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Eurokrise: Behält die EZB den Schuldentsunami im Griff?

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EZB Zentrale in Frankfurt - kann sie die Eurokrise abwenden?

Wie tief die Corona-Rezession in der Eurozone ausfallen wird, kann auch die EZB-Präsidentin Christine Lagarde noch nicht abschätzen. Sehr schnell könnte sich aus den Folgen des Shutdowns eine neue Eurokrise entwickeln. Ist die EZB dafür gewappnet, oder steht sie vor ihrem letzten Gefecht?

Am 18. März stand man bereits kurz vor einer neuen Eurokrise

Am letzten Donnerstag fand die mit Spannung erwartete virtuelle Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) statt. Die Prognosen der Ökonomen des IWF waren düster: die größte Wirtschaftskrise seit 100 Jahren stehe der Welt bevor. Auch die Präsidentin der Europäischen Zentralbank war zugeschaltet und gab eine Erklärung ab. Für die Eurozone erwarte sie einen „starken Rückgang der Produktion“ sowie „sich rapide verschlechternde Arbeitsmärkte“. Für die 19 Staaten der Eurozone wird ein beispielloser Einbruch von 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr erwartet. Für das nächste Jahr hoffen die Ökonomen dann auf ein Wachstum in Höhe von 4,7 Prozent.

Besonders dramatisch sehen die Prognosen für Italien aus. Um 9,1 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr schrumpfen. Zusammen mit der Staatsverschuldung von 135 Prozent des BIP ergibt das eine gefährliche Mischung, die die EZB bereits Mitte März dazu veranlasste, zugunsten italienischer Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu intervenieren. Die Zinsen für zehnjährige Obligationen des Stiefelstaats schossen von 0,9 Prozent Ende Februar bis auf 3 Prozent am 18. März nach oben. Eine ähnliche Entwicklung gab es bei den Renditen spanischer Schuldpapiere. Sogar französische Staatsanleihen wurden zwischen dem 9. und 18. März panikartig abverkauft, was die Renditen innerhalb weniger Tage um 100 Basispunkte nach oben trieb. Anders als üblich flüchteten die Anleger jedoch nicht in deutsche Staatsanleihen.

Die Bundesobligationen drohten im Gegenteil sogar mit in den Abwärtsstrudel hineingezogen zu werden. Erst als Christine Lagarde am 18. März kurz vor Mitternacht ein weiteres 750 Mrd. Euro schweres Anleihekaufprogramm mit veränderten Regeln zugunsten italienischer und erstmals auch griechischer Bonds ankündigte, legte sich die Panik bei den Rentenhändlern. Die riesige geldpolitische Bazooka, die zum damaligen Zeitpunkt zusammen mit den zuvor bereits beschlossenen Maßnahmen ein Gesamtvolumen von 1,1 Billionen Euro erreichte, begründete Lagarde kurz und bündig so: „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“. Die EZB-Präsidentin wusste, dass die Eurozone den März nicht überstanden hätte, wenn sie nicht geldpolitisch „All In“ gegangen wäre und Tabus gebrochen hätte.

Kann die EZB zwei G7-Staaten plus Spanien retten?

Das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Isabell Schnabel stellt nüchtern fest, dass die schlagartige Verschlechterung der Refinanzierungsbedingungen an den europäischen Kapitalmärkten „eine gefährliche makro-finanzielle Rückkopplungsschleife auszulösen drohte“. Vergegenwärtigt man sich die Dimension des Stresszustandes an den Anleihemärkten, dann wird klar, wie kurz die EU vor einer neuen Eurokrise stand. Die besonders hart von der Coronakrise betroffenen Länder Italien und Frankreich gehören zu den G7-Staaten und bringen zusammen 4,7 Billionen Euro BIP auf die Waage. Die ausstehenden Schulden belaufen sich auf kumuliert 4,8 Billionen Euro – wohlgemerkt vor der jetzigen Krise. Als Griechenland im Jahr 2015 nach dem berühmten „Ochi“ zum Euro-Referendum eine Eurokrise auszulösen drohte, standen lediglich Staatsschulden in Höhe von 315 Mrd. Euro zur Disposition.

Wie in der letzten Eurokrise ist auch Spanien erneut Schauplatz einer massiven Rezession. In der viertgrößten Volkswirtschaft der EU und der Nummer 13 der Weltrangliste soll die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr laut dem jüngsten „World Economic Outlook“ des IWF um 8 Prozent einbrechen. Doch diese Zahl ist nur eine erste Prognose. In dem von der Pandemie mit am stärksten betroffenen Eurostaat ist das Vertrauen der Unternehmen zuletzt auf ein Rekordtief gefallen. Drei Viertel der Unternehmen Spaniens sind laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des nationalen Statistikamtes pessimistisch in Bezug auf ihre Zukunft. Mit 1,2 Billionen Euro Staatsschulden ist auch Spanien fast zehn Mal höher verschuldet als Griechenland während der letzten Eurokrise.

Mit ihren Bazookas hat die EZB die erste Welle der Panik am Anleihemarkt brechen können. Wenn die erste Welle der Corona-Pandemie abgeebbt ist und der wirtschaftliche Schaden in der Eurozone für den Kapitalmarkt sichtbar wird, könnte die EZB erneut gezwungen sein, zu intervenieren – vielleicht sogar dauerhaft zur Vermeidung einer ansonsten jederzeit möglichen Eurokrise.
Durch ihre geldpolitische Maßlosigkeit und diverse Tabu- und Rechtsbrüche hat die Europäische Zentralbank unter Führung der Juristin Christine Lagarde nun das umgesetzt, was Mario Draghi im Juli 2012 in London nur verbal ankündigte: Die EZB rettet die Eurozone „whatever it takes“.

Gefährlich wird es dann, wenn die Billionen Euro zu Fantastilliarden Euro werden und die Gigantomanie bei den Hilfsprogrammen und der Staatsverschuldung selbst zu Panik führen. Allein der Verdacht eines Kontrollverlusts bei der EZB würde zu Verwerfungen an den Devisen- und Bond-Märkten führen. Das Einzige, wogegen die EZB keine Bazooka hat, ist der Vertrauensverlust. Gegen den hilft auch keine noch so schnell rotierende digitale Notenpresse. Hoffentlich kommt es nicht soweit, denn die daraufhin folgende Eurokrise wäre eine finale Krise für die Europäische Union und die Gemeinschaftswährung.

19 Kommentare

19 Comments

  1. Avatar

    Eric

    18. April 2020 11:14 at 11:14

    Wie auch die Japaner sind die Europäer v. a. bei sich selbst und in eigener Währung verschuldet. Das ist letztlich nur ein Verteilungsproblem. Die Privatvermögen der Spanier, Italiener, Franzosen werden im Durchschnitt auf ca. 5x das jährliche BIP geschätzt. Mit besserer Besteuerung großer Vermögen, gar einem einmaligen Lastenausgleich, lässt sich das prinzipiell schultern. Wenn man es denn will. Es ist natürlich bequemer Geld aus Nordeuropa zu verlangen. Aber letztlich und mit Distanz betrachtet ist das alles lösbar.

    Ganz anders viele Schwellenländer, die kaum Devisenreserven haben, eine eigene Währung die am internationalen Finanzmarkt keiner will und darum der Privatsektor immens in Fremdwährungen verschuldet ist und umgekehrt kaum Privatvermögen hat.
    Deren Aufschwung der letzten Jahre droht der Schwung auszugehen, vom endgültigen Ruin vieler Entwicklungsländer gar nicht zu sprechen.

    In Folge drohen neue Krisen und Kriege in Krisenregionen, mehr Flüchtlinge, weniger Klimaschutz, weniger Wachstum der Weltwirtschaft usw.
    Wirklich langfristig gesehen werden wir das in Westeuropa wie soviel in der Geschichte hinter uns lassen und wir werden weiterhin in Wohlstand leben.
    Das sieht jenseits der klassischen Industriestaaten möglicherweise anders aus.
    Paradoxerweise profitieren wir sogar von deren Krise. Denn einerseits zieht sich das Kapital gerade nach Nordamerika und Europa zurück und dürfte eine Rückkehr in emerging markets scheuen bis diese sich stabilisiert haben (ohne das ausländische Kapital schwer möglich, ein Henne Ei Problem) und uns weiterhin zum Minizins die Krise beseitigen lassen und gleichzeitig lässt sich wunderbar der Druck auf diese Länder erhöhen möglichst billig für uns zu produzieren, nachdem dort in den letzten Jahren die Einkommen steigen konnten. Damit importieren wir uns danb schön die Inflation die wir brauchen um trotz zeitweiser monetärer Krisenfinanzierung keine unerwünschte Inflation zu erleben.

    Mich würde nicht einmal wundern, dass man nach einer Bilanz in 10 Jahren sieht, dass der alte Westen ökonomisch von dieser Krise profitiert hat und dessen Wettbewerber in den emerging markets um viele Jahre zurückgeworfen wurden und es schwer haben werden nochmal aufzuholen.

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      Columbo

      18. April 2020 17:23 at 17:23

      Eurobonds, Vermögensabgaben für die Südländer. Who knows? In diesen Zeiten ist alles möglich.

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      Goldsammler

      18. April 2020 17:28 at 17:28

      @ERIC
      Der Wirtschaftsinterventionismus kann nicht als ein System von Dauer angesehen werden. Er ist lediglich eine Methode, um allmählich und stufenweise vom Kapitalismus zum Kommunismus überzugehen.
      Ludwig von Mises

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    foxxly

    18. April 2020 13:41 at 13:41

    Unsere Arbeitsleistung von Mensch und Maschine, ist in dieses Schulgelsystem, stets eine neue Kreditschuld. Je mehr wir leisten, desto höher sind zwangsläufig die Schulden (+Zinsen. Es ist ein völlig absurdes System, – denkt bitte selber darüber nach!
    Der Schuldentsunami wird auch nach Corona weitergehen, bis der Resetknopf gedrückt wird. Das heisst dann die vollständige Enteignung der Bürger und neue Zwangshypothenen und Lastenausgleichszahlungen.
    Arbeit darf niemals eine Kreditschuld sein und mit Abgaben aller Art belastet werden!!!!!!

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      asisi1

      18. April 2020 14:54 at 14:54

      Nur die es ändern könnten, leben davon. Also wird sich dieses System auch nicht ändern!

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      Dreamtimer

      19. April 2020 17:05 at 17:05

      “Je mehr wir leisten, desto höher sind zwangsläufig die Schulden (+Zinsen. Es ist ein völlig absurdes System, – denkt bitte selber darüber nach! )”

      Ja, auf den ersten Blick ist das natürlich absurd, auf den zweiten Blick ist es nur normal, dass die Unproduktiven, die Kapitalisten, nahezu das ganze Vermögen besitzen. Wäre das Vermögen bei den Produktiven, so könnten diese am meisten konsumieren und der Grund, weiterhin selbst produktiv zu sein würde entfallen. Sie würden dann von den Produktiven zu den Unproduktiven wechseln und der leer gewordene Platz würde wieder von jemand anderem besetzt.

      Neu an der Situation ist nur, dass die Zentralbanken als die ultimativen Unproduktiven auftreten und während der gemeine Kapitalist noch Gewinnabsichten hat, sind diese bei den Zentralbanken nicht mehr vorhanden. Die FED kauft Junkbond-ETFs ja nicht, weil sie diese später für 3Bio$ mit Profit wiederverkaufen will, sondern um die unwirtschaftlichen unter den Produktiven am leben zu halten.

      Wirtschaft ist jetzt nicht mehr so wichtig. Auch die Unwirtschaftlichen, unter den Produktiven leisten nun ihren Beitrag für das Gemeinwohl. Die Politik der Rettung der Unwirtschaftlichen ist eine Grenzüberschreitung, die man derzeit zwar an der Corona-Krise festmacht, mit der man aber Gefahr läuft, ganze Volkswirtschaften in die Dekadenz zu führen. Irgendwie müssen die Unternehmen der Wirtschaft wieder zugeführt werden und sie müssen dort auch pleite gehen können. Aber wie? Sollte das nicht passieren, dann haben wir irgendwann die Zombi-Apokalypse.

  3. Pingback: Die heutigen Meldungen und Nachrichten sollte man kennen! | das-bewegt-die-welt.de

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    korrektor

    18. April 2020 16:58 at 16:58

    In Kriesenzeiten suchen die Menschen Substanz und werden weniger vom Schwachsinn geblendet:

    https://www.n-tv.de/politik/Union-so-stark-wie-Rot-Rot-Gruen-zusammen-article21723345.html

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      Petkov

      18. April 2020 22:47 at 22:47

      Gute Nachrichten! Bedauerlicherweise ist die Ursache für diese Rückkehr zur Vernunft eine tückische Pandemie. Also der Weg des größten Schmerzes.

      Ich kann nur aufrichtig hoffen, dass möglichst viele Menschen gesund bleiben oder zumindest nicht schwer erkranken. Das wünsche ich insbesondere dem gesamten FMW Team und allen Lesern / Foristen.

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        md

        19. April 2020 00:43 at 00:43

        @petkov, danke für deine worte.
        auch ich schliesse alle menschen in meine gebete mit ein. möge der allmächtige alle menschen beschützen.
        vg md

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        asisi1

        19. April 2020 10:06 at 10:06

        Möglichst viele Menschen gesund bleiben!
        Diese Aussage ist schon vollkommen verkehrt. Die Menschen wurden durch dieses “Sozialistische Gesundheitssystem” erst richtig krank gemacht! Es ist ein “Zwangssystem” in das Alle einzahlen müssen. Die Profiteure in diesem System machen nur Kasse mit “Kranken”, also wurden für jede kleine Blessur Pillen verordnet. Aus einem leichten Rückenleiden oder Kopfschmerzen oder Migräne wurden über die Jahre große Mengen an Pillen verordnet, um am Schluss durch Operationen angebliche Hilfe leisten zu wollen. 90% dieser Behandlungen haben dem Menschen nicht geholfen, sondern ihn noch kränker gemacht. Das war und ist aber die Absicht.
        In einem selbstverantwortlichem und Kapitalistischem System, würde sich der Mensch denjenigen suchen, der ihm mit einfachsten und günstigsten Mitteln hilft.
        Eine Zahl mal zum Nachdenken. Man könnte heute 75% der Bandscheibenoperationen vermeiden, würde man den Patienten vorzeitig mit physikalischen Maßnahmen behandeln! Es wären Einsparungen im zweistelligen Milliardenbereich möglich!

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          Anna

          19. April 2020 14:20 at 14:20

          Aber das ist ja das Perverse! Es wird operiert – auch, wenn es nicht notwendig ist –
          weil die Krankenhäuser diese OPs gut von den Krankenversicherungen bezahlt bekommen-
          überspitzt: je mehr operiert wird, desto mehr Geld gibt s . Aber das ist nur die Reaktion auf diese perverse Philosophie, die Krankenhäuser und Altenheime als
          gewinnorientiere Unternehmen ansieht bzw. versucht, aus ihnen gewinnorientierte und nach Möglichkeit gelistete Unternehmen zu machen. Mit anderen Worten: Die operieren, um Gewinn zu erwirtschaften, verstehen Sie? Sonst droht die Schließung, Entlassungen etc., das ist das Perverse. Diese Herumoperiererei ist eine Reaktion darauf, sonst nichts. Und: Wir müssen gar nicht darüber streiten, dass unsere gesetzlichen krankenkassen “fett” sind – sicher sitzen da zu viele Funktionäre und was weiß ich wer noch alles, die man nicht wirklich braucht. Da sollte man mal diesen Mc Kinsey ansetzen, aber das heißt noch lange nicht, dass man aus Krankenhäusern und Altenheimen gewinnorientierte Unternehmen machen kann – nicht: soll. Allein der Versuch wird schon tragisch scheitern, und je schneller er scheitert, desto besser, dann kann man umsteuern.

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      Michael

      19. April 2020 12:10 at 12:10

      Ich bin verwirrt: War es nicht gerade Mutti Merkel, die Sozialistin aus der Uckermark, auf die gewisse Kreise und „Korrektive“ hier im Forum seit Jahren aufs Übelste eingeprügelt haben? Und plötzlich diese Lobeshymnen auf die Heldin der Nation? Derzeit jedoch steht niemand anderes als Angela Merkel für den Kurs der Bundesregierung, und in der Frage der politischen Kompetenz halten 47 Prozent der Deutschen sie … für am besten in der Lage, die derzeitigen Probleme zu lösen.

      Gut, bekanntermaßen drehen sich Wetterfähnchen stets lustig im Kreise, und 180°-Kehren gehören längst zu guten Ton. Bleibt für die Substanz nur die Hoffnung, dass die Kriese noch bis Oktober 2021 anhält. Dass eine millionenfache Pleitewelle von KMUs an dieser schwarz-düsteren Schönwetter-Stimmung nichts ändern möge. Eine Pleitewelle, nicht zuletzt verursacht durch völlig hirnrissige, an der Realität vorbeigehende Fehlallokationen aktionistischer und verlogener „Hilfs“programme.

      Dass die kommenden Heerscharen an Arbeitslosen noch immer wohlwollend den neuen Helden huldigen, während sie altbackenes Brot kauen. Derweil sich zugleich ihre ehemaligen Brötchengeber in neuen ATHs, Rekordboni und -dividenden suhlen. Während künftige Finanzminister noch geiziger und restriktiver die Seite links vom Einkommens-Median auspressen, die Krankenversicherungsbeiträge um 30% gestiegen sind und Gesundheits-, Corona- und Leistungsträger-Soli etabliert wurden.

      Auf der anderen Seite mögen Sie auch Recht behalten: Denn sind es von den 9% an Wählerzustimmung, die CDU/CSU seit Juli 2018 aktuell gewonnen haben, nicht 6% an ehemals völlig von Schwachsinn Verblendeten, die einer zunehmend rechtsradikalen bis rechtsextremistischen, verfassungsfeindlichen Strömung nun angewidert und voller Grauen den Rücken zuwenden und sich erneut ins reaktionär-konservatistische Lager der Beamten- und Großunternehmerfreunde kuscheln?

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      Koch

      20. April 2020 08:08 at 08:08

      Nicht “die Menschen”(da wäre ja Gott behüte auch ich dabei!),sondern nur solche die KRIESE schreiben,suchen da “Substanz”Dahingestellt sei mal,ob man üppigstes geldausgeben(welches man in der utopischen Menge nicht hat),als Substanzpolitik bezeichnen kann.Vor kurzem hiess es mal hier auf FMW:Fahnenstangen haben Substanz!Ich bin der Meinung,dass diese politische Substanz ähnlich einsturzgefährdet ist.

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    Marcus

    18. April 2020 18:08 at 18:08

    Die EZB muss eigentlich weiterkaufen in der Hoffnung das sie die Lage kontrollieren kann. Alleine wenn man sich überlegt was die hochverschuldeten Länder Italien und Spanien an neuen Schulden aufnehmen müssen, um ihre Wirtschaft “wiederzubeleben.” Da bleibt nur die EZB als Käufer letzter Instanz, da gibt es überhaupt keinen Zweifel.

    Der Unterschied an der ganzen Geschichte ist halt der, das bei dem PEPP-Programm die EZB je nach Notwendigkeit einzelnen Länder beispringen kann was sie beim PSPP-Programm nicht kann weil sie dort nach Kapitalschlüssel kaufen muss. Mich würde auch nicht wundern wenn wir eine Aktivierung des OMT mit veränderten Konditionen sehen, denn da gilt ja auch kein Kapitalschlüssel…

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    jürgen

    19. April 2020 13:28 at 13:28

    Ich schätze mal die Zeit ist reif, den Zyklen nach sind wieder 75 Jahre vergangen, und jede 3.Generation hat in den letzten 3 Jahrhunderten wieder bei Null angefangen…so soll es hier auch kommen. Das wird auch keine Notenbank aufhalten, eventuell eine Gnadenfrist erkaufen…. so bis 2023/24

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    Lausi

    19. April 2020 22:21 at 22:21

    Wie steht es so schön im Spiegel: Der “schwarze Schwan” wird durch die Coronakrise zum neuen Wappentier der Weltwirtschaft. lol

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    Anna

    20. April 2020 12:14 at 12:14

    Äh, und was würde passieren, wenn Italien seine ehemalige Währung wieder einführte?
    Ich habe bald das dumme Gefühl, dass diese Eurozone und die EU eigentlich nur eine Art
    “Jobmotor” für bestimmte Leute darstellen. Es wird doch nicht so sein, dass ich durch
    diese Bonds eine bestimmte soziale Schicht in einem bestimmten noch EU- Land an der Macht halten soll, oder? Hat es denn bisher keine Zahlungen an Italien gegeben? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein solch gigantisches Problem erst in 4 Wochen Corona entwickelt hat, das kann ja nicht sein. Die Probleme müssen sich über einen langen Zeitraum aufgetürmt haben.

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Bill Gates Stiftung in der Kritik: Wie gesund ist seine Macht? Faktencheck

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Bill Gates und seine Stiftung stehen in der Kritik – wegen seiner WHO-Finanzierung durch Spenden und weil er Impfungen fördert. Ein Faktencheck. Wer ist der einflussreichste Mann der Welt? Der chinesische Präsident? Der Papst? Christiano Ronaldo? Keiner von denen – zumindest wenn es nach den Leuten geht, die gegen die Corona-Maßnahmen protestieren. Sie haben sich auf einen Amerikaner eingeschossen, den ich bisher höchstens mit Computerviren in Verbindung gebracht habe. Aber warum eigentlich?

In diesem Video klären wir, was an der Kritik an Bill Gates dran ist: Wie stark ist sein Einfluss auf unsere Gesundheit – welche Beziehungen hat er zur Pharmaindustrie und zur WHO und warum wird ihm vorgeworfen, dass er uns alle zwangsimpfen will? Bevor wir loslegen ist mir eine Sache wichtig: Ich finde es gruselig zu sehen, wie viele falsche Informationen, Halbwahrheiten und Lügen über Bill Gates kursieren. Gleichzeitig aber gibt es zu dem Mann ein paar Dinge, die man wissen und kritisch hinterfragen sollte – ohne gleich als Verschwörungstheoretiker stigmatisiert zu werden. Und genau dafür ist dieser Beitrag gedacht.

Bill Gates und sein Vermögen: Woher stammt das Geld?

Bill Gates ist nach dem Amazon-Gründer Jeff Bezos der zweitreichste Mensch der Welt. Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf mehr als 105 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das mittlere Nettovermögen eines deutschen Erwachsenen liegt laut DIW bei rund 26.000 €. Bill Gates besitzt also statistisch betrachtet so viel wie vier Millionen Volljährige in Deutschland zusammen. Wie konnte der Typ so reich werden? Alles begann im Jahr 1975, als der damals 19-Jährige zusammen mit seinem Freund Paul Allen den Softwareentwickler Microsoft gegründet hat. Die beiden haben maßgeblich beeinflusst, wie und mit welchen Programmen wir heute Computer nutzen.

25 Jahre lang war Bill Gates Chef von Microsoft und hielt als Mitgründer jede Menge Anteile an der Firma – im Jahr 1994 zum Beispiel war es knapp ein Viertel (PDF S. 6). Die Anteile von Microsoft werden an der Börse gehandelt und wurden dort über die Jahrzehnte immer wertvoller. Bill Gates hat seine Anteile nach und nach verkauft, so sammelte er ein Vermögen an. Heute besitzt er „nur noch“ knapp 1,5 % aller Microsoft-Aktien (Doc S. 53). Allein die sind aber aktuell mehr als 19 Milliarden Dollar wert.

Ein Grund für seinen Reichtum ist also, dass die von ihm gegründete Firma immer erfolgreicher wurde. Dass Microsoft – wie viele andere internationale Konzerne – so wenig Steuern wie möglich zahlt, ist unbestritten. Aber hat Bill Gates – so wie es ihm manche vorwerfen – persönlich Steuern vermieden? Das sagte er in einem Interview im jahr 2014 dazu:

Diese Aussage lässt nicht prüfen aber Fakt ist, dass Bill Gates bisher noch keinen Ärger mit Finanzbehörden hatte. Ansonsten geht er übrigens recht offen mit seinen Steuervorteilen um: Mehr als 36 Milliarden Dollar ihres Vermögens haben Bill und seine Frau Melinda an ihre Stiftung gespendet. Dadurch sparten sie knapp vier Milliarden Dollar Steuern.

Es stimmt also, dass Bill so manche Abgabe an den Staat vermieden hat. Das ganz große Geld machte er aber nicht als Steuersparfuchs, sondern als Unternehmer – und als Investor. Vor 25 Jahren gründete Gates Cascade Investment, um einen Teil seines Vermögens in Aktien anzulegen und zu vermehren. Ich würde sagen, der Plan ging auf: Mittlerweile stecken im Portfolio Unternehmensanteile im Wert von knapp 40 Milliarden Dollar.

Zu den Investments gehören der größte Abfüller von Coca-Cola, eine kanadische Eisenbahngesellschaft, ein amerikanisches Entsorgungsunternehmen (Republic Services) und die Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. Über die sprechen wir gleich noch.

OK – kurzes Zwischenfazit: Bill Gates wurde durch die Gründung von Microsoft zum Milliardär – und brachte es durch erfolgreiche Aktieninvestments zum zweitreichsten Mann der Welt. Ein Drittel seines Vermögens hat er an seine eigene Stiftung gespendet, die er gemeinsam mit seiner Frau führt. Und was genau hat es damit auf sich? Damit kommen wir zu Frage zwei.

Was ist die Gates Stiftung?

Die Bill & Melinda Gates Foundation wurde im Jahr 2000 gegründet. Sie ist die größte private Stiftung der Welt und verfügt über knapp 50 Milliarden Dollar (PDF S. 11). Das Budget ist also höher als die jährlichen Gesundheitsausgaben mancher Länder. Neben dem Ehepaar Gates verwaltet Warren Buffett die Stiftung. Er ist der viertreichste Mann der Welt und einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten.

Bill Gates und seine Frau Melinda
Bill und Melinda Gates im Jahr 2011. Foto: World Economic Forum CC BY-SA 2.0

Was sind die Ziele dieser 3 Multi-Milliardäre? Die Stiftung will sich nach eigenen Angaben dafür einsetzen, dass „alle Menschen ein gesundes und produktives Leben führen“. Aha. Und was bedeutet das konkret? Schauen wir mal auf die Zahlen im jüngsten Bericht aus dem Jahr 2018. Da hat die Stiftung fünf Milliarden Dollar in die Hand genommen, um weltweit Projekte zu unterstützen. Mehr als die Hälfte des Geldes floss in die Bereiche Global Development und Global Health. Wenn man das runterbricht, erkennt man, was die Gates Stiftung vor allem unterstützt: den Kampf gegen Infektionskrankheiten wie Polio, Malaria, HIV und Tuberkulose, außerdem das Entwickeln und Bereitstellen von Impfstoffen.

Das Interessante ist: Das Vermögen der Stiftung ruht nicht auf irgendeinem Girokonto, sondern ist in viele internationale Großkonzerne investiert – und damit kommen wir zum nächsten Punkt:

An welchen Firmen beteiligt sich die Gates Stiftung?

Die Gates Foundation besteht aus zwei Säulen: Einerseits die Stiftung selbst – sie entscheidet, wie viel Geld in welche Projekte fließen. Und dann gibt es den Bill & Melinda Gates Foundation Trust. Diese Organisation entscheidet, wie das Vermögen der Stiftung angelegt wird.

Den größten Teil des Vermögens investiert die Stiftung in Aktien, 2019 waren es mehr als 30 Milliarden Dollar. Einmal im Jahr veröffentlicht das Ehepaar Gates eine Liste mit allen Firmen, an denen sie mit der Stiftung beteiligt sind. Da sind auch große deutsche Unternehmen dabei, zum Beispiel BMW, die Telekom oder die Hannover Rückversicherung.

Die am stärksten investierten Branchen sind Industrie, Konsumgüter und IT. Beispielsweise gehört die Stiftung jeweils zu den größten Anteilshabern des Baumaschinenherstellers Caterpillar und der Supermarktkette Walmart. Pharmafirmen nehmen nur einen winzigen Teil der Investments ein. Der wertvollste Aktienbesitz aber sind Anteile an Berkshire Hathaway.

Den Chef dieser Firma kennt ihr bereits: Mister Warren Buffett persönlich. Er hat im Jahr 2006 entschieden, der Gates Stiftung im Laufe seines Lebens große Anteile seines Unternehmens zu spenden. Der bisherige Beitrag enstpricht einem Wert von mehr als 27 Milliarden Dollar.

Da Berkshire Hathaway eine Investmentfirma ist, steckt die Gates Foundation also indirekt in noch mehr Firmen drin. Schauen wir uns das mal genauer an. Das hier sind laut des jüngsten Jahresberichts die größten Investments von Warren Buffetts Firma. Da sind jede Menge Unternehmen aus dem Finanzbereich dabei, dazu unter anderem noch zwei Fluggesellschaften, der Technologiekonzern Apple und Coca-Cola.

Es gibt aber noch ein detaillierteres und aktuelleres Dokument über die Investments von Warren Buffett, abrufbar bei der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC. Dort finden sich tatsächlich drei prominente Pharmafirmen. Da ist auf der einen Seite Davita, ein Anbieter von Dialysedienstleistungen für Patienten mit Nierenversagen. Der amerikanische Konzern ist zu fast einem Drittel in der Hand von Warren Buffett.

Außerdem hält Berkshire Hathaway Anteile an der israelischen Firma Teva, dem weltgrößten Hersteller von Generika. Das sind Nachahmerprodukte, die nach Ablauf des Patentschutzes für ein Originalpräparat auf den Markt gebracht werden.

Und zu guter Letzt ist Warren Buffett in die Firma Biogen investiert – ein amerikanisches Unternehmen, das Medikamente gegen Nervenerkrankungen entwickelt.

Also, man sieht: Die Gates Foundation ist eng mit dem Multimilliardär Warren Buffett verbandelt und beide investieren ihr Geld in verschiedensten Branchen weltweit – Pharma ist ein Teil davon, aber kein besonders großer. Es gibt aber einen Fonds innerhalb der Gates Foundation, der sich rein auf Investitionen in den Gesundheitsbereich spezialisiert hat – und darüber sprechen wir im nächsten Kapitel:

Wie unterstützt Bill Gates die Pharmaindustrie?

Der Strategic Investment Fund (SIF) ist eine Art Spezialeinheit innerhalb der Stiftung. Der Fonds will mit seinem Geld zum Beispiel Unternehmen bei der Forschung unterstützen. Dafür hat das Team 2,5 Milliarden Dollar zur Verfügung. OK und wohin genau gehen die? Dazu mal ein kurzer Blick ins Portfolio.

Der Großteil der aktuellen Investitionen sind entweder Kreditbürgschaften oder Kapitalbeteiligungen. Unter den aufgelisteten Firmen sind auch zwei deutsche dabei, von denen ihr im Zusammenhang mit Corona vielleicht schon mal gehört habt.

Schon im Jahr 2015 steckte die Gates Stiftung 52 Millionen Dollar in Curevac aus Tübingen. Curevac forscht aktuell unter Hochdruck an einem Impfstoff gegen die Lungenkrankheit Covid-19 und angeblich wollte US-Präsident Donald Trump das deutsche Unternehmen sogar kaufen. Mitte Mai gab Curevac bekannt, dass die ersten Tests positive Ergebnisse erzielt hätten und schon im Juni die ersten Studien mit gesunden Freiwilligen starten sollen.

Im September 2019 investierte die Gates Stiftung bis zu 100 Millionen Dollar in Biontech aus Mainz. Dabei ging es um die Forschung an Therapien gegen die Infektionskrankheiten HIV und Tuberkulose. Biontech ist mittlerweile aber auch eine der führenden Firmen bei der Erforschung eines Covid-Impfstoffes. Gemeinsam mit dem amerikanischen Pharkonzern Pfizer laufen seit ein paar Wochen Studien in den USA, um mehrere Impfstoffkandidaten zu testen.

Bill Gates ist über seine Stiftung also tatsächlich in Pharmafirmen investiert und unterstützt damit zumindest indirekt die Forschung an Impfstoffen gegen das Coronavirus. Warum das aktuell ein möglicher Interessenskonflikt ist – darüber sprechen wir jetzt in Punkt fünf:

Wie finanziert Bill Gates die WHO?

Eine der größten Kritikpunkte an Bill Gates und seiner Stiftung ist, dass er angeblich die WHO gekapert hätte. Stimmt das? Schauen wir dazu mal auf die Webseite der Weltgesundheitsorganisation: Im Budget für die Jahre 2020 / 2021 ist die Gates Stiftung mittlerweile tatsächlich der Top-Finanzier, nachdem die USA ihre Gelder eingefroren haben. Genau genommen sind es rund elf Prozent, die Bill und Melinda Gates dem Geldtopf der Organisation beisteuern.

Seit der Jahrtausendwende unterstützte die Gates Foundation die WHO mit mehreren Milliarden Dollar, vor allem im Kampf gegen die Infektionskrankheit Polio, auch Kinderlähmung genannt. Mit diesem Geld nimmt die Stiftung Einfluss auf die WHO, weil die Spenden der Organisation nicht zur freien Verfügung stehen, sondern projektbezogen sind – und damit zu den Interessen der Gates Stiftung passen müssen. In einer Doku des öffentlich-rechtlichen Senders Arte bringt ein Professor für Weltgesundheit die Kritik daran auf den Punkt:

Dazu mal ein kurzer Blick in die Geschichte der WHO: Sie wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und ist die Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Sie wird von 194 Mitgliedstaaten getragen und ist demokratisch organisiert: Einmal im Jahr entsenden alle Mitgliedsstaaten Teilnehmer zur Weltgesundheitsversammlung. Die diesjährige World Health Assembly findet virtuell statt und konzentiert sich auf Maßnahmen gegen die Pandemie.

Die WHO ist wichtig für unser aller Leben, denn sie definiert Krankheiten – und zwar international verbindlich. Sie setzt Standards für deren Behandlung, unterstützt Mitgliedsstaaten beim Aufbau von Gesundheitssystemen und wird bei Seuchen selbst tätig – zum Beispiel entwickelt sie Tests, Medikamente und Impfstoffe. Als einen der größten Erfolge sehen WHO-Mitarbeiter die Ausrottung der Pocken im Jahr 1980.

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Luftfahrtbranche: Der große Absturz nach der Coronakrise

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Es ist nachvollziehbar. Nach dem Ende der Coronakrise wird die Luftfahrtbranche nicht “mal eben so” zurückkehren auf die vorigen Auslastungsniveaus. Wer hat schon Lust in den Strandurlaub mit Maske zu fliegen, im Hotelrestaurant und am Strand mit Maske rumzulaufen? Und derzeit zeigt sich auch: Jede Menge Business Meetings sind in der Coronakrise zwangsweise über Videokonferenzen gelaufen. Und viele Unternehmen werden sich jetzt fragen: Warum überhaupt noch so viele Flüge und Hotelbuchungen? Das kostet enorm viel Geld. Die Videoschalten haben doch auch funktioniert. Außerdem werden sich weltweit wohl hunderte Millionen Menschen, die noch bis Februar zahlungskräftige Urlauber waren, dank Kurzarbeit (alleine 10 Millionen Anträge nur in Deutschland) und Arbeitslosigkeit auf absehbare Zeit keine Urlaubsreise mehr leisten können. Die Luftfahrtbranche wird, das sagt also schon der gesunde Menschenverstand, ihre Kapazitäten stark reduzieren müssen.

Luftfahrtbranche wird nachhaltig beeinträchtigt sein

Das gilt für Maschinen wie auch für die Menschen. Und die Luftfahrtbranche besteht ja nicht nur aus Airlines, sondern ebenso aus Flughäfen, Flugzeugherstellern und der riesigen Zulieferindustrie. Wie stark die Coronakrise ins Fleisch schneidet, zeigt die aktuelle Veröffentlichung des Turbinenherstellers Rolls Royce. Wo vermutlich auf lange Zeit deutlich weniger Flugzeuge neu nachgefragt werden, und wo Airbus und Boeing wohl mitten in einem Storno-Tornado für bestehende Orders stecken dürften, da brauchen die Hersteller folgerichtig auch weniger Jet-Turbinen. So hat Rolls Royce jüngst verkündet 9.000 von 52.000 Stellen streichen zu wollen. Nicht nur die Stellenstreichungen, aber auch die sonstige Ausgabenkürzungen sollen zu jährlichen Einsparungen von 1,3 Milliarden Pfund führen, so der Hersteller.

Emirates

Emirates ist einer der Giganten, wenn es um transatlantische Flüge geht. Tja, könnte man meinen. Die Scheichs am Golf sind doch alle reich? Da kann der Herrscher von Dubai doch mal kurz ein paar Milliarden zur Stützung rüberschieben? Nein. Es ist kein Geheimnis, dass Dubai kräftig in der Krise steckt. Und der Herrscher von Dubai hat auch nicht wirklich ein prall gefülltes Bankkonto (Dubai vor der Pleite?), da das Emirat kein Öl mehr hat, und versucht vom Tourismus zu leben. Emirates muss also profitabel arbeiten oder es zumindest versuchen. Also müssen die Kosten drastisch gesenkt werden, da ja wie gesagt nicht zu erwarten ist, dass die alten Kapazitäten auch nur annähernd wieder ausgelastet werden.

Laut aktuellen Branchenberichten plant Emirates auch nach dem nun beginnenden Neustart der Flüge eine drastische Reduzierung der Flotte. Die A380 wird wohl zum Auslaufmodell werden – wer braucht jetzt nämlich noch so viel Kapazität für einen einzigen Flug? 115 Stück der A380 standen vor der Krise im Flottenregister von Emirates. Nach Informationen von aero.de sehen die Pläne von Emirates vor nur noch 69 Stück der A380-Flotte zu aktivieren. 40 Prozent der aktuellen Flotte würden dauerhaft am Boden bleiben. Andere Medien wie das Handelsblatt gehen davon aus, dass nur noch 20 der Flugzeuge der A380-Flotte wieder für Emirates fliegen werden. Angeblich soll der Stellenabbau bei Emirates sich in einer Größenordnung von 30.000 Jobs bewegen.

Lufthansa

Tja, und die Lufthansa? Seit Tagen wartet man nun auf eine offizielle Bestätigung, dass der deutsche Staat eine gigantische Milliardenspritze in die letzte übrig gebliebene große deutsche Airline pumpen wird. Wir hatten es schon thematisiert. Egal wie, der deutsche Staat wird die Lufthansa retten – schon aus Gründen der Staatsraison. Man will zumindest eine große bedeutende Airline haben, genau wie auch die Italiener, Franzosen und Briten. Gestern gab die Lufthansa per Ad Hoc-Mitteilung bekannt, dass man “fortgeschrittene Gespräche” mit der Bundesregierung bestätige. Es geht um 9 Milliarden Euro, davon 3 Milliarden aus KfW-Krediten.

Auch wird hier wohl der neu gegründete deutsche Staatsfonds (gespeist aus Steuergeldern) zum Einsatz kommen, womit wir alle Anteilseigner an der Lufthansa werden – das dürfte dann möglichen ausländischen Käufern eine Übernahme der Lufthansa zu einem Spottpreis erschweren, wenn der Bund als fetter Klumpen bereits mit im Boot sitzt. Auch die Lufthansa wird ihre Flotte schrumpfen. Laut Aero.de sollen von den 14 stillgelegten A380 bei der Lufthansa nur sieben Maschinen reaktiviert werden. Sie sollen nur noch von München aus fliegen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr gehe davon aus, dass die Lufthansa nächstes Jahr 300 Flugzeuge weniger nutzen werde als vor der Krise.

Norwegian

Der einstige Senkrechtstarter der Luftfahrtbranche “Norwegian”, bei dem man sich jahrelang immer wieder bewunderswert fragte, wo dieser Erfolg herkommt, war de facto durch die Coronakrise schon am Ende, nachdem man für mehrere Tochtergesellschaften Insolvenz anmelden musste. Aber diese Woche hat der norwegische Staat endgültig eine 3 Milliarden Kronen schwere Kreditgarantie gegeben. Auch hat Norwegian jetzt zwei neue Großaktionäre. Die vom chinesischen Staat kontrollierte “BOC Aviation” hält 12,67 Prozent der Firmenanteile, und die irische Leasinggesellschaft “AerCap Holdings” hält 15,9 Prozent – über Wandelanleihen hat man zudem weitere 7,2 Prozent erworben.

Und sonst?

Bei Airbus sind angeblich 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Bei Boeing hat es die letzten Monate nicht nur wegen der Coronakrise, sondern auch wegen dem Problem mit der 737 Max Stornos gehagelt! Vor einigen Tagen sprach der Boeing-Chef von einem Stellenabbau in der Größenordnung von 10 Prozent bis Ende des Jahres. Und dass weltweit an so ziemlich allen Flughäfen Arbeitsplätze gefährdet sind, versteht sich von selbst. Und Aktien aus der Luftfahrtbranche? Jetzt günstig einsteigen? Es könnte (nicht muss) passieren, dass man endet wie einst die T-Aktionäre. Jahrzehnte später hofft man immer noch, dass man seinen Kaufkurs irgendwann mal wieder sieht.

Luftfahrtbranche im Abwärtsstrudel - Flughafen Dubai vor der Coronakrise
Flughafen Dubai in den “guten alten Zeiten” vor der Coronakrise. Foto: Konstantin von Wedelstaedt – Gallery page http://www.airliners.net/photo//1204297/L Photo http://cdn-www.airliners.net/aviation-photos/photos/7/9/2/1204297.jpg GFDL 1.2

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Allgemein

Handelskrieg 2.0: Ist es schlicht der US-Wahlkampf?

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Warum eskaliert gerade jetzt der Handelskrieg 2.0? Zu einer Zeit, in der die globale Wirtschaft in ihre größte Krise seit Dekaden gerutscht ist, in der gemeinsame Sache zu machen wäre in der internationalen Bekämpfung von Covid-19 und beim Wiederaufbau der Lieferketten zur Linderung der wirtschaftlichen Not. Eine Rückkehr zum Handelskrieg (2.0) und zur diplomatischen Eskalation in geopolitischen Fragen kommt absolut zur Unzeit. Wir sind in der Beurteilung der Motive der Beteiligten zwar alle nur Außenseiter und können nur spekulieren, aber ein paar Fakten liegen auf der Hand.

Handelskrieg – der Der Kampf um die Vorherrschaft

Natürlich steht über allem der Kampf um die Rolle der Nummer eins in dieser Welt auf wirtschaftlichem, militärischem und technologischem Gebiet – der Handelskrieg ist gewissermaßen dafür nur die sichtbare Oberfläche. Noch ist die USA in Teilbereichen weit voraus und kann nicht so schnell überholt werden, allein schon wegen der Ausnahmestellung seiner Währung (allein der Rohstoffhandel bringt es auf weit über 10 Billionen Dollar jährlich) und seines Militärs (über 700 Milliarden Dollar). Aber die Situation um Covid-19 hat zu einer Ausnahmesituation geführt, in der die eine Nation (China) überraschend eine Notsituation der anderen (USA) erlebt, die zu aus objektiver Sicht zu irrationalen Entwicklungen führt.

Die Ausbreitung und Eindämmung von Covid-19

Bei der Entwicklung der Pandemie sieht es von außen so aus, als dass eine Nation (China) auf ganzer Linie reüssiert und eine andere (USA) versagt hätte. Das Reich der Mitte mit seinen 1,4 Milliarden Menschen hätte es nicht nur geschafft, mit vergleichsweise geringen 83.000 Infizierten und 4634 Coronatoten die Seuche nahezu komplett einzudämmen (82 Restfälle), sondern auch die Wirtschaft innerhalb von fünf Monaten zumindest auf ein Nullwachstum zurückzuführen. Dass die Daten extrem staatlich geschönt sind, steht auf einem anderen Blatt, aber offiziell ist dies in allen Übersichten zu lesen. Wirtschaftlich geht es jedenfalls stark aufwärts, Satellitenaufnahmen über den Verkehr und andere Messungen wie zum Beispiel des Energieverbrauchs, lassen sich nicht beliebig täuschen.

Die USA hingegen haben mit 1,62 Millionen Infektionen nicht nur fast ein Drittel der weltweiten Fälle, sondern dazu fast schon 100.000 Coronatote und dies bei einer Bevölkerungszahl von 332 Millionen Einwohnern. Aber das absolut Destruktive für den US-Präsidenten ist, dass er die Krankheit über Wochen (nachweislich) verharmlost hat und auch jetzt noch als unfähiger Krisenmanager im eigenen Lande betrachtet wird. Für Donald Trump ist dies so etwas wie ein „Worst Case Scenario“.

Der Wahltermin und die innenpolitischen Schwierigkeiten

Es war von Anfang an klar, dass alles politisches Handeln von Donald Trump ausgerichtet ist, ihm eine zweite Wahlperiode zu verschaffen. Noch nie hatte sich ein Präsident so früh in die Wahllisten für eine zweite Amtsperiode eintragen lassen. Und nun das jetzt. Die Schwierigkeiten um Corona und ein Herausforderer (der „schläfrige Joe Biden“ nach D.T.), der nach neusten Umfragen seinen Vorsprung vor dem Amtsinhaber immer mehr ausbaut. Über seine innenpolitischen Schwierigkeiten wurde schon viel geschrieben, hinzu kam in letzter Zeit das Gerangel mit den US-Gouverneuren im Hinblick auf Maßnahmen des Lockdowns in Fragen der Pandemie. Wo Donald Trump den Kürzeren zog, schließlich gibt es auch in den USA so etwas wie das Bundesstaatsprinzip. Und was macht man als Präsident in einer solchen Situation, wenn einem innenpolitisch das Wasser bis zum Hals steht? Dafür gibt es historisch viele Beispiele, zumeist kriegerischer Natur, aber das Ziel war immer das Volk hinter dem amtierenden Präsidenten zu vereinen. Man muss dem Volk eine Bedrohung von außen klarmachen, die nur durch eine starke Führung abgewehrt werden kann. Der Handelskrieg ist wohl nur vor diesem Hintergrund logisch erklärbar.

Handelskrieg: Donald Trumps große Ablenkung

Es sind gerade doch gut fünf Monate bis zum Wahltermin in den USA.

US-Präsident Trump dürfte es klar geworden sein, dass die US-Wirtschaft bis dahin nie und nimmer in den Zustand kommen kann, in dem sie noch Ende 2019 gewesen ist.

Selbst bei einer überraschenden Wende in den Coronazahlen und Fortschritten bei der Entwicklung eines Impfstoffs, ist es unmöglich, die Arbeitslosigkeit in USA auch nur in die Nähe der 3,7 Prozent-Rate zu bringen, die noch vor wenigen Monaten gegolten hatte. Obwohl die USA aktuell auch Opfer der Pandemie geworden sind, steht man meilenweit schlechter da als der Konkurrent, in dessen Land die Seuche ihren Ursprung hatte.

Deshalb wird Donald Trump derzeit nicht müde, ständig mit dem Finger auf die Chinesen zu zeigen, die es versäumt hätten (auch durch Vertuschung, was auch lange gestimmt hat) die Infektionskrankheit einzudämmen. Hinzu kommen all die Nadelstiche im Handelskrieg 2.0 mit Huawei und den politischen Eskationen um das „unabhängige“ Hongkong, Waffenlieferungen nach Taiwan und all das was Markus Fugmann heute Morgen in seinem Video angesprochen hat.

Ergo: Der neue und alte Feind für die USA ist das kommunistische China. Es ist verantwortlich für die Pandemie mit all ihren medizinischen Folgen und auch für die wirtschaftliche Notsituation. Ihn gilt es zu bekämpfen, mit einer Wiederaufnahme des Handelskrieges 2.0 und weiteren strategischen, politischen Maßnahmen. Es gibt nur einen „Leader“, der dazu in der Lage ist – er heißt Donald Trump und dazu muss er wiedergewählt werden.

Fazit

Der Unterschied könnte nicht krasser sein. Während man in China im zweiten Quartal mit einem leichten Wachstum rechnet, liegen die Schätzungen in den USA bei desaströsen minus 30-40 Prozent. Und aus so einer Lage heraus spannt Donald Trump seine wirtschaftlichen Muskeln an durch den Handelskrieg. Eigentlich ein Wahnsinn und ein Zeichen für eine Notsituation, besonders für den „egomanisch“ geprägten US-Präsidenten.

China scheint in dieser Frage eindeutig in einer besseren Situation zu sein  als die USA. Die Volksrepublik mit ihrer weitaus leidensfähigeren Bevölkerung ist auf eine weitere Auseinandersetzung vorbereitet, im lang andauernden Kampf um die Vorherrschaft.

Aber ich wage eine weitere Prognose. Auch China wird den Handelskrieg 2.0 nicht auf die Spitze treiben. Erinnern wir uns an das Jahr 2009, wo im Südosten Chinas infolge der Finanzkrise 120 Millionen chinesische Wanderarbeiter arbeitslos wurden, ein Schock für die KP Chinas, die sofort riesige Infrastrukturprogramme in die Wege leitete. Die große Furcht der chinesischen Regierung sind Massenunruhen im Lande aufgrund von Arbeitslosigkeit.

Davor fürchtet man sich noch mehr als vor dem Wirtschaftsfeind USA.

Der Handelskrieg steht im Zeichen des US-Wahlkampfs

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