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Diverse Faktoren drücken gegen die Gemeinschaftswährung Euro rutscht gegen US-Dollar unter 0,99 – Energiekrise und Rezession

Der Euro rutscht gegen US-Dollar unter den Kurs von 0,99. Wir blicken auf die gerade eskalierende Energiekrise und anstehende Rezession.

50 Euro-Geldscheine

Der Euro fällt heute früh gegenüber dem US-Dollar unter den Wechselkurs von 0,99. Im Tief sahen wir vorhin 0,9878, der niedrigste Stand seit 2002. Im fallenden EURUSD-Kurs kann man die heraufziehende Rezession in Europa gut ablesen. Hinzu kommt seit Freitag Abend noch die auf unbestimmte Zeit vorgenommene Abschaltung der Pipeline Nord Stream 1 durch Gazprom. Der Terminmarkt-Gaspreis für Europa steigt heute gegenüber Freitag Abend um 28 Prozent. Die brenzlige Situation für Unternehmen in Europa nimmt damit weiter zu, weil die Energiekosten weiter stark ansteigen. Das Rezessionsszenario wird dadurch verschärft, was der Euro in einem fallenden Kurs darstellt.

Negativer Handelssaldo, sich verschärfende Energiekrise und anstehende Rezession belasten den Euro

Die dramatisch verschlechterte Lage Europas im Außenhandel hatte sich zuletzt auch in den offiziellen Statistiken von Eurostat niedergeschlagen. Nach jahrelangen Überschüssen weist die EU nun einen negativen Handelsbilanzsaldo aus – in den ersten sechs Monaten des Jahres war es ein Defizit von 200,7 Milliarden Euro, nach einem Überschuss im ersten Halbjahr 2021 von 83,2 Milliarden Euro. Auch diese Schwäche wird im fallenden Euro dargestellt. Auch die Erwartungshaltung zahlreicher großer Banken, dass die EZB nächste Woche die Zinsen um 0,75 Prozentpunnkte anheben wird, und im Oktober womöglich erneut, hilft dem Euro derzeit nicht auf die Beine. Im Gegenteil, eine kräftige Zinsanhebung könnte die unmittelbar bevorstehende Rezession in Europa noch verstärken. Die Energiekrise und die anstehende Rezession in Europa haben den Euro fest im Griff.

Robin Brooks vom Institute of International Finance spricht vom „Perfekten Sturm“ für Europa, der bestehe aus einem dauerhaften Ukraine-Krieg, Tockenheit und Hitzewellen, zunehmende Zeichen für eine tiefe Rezession, Italien-Wahlen am 25. September, EZB vor starker Zinsanhebung, und Renditekontrollen der EZB.

Bloomberg sagt dazu heute: Der Euro und die europäischen Aktienfutures fallen, nachdem Russland die Energiekrise auf dem Kontinent verschärft hatte, indem es wichtige Gashähne zudrehte und damit einen langen kalten Winter für Unternehmen und Haushalte ankündigte. Die europäischen Länder, allen voran Deutschland, kündigten am Wochenende Maßnahmen zur Bekämpfung der Lebenshaltungskostenkrise und der steigenden Energiepreise an, nachdem der staatliche russische Gasproduzent Gazprom am Freitag angekündigt hatte, die Lieferungen über die Nord Stream-Pipeline auf unbestimmte Zeit einzustellen.

„Der Euro hat mehr Abwärtspotenzial, da die volle Auswirkung der unbefristeten Kürzung der russischen Gaslieferungen nach Europa noch aussteht“, sagte Rodrigo Catril, Währungsstratege bei der National Australia Bank Ltd. „Kein Gas bedeutet kein Wachstum und eine aggressive EZB“.

Die Energiekrise hat sich verschärft, seit Russlands Einmarsch in der Ukraine die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben und die Beziehungen zwischen dem Kreml und Europa beschädigt hat. Dies war ein wichtiger Faktor, der den Euro im letzten Monat zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten auf die Parität zum Dollar drückte. Die neuen Belastungen der Energieversorgung vor dem Winter drohen die Wirtschaft weiter zu belasten, während die steigenden Verbraucherpreise die EZB unter Druck setzen, ihre Geldpolitik zu straffen.

Euro-Kursverlauf gegen den US-Dollar seit Jahresanfang

Lagardes Herausforderung

Die Erwartung, dass die EZB die Zinsen bereits am Donnerstag um 75 Basispunkte anhebt, wächst laut Bloomberg. EZB-Chefin Christine Lagarde und ihre Kollegen stehen vor der schwierigen Aufgabe, das Zwillingsproblem der hohen Inflation und der drohenden Rezession zu bewältigen.

„Irgendwann werden sich die Märkte fragen, wie viel Inflation die Zentralbanken zu tolerieren bereit sind, wenn die Volkswirtschaften in eine Rezession abrutschen, vor allem wenn diese Inflation angebotsgetrieben ist“, sagte Su-Lin Ong, Leiterin der australischen Wirtschafts- und Rentenstrategie bei der Royal Bank of Canada. „Ein schwächeres Wachstum oder eine Rezession und ein schwächerer Arbeitsmarkt sind letztlich der Preis, der zu zahlen ist, aber anhaltend hohe Energiepreise könnten das Ausmaß der Maßnahmen der EZB sowohl in dieser Woche als auch im weiteren Verlauf des Zyklus abschwächen.“

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Als Zeichen für die Schwere des Problems stellte Deutschland am Sonntag einen Hilfsplan im Wert von 65 Milliarden Euro vor, während Finnland ankündigte, den Strommarkt mit einem 10 Milliarden Dollar schweren Programm zu stabilisieren. Schweden kündigte am Samstag ein 23 Milliarden Dollar schweres Hilfsprogramm für seine Versorgungsunternehmen an, um eine breitere Finanzkrise abzuwenden.

Die Analysten der Goldman Sachs Group unter der Leitung von Kamakshya Trivedi haben ihre Prognosen für den Euro in den nächsten drei Monaten von zuvor 99 Cent auf 97 Cent gesenkt, wie sie am Freitag vor der Bekanntgabe der verschiedenen Hilfspakete in einer Notiz mitteilten. Sie glauben auch, dass der Euro über einen Zeitraum von sechs Monaten unter der Parität zum Dollar bleiben wird. Zuvor prognostizierten sie eine Erholung auf 1,02 Dollar. „Während der Euroraum gute Fortschritte bei der Anhäufung von Gasspeichern für den kommenden Winter gemacht hat, ist dies um den Preis einer beträchtlichen Zerstörung der Nachfrage durch Produktionskürzungen geschehen, und schließt das Risiko einer schwerwiegenderen Störung während des Winters nicht völlig aus“, sagten sie in der Mitteilung.

FMW/Bloomberg



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