Asien

Experiment gescheitert? Moody´s warnt Japans Banken

Nippons Geldinstitute sollen Bestände an Staatsanleihen reduzieren

Vor wenigen Tagen auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos zeigte sich der japanische Ministerpräsident Abe noch voller Selbstzufriedenheit: man habe mit der ultraexpansiven Geldpolitik alles richtig gemacht, die Wirtschaft komme in Schwung etc. Großer Applaus und Begeisterung des (nicht HartzIV-verdächtigen) Publikums – viele unter ihnen haben seit Amtsantritt Abes auf einen fallenden Yen gesetzt und damit richtig gelegen.

Ob Abes Programm wirklich erfolgreich ist, darf jedoch bezweifelt werden: durch die Schwächung des Yen erreicht das Leistungsbilanzdefizit ein Rekord nach dem anderen. Gleichzeitig aber steigen die Löhne nicht – und Lohnsteigerungen sind eine zentrale Voraussetzung für das Funktionieren der Politik Abes. Japan ist insbesondere im Energiesektor auf Importe angewiesen – und wenn die Importpreise stärker steigen als die Löhne, entsteht schlicht und einfach Kaufkraftverlust.

Also fordert Abe Japans Unternehmen auf, die Löhne ihrer Mitarbeiter zu erhöhen – was diese jedoch ablehnen, weil sie, um die entstehenden Kosten zu refinanzieren, ihre Produkte teurer machen müssten. Selbst die japanischen Gewerkschaften lehnen größere Lohnsteigerungen ab. Man misstraut der Politik des schwachen Yens.

Nun aber kommt von der Ratingagentur Moody´s ein deutlicher Warnschuss: Japans Banken sollten ihre Bestände an einheimischen Staatsanleihen reduzieren, „if it turns out that Abenomics hasn’t worked and only ended up leaving Japan with a bigger pile of debt”.

Japan betreibt eine Geldpolitik, gegen die die amerikanische Fed wie ein schüchterner Waisenknabe wirkt. Der Umfang ihrer Staatsanleihekäufe übersteigt in Relation zum BIP beider Länder das amerikanische Vorbild deutlich. Sie erzeugt damit eine künstliche Nachfrage nach Staatsanleihen, was die Renditen nach unten drückt – Japans Staatsanleihen sind somit eine Anlage, die für einheimische Banken nur mäßig attraktiv erscheint. Nippons Institute kaufen daher verstärkt die deutlich besser rentierlicheren Staatsanleihen der Europeripherie und befeuern so das Staatsanleihen-Schneeballsystem der Eurozone.

Japan ist ohnehin in Relation zu seinem BIP das höchstverschuldete Land weltweit – mit 244% (IWF). Die große Gefahr für Japan ist nun, dass im Gefolge der sich anbahnenden Schuldenkrise niemand mehr bereits ist, für die derzeit gebotene, mickrige Verzinsung japanische Staatsanleihen (JGB) zu kaufen. Dann müsste die japanische Notenbank noch mehr Staatsanleihen kaufen, als sie es derzeit ohnehin tut – um die fehlende Nachfrage zu kompensieren. Denn eins kann zum schnellen knock-out für Japan werden: steigende Zinsen!



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken
Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage