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90 Prozent aller Solar-Module kommen aus China Energiewende bringt neue extreme Solar-Abhängigkeiten

EU-Parlament sorgt sich um Überlebensfähigkeit der Branche in Europa.

Energiewende Solar

In der Strategie zur europäischen Energiewende spielet die Solar-Energie eine Schlüsselrolle. Sowohl die Stromversorgung der Industrie als auch der Haushalte (z. B. für Wärmepumpen), des Verkehrs sowie die Gewinnung von grünem Wasserstoff sollen zukünftig verstärkt durch Sonnenenergie gewährleistet werden.

Doch bislang dominieren China und die USA den Markt für Photovoltaikanlagen. In Sachen Energie droht damit nach der Abhängigkeit von Russland eine neue geopolitisch brisante Abhängigkeit. Zumal sich der Konflikt zwischen China und Taiwan weiter zuspitzt. Damit drohen neue internationale Sanktionen – auch gegenüber Drittstaaten. Das EU-Parlament und die EU-Kommission beraten in dieser Woche über diese enormem Herausforderungen.

Unfaire Wettbewerbsbedingungen bei Solar-Panels gefährden Energiewende in EU

In dieser Woche berät das EU-Parlament besonders brisante Aspekte der Energiewende: zum einen den schleichenden Niedergang der Solar-Branche in der EU und zum anderen die enorme Abhängigkeit bei den Infrastrukturkomponenten von China.

In Anbetracht der hochsubventionierten Billigkonkurrenz aus dem Reich der Mitte aber auch aus den USA betonen die Parlamentsabgeordneten in Brüssel die Notwendigkeit, dass die EU unlautere Wettbewerbspraktiken aus Drittländern eindämmt. Gleiche Wettbewerbsbedingungen sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU müssen gewährleistet werden.

Die Parlamentarier sowie die EU-Kommission fordern daher eine Strategie zur Bekämpfung des unlauteren globalen Wettbewerbs, einschließlich ungerechtfertigter staatlicher Beihilfen aus Nicht-EU-Ländern zur Stärkung fairer Handelsbeziehungen und der Widerstandsfähigkeit der Lieferketten.

Noch gibt es keine konkreten Lösungsansätze. Die Beratungen blieben bislang ergebnislos!

97 Prozent aller Photovoltaik-Anlagen werden importiert

Die Europäische Union muss ihre ehrgeizigen Ziele für den Einsatz von Solar-Energie überdenken, bevor sie Maßnahmen zur Eindämmung der Einfuhren von Photovoltaik-Modulen, Wafern und anderen Komponenten in Betracht zieht, äußerte ein hochrangiger EU-Beamter am Montag (5. Februar).

Mairead McGuinness, die für Finanzdienstleistungen zuständige EU-Kommissarin, sagte dem Europäischen Parlament, dass die EU an einer Vielzahl von Instrumenten zur Unterstützung der Solarindustrie arbeite. Derzeit werden 97 Prozent der in Europa eingesetzten Solar-Panels importiert, hauptsächlich aus China.

„Angesichts der Tatsache, dass wir derzeit in sehr hohem Maße auf Importe angewiesen sind, um die EU-Solarausbauziele zu erreichen, müssen alle möglichen Maßnahmen gegen die Ziele abgewogen werden, die wir uns im Hinblick auf die Energiewende gesetzt haben“, sagte sie den Gesetzgebern in Brüssel.

Die Kommission hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 eine Solarstromerzeugungskapazität von 750 Gigawatt zu erreichen, ausgehend von 260 GW im Jahr 2023.

Die europäische Industrie zur Herstellung von Solarmodulen hat die EU aufgefordert, Sofortmaßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass lokale Unternehmen aufgrund des Preisdrucks durch chinesische Importe vom Markt verschwinden.

Sollten diese Maßnahmen, einschließlich des Aufkaufs überschüssiger Lagerbestände an EU-Solarmodulen, nicht rasch umgesetzt werden können, forderte sie die Kommission auf, „Schutzmaßnahmen“ in Betracht zu ziehen, die Einfuhrzölle und -quoten umfassen könnten.

Krise in der europäischen Solar-Industrie

Am Montagabend gab EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness im Europäischen Parlament eine Erklärung zur aktuellen Krise der europäischen Solarindustrie ab, die durch die Wirtschaftsschwäche im Euroraum und die Rezession in Deutschland noch verschärft werde.

Die Vorstandssprecherin (CEO) von SolarPower Europe, Walburga Metsberger, äußert sich zu der Problematik wie folgt:

„Dass sich die Europäische Kommission im EU-Parlament mit der Krise in der Solarindustrie beschäftigt, ist ein wichtiger Schritt. Wir fördern und tragen weiterhin zu diesem Dialog auf höchster politischer Ebene bei. Die Zeit wird knapp, um die europäischen Solar-PV-Hersteller noch zu retten.“

Metsberger erklärt: „Während wir die Kommentare des Kommissars zur Rolle des Net-Zero Industry Act (NZIA) und der EU-Solarstrategie sowie anderer bestehender Instrumente anerkennen, müssen wir betonen, dass noch weitere dringende Maßnahmen erforderlich sind, um die Solarproduktion in der EU zu halten.“

Der NZIA sieht vor, dass Europa bis zum Jahr 2030 gut 40 Prozent aller strategisch wichtigen Technologien autark produzieren kann. Aus heutiger Sicht eine Illusion!

Die europäischen Solarhersteller befinden sich in einer deutlich schlechteren Situation als noch im Mai 2022, als die EU-Solarstrategie angekündigt wurde: Hersteller gehen reihenweise bankrott oder verlagern ihre Produktion nach China bzw. in die USA, wo hohe Subventionen und ein attraktiveres Produktionsumfeld locken.

Zu letzterem hat in den Vereinigten Staaten auch der Inflation Reduction Act (IRA) beigetragen. Dabei handelt es sich um ein milliardenschweres schuldenfinanzierte Subventionsprogramm der USA für saubere Technologien. Damit befindet sich die EU nicht nur mit China, sondern auch mit den Vereinigten Staaten in einem für Europa bislang ruinösen industriepolitischen Wettlauf, den sie zu verlieren droht.

Metzberger: „Es ist beruhigend zu hören, dass die Kommission die Auswirkungen möglicher Handelsschutzmaßnahmen sorgfältig auf die europäischen Energie- und Klimaziele abwägen wird. Die Geschichte hat gezeigt, dass handelspolitische Schutzmaßnahmen nicht zu einer erneuten Verlagerung der Solarproduktion führten und mit starken Rückgängen beim Einsatz von Solarenergie einhergingen.“, und ergänzt:

„Unsere Modellierung legt nahe, dass sogenannte Schutzmaßnahmen im Solarbereich in diesem Jahr zu einem Rückgang der Solarinstallationen um mehr als 30 Prozent führen und den Einsatz in den kommenden Jahren halbieren könnten.“

Metzberger fordert passend zu den sektorspezifischen, milliardenschweren Plänen für Wind, Chips und Wasserstoff eine eigene EU-Solar-Charta.

„Wir befinden uns an einem Wendepunkt für die europäische Solar-Produktion. Wenn Europa jetzt nicht handelt, wird es keine Solarproduktion mehr geben, die gerettet werden könnte. Wir können unsere Klima- und Energiesicherheitsziele nicht anderen überlassen.“, resümiert Metzberger.

Trotz Rekordnachfrage im Zuge der Energiewende steht die Solar-Industrie in Europa vor dem Ende.

Preise um 40-50 Prozent eingebrochen – EU plant Interventionen

McGuinness weist darauf hin, dass die Preise für Solarmodule aufgrund des weltweiten Überangebots innerhalb weniger Monate um mehr als 40 Prozent gefallen seien. Einige Branchenvertreter sprechen von bis zu 50 Prozent Preiskollaps.

Sie kündigte an, dass die EU Vorschriften erlassen werde, die öffentliche Behörden dazu zwingen sollen, bei Ausschreibungen für Clean-Tech-Geräte andere Faktoren als den Preis zu berücksichtigen. Dazu gehört auch der Vorstoß, sicherzustellen, dass nicht mehr als 65 Prozent des Angebots aus einer einzigen Quelle stammen.

Im Rahmen flexiblerer Regeln für staatliche Beihilfen, sagte sie, habe die Kommission neun Initiativen mit einem Budget von mehr als 12 Milliarden Euro für Clean-Tech-Geräte, darunter Solar-Paneele, genehmigt.

Die EU arbeitet auch mit Ländern wie den Vereinigten Staaten und Indien zusammen, um die Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen zu verringern. Diese könnten neben der Wettbewerbsverzerrung in absehbarer Zeit zu enormen Problemen führen, wie sie bereits bei der Abhängigkeit fossiler Energieträger aus Russland deutlich wurden. China hat das Jahr 2024 zum Jahr der Wiedervereinigung mit Taiwan erklärt.

Die Befürchtung aufseiten der EU ist, dass Peking früher oder später eine Annexion des Inselstaates 180 km östlich von China erzwingen wird. Daraus resultierende Sanktionen in Form von Import- und Investitionsbeschränkungen würden die Energiewende, speziell im Bereich Solar, in der EU essenziell gefährden.

FMW/Bloomberg

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2 Kommentare

  1. Schon wieder so eine Verschwörungstheorie.
    Hier ist erklärt, wann sie wahr wird.

    Schau dir „Solar + Windstrom für 60 c/kWh? – die wahren Kosten der Integration“ auf YouTube an

    https://youtu.be/BGw2WNSjWNo?si=oD2WM4x-JN54eJpf

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @Helmut, da sie auch so ein Fan von whataboutism sind:

      Wer bezahlte noch mal die Millarden fuer die Entsorgung der AKW’s und die Brennstoffe und die Suche nach einem Endlager? mmh?

      Mal kurz nachdenken, glauben Sie, dass uns das billiger gekommen ist bzw. bei neuen waere?

      Aber schoen, dass Sie es vorher angesprochen haben: Verschwoerungsschwurbler, Gattung: Homo Perpper.

      Ich hoffe, Sie haben noch genug Wasservorraete. Immer genug trinken…..

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