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Eine interessante Beobachtung der OECD: Zombie-Firmen klammern sich an schwache Banken, aus einem ganz bestimmten Grund!

Seit einigen Tagen ist das Thema (ganz plötzlich) weit oben auf der Agenda der europäischen Bankenaufseher. Die notleidenden Kredite in der Eurozone (Non performing Loans / NPL) müssen endlich abgebaut werden, damit Banken und Volkswirtschaften…

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FMW-Redaktion

Seit einigen Tagen ist das Thema (ganz plötzlich) weit oben auf der Agenda der europäischen Bankenaufseher. Die notleidenden Kredite in der Eurozone (Non performing Loans / NPL) müssen endlich abgebaut werden, damit Banken und Volkswirtschaften wieder Luft zum Atmen haben. Diese Schlussfolgerung hätte man in den letzten zehn Jahren schon öfters ziehen können, aber egal. Da gibt es ja nur die Wege von Bankenpleiten und Firmenpleiten, mit anschließendem Hinein-Pumpen frischen Geldes (vom Staat?) in neue Banken und Unternehmen. Oder man lässt beide erst gar nicht pleite gehen, und erhält kaputte Strukturen mit frischem Geld am Leben – in der Hoffnung, dass die Sache mit den NPL´s sich irgendwie von selbst klärt.

Letztere Variante fährt die europäische Politik derzeit (vor allem in Italien). Zu nennen wären da exemplarisch frische Steuergelder um die völlig kaputte Alitalia am Leben zu halten, sowie gigantische frische Steuer-Milliarden für völlig marode Banken. Die sind offiziell eigentlich richtig schön gesund, und brauchen die Milliarden nur vorübergehend, als kurzen Staats-Dispo sozusagen. Aber in der Regel werden Zombie-Unternehmen vom Kapitalmarkt künstlich am Leben behalten, und nicht vom Staat.

Die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Industrienationen mit Sitz in Paris, hat durch zwei Autoren eine extrem lange und trocken erscheinende Studie zum Thema „Zombie-Firmen“ veröffentlicht, die man nur beim genauen Stöbern in der Statistikgrube der OECD finden kann. Aber etwas sehr Interessantes ist uns dabei aufgefallen, was wir an dieser Stelle erwähnen möchten. Laut den Autoren konnte man feststellen, dass es einen konkreten Zusammenhang zwischen Schrottfirmen und Schrottbanken gibt.

Die Schrottfirmen (offiziell Zombies genannt) suchen sich als Bankpartner nämlich schwache Banken aus. Die Logik dahinter ist bestechend. Eine starke Bank nämlich könnte es sich leisten einen Zombie-Firmenkunden pleite gehen zu lassen, und den verlorenen Kredit abzuschreiben. Eine schwache Bank aber könnte selbst in den Abgrund geraten, wenn sie einen ausgegebenen großen Firmenkredit für wertlos erklärt. Denn dann hätte sie ein Loch in der Bilanz, nämlich bei den Vermögenswerten (ausgegebene Kredite).

Schwache Banken würden laut den OECD-Autoren folglich dazu neigen an Zombie-Firmen ausgegebene Schrottkredite umzuschulden und so in die Zukunft zu verlagern, anstatt die Kredite abzuschreiben als wertlosen Schrott. So entsteht (so möchten wir es ausdrücken) eine unheilvolle Symbiose zwischen schwachen Unternehmen und schwachen Banken. Zitat auszugsweies vom ellenlangen OECD-Text:

Controlling for cyclical effects, the results show that zombie firms are more likely to be connected to weak banks, suggesting that the zombie firm problem in Europe may at least partly stem from bank forbearance. The increasing survival of zombie firms congests markets and constrains the growth of more productive firms, to the detriment of aggregate productivity growth. Our results suggest that around one-third of the impact of zombie congestion on capital misallocation could be directly attributed to bank health and additional analysis suggests that this may partly be due to reduced availability of credit to healthy firms. Finally, improvements in bank health are more likely to be associated with a reduction in the prevalence of zombie firms in countries where insolvency regimes do not unduly inhibit corporate restructuring.

Einig sind sich Beobachter der Materie, dass die Zahl der Zombie-Unternehmen in Europa gerade in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Nur die Frage der Definition ist schwierig, was genau so ein Zombie ist, beziehungsweise ab wann das Unternehmen ein Zombie ist. Dabei geht es um Unternehmen, die in einem völlig freien unbeeinflussten Markt nicht überleben würden. Sie müssten Platz machen für innovative Unternehmen mit zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen und Produkten. Im Umkehrschluss behindern diese kaputten Firmen also aktuell die Innovationskraft und Effizienz von Volkswirtschaften in Europa. Und was verzerrt den Markt derzeit massiv, wodurch die Zombies gedeihen können? Das Gratis-Geld der EZB!

Hierüber können beispielsweise zahlreiche Unternehmen Zugang zu Anleihemärkten erhalten, weil institutionelle Anleger dank Nullzinsen und EZB-Aufkaufprogrammen ausweichen müssen auf Schrott-Emittenten, die höhere Zinsen bieten als die quasi Nullzinsen bei Staatsanleihen. So verhindert die EZB, (ohne dass man es im Alltag merkt), dass die Eurozone bei Zukunftsthemen mit anderen Wirtschaftsräumen ganz vorne Schritt halten kann. Und mit massiven Bankenrettungen wie in Italien verlängert man das Überleben toter Firmen und Banken, statt sich um Zukunftsthemen zu kümmern.


Der Sitz der Banca Monte dei Paschi in Italien. Sinnbild für frische Steuergeld-Milliarden der italienischen Bürger für eine Bank, die total kaputt, aber offiziell gesund ist, und nur mal kurz Cash für zwischendurch benötigt. Foto: Tango7174 / Wikipedia (GFDL)

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Das „Peter (Altmaier) Prinzip“ – wenn unfähige Politiker befördert werden

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Kürzlich ist etwas sehr Ungewöhnliches passiert: Vertreter des deutschen Mittelstands und der deutschen Industrie haben sich negativ über Wirtschaftsminister Peter Altmaier geäussert – ein echter Affront!

Woran liegt das? Marc Friedrich meint: am sogenannten „Peter-Prinzip“ der negativen Auslese in der Politik. Was das ist, erklärt Marc Friedrich in diesem Video:

 

 

 

Von Olaf Kosinsky – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53950919

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Martin Sonneborn im EU-Parlament über Julian Asange

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Bekanntlich ist der Whistleblower Julian Asange kürzlich in London verhaftet worden – ihm droht die Auslieferung in die USA. Martin Sonneborn bringt den Skandal im EU-Parlament zur Sprache – vor einer unglaublich prall gefüllten Kulisse und mit rhetorischen Ungeheuerlichkeiten..

Sehr sehenswert:


Sonneborn in Stauffenberg-Verkleidung mit Parteikollege Nico Wehnemann auf der Frankfurter Buchmesse 2018
Von Ptolusque – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73580794

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Politischer Tauschhandel mit der Post? 10% höhere Preise für 5000 Jobs

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Die Deutsche Post hat im Jahr 2018 insgesamt 2,2 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet, nach Steuern! 2017 waren es noch 2,9 Milliarden Euro Gewinn. Aber immerhin, 2,2 Milliarden Euro sind auch noch ein nettes Plus (hier nachzulesen). So schlecht kann es dem ehemaligen Staatskonzern also wohl kaum gehen, stimmt´s? Oder brauch man doch ganz dringend mehr Geld?

Obacht! Ähnlich wie Lufthansa oder Deutsche Börse ist auch die Deutsche Post in ihrem Segment der einzig große Konzern in Deutschland, der im Ausland als bedeutender Global Player mitspielen kann (Monopolist oder beinahe Monopolist). Und genau diese Art von Unternehmen will unser aller Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier massiv stützen, schützen und fördern, wie er es in den letzten Wochen klar zum Ausdruck brachte (Nationale Champions schaffen).

Im Januar hatte die zuständige Bundesnetzagentur vorgeschlagen, dass man der Deutschen Post ein Preiserhöhungspotenzial von bis zu 4,8% zugestehen solle. Das fand die Post aber nicht so schön, und drohte indirekt mit der Entlassung von Mitarbeitern. Und was machte Peter Altmaier? Er tat, was zu tun war… die Bundesnetzagentur wurde angewiesen doch bitte ihren Berechnungsschlüssel (richtige Formulierung?) „anzupassen“.

Und ohhh Wunder, heute verkündet die Bundesnetzagentur, dass man der Deutschen Post einen Preiserhöhungsspielraum von bis zu 10,6% zugestehe. Mal eben mehr als verdoppelt, das ist doch was! Und nochmal ohhh Wunder. Die Agentur erwähnt in ihrer Veröffentlichung gleich zwei mal, dass die Deutsche Post versprochen habe im Gegenzug 5.000 neue Stellen zu schaffen. Dazu sagt die Agentur im Wortlaut:

Wir berücksichtigen die Ankündigung der Post, neue Zusteller einzustellen. Die Ankündigungen der Post werden wir überwachen.

Die Bundesnetzagentur wird kontrollieren, dass die angekündigten Neueinstellungen auch tatsächlich erfolgen.

Also, im Klartext: Es gibt einen nicht ausgesprochenen, aber mehr als offensichtlichen politischen Deal. Ihr schafft neue Jobs, dafür dürft ihr so richtig kräftig die Preise raufsetzen. Na da freut sich der Post-Kunde. Das ist doch mal so richtig „Freie Marktwirtschaft“. Gedankenspiel: Die Deutsche Post wird bei ihrer Job-Zusage wohl schon mal genau kalkuliert haben, ob sich die Mehrkosten fürs Personal rechnen bei einer zehnprozentigen Portoerhöhung. Und wollen wir mal wetten, es wird sich rechnen. Und es werden in der Rechnung wohl noch ein paar Taler Gewinn übrig bleiben.

Die +10,6% ist ein Gesamtrahmen. Wie stark zum Beispiel das klassische Briefporto steigt, wird im Mai festgelegt. Aber man darf ruhig von einem Sprung von 70 auf 90 Cent ausgehen. Danke Herr Altmaier. Bauen Sie mal schön weiter ihre „Nationalen Champions“. Die Post-Aktionäre dürften sich freuen. Hier einige weitere aktuelle Originalaussagen der Bundesnetzagentur:

Die Bundesnetzagentur hat für den Zeitraum bis 31. Dezember 2021 einen Preiserhöhungsspielraum von 8,86 Prozent ermittelt, der sich aus einer Produktivitätsrate von minus 5,41 Prozent und einem Inflationsausgleich von 3,45 Prozent zusammensetzt. Weil die Deutsche Post AG Preisanhebungen nicht bereits zum 1. Januar 2019 vornehmen konnte, wird die Preisänderungsrate zusätzlich um rund 0,3 Prozentpunkte pro Monat korrigiert. Die Deutsche Post könnte bei geplantem Inkrafttreten neuer Briefentgelte zum 1. Juli 2019 damit von einem Preiserhöhungspotential von 10,63 Prozent Gebrauch machen.

Neben dem höheren Gewinnsatz berücksichtigt die Entscheidung auch die Auswirkungen der von der Deutschen Post Mitte 2018 angekündigten Umstrukturierungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen. Die Deutsche Post hat damit höhere Kosten unter anderem dafür geltend gemacht, dass ca. 5.000 zusätzliche Mitarbeiter in der Zustellung eingesetzt werden sollen.

Deutsche Post Tower Bonn
Post Tower in Bonn. Foto: Sir James CC BY-SA 3.0

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