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Eurokrise: Behält die EZB den Schuldentsunami im Griff?

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EZB Zentrale in Frankfurt - kann sie die Eurokrise abwenden?

Wie tief die Corona-Rezession in der Eurozone ausfallen wird, kann auch die EZB-Präsidentin Christine Lagarde noch nicht abschätzen. Sehr schnell könnte sich aus den Folgen des Shutdowns eine neue Eurokrise entwickeln. Ist die EZB dafür gewappnet, oder steht sie vor ihrem letzten Gefecht?

Am 18. März stand man bereits kurz vor einer neuen Eurokrise

Am letzten Donnerstag fand die mit Spannung erwartete virtuelle Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) statt. Die Prognosen der Ökonomen des IWF waren düster: die größte Wirtschaftskrise seit 100 Jahren stehe der Welt bevor. Auch die Präsidentin der Europäischen Zentralbank war zugeschaltet und gab eine Erklärung ab. Für die Eurozone erwarte sie einen „starken Rückgang der Produktion“ sowie „sich rapide verschlechternde Arbeitsmärkte“. Für die 19 Staaten der Eurozone wird ein beispielloser Einbruch von 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr erwartet. Für das nächste Jahr hoffen die Ökonomen dann auf ein Wachstum in Höhe von 4,7 Prozent.

Besonders dramatisch sehen die Prognosen für Italien aus. Um 9,1 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr schrumpfen. Zusammen mit der Staatsverschuldung von 135 Prozent des BIP ergibt das eine gefährliche Mischung, die die EZB bereits Mitte März dazu veranlasste, zugunsten italienischer Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu intervenieren. Die Zinsen für zehnjährige Obligationen des Stiefelstaats schossen von 0,9 Prozent Ende Februar bis auf 3 Prozent am 18. März nach oben. Eine ähnliche Entwicklung gab es bei den Renditen spanischer Schuldpapiere. Sogar französische Staatsanleihen wurden zwischen dem 9. und 18. März panikartig abverkauft, was die Renditen innerhalb weniger Tage um 100 Basispunkte nach oben trieb. Anders als üblich flüchteten die Anleger jedoch nicht in deutsche Staatsanleihen.

Die Bundesobligationen drohten im Gegenteil sogar mit in den Abwärtsstrudel hineingezogen zu werden. Erst als Christine Lagarde am 18. März kurz vor Mitternacht ein weiteres 750 Mrd. Euro schweres Anleihekaufprogramm mit veränderten Regeln zugunsten italienischer und erstmals auch griechischer Bonds ankündigte, legte sich die Panik bei den Rentenhändlern. Die riesige geldpolitische Bazooka, die zum damaligen Zeitpunkt zusammen mit den zuvor bereits beschlossenen Maßnahmen ein Gesamtvolumen von 1,1 Billionen Euro erreichte, begründete Lagarde kurz und bündig so: „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“. Die EZB-Präsidentin wusste, dass die Eurozone den März nicht überstanden hätte, wenn sie nicht geldpolitisch „All In“ gegangen wäre und Tabus gebrochen hätte.

Kann die EZB zwei G7-Staaten plus Spanien retten?

Das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Isabell Schnabel stellt nüchtern fest, dass die schlagartige Verschlechterung der Refinanzierungsbedingungen an den europäischen Kapitalmärkten „eine gefährliche makro-finanzielle Rückkopplungsschleife auszulösen drohte“. Vergegenwärtigt man sich die Dimension des Stresszustandes an den Anleihemärkten, dann wird klar, wie kurz die EU vor einer neuen Eurokrise stand. Die besonders hart von der Coronakrise betroffenen Länder Italien und Frankreich gehören zu den G7-Staaten und bringen zusammen 4,7 Billionen Euro BIP auf die Waage. Die ausstehenden Schulden belaufen sich auf kumuliert 4,8 Billionen Euro – wohlgemerkt vor der jetzigen Krise. Als Griechenland im Jahr 2015 nach dem berühmten „Ochi“ zum Euro-Referendum eine Eurokrise auszulösen drohte, standen lediglich Staatsschulden in Höhe von 315 Mrd. Euro zur Disposition.

Wie in der letzten Eurokrise ist auch Spanien erneut Schauplatz einer massiven Rezession. In der viertgrößten Volkswirtschaft der EU und der Nummer 13 der Weltrangliste soll die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr laut dem jüngsten „World Economic Outlook“ des IWF um 8 Prozent einbrechen. Doch diese Zahl ist nur eine erste Prognose. In dem von der Pandemie mit am stärksten betroffenen Eurostaat ist das Vertrauen der Unternehmen zuletzt auf ein Rekordtief gefallen. Drei Viertel der Unternehmen Spaniens sind laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des nationalen Statistikamtes pessimistisch in Bezug auf ihre Zukunft. Mit 1,2 Billionen Euro Staatsschulden ist auch Spanien fast zehn Mal höher verschuldet als Griechenland während der letzten Eurokrise.

Mit ihren Bazookas hat die EZB die erste Welle der Panik am Anleihemarkt brechen können. Wenn die erste Welle der Corona-Pandemie abgeebbt ist und der wirtschaftliche Schaden in der Eurozone für den Kapitalmarkt sichtbar wird, könnte die EZB erneut gezwungen sein, zu intervenieren – vielleicht sogar dauerhaft zur Vermeidung einer ansonsten jederzeit möglichen Eurokrise.
Durch ihre geldpolitische Maßlosigkeit und diverse Tabu- und Rechtsbrüche hat die Europäische Zentralbank unter Führung der Juristin Christine Lagarde nun das umgesetzt, was Mario Draghi im Juli 2012 in London nur verbal ankündigte: Die EZB rettet die Eurozone „whatever it takes“.

Gefährlich wird es dann, wenn die Billionen Euro zu Fantastilliarden Euro werden und die Gigantomanie bei den Hilfsprogrammen und der Staatsverschuldung selbst zu Panik führen. Allein der Verdacht eines Kontrollverlusts bei der EZB würde zu Verwerfungen an den Devisen- und Bond-Märkten führen. Das Einzige, wogegen die EZB keine Bazooka hat, ist der Vertrauensverlust. Gegen den hilft auch keine noch so schnell rotierende digitale Notenpresse. Hoffentlich kommt es nicht soweit, denn die daraufhin folgende Eurokrise wäre eine finale Krise für die Europäische Union und die Gemeinschaftswährung.

19 Kommentare

19 Comments

  1. Avatar

    Eric

    18. April 2020 11:14 at 11:14

    Wie auch die Japaner sind die Europäer v. a. bei sich selbst und in eigener Währung verschuldet. Das ist letztlich nur ein Verteilungsproblem. Die Privatvermögen der Spanier, Italiener, Franzosen werden im Durchschnitt auf ca. 5x das jährliche BIP geschätzt. Mit besserer Besteuerung großer Vermögen, gar einem einmaligen Lastenausgleich, lässt sich das prinzipiell schultern. Wenn man es denn will. Es ist natürlich bequemer Geld aus Nordeuropa zu verlangen. Aber letztlich und mit Distanz betrachtet ist das alles lösbar.

    Ganz anders viele Schwellenländer, die kaum Devisenreserven haben, eine eigene Währung die am internationalen Finanzmarkt keiner will und darum der Privatsektor immens in Fremdwährungen verschuldet ist und umgekehrt kaum Privatvermögen hat.
    Deren Aufschwung der letzten Jahre droht der Schwung auszugehen, vom endgültigen Ruin vieler Entwicklungsländer gar nicht zu sprechen.

    In Folge drohen neue Krisen und Kriege in Krisenregionen, mehr Flüchtlinge, weniger Klimaschutz, weniger Wachstum der Weltwirtschaft usw.
    Wirklich langfristig gesehen werden wir das in Westeuropa wie soviel in der Geschichte hinter uns lassen und wir werden weiterhin in Wohlstand leben.
    Das sieht jenseits der klassischen Industriestaaten möglicherweise anders aus.
    Paradoxerweise profitieren wir sogar von deren Krise. Denn einerseits zieht sich das Kapital gerade nach Nordamerika und Europa zurück und dürfte eine Rückkehr in emerging markets scheuen bis diese sich stabilisiert haben (ohne das ausländische Kapital schwer möglich, ein Henne Ei Problem) und uns weiterhin zum Minizins die Krise beseitigen lassen und gleichzeitig lässt sich wunderbar der Druck auf diese Länder erhöhen möglichst billig für uns zu produzieren, nachdem dort in den letzten Jahren die Einkommen steigen konnten. Damit importieren wir uns danb schön die Inflation die wir brauchen um trotz zeitweiser monetärer Krisenfinanzierung keine unerwünschte Inflation zu erleben.

    Mich würde nicht einmal wundern, dass man nach einer Bilanz in 10 Jahren sieht, dass der alte Westen ökonomisch von dieser Krise profitiert hat und dessen Wettbewerber in den emerging markets um viele Jahre zurückgeworfen wurden und es schwer haben werden nochmal aufzuholen.

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      Columbo

      18. April 2020 17:23 at 17:23

      Eurobonds, Vermögensabgaben für die Südländer. Who knows? In diesen Zeiten ist alles möglich.

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      Goldsammler

      18. April 2020 17:28 at 17:28

      @ERIC
      Der Wirtschaftsinterventionismus kann nicht als ein System von Dauer angesehen werden. Er ist lediglich eine Methode, um allmählich und stufenweise vom Kapitalismus zum Kommunismus überzugehen.
      Ludwig von Mises

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    foxxly

    18. April 2020 13:41 at 13:41

    Unsere Arbeitsleistung von Mensch und Maschine, ist in dieses Schulgelsystem, stets eine neue Kreditschuld. Je mehr wir leisten, desto höher sind zwangsläufig die Schulden (+Zinsen. Es ist ein völlig absurdes System, – denkt bitte selber darüber nach!
    Der Schuldentsunami wird auch nach Corona weitergehen, bis der Resetknopf gedrückt wird. Das heisst dann die vollständige Enteignung der Bürger und neue Zwangshypothenen und Lastenausgleichszahlungen.
    Arbeit darf niemals eine Kreditschuld sein und mit Abgaben aller Art belastet werden!!!!!!

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      asisi1

      18. April 2020 14:54 at 14:54

      Nur die es ändern könnten, leben davon. Also wird sich dieses System auch nicht ändern!

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      Dreamtimer

      19. April 2020 17:05 at 17:05

      “Je mehr wir leisten, desto höher sind zwangsläufig die Schulden (+Zinsen. Es ist ein völlig absurdes System, – denkt bitte selber darüber nach! )”

      Ja, auf den ersten Blick ist das natürlich absurd, auf den zweiten Blick ist es nur normal, dass die Unproduktiven, die Kapitalisten, nahezu das ganze Vermögen besitzen. Wäre das Vermögen bei den Produktiven, so könnten diese am meisten konsumieren und der Grund, weiterhin selbst produktiv zu sein würde entfallen. Sie würden dann von den Produktiven zu den Unproduktiven wechseln und der leer gewordene Platz würde wieder von jemand anderem besetzt.

      Neu an der Situation ist nur, dass die Zentralbanken als die ultimativen Unproduktiven auftreten und während der gemeine Kapitalist noch Gewinnabsichten hat, sind diese bei den Zentralbanken nicht mehr vorhanden. Die FED kauft Junkbond-ETFs ja nicht, weil sie diese später für 3Bio$ mit Profit wiederverkaufen will, sondern um die unwirtschaftlichen unter den Produktiven am leben zu halten.

      Wirtschaft ist jetzt nicht mehr so wichtig. Auch die Unwirtschaftlichen, unter den Produktiven leisten nun ihren Beitrag für das Gemeinwohl. Die Politik der Rettung der Unwirtschaftlichen ist eine Grenzüberschreitung, die man derzeit zwar an der Corona-Krise festmacht, mit der man aber Gefahr läuft, ganze Volkswirtschaften in die Dekadenz zu führen. Irgendwie müssen die Unternehmen der Wirtschaft wieder zugeführt werden und sie müssen dort auch pleite gehen können. Aber wie? Sollte das nicht passieren, dann haben wir irgendwann die Zombi-Apokalypse.

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    korrektor

    18. April 2020 16:58 at 16:58

    In Kriesenzeiten suchen die Menschen Substanz und werden weniger vom Schwachsinn geblendet:

    https://www.n-tv.de/politik/Union-so-stark-wie-Rot-Rot-Gruen-zusammen-article21723345.html

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      Petkov

      18. April 2020 22:47 at 22:47

      Gute Nachrichten! Bedauerlicherweise ist die Ursache für diese Rückkehr zur Vernunft eine tückische Pandemie. Also der Weg des größten Schmerzes.

      Ich kann nur aufrichtig hoffen, dass möglichst viele Menschen gesund bleiben oder zumindest nicht schwer erkranken. Das wünsche ich insbesondere dem gesamten FMW Team und allen Lesern / Foristen.

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        md

        19. April 2020 00:43 at 00:43

        @petkov, danke für deine worte.
        auch ich schliesse alle menschen in meine gebete mit ein. möge der allmächtige alle menschen beschützen.
        vg md

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        asisi1

        19. April 2020 10:06 at 10:06

        Möglichst viele Menschen gesund bleiben!
        Diese Aussage ist schon vollkommen verkehrt. Die Menschen wurden durch dieses “Sozialistische Gesundheitssystem” erst richtig krank gemacht! Es ist ein “Zwangssystem” in das Alle einzahlen müssen. Die Profiteure in diesem System machen nur Kasse mit “Kranken”, also wurden für jede kleine Blessur Pillen verordnet. Aus einem leichten Rückenleiden oder Kopfschmerzen oder Migräne wurden über die Jahre große Mengen an Pillen verordnet, um am Schluss durch Operationen angebliche Hilfe leisten zu wollen. 90% dieser Behandlungen haben dem Menschen nicht geholfen, sondern ihn noch kränker gemacht. Das war und ist aber die Absicht.
        In einem selbstverantwortlichem und Kapitalistischem System, würde sich der Mensch denjenigen suchen, der ihm mit einfachsten und günstigsten Mitteln hilft.
        Eine Zahl mal zum Nachdenken. Man könnte heute 75% der Bandscheibenoperationen vermeiden, würde man den Patienten vorzeitig mit physikalischen Maßnahmen behandeln! Es wären Einsparungen im zweistelligen Milliardenbereich möglich!

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          Anna

          19. April 2020 14:20 at 14:20

          Aber das ist ja das Perverse! Es wird operiert – auch, wenn es nicht notwendig ist –
          weil die Krankenhäuser diese OPs gut von den Krankenversicherungen bezahlt bekommen-
          überspitzt: je mehr operiert wird, desto mehr Geld gibt s . Aber das ist nur die Reaktion auf diese perverse Philosophie, die Krankenhäuser und Altenheime als
          gewinnorientiere Unternehmen ansieht bzw. versucht, aus ihnen gewinnorientierte und nach Möglichkeit gelistete Unternehmen zu machen. Mit anderen Worten: Die operieren, um Gewinn zu erwirtschaften, verstehen Sie? Sonst droht die Schließung, Entlassungen etc., das ist das Perverse. Diese Herumoperiererei ist eine Reaktion darauf, sonst nichts. Und: Wir müssen gar nicht darüber streiten, dass unsere gesetzlichen krankenkassen “fett” sind – sicher sitzen da zu viele Funktionäre und was weiß ich wer noch alles, die man nicht wirklich braucht. Da sollte man mal diesen Mc Kinsey ansetzen, aber das heißt noch lange nicht, dass man aus Krankenhäusern und Altenheimen gewinnorientierte Unternehmen machen kann – nicht: soll. Allein der Versuch wird schon tragisch scheitern, und je schneller er scheitert, desto besser, dann kann man umsteuern.

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      Michael

      19. April 2020 12:10 at 12:10

      Ich bin verwirrt: War es nicht gerade Mutti Merkel, die Sozialistin aus der Uckermark, auf die gewisse Kreise und „Korrektive“ hier im Forum seit Jahren aufs Übelste eingeprügelt haben? Und plötzlich diese Lobeshymnen auf die Heldin der Nation? Derzeit jedoch steht niemand anderes als Angela Merkel für den Kurs der Bundesregierung, und in der Frage der politischen Kompetenz halten 47 Prozent der Deutschen sie … für am besten in der Lage, die derzeitigen Probleme zu lösen.

      Gut, bekanntermaßen drehen sich Wetterfähnchen stets lustig im Kreise, und 180°-Kehren gehören längst zu guten Ton. Bleibt für die Substanz nur die Hoffnung, dass die Kriese noch bis Oktober 2021 anhält. Dass eine millionenfache Pleitewelle von KMUs an dieser schwarz-düsteren Schönwetter-Stimmung nichts ändern möge. Eine Pleitewelle, nicht zuletzt verursacht durch völlig hirnrissige, an der Realität vorbeigehende Fehlallokationen aktionistischer und verlogener „Hilfs“programme.

      Dass die kommenden Heerscharen an Arbeitslosen noch immer wohlwollend den neuen Helden huldigen, während sie altbackenes Brot kauen. Derweil sich zugleich ihre ehemaligen Brötchengeber in neuen ATHs, Rekordboni und -dividenden suhlen. Während künftige Finanzminister noch geiziger und restriktiver die Seite links vom Einkommens-Median auspressen, die Krankenversicherungsbeiträge um 30% gestiegen sind und Gesundheits-, Corona- und Leistungsträger-Soli etabliert wurden.

      Auf der anderen Seite mögen Sie auch Recht behalten: Denn sind es von den 9% an Wählerzustimmung, die CDU/CSU seit Juli 2018 aktuell gewonnen haben, nicht 6% an ehemals völlig von Schwachsinn Verblendeten, die einer zunehmend rechtsradikalen bis rechtsextremistischen, verfassungsfeindlichen Strömung nun angewidert und voller Grauen den Rücken zuwenden und sich erneut ins reaktionär-konservatistische Lager der Beamten- und Großunternehmerfreunde kuscheln?

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      Koch

      20. April 2020 08:08 at 08:08

      Nicht “die Menschen”(da wäre ja Gott behüte auch ich dabei!),sondern nur solche die KRIESE schreiben,suchen da “Substanz”Dahingestellt sei mal,ob man üppigstes geldausgeben(welches man in der utopischen Menge nicht hat),als Substanzpolitik bezeichnen kann.Vor kurzem hiess es mal hier auf FMW:Fahnenstangen haben Substanz!Ich bin der Meinung,dass diese politische Substanz ähnlich einsturzgefährdet ist.

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    Marcus

    18. April 2020 18:08 at 18:08

    Die EZB muss eigentlich weiterkaufen in der Hoffnung das sie die Lage kontrollieren kann. Alleine wenn man sich überlegt was die hochverschuldeten Länder Italien und Spanien an neuen Schulden aufnehmen müssen, um ihre Wirtschaft “wiederzubeleben.” Da bleibt nur die EZB als Käufer letzter Instanz, da gibt es überhaupt keinen Zweifel.

    Der Unterschied an der ganzen Geschichte ist halt der, das bei dem PEPP-Programm die EZB je nach Notwendigkeit einzelnen Länder beispringen kann was sie beim PSPP-Programm nicht kann weil sie dort nach Kapitalschlüssel kaufen muss. Mich würde auch nicht wundern wenn wir eine Aktivierung des OMT mit veränderten Konditionen sehen, denn da gilt ja auch kein Kapitalschlüssel…

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    jürgen

    19. April 2020 13:28 at 13:28

    Ich schätze mal die Zeit ist reif, den Zyklen nach sind wieder 75 Jahre vergangen, und jede 3.Generation hat in den letzten 3 Jahrhunderten wieder bei Null angefangen…so soll es hier auch kommen. Das wird auch keine Notenbank aufhalten, eventuell eine Gnadenfrist erkaufen…. so bis 2023/24

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    Lausi

    19. April 2020 22:21 at 22:21

    Wie steht es so schön im Spiegel: Der “schwarze Schwan” wird durch die Coronakrise zum neuen Wappentier der Weltwirtschaft. lol

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    Anna

    20. April 2020 12:14 at 12:14

    Äh, und was würde passieren, wenn Italien seine ehemalige Währung wieder einführte?
    Ich habe bald das dumme Gefühl, dass diese Eurozone und die EU eigentlich nur eine Art
    “Jobmotor” für bestimmte Leute darstellen. Es wird doch nicht so sein, dass ich durch
    diese Bonds eine bestimmte soziale Schicht in einem bestimmten noch EU- Land an der Macht halten soll, oder? Hat es denn bisher keine Zahlungen an Italien gegeben? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein solch gigantisches Problem erst in 4 Wochen Corona entwickelt hat, das kann ja nicht sein. Die Probleme müssen sich über einen langen Zeitraum aufgetürmt haben.

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Insolvenz-Welle ab Oktober? Politik plant Verschiebung auf Januar

Claudio Kummerfeld

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Das Thema Insolvenz könnte erstmal verschoben werden

Wird das Wort “Insolvenz” das große Thema im Herbst? Oder womöglich überhaupt nicht? Denn der deutsche Staat verschiebt die tatsächliche Wirtschaftskrise noch weiter in die Zukunft. Jüngst sank die Zahl der Insolvenzen sogar! Das hat einen Grund. Aber erstmal zur aktuellen großen Rettung der Volkswirtschaft. Dazu gehören abgesehen von den gigantischen Zuschüssen und Krediten zwei Maßnahmen, die von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. Da wäre zum einem eine tolle Ausnahmeregel für die Banken. Kreditraten, die sie ihren Kunden wegen Corona derzeit stunden, müssen sie nicht als Kreditausfall in ihren Büchern vermerken.

Also keine Milliarden-Abschreibungen, und die Quartalszahlen der Banken sehen super aus. Normalerweise müssen Kredite bei Nicht-Zahlung der Raten aus Ausfall abgeschrieben werden, wodurch Verluste entstehen. Derzeit aber nicht. Und weil der Staat die finanzielle Staatsraison hoch hält (alles muss immer total in Ordnung aussehen in der Bankenbranche), wurde diese Ausnahmeregel für die Banken, die Ende Juni endete, bis Ende September verlängert. Aber man kann mutmaßen, dass sie im September erneut bis Ende Dezember verlängert wird?

Keine Anmeldung zur Insolvenz notwendig

Und die zweite essenziell wichtige Maßnahme der Bundesregierung, mit der man das Ausmaß der Wirtschaftskrise verdeckt, ist die Aussetzung der Verpflichtung für Unternehmen, Insolvenz anmelden zu müssen. Ist ein Betrieb pleite, sind Geschäftsführer normalerweise verpflichtet Insolvenz anzumelden, sonst machen sie sich der Insolvenzverschleppung strafbar. Aber diese aktuelle Ausnahme lässt derzeit zu, dass diese Unternehmen, die längst pleite sind, einfach weiter machen können, und dass die Geschäftsführer sich nicht strafbar machen. Bis Ende September gilt diese Insolvenz-Sonderregel.

Es ist natürlich verständlich, warum der Gesetzgeber das macht. Die Corona-Delle versucht man zu durchstehen, in der Hoffnung, dass die Masse der Unternehmen in den Folgemonaten wieder gut Geschäft macht, und dann mit mehr Cash in der Tasche doch weiter machen kann – obwohl man zwischendurch monatelang schon faktisch insolvent war. Wir bei FMW haben darauf schon oft hingewiesen, und oft auch Experten wie Markus Krall erwähnt. Die Zombie-Lawine wird immer größer, je länger der Staat kaputten Unternehmen die Chance gewährt, nicht in die Insolvenz gehen zu müssen. Die als solche bezeichneten Zombieunternehmen machen nicht mal genug Geld um Kreditkosten zahlen zu können. Aber dank quasi Nullzinsen für Kredite leben sie seit Jahren weiter. Und jetzt müssen sie dank der deutschen Sonderregel nicht mal offiziell die Insolvenz anmelden. Dadurch wird das Problem nur noch weiter aufsummiert, und am Ende wird der gesamtwirtschaftliche Absturz vermutlich nur noch größer werden.

Politik verschiebt die große Krise auf Ende Dezember?

Also, bislang gilt diese Sonderregel für das Thema Insolvenz bis Ende September. Was wir bei FMW aber schon vermutet hatten, scheint nun Realität zu werden. Berichte zeigen, dass vor allem aus Reihen der SPD Stimmen laut werden, dass diese Aussetzung der Insolvenzpflicht von Ende September bis Ende Dezember verlängert werden müsse. Denn Unternehmen, die sich bis hierhin durchgekämpft haben, sollen auch nach September noch Licht am Horizont sehen dürfen, so der rechtspolitische Sprecher der SPD, Johannes Fechner in einem Interview.

Und siehe da, auch die CDU/CSU-Fraktion zeige sich offen dafür die Aussetzung länger gelten zu lassen. Es gehe darum Unternehmen “nicht ohne Not in die Insolvenz zu treiben”. Das Bundesjustizministerium kommentierte dazu gegenüber dem “WirtschaftsKurier”, dass die Entscheidung noch in der Schwebe sei. Die Anhörung aller Beteiligten laufe noch. Aber mal ehrlich. Wer in der deutschen Politik kann (abgesehen von der Opposition) schon eine brutale Insolvenz-Welle ab Oktober gebrauchen? Und da die zweite Corona-Welle ja offenbar eh gerade startet, dürfte es der GroKo nicht all zu schwer fallen, diese Sonderregel bis Ende Dezember zu verlängern.

Was wäre die Alternative?

Diese anstehende Hinauszögerung der Insolvenz-Welle mag gut und nett gemeint sein. Aber der Berg an Problemen wird damit nur noch größer. Der Absturz danach wird dann um so schwerwiegender sein, so möchten wir es anmerken. Nun zügig ein intelligenteres Insolvenzrecht verabschieden und zahlreichen Unternehmern einen Neustart ermöglichen, das wäre doch wohl deutlich sinnvoller, als dass man vielen Unternehmen die Chance gewährt weiter in einem Status der Überschuldung und Starre zu verharren. Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle die jüngsten Aussagen von Markus Krall über die bald kippenden Zombieunternehmen. Wird ihm der deutsche Staat dieses Szenario kurzfristig “kaputt machen” durch eine weitere dreimonatige Verzögerung?

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Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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Coronavirus und die Aktienmärkte in Ost und West

Beschleunigt das Coronavirus den ökonomischen Aufstieg des Ostens? Die Börsenentwicklungen deuten schon darauf hin!

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Das Coronavirus wandert um die Welt: Ausgehend von China hat sich eine Pandemie entwickelt, die nahezu alle Länder der Welt betrifft, mit gesundheitlichen aber auch wirtschaftlichen Folgen. Einige Länder in Fernost haben die Eindämmung von des Coronavirus bisher gut gemeistert, ablesbar an Wirtschaftszahlen und Börseninidizes. Beschleunigt Corona den ökonomischen Aufstieg des Ostens?

Die Wirtschaftsdaten

Nachdem China den ersten ganz großen Lockdown in Wuhan schon ab 23. Januar vollzogen hat, war klar, dass dort auch die Konjunkturdaten im ersten Quartal so richtig in den Keller rauschen, während man im Westen die Sache noch als regionale Angelegenheit einstufte.

Chinas Wirtschaft war im ersten Quartal um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal eingebrochen, das Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich um 6,8 Prozent gesunken. Doch bereits in den folgenden drei Monaten betrug der Anstieg 11,5 Prozent, das gesamte Halbjahr war kaum mehr im negativen Terrain. China wird damit wahrscheinlich die einzige große Nation sein, die 2020 ein positives Wachstum erzielen kann. Aber auch in Südkorea oder in Taiwan lag man im zweiten Quartal nur wenig im Minus gegenüber den Vorjahreswerten.

Anders in den westlichen Nationen, wo die BIP-Daten für Q2 in der letzten Woche veröffentlicht wurden und die von minus 9,8 Prozent (USA) bis minus 18,5 Prozent (Spanien) richtige Horrorzahlen brachten. Hier wird es noch mindestens bis 2021 oder noch länger dauern bis der Einbruch ausgeglichen werden kann.

China hat „offiziell“ den Weg einer V-förmigen Erholung bisher erfolgreich bestritten, andere Länder aus der Region könnten folgen.

Das alles immer unter dem Vorbehalt staatlich administrierter Datenvorgaben.

Coronavirus: Die Zahlen

Obwohl die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in vielen Ländern, in der so genannten zweiten Welle, nach oben gehen, herrscht doch ein himmelweiter Unterschied zwischen Ost und West (ausgenommen Indien). Denn von den bisher registrierten 18,5 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus fallen mehr als die Hälfte auf drei Nationen: USA, Brasilien und Indien. Ebenso sieht das Verhältnis aus, wenn man die aktiven Fälle von gut sechs Millionen „active cases“ heranzieht, auch hier ähneln sich die offiziellen Zahlen in ihren Proportionen.

China, Japan, Südkorea, Singapur, Taiwan, Vietnam und weitere asiatische Volkswirtschaften findet man erst sehr viel weiter unten in der Tabelle der John-Hopkins-Universität.

Damit scheint in diesen Regionen die Eindämmung des Coronavirus schon sehr viel besser gelungen zu sein, vor allem im Vergleich zu Nord- und Südamerika. Die Wirtschaftsdaten geben auch ein Zeugnis darüber.

Die Entwicklung der Börsen

Beim ständigen Blick auf den US-Technologie-Index Nasdaq mit seinen BiG Five ist es etwas untergegangen: Der CSI 300 Index, der die Börsen von Shanghai und Shenzhen einschließt, liegt seit Jahresbeginn bereits 17 Prozent im Plus. Damit ist er der stärkste nationale Index.

Der US-Leitindex S&P 500 hat gerade die Pluszone erreicht, allerdings auch nur getrieben von seinen viel zitierten Highflyern. Dies gilt natürlich erst recht für Nasdaq oder Nasdaq 100.

Aber auch die Indizes in Taiwan und Südkorea sind schon im Positiven gelandet: Der TAIEX in Taipei mit 5,9 Prozent, der Kospi in Seoul noch mit 3,2 Prozent. Andere westliche Aktienmärkte sind noch deutlich im Minus, wie zum Beispiel der DAX (- 5 Prozent), der CAC 40 (-18 Prozent) oder der FTSE 100 (-20 Prozent). Wie erwähnt verdankt der amerikanische Leitindex seine positive Bilanz nur den IT- und Internettiteln, der große Rest läge noch weit im Minus.

Die Veränderung der Wirtschaft in China

Auch ohne das Coronavirus entwickelt sich das Reich der Mitte bei zukunftsträchtigen Branchen weiter. Früher die Werkbank der Welt bei der Herstellung von Massenartikeln, so geht es im Bereich der Hightech-Industrie oder auch in der Pharmaindustrie voran. Auch erkennbar am Wettlauf um den begehrten Impfstoff gegen Covid-19 oder an der Zahl an Patentanmeldungen, die stark an westliche Dimensionen herankommen.

Die große Dominanz der USA in den Weltindizes

Zwar ist Chinas Gewichtung im MSCI Emerging Markets bereits angehoben worden, aber dennoch ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt (mit Abstand) nicht im Weltindex MSCI World vertreten. Daher erscheint der hohe Anteil der USA mit 63 Prozent trotz einer Wirtschaftsleistung von gut 15 Prozent am Weltsozialprodukt schon ziemlich merkwürdig. Klar ist dies der Marktkapitalisierung geschuldet, bei der die großen US-Brocken so richtig schwer ins Gewicht fallen. Aber gibt es in China nicht auch Schwergewichte wie Alibaba, Tencent oder Huawei? Und wieso befinden sich Wirtschaftsnationen wie China, Taiwan oder Südkorea überhaupt in einem Index für Schwellenländer? Sind das Länder, die die Chance haben, sich in den nächsten Jahren zu Industriestaaten zu entwickeln – Südkorea, mit seinen Weltfirmen?

Im globalen Aktienindex MSCI All Country World Index beträgt Chinas Anteil gerade einmal 4 Prozent aus, obwohl das Land laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds 28 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum beitrug.

Aber die Entwicklung der Finanzmärkte schreitet voran. Nicht nur im MSCI Emerging Markets beträgt Chinas Anteil schon 40 Prozent, auch im Aktienindex MSCI Asien – ohne Japan – hat China schon ein Gewicht von 44 Prozent.

Investmentbanken wie J.P. Morgan erwarten deshalb in den nächsten Jahren eine deutliche Outperformance von China gegenüber den westlichen Aktienmärkten. Schon komisch: Haben nicht Umfragen der Bank of America, Aussagen von BlackRock oder Goldman Sachs in letzter Zeit für Aktienanlagen in Europa und die Emerging Markets geworben – die USA untergewichtet? Es scheint fast so, als dass US-Großanleger kein allzu großes Vertrauen in die allgemeine Aktienentwicklung der USA haben, GAFAM einmal ausgenommen.

Man muss auch immer wieder darauf hinweisen: Wo lagen Nasdaq und S&P 500 im Tief der Finanzkrise 2009?

Der Nasdaq bei 1265 Punkten – der S&P 500 bei 676 Punkten, und gestern hatte der Technologieindex bereits die 11.000-Punkte-Marke überschritten, der große Leitindex S&P 500 endete bei 3327 Zählern. Was kann da das laufende Jahrzehnt bringen?

Fazit: Das Coronavirus und die endende Dominanz der US-Aktienmärkte

Der Kampf um die wirtschaftliche, technologische und militärische Vorherrschaft war (und ist) das große Thema hinter dem Handelsstreit zwischen den USA und China, der Nummer eins gegen die Nummer zwei. Wahrscheinlich ist, dass die Pandemie durch das Coronavirus in ökonomischer Hinsicht sogar noch zu einem Beschleuniger heranreift. Die Börsenentwicklungen deuten schon etwas darauf hin und die USA haben in punkto Geldpolitik, Zinsangebot, Währungsstärke u.w. schon sehr viel Pulver verschossen. Natürlich werden sich die USA – unter welchem Präsidenten auch immer – dies nicht gefallen lassen. Disruptionen an den Kapitalmärkten sind damit vorprogrammiert. Die asiatischen Länder mit ihren weit über drei Milliarden Konsumenten, ihrer demographischen Struktur und ihren Wachstumsraten könnten durchaus dafür sorgen, dass der Anteil der USA im All Country World Index (ACWI) in der nächsten Dekade keine 60 Prozent mehr betragen wird.

Das Coronavirus und die Entwicklung der Weltbörsen

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