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Anleihen

Einfach verdientes Geld: Für 10 Jahre Geld leihen und 0,07% Gewinn machen

Claudio Kummerfeld

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am

Ja, die Zeiten für für den Bundeshaushalt werden demnächst wohl ungemütlicher. Die Steuereinnahmen werden vermutlich sinken, während die Kosten konstant hoch bleiben oder sogar noch weiter steigen (Soziales, Verteidigung, Rente uvm). Wie gut, dass unser aller Finanzminister Olaf Scholz wenigstens in einem Bereich verdammt einfach, sogar spielend einfach Geld verdienen kann. Wir hatten in den letzten Jahren schon öfters solche Beispiele gebracht bei zwei oder fünf Jahre laufenden Anleihen.

Spielend einfach Geld verdienen mit dem Verkauf von Anleihen

Aber heute ist die zehn Jahre laufende Bundesanleihe an der Reihe als Gewinn-Geschäft, was nicht so oft vorkommt. Aktuell verdient der deutsche Bundeshaushalt auch mit der Ausgabe von zehn Jahren laufenden Bundesanleihen Geld. Ja, man kann es nicht oft genug betonen, was für ein kaputter Kapitalmarkt das ist. Aber kommt es nur oft genug vor, setzt der Gewöhnungseffekt ein. Und so kaputt wirkt all das auf einmal nicht mehr!

Aber zur Sache. Heute hat die Finanzagentur Deutschland GmbH für Olaf Scholz den institutionellen Investoren zehn Jahre laufende Bundesanleihen mit einem Volumen von 3 Milliarden Euro zum Kauf angeboten. Die Nachfrage lag bei 4,29 Milliarden Euro. Bei der vorigen Auktion vor vier Wochen lag die Nachfrage bei gleich hohem Angebot bei 4,78 Milliarden Euro. Damals lag die Emissionsrendite bei +0,02%. Heute liegt sie bei -0,07%. Also macht Olaf Scholz heute sogar einen kleinen Gewinn mit dem Verkauf von Schulden – und das wie gesagt bei zehn Jahren Laufzeit!

Grundsätzliches

Grundsätzlich zur Thematik: Warum große Institutionelle wie Versicherungen, Banken, Fonds, Pensionskassen etc überhaupt Anleihen mit negativer Rendite kaufen? Nun, Fonds, Versicherungen etc können ihre gigantischen Cash-Bestände nicht auf Bankkonten liegen lassen. Schon bei „kleinen“ Millionen-Summen muss heutzutage jeder Kunde praktisch bei jeder Bank in der Eurozone um die 0,4% Strafzins an die Bank zahlen. Denn die Bank muss für überschüssige Liquidität ja auch 0,4% Strafzins an die EZB entrichten – also reichen Banken für große Guthaben den Strafzins an den Endkunden weiter. Von daher ist es langfristig gesehen für die großen Investoren „günstiger“ 0,07% Zinsen an den deutschen Staat zu zahlen als 0,40% Zinsen an die eigene Hausbank.

Und was ist, wenn die Negativrenditen bei Anleihen noch unter -0,40% sinken? Dies ist bei deutschen Kurzläufern ja seit geraumer Zeit der Fall. Grundsätzlich kann man sagen: Der Mechanismus ist einfach. Je mehr (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten) der Investor für eine Anleihe zahlen muss, desto geringer ist seine Rendite, weil der Zinskupon sich ja nicht ändert. Sinkende Renditen bedeuten steigende Kurse und umgekehrt. Große Institutionelle, die nicht ans Anlegen denken, sondern ans Zocken, schielen auf die Kursgewinne bei Staatsanleihen. Und handelt man mit Milliardensummen, war da in den letzten Jahren einiges zu holen. Der Emissionskurs der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe zum Beispiel lag im Januar noch bei 99,57% (Rendite +0,29%). Jetzt liegt der Kurs schon bei 103,11% (Rendite -0,07%).

Olaf Scholz und Angela Merkel
Wenigstens mit dem Verkauf von Schulden können Olaf und Mutti wie im Schlaf Geld verdienen, dank Mario Draghi. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Simply

    22. Mai 2019 13:23 at 13:23

    Gutes Video: KenFM im Gespräch mit: Ullrich Mies („Der Tiefe Staat schlägt zu“)
    https://www.youtube.com/watch?v=3-w2RdcySSQ&feature=youtu.be

  2. Avatar

    Marcus

    22. Mai 2019 14:24 at 14:24

    Das mag ja sein das ich das zu sehr aus der Anlegersicht sehe, aber es ist doch einfach nicht logisch zu so hohen Kursen zu kaufen, wenn doch sicher ist das ich am Laufzeitende Geld verliere. Und selbst aus Zockersicht: Mal angenommen ich kaufe jetzt zu 103,11 % und die Bundesanleihe geht dann am gleichen Tag oder einen später in einen Sinkflug über, dann habe ich am Ende ja doch Geld verloren.

    Ich persönlich finde das hochgradig bescheuert auch noch in die Blase reinzukaufen am Anleihenmarkt. Da zahle ich lieber Negativzinsen.

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Anleihen

Coronakrise und die Schulden: Kommen ewige Anleihen?

Wolfgang Müller

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Die Coronakrise, ein gutes Jahrzehnt nach der Finanzkrise, hat zu einem weltweiten Anstieg der Verschuldung geführt, wie es sie außerhalb von Kriegszeiten noch nie gegeben hat. Aus den Schulden herauswachsen, mittels Wachstum? Ist noch nie in großem Umfang gelungen. Mittels Inflation und finanzieller Repression? Hat schon einmal für wenige Länder geklappt. Oder die Schulden auf sehr, sehr lange Zeiten umstellen, in Zeiten von Niedrigstzinsen? Ein Vorschlag des legendären Hedgefondsmanagers George Soros, der nicht neu ist, schon praktiziert wird und bereits eine lange Historie aufweist.

Coronakrise und Schulden: Die Ideen des ungarischen Starinvestors

Der Gründer des legendären Quantumfonds George Soros, der auf eine sehr lange Zeit als Investor zurückblicken kann – so hatte er bereits vor 70 Jahren unter dem Philosophen Karl Popper studiert -, macht sich Sorgen um die Zeit nach der Coronakrise. Man könne zwar auf eine unglaubliche medizinische Entwicklung zur Bekämpfung der Pandemie blicken, die bald unter Kontrolle sein dürfte, was aber bleiben wird, sind die Schulden zur Abmilderung derselben. Die wirtschaftlichen Folgen seien schlimmer als bei der Finanzkrise, deshalb müsse man jetzt bei der Bewältigung der Cornakrise umdenken, die Maßnahmen der EU hätten aufgrund der politischen Konstellationen zu wenig gebracht. Eine Lösung seien ganz lange oder ewige Anleihen.

Ein unbekanntes Kapitel der Geschichte von Anleihen

Wenn man glaubt, dass die heutige Wirtschaft so viel unglaublich Neues produziert, um in Phasen der finanziellen Knappheit ein Schlupfloch zu entdecken, so beweist ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte manchmal etwas anderes. George Soros berichtet von Anleihen, die nie zurückgezahlt werden müssen, sondern nur die jährlichen Zinsen – schon vor Jahrhunderten.

Großbritannien hatte im Jahr 1752 unbefristete Anleihen, Kriegsanleihen zur Finanzierung der napoleonischen Kriege begeben, „Consols“, genannt. Die Vereinigten Staaten folgten mit der Emission von Consols in den 1870er-Jahren. Aber es war die Erfindung der Niederländer, die bereits 1648 unbefristete Anleihen zur Instandhaltung ihrer Deiche ausgegeben hatten. Das Skurrile daran: Diese Anleihen laufen noch heute, mit so niedrigen jährlichen Zinszahlungen, dass kaum jemand von ihrer Existenz weiß.

Die Aufforderung des Ungarn

Die Zeit der Coronakrise wäre günstig für die Einführung ewiger Anleihen, so Soros – weil die internationalen Zinssätze nicht weiter fallen könnten. Der Vorteil wäre für immer festgeschrieben und man könnte diese in Tranchen begeben.

Soros hatte solche Anleihen bereits der Europäischen Union vorgeschlagen, er sieht aber ein, dass dies unter den gegenwärtigen Umständen politisch nicht umsetzbar wäre. Es sollten dies einzelne Mitgliedsländer umsetzen, was auch in Ansätzen geschieht, dazu gleich mehr.

Soros weist darauf hin, dass die Europäische Zentralbank bereits das Instrument der unbefristeten Anleihen eingeführt hat. Durch den Aufkauf von Staatspapieren (Quantitative Easing), die sie nie mehr zurückgeben kann, ohne bestimmten Ländern schwer zu schaden.

Stattdessen ersetzt man bei Fälligkeit der Anleihen diese durch neue. Das Spiel ließe sich ewig fortsetzen, die Langläufer würden in unbefristete Schuldtitel umgewandelt.

Es gibt aber einen großen Unterschied zu den gleich von den Regierungen begebenen ewig langen Anleihen: Man schreibt die Zinsen für 100-jährige oder ewige Anleihen fest, während bei den ständig auslaufenden Titeln möglicherweise deutlich höhere Zinsen geboten werden müssten. Die Frage ist nur, ob man allen EU-Mitgliedsstaaten diese Eternal Bonds abkaufen würde.

Still und leise

Österreich hat es vorgemacht. In den Jahren 2017 und 2018 hatte die österreichische Republik 100-jährige Anleihen begeben, mit einem Zinskupon von damals noch niedrigen 2,1 Prozent. Das Papier war trotzdem 12-fach überzeichnet. Im Juni letzten Jahres legten die Österreicher mit einer weiteren 100-jährigen nach und es musste nur noch ein Kupon von 0.65 Prozent p.a. geboten werden. Inzwischen folgten Irland und Belgien mit eben solchen Langläufern, die von Versicherern begierig aufgenommen wurden.

Aber auch in Deutschland gibt es auf Landesebene bereits solche ultralangen Anleihen. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat die Zeichen der Zeit erkannt und vor ein paar Tagen eine 100-Jährige emittiert mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro, die von Investoren mit mehr als 3,25 Milliarden Euro nachgefragt wurde. Die Emissionsrendite sollte 1,11 Prozentpunkte über dem Referenzzins für 50-jährige Zinstauschgeschäfte liegen, bei minus 0,14 Prozent betrug damit der Zinskupon 0,95. Für NRW ist dies bereits die dritte Anleihe in dieser Laufzeit, während es für den Bund immer noch bei 30 Jahren Höchstlaufzeit bleibt. Vielleicht denken die Herren in der Finanzagentur nur an ihre eigene Kalkulationszeit.

Fazit

Die Idee des legendären und bereits 90-jährigen Hedgefondsmanagers Soros könnte in der Coronakrise durchaus in größerem Stile umgesetzt werden, zusammen mit der finanziellen Repression. Die emittierenden Staaten werden dafür auch nicht mehr so lange Zeit haben, um diese Papiere an den Investor zu bringen, schließlich mehren sich die Anzeichen für eine steigende Inflation und steigende Kapitalmarktzinsen. Damit würden auch die Kupons deutlich höher ausfallen als zuletzt. Es verwundert schon ein wenig, warum man im Hause Scholz so zögerlich ist bei der dauerhaften Nutzung niedrigster Zinsen..

Kommen durch die Coronakrise Anleihen mit ewiger Laufzeit?

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Anleihen

Goldpreis vs Anleiherenditen: Eindeutiger Langfristvergleich

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Gold-Barren

Der Goldpreis wird von vielen Faktoren beeinflusst. Da wäre zum Beispiel der US-Dollar, und natürlich das allgemeine Risk On/Risk Off-Szenario. Sind die Anleger bereit aufgrund diverser Faktoren mehr Risiko einzugehen, verkaufen sie Gold und kaufen Aktien, und umgekehrt. Je mehr die Notenbanken Geld drucken und je mehr die Staaten sich verschulden, desto wichtiger erscheint vielen Anlegern auf lange Sicht auch Gold als sicherer Fluchthafen vor Inflation, und der Goldpreis steigt.

Aber vor allem werden auch die Anleiherenditen als wichtiger Beeinflussungsfaktor für den Goldpreis herangezogen. Je mehr Rendite man für Staatsanleihen erhält, desto weniger attraktiv ist das zinslose Gold bei Anlegern. Schauen wir daher mal auf den folgenden Chart, ob man langfristig eine echte Verbindung zwischen Gold und Anleiherenditen erkennen kann. Hier sehen wir seit Anfang 2016 in blau den steigenden Goldpreis, der seitdem 69 Prozent zulegen konnte. Die in orange verlaufende Anleiherendite (für zehnjährige US-Staatsanleihen) ist seitdem um 46 Prozent gesunken (langfristig gesunkenes Zinsniveau). Man sieht eine klare negative Korrelation. Je tiefer die Anleiherenditen, desto besser für den Goldpreis. Das jüngste Ansteigen in der Rendite hat dem Goldpreis einige Schwierigkeiten bereitet, und seinen weiteren Anstieg erst einmal ausgebremst.

Chart zeigt Goldpreis gegen Anleiherenditen seit dem Jahr 2016

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Anleihen

Andre Stagge: Steigende US-Rendite, US-Wahl, Aktienmarkt – sein aktuelles Trading

Redaktion

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Der Experte Andre Stagge spekuliert aktuell auf die steigende Rendite für US-Staatsanleihen, und hat daher den Future für Staatsanleihen geshortet (Renditen und Kurse bewegen sich logischerweise immer exakt gegenläufig). Im folgenden brandaktuellen Video erklärt er die derzeitigen Zusammenhänge am Kapitalmarkt. Als da wäre die heutige Wichtigkeit der US-Wahl in Georgia und deren Folgewirkungen auf die US-Politik und die Kapitalmärkte. Auch geht es darum, dass steigende Aktienmärkte und steigende Anleiherenditen dauerhaft nicht parallel existieren können. Denn es ist, wie es ist. Deutlich höhere Renditen machen Anleihen attraktiver und sorgen eigentlich für einen Geldfluss raus aus Aktien.

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