahren und irgendeiner macht dann noch eine Paraphe drauf und ein Copyrightzeichen.
    Da der ESm in Bar einzuzahlen ist, schickt man Draghi dann das Papierchen und sagt hiermit sind die Tragetschulden und der ESM bezahlt, schicke mir bitte die übrige Differenz in Gold, weil ich keine anderen Euro Scheine als Geld oder Tauschmittel akzeptieren.
    Ach ja und übrigens Dein Haus in Italien haben wir gerade gepfändet, weil auch hier gibt es keine Staatshaftung. Wir wären aber bereit dir das Haus nach persönlicher Übergabe der Restmenge in Gold wieder rauszugeben. Die letzten 100 Milliarden darf er auch gerne in Getreide und Honig und Bernstein zahlen.

    Wer es immer noch nciht verstanden hat sollte man das Wort „Giralkartoffel“ im Internet suchen und es sich durchlesen.

  14. Ecker

    24. Januar 2017 14:48 at 14:48

    Es sind Italiener. Die lassen sich vom Draghi kaum was sagen. Wenn die austreten wollen, tun sie,s. Und was will der Draghi dann machen? Mehr als heiße Luft ist die Drohung nicht. Die führen die Lire wieder ein und sperren die Auslandsschulden und husten dme Rest der Eurozombiezone was.

  15. sorglos

    6. Februar 2017 20:30 at 20:30

    wo bleibt der sachliche komentar eines FACHMANNS !!!!

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Anleihen

US-Staatsanleihen: Japan baut kräftig Bestände auf, China mit Zweijahrestief

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am

Heute Nacht hat das US-Finanzministerium bekanntgegeben, wie sich der ausländische Besitz an US-Staatsanleihen vom Monat April auf Mai verändert hat. Interessant ist hier immer zunächst, wie der größte ausländische Halter China seinen gigantischen Berg an US-Staatsanleihen verändert. Seit Monaten schauen Beobachter sich diesen Wert noch genauer an. Denn es gibt Befürchtungen China könnte die US-Papiere als Mittel im Handelskrieg einsetzen. US-Staatspapiere abstoßen als Drohung gegen Donald Trump.

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China verkauf stetig US-Staatsanleihen, Japan baut kräftig auf

Im Mai hat China US-Staatsanleihen im Volumen von 3 Milliarden Dollar verkauft. Auf den ersten Blick ist das nicht viel bei einem Mai-Stand von 1,110 Billionen US-Dollar. Aber: China reduziert seine Bestände immer weiter, auch wenn es nicht exakt jeden einzelnen Monat bergab geht. Im Vergleich zu Mai 2018 ist es eine Reduzierung von 73 Milliarden Dollar. Aktuell hat China den niedrigsten Wert beim Besitz von US-Staatsanleihen seit exakt zwei Jahren erreicht! Allerdings weiß man nie exakt, welche Summen Länder wie China beispielsweise über Drittstaaten wie Belgien (große Verwahrstellen), die Cayman Islands etc halten. Mit 216 Milliarden Dollar Volumen sind die Caymans (ein globaler Wirtschaftsgigant…) immerhin der acht größte Halter von US-Papieren!

Japan ist mit aktuell 1,10 Billionen Dollar der zweitgrößte Halter von US-Staatsanleihen, und liegt damit fast gleichauf zu China. Danach ist der Abstand zu Platz 3 (Großbritannien) mit 323 Milliarden Dollar schon ziemlich groß. Japan hat ganz anders als China sein gehaltenes Volumen auf den höchsten Stand seit August 2017 gesteigert. Im Monatsvergleich ist es ein Plus von 37 Milliarden Dollar!

Das Gesamtvolumen ausländischer Besitzer von US-Staatsanleihen legte im Mai im Monatsvergleich kräftig zu um 106 Milliarden Dollar auf 6,538 Billionen US-Dollar. Vor einem Jahr waren es noch 6,215 Billionen Dollar.

US Treasury-Liste - US-Staatsanleihen ausländische Halter Mai

US-Staatsanleihen sind eine Sache für das Treasury Department
Treasury Department building in Washington, D.C. Foto: AgnosticPreachersKid CC BY-SA 3.0

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Anleihen

EZB: Protokoll + Coeure-Rede – die Richtung ist eindeutig!

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Mario Draghi hatte es zwar schon erwähnt. Die EZB werde womöglich das Anleihekaufprogramm, welches derzeit nur auslaufende Anleihen reinvestiert, neu auflegen. Das wäre eine erneute geldpolitische Lockerung. Dies wäre eine Schwächung des Euros, und es wäre ein Versuch die Inflation anzuheizen! Aber nun ganz aktuell legt sein langjähriger Vertrauter im EZB-Rat Benoit Coeure nach. Er hat heute in Frankfurt eine Rede gehalten (kompletter Text hier in Englisch einsehbar).

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Dort sagte Coeure, dass die derzeit lang anhaltende Phase niedriger Inflation für Ängste am Markt sorge, dass der aktuell gedämpfte Preisdruck mittelfristig bestehen bleiben werde. Der EZB-Rat nehme diese Bedenken sehr ernst, so Coeure. Das heißt im Klartext: Man wird wahrscheinlich neue Maßnahmen ergreifen, um die Inflation hochzubekommen!

Zitat auszugsweise:

However, persistently low inflation since the great financial crisis has led some central bank observers, and financial market participants in particular, to question the ability of central banks to deliver on their mandate. In the euro area, where the coordinating role of a nominal anchor is particularly important in view of cross-country differences in wage and price-setting, market-based long-term inflation expectations have fallen since the crisis, and this fall has accelerated since the start of the year.

Und auch sagte Coeure (ein bißchen in die Tasche lügen…), dass die Erwartungen der Privathaushalte in der Eurozone bezüglich der zukünftigen Inflationsentwicklung derzeit auf einem Sechsjahreshoch liegen würden. Es gäbe Beweise dafür, dass die Erwartungen der Haushalte bessere Indikatoren seien (als die Erwartungen der Profi-Investoren). Na ja, wenn die Verbraucher höhere Preissteigerungen erwarten, und wenn die EZB auch höhere Preise haben will, dann klammert man sich als EZB mal eben an deren Meinung ran? Bleibt man bei der Kernaussage der EZB zu den Ängsten der Märkte, dann ist es ein weiteres Indiz nach den Draghi-Aussagen, dass die EZB ihre Geldpolitik lockern wird. Vielleicht schon bald?

EZB-Protokoll

Vor wenigen Minuten hat die EZB auch ihr Protokoll über die Sitzung Anfang Juni veröffentlicht (hier voller Text einsehbar). Wir fassen an dieser Stelle mal in Kürze zusammen, was der ellenlange Text an interessanten Aussagen hergibt.

Die negativen Effekte von Minuszinsen würden durch deren Vorteile mehr als ausgeglichen werden.  Aber dies müsse nicht zutreffen auch noch tiefere Zinsen oder noch längere Zeitphasen (also Verharren auf aktuellem Niveau oder nur eine minimale Senkung für begrenzte Zeit?). Man habe bei der EZB zur Kenntnis genommen, dass die Markterwartungen zur Inflation gesunken seien. Es dürfe keine Selbstzufriedenheit geben beim Abfallen dieser Markterwartungen. Es gebe eine breite Übereinstimmung (im EZB-Rat) die aktuelle Haltung zu ändern – auch wenn es darum gehe zu demonstrieren, dass man entschlossen sei zu handeln. Die potenziellen Maßnahmen umfassen die Wiederaufnahme der Anleihekäufe, sowie die Senkung von Zinsen.

EZB-Direkter Benoît Cœuré spricht unter anderem über Zinsen
Benoît Cœuré, hinter EZB-Chef Draghi jahrelang die wichtigste Figur in der Notenbank. Foto: Aron Urb (EU2017EE) – Flickr CC BY 2.0

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Anleihen

Wahnsinn am Anleihemarkt – Wende in Sicht?

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Was für ein Wahnsinn am Anleihemarkt. Aber von Anfang an. Die Konjunkturaussichten werden immer düsterer. Fed und EZB deuten sinkende Zinsen und neue Anleihekäufe an. Das bedeutet natürlich sinkende Zinsen beziehungsweise Rendite bei neu auszugebenden Anleihen. Und gestern hat der deutsche Staat mal wieder neue Anleihen ausgegeben.

Diesmal war es mit 10 Jahren die wichtigste Laufzeit überhaupt. Und, da das Umfeld für die Verkäufer von Schulden (in dem Fall den Bundesfinanzminister) ja so rosig ist, wurde der Zinskupon zum ersten Mal seit drei Jahren wieder auf 0,00% gesetzt. Vorher lag er bei 0,25%. Dadurch, dass Investoren beim Erstkauf der Anleihe (Auktionsverfahren für Banken) mehr bezahlen (Preis über Nominalwert) als sie in zehn Jahren zurückerhalten, entsteht eine Negativrendite.


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Im aktuellen Beispiel zahlten die Erstkäufer einen Kaufpreis von 102,64% (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). In zehn Jahren erhält man nur 100,00% zurück. Die Negativrendite liegt somit bei -0,26%. Das ist ein Negativ-Rekord bei Neuemissionen. Man überlege sich das mal. Noch im Januar gab es bei der Emission einer zehnjährigen Bundesanleihe eine Rendite von +0,29%. Und jetzt sind es -0,26%! Wahnsinn am Anleihemarkt. Ja, so kann man es ausdrücken.

Indizes für Wende am deutschen Anleihemarkt?

Aber sehen die Anleihehändler der Banken inzwischen einen Tiefpunkt erreicht? Denn sie spekulieren über steigende Anleihekurse (steigender Kurs = sinkende Rendite) auf Kursgewinne. Wenn Sie glauben, dass der Kurs nicht weiter steigen kann, dann könnte fehlende Nachfrage nach neuen Anleihen ein Indiz dafür sein, dass bei -0,26% erst mal Schluss ist auf dem Weg nach unten bei den Negativrenditen am Anleihemarkt?

Wir haben nachgeschaut in der Statistik der deutschen Schuldenagentur (Finanzagentur Deutschland GmbH). Die Nachfrage nach der zehnjährigen Bundesanleihe war bei allen Emission im Jahr 2019 immer dramatischer höher als das Angebot. Oft lag die Nachfrage sogar doppelt so hoch. Bei Angeboten von 3 Milliarden Euro lagen die Nachfrage-Volumina sogar mehrmals über 6 Milliarden Euro. Und jetzt? Bei der gestrigen Emission wollte Deutschland 4 Milliarden Euro am Markt verkaufen. Die Nachfrage lag aber nur bei 3,93 Milliarden Euro. Also: Steht eine Wende bevor? Sind -0,26% Rendite erst einmal tief genug für Neuemissionen? Am freien Anleihemarkt notiert die Rendite für 10 Jahre Laufzeit aktuell mit -0,31%. Am 4. Juli wurde das Tief bei -0,39% erreicht (Chart).

Anleihemarkt Wahnsinn - 10 Jahre Bund Rendite freier Markt

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