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ETFs und Fonds: Der Boom – und die Nöte der Fondsmanager

ETFs bleiben auf der Überholspur - zum Leidwesen der Fonds

Der Trend ist ungebrochen und die Zahlen weisen unaufhörlich nach oben: Die Rede ist vom Anlageboom in kostengünstige ETFs (Exchange Traded Funds), der von Quartal zu Quartal mehr Kapitalzuflüsse verzeichnet.

Ein zunehmendes Problem für die aktive Fondsbranche im Allgemeinen, aber auch im Speziellen, gerade zu einem Monatswechsel. Vieles wird mittels regelmäßiger Sparpläne investiert, zumeist am 1. eines Monats, häufig auch zur Monatsmitte. Wie soll da ein Rebalancing zu einem Quartalsende Sinn machen, wenn bereits am Tag darauf wieder viel neues Kapital in die Indizes fließt?

Investitionen in ETFs, auch ein Boom in Deutschland

Laut einer Statistik von extraetf.com (Stand Februar 2021) werden in Deutschland bereits über 2,033 Millionen Sparpläne ausgeführt, das letzte Halbjahr brachte einen erneuten Zuwachs um knapp 16 Prozent.

Die durchschnittliche Sparrate beträgt 177 Euro, bei Einzelorders geht es im Schnitt um 3971 Euro, so die Statistik.

Auf längere Sicht bedeutet dies eine Steigerung in Deutschland seit 2011 um mehr als 500 Prozent.

Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Nach einer Prognose des Marktführers und Fondsriesen BlackRock soll die Zahl der auf ETFs basierenden Sparpläne in Deutschland bis zum Jahr 2025 auf rund neun Millionen Verträge steigen. Schon 2023 dürfte der letzten Prognose zufolge, die Marke von fünf Millionen fallen, obwohl man gerade erst die Zwei-Millionen-Grenze überschritten hat. Das in ETFs angelegte Geldvolumen betrug Ende 2020 schon 40 Milliarden Euro, in Europa hat man bereits die Eine-Billionen-Euro-Marke erreicht. Viele dieser Sparpläne laufen auf den Weltindex MSCI World und damit auf den amerikanischen S&P 500, mit seiner Gewichtung von 65 Prozent.

Und weltweit?

Der im Januar 2021 verstorbene Gründer der Vanguard Group, Jack Bogle, der als Erfinder der Indexfonds gilt, hätte sich sicherlich weiter am Siegeszug seiner Investmentidee aus dem Jahre 1974 gefreut. Vielleicht nicht so sehr auf die Zahl der aufgelegten ETFs, die bereits auf die Zahl von 8000 weltweit zumarschiert. Viele Branchen- und Nischenfonds, die wahrscheinlich genauso oft vom Markt verschwinden, wie es in der Hedgefonds-Branche üblich ist. Aber über das Gesamtvolumen der ETF-Branche, die gerade dabei ist die Acht-Billionen-Marke zu überschreiten.

ETFs und Anlagevolumen

Der bisherige Aufstieg der ETF-Branche

Die Anzahl der ETFs

Das Kaufdatum für Sparpläne

Was bedeutet dies für die Märkte? Klar ist das deutsche Sparvolumen in ETFs gering in Anbetracht eines Riesen wie dem S&P 500. Aber die extreme Verschuldung der Staaten, in Verbindung mit der finanziellen Repression, hat zu einem Anlagenotstand geführt, den vermehrt jüngere Menschen zum Aufbau eines Kapitalstocks nutzen. Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen der 194 Ländern dieser Welt.

Damit fließt an bestimmten Tagen (besonders zu Monatsbeginn, statistisch erkennbar) viel Geld an die Aktienmärkte. Deshalb empfiehlt es sich zumeist nicht, vor dem Ultimo aus den Märkten auszusteigen, in der Hoffnung günstiger wieder einsteigen zu können – Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber wie es so ist mit Regeln an der Börse. Wenn diese erkannt werden, stellen sich Anleger darauf ein und kaufen vielleicht bereits vorher, in Erwartung auf automatisierte Kapitalzuflüsse. Mein altes Thema: Der Markt als selbstreferentielles Gebilde.

Fazit

Die Nöte der aktiven Fondsbranche werden größer. Der Aufstieg der kostengünstigen ETFs ist unaufhaltsam, auch wenn es im Bereich von Branchen- und Spezialfonds exzessive Überangebote gibt, die aber vom Markt wieder verschwinden werden. Nicht jedoch die großen und physisch unterlegten Indexfonds auf S&P 500 oder MSCI World. Die Sparpläne auf die Index-ETFs schießen weiter in die Höhe, Staatsfonds und sogar Notenbanken (Bank of Japan) engagieren sich vermehrt in diese Vehikel.

Das beschriebene Problem mit den Stichtagen beim Kauf erhöht weiter den Druck auf die Manager, so wie gerade beim Quartalswechsel. Nichts war es auch im März 2021 mit dem so stark erwarteten Rebalancing, also dem Ausbalanzieren der Aktien/Anleihenquote – der Kapitalzufluss war stärker. Das stärkste Argument für die ETFs hat aber der Maestro höchstpersönlich geliefert: Warren Buffett. Dieser hat nämlich seiner Frau empfohlen, nach seinem Ableben ihr Kapital in einen SPY-ETF  (ein ETF auf den S&P 500) zu investieren, es würde kaum einem Manager gelingen, dessen Performance auf Dauer zu schlagen.



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