Devisen

EZB: „Der geldpolitische Anker sitzt tief“

Ein Kurzkommentar zur Entscheidung der EZB von Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK

Die Europäische Zentralbank hat heute wie erwartet nichts am Zinsniveau verändert. EZB-Chefin Christine Lagarde kommt aus dem geldpolitischen Rahmen ihres Vorgängers Mario Draghi nicht so schnell heraus. Der geldpolitische Anker sitzt so tief, dass ihr nichts anderes übrig bleibt als die lockere monetäre Gangart fortzusetzen.

Zwar machten die jüngsten ZEW-Daten für Deutschland Hoffnung, dass es möglicherweise doch zu einer schnelleren geldpolitischen Wende kommen könnte.

Wenig wachstumsförderlich wirken sich allerdings die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Trump aus: Europa sei schwieriger als China, daher wolle er zuerst mit China über handelspolitische Themen sprechen. In die gleiche Kerbe – wenngleich auch aus einer ganz anderen Richtung – schlägt die Ausbreitung des chinesischen Corona-Virus. Sicherlich wäre es zum aktuellen Zeitpunkt vermessen, die weltweiten Wachstumsprognosen deshalb anzupassen. Doch eines steht fest: Die Risiken sind zuletzt wieder gewichtiger geworden und dämpfen die Chancen für eine Wachstumsbeschleunigung.

Die EZB wird daher ihren Lockerungs-Bias beibehalten: Sie steht also Gewehr bei Fuß und wird handeln, sobald es die Situation erfordert. Wir rechnen allerdings vorerst nicht mit weiteren zinspolitischen Maßnahmen. Die Währungshüter aus Frankfurt werden sich wohl eher die Bundesregierung vorknöpfen und mehr öffentliche Ausgaben fordern. In den laufenden Diskussionen im Rahmen ihrer Strategieüberprüfung könnte die EZB außerdem ein symmetrisches Inflationsziel in den Vordergrund rücken – ähnlich wie in den USA. Die Teuerung dürfte dann nach einer Phase der Zielverfehlung auch mal eine längere Zeit über dem Ziel liegen.

Zuletzt aufgekommene Markterwartungen über eine mögliche frühere Zinswende dürften wieder völlig ausgepreist werden.

Die EZB wird daher ihren Lockerungs-Bias beibehalten

 



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