Allgemein

EZB-Schnabel: Peak bei Inflation erreicht – Preise nicht außer Kontrolle

Heute um 14 Uhr hat das Statistische Bundesamt die Inflation für den Monat November veröffentlicht mit 5,2 Prozent nach 4,5 Prozent im Oktober – der höchste Wert seit 28 Jahren! Das ist alles überhaupt kein Problem, wenn man den Aussagen von EZB-Direktorin Isabel Schnabel glaubt, die seit Wochen und Monaten versucht die Situation als nicht problematisch zu erklären. Heute gab sie dem ZDF ein Interview (hier anzusehen).

Sie könne die Sorgen der Menschen über die hohe Inflation verstehen. Aber dies habe nun mal mit der außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situation in der Pandemie zu tun. Laut Isabel Schnabel kam die Produktion der Unternehmen nach den weltweiten Lockdowns nicht mehr hinter der Nachfrage her – dazu kämen noch statistische Sondereffekte (FMW: Das stimmt, vor allem die Mehrwertsteuereffekte, die ab Januar etwas preisdämpfend wirken).

Isabel Schnabel hebt im Interview mit dem ZDF hervor, dass die Inflation aktuell vor allem deswegen so hoch sei, weil man sie im Jahresvergleich mit dem Preisloch auf dem Höhepunkt der Pandemie vergleiche. Ziehe man aber einen Vergleich zur Zeit vor Ausbruch der Corona-Pandemie, dann sieht man ihrer Aussage nach durchschnittlich nur um 2 Prozent steigende Verbraucherpreise.

Höhepunkt bei Inflation soll jetzt erreicht worden sein

Ihre Kernaussage aus dem Interview: Im November ist der Höhepunkt bei der Inflation erreicht worden – und es gebe keine Hinweise dafür, dass sie außer Kontrolle sei. Nächstes Jahr gehe sie allmählich zurück auf das Ziel der EZB um die 2 Prozent (FMW: Schon erstaunlich, wie zielgenau die EZB das schafft). Laut Isabel Schnabel würden sich die wegen der Pandemie entstandenen Lieferengpässe nach und nach wieder auflösen, und die (derzeit) explodierenden Energiepreise würden nicht im gleichen Ausmaß weiter ansteigen wie bisher. Ach ja…. und eine wohl unfreiwillig lustige Anmerkung macht sie dann auch noch. Als weiteres Argument für den anstehenden Rückgang der Inflation nennt Isabel Schnabel auch, dass die EZB ja „dem Ziel der Preisstabilität verpflichtet“ sei. Also weil sie dem Ziel verpflichtet ist, geht die Inflation zurück?

Ihrer Meinung nach wäre es aktuell verfrüht die Zinsen anzuheben. Damit würge man die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone ab, und erhöhe die Arbeitslosigkeit. „ALLE“ gehen davon aus, dass es nicht bei diesen hohen Preissteigerungsraten bleiben wird, so ihre Aussage. Wir fragen uns: Wen meint sie mit „ALLE“? Alle bei der EZB, oder alle Ökonomen und Analysten in Europa? Wenn man sehe, dass sich die Inflation dauerhaft auf einem höheren Niveau als 2 Prozent festsetzt, dann werde man natürlich ganz entschlossen reagieren, so Isabel Schnabel.

Vortrag von Isabel Schnabel

Heute hat Isabel Schnabel auch einen Vortrag beim Bundesverband der Deutschen Industrie gehalten mit dem Titel „Inflation im Euroraum: Ursachen und Ausblick“. Hierfür hat die EZB mehrere Grafiken auch auf ihrer Webseite bereitgestellt. Hier eine Auswahl. Es gebe keine Anzeichen für ein Entstehen der sogenannten Lohn-Preis-Spirale, wo sich Löhne und Preise von Unternehmen in einer Spirale ständig gegenseitig hoch schaukeln.

EZB-Grafik über nicht vorhandene Lohn-Preis-Spirale

Nach jahrelang niedriger Inflation ist es dann jetzt auch mal OK, wenn sie etwas höher ausfällt, als Ausgleich sozusagen?

Verlauf der Inflation in der Eurozone seit 1999

Die Realzinsen sind derzeit noch tiefer im negativen Bereich als in den letzten Jahrzehnten, wo es auch schon öfters negative reale Zinsen ab. Schuld ist die hohe Inflation.

Negative Realzinsen

Die langfristigen Inflationsaussichten liegen laut EZB ziemlich genau auf ihrem Inflationsziel.

Langfristige Inflationsaussichten

EZB-Direktorin Isabel Schnabel EZB-Direktorin Isabel Schnabel. Foto: EZB (CC BY-NC-ND 2.0)



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

12 Kommentare

  1. Mir scheint, nicht nur die Preise sind außer Kontrolle, sondern auch die EZB🤑🤣

  2. Sammeln wir diese Artikel /Aussagen und kramen sie in 7 Monaten dieser raus (Jahres Mitte). Wahrscheinlich haben sich bis dahin alle Inflationstreiber „schlafen“ gelegt. Schon erstaunlich, dass die Amis das Thema Inflation sehr ernst nehmen. Die haben ja keine co2 Steuer… Ist doch ein sehr plausibles Argument…. Oder? 0

    1. Ich schätze mal, das die Inflationsbekämpfung bei den Amis dringender ist, weil man viel mehr Schulden im Ausland macht als der Euroraum. Die ausländischen Investoren stehen nicht auf Inflation.

  3. Sie versucht doch nur die Inflationserwartungen herunterzuschnabeln… ;-) Was soll sie sonst auch schon machen…

  4. Erzeugerpreisindex in Italien plus 20% gegen Vorjahr, die Italiener wünschen sich wieder die Lira zurück. Die Schönredner sind in der Klemme.Wenn die Löhne nicht steigen gibt es Rezession und Schnabel hat recht, aber die Wirtschaft wollen sie doch nicht abwürgen und die Löhne müssen steigen und dann kommt zwangsläufig die Lohn/Preis Spirale ins Spiel.

    1. @Bezzerwizzer, Sie stellen hier eine interessante Aussage in den Raum: „die Italiener wünschen sich wieder die Lira zurück“. Basiert das auf Fakten oder auf persönlichem Gefühl? Ich dachte immer, die Italiener genießen es, vom Euroraum und der südländisch orientierten EZB-Politik massiv zu profitieren?

      Eine straffere Geldpolitik wäre natürlich ganz klassisch das richtige Mittel, um Inflation zu bekämpfen. Aber derzeit gibt es keine Inflation im klassischen Sinn. Was wir derzeit sehen, sind angebotsbedingte Preissteigerungen und statistische Sondereffekte (was aktuell sogar völlig überraschend ein Claudio Kummerfeld nach hunderten Fehleinschätzungen zugesteht).

      Auf höhere Energiepreise und gestörte Lieferketten mit Zinserhöhungen zu reagieren, wäre wenig zielführend. Führt eine Zinserhöhung dazu, dass Russlands Präsident Wladimir Putin mehr Gas nach Europa leitet und dass die Frachtraten für Containerschiffe sinken? Eher nein. Sie würde natürlich nur in den Bereichen wirken, die auf das Zinsniveau reagieren. Und die sind kaum betroffen. Höhere Zinsen könnten ganze Branchen in die Rezession schicken und damit die Arbeitslosigkeit erhöhen. Wer dagegen ein großes Vermögen oder einen sehr sicheren Job hat, der dürfte von einer Zinserhöhung profitieren.

      Ein zweischneidiges Schwert, wie immer. Und all die Profis diskutieren und reden sich derweil die ahnungslosen Birnen heiß. Am Ende bleibt nur eines: Wir müssen abwarten, was die Zahlen etwa Ende Q1 2022 ergeben. Bei Covid-19, bei Inflation, bei Schön- und Schlechtrednern.

  5. Also ich bin da schon echt misstrauisch, was die Aussagen von den sogenannten „Experten“ anbelangt. Wenn die EZB glaubt, bei einer dauerhaften Inflation jenseits der 2 % einschreiten zu können, warum tut sie es nicht jetzt schon? Ich frage mich, ob Frau Schnabel den Schmarrn selber glaubt, den sie da so verzapft. Oder hält sie uns ALLE für komplett unterbelichtet? Ich kaufe wirklich nur noch das Nötigste aus Protest. Ich weiß, das ist schlecht für die Wirtschaft. Aber mir wurscht!

    1. @Diana Jaber, wenn Sie so überzeugt sind, dass die Preise weiter steigen, sollten Sie doch gerade jetzt noch kaufen, bevor die Inflation weiter galoppiert. Oder handeln Sie rein aus Protest? Die Wirtschaft, die derzeit nicht liefern kann, freut sich. Aber eigentlich ist es wurscht!

  6. Wie ist es eigentlich? Mich würde ja interessieren, ob es emails der guten Dame gibt, die beweisen, dass sie es eigentlich besser weiß aber die Öffentlichkeit täuscht. Haftung ist ja mal wieder ausgeschlossen vermute ich?.
    Die EZB Mitarbeiter wollen mehr Geld weil sie Angst vor der Inflation haben aber ALLE sehen ja, dass es vorübergehend ist. Wen will die Dame denn verar….? Entschuldigung für die Wortwahl aber kein Schamgefühl mehr die Frau. Gibts eigentlich neues von Fratscherino? Der bläst doch sicher auch gleich wieder ins selbe Horn.

  7. “ „ALLE“ gehen davon aus, dass es nicht bei diesen hohen Preissteigerungsraten bleiben wird, so ihre Aussage. “

    So viele teure „Experten“ sind sich einer Meinung. Die EZB finanziert primär die Defizite der Staaten und versucht die Inflationsgefahren zu verharmlosen. Die Prognosen sind nicht mehr glaubwürdig.

    Da vertraue ich doch eher der Einschätzung von Hans-Werner Sinn
    „Wir erleben ein neues Inflationsregime“
    https://www.hanswernersinn.de/de/interview-inflationsregime-hb-19112021

  8. Giovanni Opportunisti

    @ Saputello,ja weisch Italiener sind flexibel, zuerst Giovanni lieben starke Euro, nur bizzeli Zinsen und viel grosse Aktienkurse.Dann wenn Euro zu stark, helfen Mario und Christina in Brüssel. Aber wenn kommen einmal eine böse Person in Brüssel und ist nicht Kollege von Italien ,dann lieber wieder Lira und alle Jahre abwerten und bizzeli mehr Lohn.
    Ich glaube Marcello Fratscherini würde vom Namen und der Einstellung her als EZB Präsident passen.Ich glaube er hat MMT studiert
    ( ganz neues Fach)

  9. @Bezzerwizzer @Opportunisti

    Wenn D und I so weitermachen, werden die Italiener nach dem allseits so herbeigesehnten Eurozusammenbruch mit einer starken neuen Lira billigen Urlaub in einem Land mit einer neuen schwachen D-Mark machen, den sich die Deutschen in Italien nicht mehr leisten können.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage