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Energiekrise Europa bereitet Blackout-Pläne vor gegen Energiechaos im Winter

Europa bereitet sich über Blackout-Pläne auf das Energiechaos vor. Vor allem Frankreich macht Sorgen. Schauen wir auf Szenarien.

Übersteht Europa die Energiekrise in diesem Winter? Die Gasspeicher jedenfalls füllen sich recht schnell, und auch ohne Putins Gas über Nord Stream 1 steigen die Füllstände in Europa in den letzten Tagen und Wochen kontinuierlich weiter an (aktuell 84,59 Prozent Füllstand laut Gas Infrastructure Europe). Und das liegt wohl auch daran, dass Industriebetriebe teilweise oder komplett ihre Produktion einstellen, weil die hohen Energieprise die Produktion defizitär machen! Der Anstieg der Gasspeichermengen ist aber nur ein kleiner Trost. Vor allem die zahlreichen ausgefallenen Atomkraftwerke in Frankreich machen Sorgen, denn das Land wird damit wohl auch in den nächsten Wochen Strom aus Deutschland importieren? Es mangelt an Energie in Europa. Wird der Winter kritisch werden, und wir erleben ein Energiechaos? Blackout-Pläne werden vorbereitet. Schauen wir auf die aktuelle Lage und auf Planungen für den Ernstfall.

Blackout-Pläne – Vorbereitungen für das Worst Case-Szenario in der Energiekrise

Bloomberg beschreibt ein Szenario. Es ist Dezember in Europa, und die Temperaturen sinken. Die Menschen lassen die Heizung laufen, kochen das Abendessen, lassen die Waschmaschine laufen, sehen fern. Doch in Frankreich gehen dem Netzbetreiber die Möglichkeiten aus, das Licht am Laufen zu halten.
Der Stromversorger hat Alarmstufe „Rot“ ausgerufen, was bedeutet, dass die Vorräte am Limit sind. Er hat bereits einige industrielle Großverbraucher abgeschaltet und die Spannung gesenkt, und sogar eine Massenaufforderung an die Haushalte verschickt, ihren Stromverbrauch zu drosseln.

Viele kommen der Aufforderung nach, aber die Zeit drängt. Der Betreiber muss zu einem drastischen Schritt greifen und an einigen Stellen den Strom abschalten, um einen totalen Zusammenbruch des Systems zu verhindern. Das ist ein dramatisches Szenario im Kampf gegen einen Blackout, auf das sich die Regierungen in ganz Europa vorbereiten, da sich die Energieknappheit auf dem Kontinent von Woche zu Woche verschlimmert. Am Mittwoch erklärte das französische Reseau de Transport d’Electricite, dass es das Land in diesem Winter wahrscheinlich mehrmals auffordern muss, den Verbrauch zu drosseln, um Stromausfälle zu vermeiden. Auch Finnland hat seine Warnungen vor Stromausfällen verschärft.

Die erhöhte Warnung folgt auf die Entscheidung Russlands, die Gaslieferungen durch die wichtige Nord-Stream-1-Pipeline zu stoppen, was die Aussicht auf einen Mangel an Gas zum Heizen von Häusern und zur Stromerzeugung weiter erhöht. Wladimir Putin hat die Gaslieferungen nach Europa in diesem Jahr wiederholt reduziert, um sich laut Bloomberg für die Sanktionen zu revanchieren, die der Westen gegen sein Land nach dem Einmarsch in der Ukraine verhängt hatte. „Die Realität ist, dass es in Europa nicht genug Gas gibt“, sagte Ed Birkett, Leiter des Bereichs Energie und Klima bei Onward, einer in London ansässigen Denkfabrik. „Wenn die Nachfrage nicht gesenkt wird, werden die Unternehmen vom Netz gehen müssen, und im Extremfall könnten die Haushalte vom Netz gehen müssen.

Es gibt laut Bloomberg zahlreiche aktuelle Präzedenzfälle für einen Blackout. Im Jahr 2021 fiel das texanische Stromnetz während eines Kälteeinbruchs aus, so dass Millionen Menschen tagelang ohne Strom waren. In Kalifornien kam es diesen Monat bei extremer Hitze beinahe zu einer solchen Situation. Auch in Südafrika sind Stromausfälle keine Seltenheit, was vor allem auf jahrelange Unterinvestitionen und vernachlässigte Wartung zurückzuführen ist. Sie werden in verschiedenen Gebieten zu bestimmten Zeiten geplant, wenn das staatliche Unternehmen Eskom Holdings SOC Ltd. nicht genügend Strom garantieren kann.

Ein Strom-Blackout kann sehr störend sein, da er Geräte lahmlegt, das WLAN abschaltet und Verkehrssignale außer Kraft gesetzt sind. In Europa wird viel vom Wetter in den kommenden Monaten abhängen. Kleine Temperaturschwankungen können den Strombedarf radikal verändern. In Frankreich führt ein Temperaturabfall von 1 Grad Celsius laut Bloomberg normalerweise zu einem Anstieg des Strombedarfs um etwa 2.400 Megawatt, was der Leistung von zwei der 56 französischen Kernreaktoren entspricht.

„Wenn wir einen wirklich extremen Winter haben, würde sich das auf unser Stromnetz genauso nachteilig auswirken wie in Texas“, sagte Adam Bell, ein Berater, der früher die Energiestrategie im britischen Ministerium für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie leitete. „Alles, was die Menschen jetzt tun können, um ihre Nachfrage zu senken, wird der Sache insgesamt helfen.

Die Europäische Kommission schlug gestern Maßnahmen vor, in der die Regierungen aufgefordert werden, den Stromverbrauch insgesamt um 10 % zu senken sowie eine obligatorische Senkung um 5 % während der Spitzenlastzeiten vorzunehmen.

Eine Gasse in Barcelona
Eine Gasse in Barcelona. Photographer: Angel Garcia/Bloomberg

Analysten der Goldman Sachs Group erklärten in einem Bericht: „Je stärker der Gasverbrauch, insbesondere im Sommer zurückgeht, desto unwahrscheinlicher werden Stromausfälle in Europa“. Doch einige staatliche Hilfsmaßnahmen könnten das Problem noch verschärfen. Preisobergrenzen, die Verbrauchern und Unternehmen helfen sollen, mit den steigenden Preisen fertig zu werden, verringern die Anreize für einen geringeren Verbrauch.

Auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Frankreich, traditionell Europas größter Stromexporteur, muss in diesem Winter möglicherweise große Mengen Strom importieren, da die Electricite de France SA mit der geringeren Zuverlässigkeit ihrer alternden Kernkraftwerke zu kämpfen hat. Ein trockener Sommer hat die Wasserkraft in ganz Europa beeinträchtigt, auch in Norwegen, das traditionell ebenfalls ein großer Exporteur ist.

Wenn die Krise eskaliert, ist die Unterbrechung der Stromzufuhr zu den Haushalten (der Blackout) laut Bloomberg der letzte Ausweg, und es gibt eine Reihe von Optionen, die die Behörden als erstes ergreifen werden. Die einfachsten haben bereits begonnen. Die Regierungen haben empfohlen, die Thermostate herunterzudrehen und kürzer zu duschen, und sie reduzieren ihren eigenen Verbrauch, indem sie die Temperaturen in öffentlichen Schwimmbädern senken und die Außenbeleuchtung öffentlicher Gebäude nachts abschalten.

Der nächste Schritt ist in der Regel, dass große energieintensive Unternehmen, von denen viele bereits im Voraus Vereinbarungen mit den Regierungen getroffen haben, ihren Verbrauch reduzieren oder den Betrieb einstellen. Danach werden die Entscheidungen noch unangenehmer. Im Falle Frankreichs ermöglicht das Ecowatt-System den Bürgern, die Prognosen für das Stromangebot und die Stromnachfrage für die kommenden Tage zu verfolgen, und zwar in drei Stufen: grün, orange und rot. Erwartet der Netzbetreiber, dass die Situation kritisch wird, gibt er am Vorabend eine Warnung aus.

„In seltenen Fällen, in denen nicht der gesamte Strombedarf gedeckt werden kann, können lokale, kontrollierte Stromausfälle von maximal zwei Stunden Dauer organisiert werden“, heißt es auf der EcoWatt-Website. Geplante Stromausfälle sind zwar schlecht, aber immer noch besser als unkontrollierte Stromausfälle, da die Versorgung immer wieder belastet wird. Sie ermöglichen es den Betreibern, Ausfälle zu begrenzen, anstatt in eine chaotische Situation zu geraten, in der es Tage dauert, bis alles wieder funktioniert.

Strombedarf in Europa

In anderen Ländern gibt es ähnliche Verfahren. Wenn der Notfallplan in Großbritannien ausgelöst wird, würden zunächst die Haushalte und die Industrie aufgefordert, Energie zu sparen. Der nächste Schritt wäre, dass große energieintensive Unternehmen ihren Betrieb einstellen. Jüngste Erkenntnisse aus Kalifornien über einen Blackout zeigen, dass solche Maßnahmen funktionieren. Am 6. September rief die Katastrophenschutzbehörde des Bundesstaates die höchste Stufe des Netznotstands aus und verschickte eine SMS-Warnung: „Schalten Sie den Strom ab oder reduzieren Sie ihn, wenn es Ihr Gesundheitszustand erlaubt, jetzt und bis 21 Uhr“. Innerhalb weniger Minuten ging der Stromverbrauch zurück. Der Notstand wurde später aufgehoben, ohne dass es zu Stromausfällen kam.

Frankreich hat seine eigenen Schätzungen veröffentlicht, um die Befolgung solcher Forderungen zu fördern. Wenn jeder Haushalt eine Glühbirne ausschalten würde, könnten 600 Megawatt eingespart werden, was dem Verbrauch von 600.000 Einwohnern entspricht. „Insgesamt scheint die Botschaft, die Nachfrage in ganz Europa zu senken, noch nicht angekommen zu sein“, so Simone Tagliapietra, Mitarbeiterin der Brüsseler Denkfabrik Bruegel. „Gehen Sie einfach durch unsere Städte – Sie sehen immer noch Supermärkte, die nachts geschlossen und beleuchtet sind. Wir sind einfach noch nicht so weit“.

FMW/Bloomberg

Brandenburger Tor im Dunkeln
Brandenburger Tor im Dunkeln. Photographer: Carsten Koall/Getty Images


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14 Kommentare

  1. Wer hat noch ne Glühbirne?
    Na, do braucht me .net sich lustig drüber moachn.
    Des ist alles Ernst.
    Der Ernst hat noch Glühbirnen.
    Bei deem gibst a guate eigmachte Glühbirnen zum Essen.
    Miar a mare, i man, miar schaun das Schaf, na i man, miar schaun scho lang
    Chiamgau Outdoor, da wird ihnen geholfen.

    1. Auf dem YT Kanal Weltverborgen gibt es Rezepte für Brot im Glas! Ein Jahr haltbar und sehr lecker! Backen rockt und ein eigener Gemüsegarten auch! Hab Zuchini die sind fast nen Meter groß.

  2. Als ich immer wieder seit 2019, und besonders in dem letzten Jahr auf einen möglichen Blackout und deren Folgen hingewiesen habe, wurde ich immer wieder von den selben Menschen als paranoieder Spinner bezeichnet, der nur Panik machen will. Dabei konnte jeder Hilfsschüler ohne Taschenrechner ausrechnen, dass es ohne AKW, und ohne N2 nicht geht.
    Es wurde sogar gehofft, dass der Kriegsverbrecher weiter über N1 Gas liefert, obwohl Deutschland seinen Kriegsgegner mit Waffen beliefert.
    Kann man noch naiver sein?
    Wer das alles aus Solidarität durchstehen will, bitte.
    Nur nicht jammern.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @Helmut

      Österreich hat die Gasspeicher so voll, dass es weit über den Winter kommt. Und das bei ehemals 80% Abhängigkeit von russischem Gas.
      Glauben Sie wirklich, dass irgend jemand diesen Winter in Europa frieren wird?
      Nein, niemand wird frieren,auch nicht die Paranoiker.

      1. Am 8. September 2022 lag der Füllstand der Erdgasspeicher in Österreich bei 72 Prozent der möglichen Gesamtspeicherkapazität. Da ist ja Dummland mit 88% noch besser dran ;) Dazu kommt noch das wir Ösis auch den Itakern und Jugos etwas abgeben müssen.

        Am Ende fällt Columbo etwas ein, lass es unsre Rettung sein!

        1. @AGnulf, und was wollen Sie uns mit Ihren Zahlen genau mitteilen? Natürlich liegt @Columbo völlig richtig mit seiner Aussage. Österreich kommt mit seinen Speicherfüllständen locker über den Winter. Der aktuelle Füllstand reicht für 70% des Jahresbedarfs. In Deutschland reicht es übrigens trotz höherer Füllstände für 22% des Jahresbedarfs. Und das sind nach diversen Aussagen etwa zwei bis drei Wintermonate, je nach Witterung.
          https://agsi.gie.eu/#/
          https://www.e-control.at/gas/gasmarkt/speicher/speicherstaende

          Dieses Mal ist das übliche Columbo-Bashing also in die Hose gegangen.

  3. Da ist man einfach nur noch sprachlos wenn man das liest. Was wurde uns zur Jahrtausendwende alles versprochen und was bekommen wir? Die Kerze!

  4. Ich mache mir da überhaupt keine Sorgen.

    Schließlich gibt es ja hier in Deutschland die talentiertesten Wissenschaftler, welche anhand der Vergangenheit nachgewiesen haben, dass Dunkelflauten so gut wie ausgeschlossen sind.

    Das sind quasi Wetterfrösche, die basierend auf Daten der Vergangenheit alles Detailliert berechnet haben. Und demnach kann es statistisch nicht zu einem Blackout kommen.

    Und wenn dann doch der statistisch undenkbare Fall einer mehrtägigen Dunkelflaute eintritt, und es Tage oder länger keinen Strom aus den erneuerbaren Quellen gibt, dann ist Petrus schuld.

    Aber das Problem mit den nächtlich beleuchteten Supermärkten hätten wir zumindest für eine gewisse Zeit gelöst.

    1. @Blackout, falls Sie mich mit Ihrer äußerst humorvollen und originellen Andeutung meinen: Ich habe zu keinem Zeitpunkt behauptet oder auch nur angedeutet, dass es keine „Dunkelflauten“ geben würde.

      Vielmehr habe ich Ihnen (wie nannten Sie sich damals noch genau? Leftuttifan und/oder Realist?) anhand langjähriger Wetterdaten sogar stundengenau über viele Jahre unwiderlegbar bewiesen, dass Ereignisse wie am 16.11.2021 mit weniger als 20% Anteil Erneuerbarer (nach jetzigem Ausbaustand) extrem selten nur alle paar Jahre vorkommen und von ziemlich kurzer Dauer sind.
      Und dass solche kurzen Phasen somit zukünftig, nach einem entsprechenden Ausbau erneuerbarer Energien auf etwa die vierfache Leistung, durch Flexibilitätsoptionen beim Strombedarf, Speicher, Importe und flexible H2-fähige GuD-Reserve-Kraftwerke problemlos zu handeln sind.
      Und dass im statistisch äußerst unwahrscheinlichen Fall einer längeren, sagen wir einwöchigen, Dunkel-Kalt-Flaute, wie er alle paar Jahrzehnte vielleicht einmal auftritt, dennoch mindestens 70% des Strombedarfes durch Erneuerbare gedeckt werden können. Dazu kommen die GuD-Reservekraftwerke, die ohnehin zu Heizzwecken laufen.
      Und ich habe dargelegt, dass in solchen vereinzelten Worst-Case-Szenarien ein kurzfristiges und kurzzeitiges Herunterfahren der stromintensiven Produktion auf meinetwegen 50% nur einen winzigen Bruchteil der Abermilliarden kosten würde, die ein jahrzehntelanger Parallelbetrieb mit Unmengen an Backupkraftwerken verschlingt.

      Also immer schön ehrlich bleiben und nicht immer den Sinn verdrehen.

      Umgekehrt würde mich bei Ihrer Blackoutpanik einmal interessieren, wie Sie die aktuell gut 40% Anteil der verpönten Erneuerbaren in den Wintermonaten ersetzen würden. Dazu bräuchte es etwa 15 Reaktorblöcke im Dauer-Volllastbetrieb, von denen keiner Probleme verursachen dürfte. Und noch ein paar zusätzlich, wenn Sie die Gaskraftwerke wegen Gasmangels oder aus Kostengründen aus dem Spiel nehmen wollen.
      Klingt nicht gerade nach einem guten Plan B.

  5. Und dann ,wenn alle Strom gespart haben,können wir unsere E-Autos laden !

  6. Mh, und wenn ich jetzt täglich mein E-Auto laden möchte, um zur Arbeit zukommen? Ist dann wohl nix.

    Und ist Home Office alternativ möglich? Nach ca. 3h macht auch da der Laptop-Akku Schluss. Im nicht beheizten Zimmer sogar noch schneller. Und das Internetmodem braucht glaube ich auch Strom.

    Vl. liefert mein Hamster ja noch 1-2 mW, wenn er versucht, sich im Laufrad warumzuhalten und ich sein Laufrad anschließe …

    1. @Arno Nym, wie weit haben Sie denn zur Arbeit? 200 km einfach? Sie sollten einen Umzug in Betracht ziehen.
      Oder haben Sie fünf handelsübliche Akkus eingebaut, wie man sie üblicherweise für Tastatur und Maus oder Telefon benutzt?

  7. Pingback: Aktuelle Meldungen der letzten 3 Tage (13.-15.09.2022) | das-bewegt-die-welt.de

  8. Man kann doch besser zusammen Rohstoffe ausbeuten, als sich (wie Griechenland und die Türkei) darum streiten.

    Spanien und Marokko wollen gemeinsam das Öl vor der Sahara fördern

    https://nachrichten.es/spanien-und-marokko-wollen-gemeinsam-das-oel-vor-der-sahara-foerdern/

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