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EZB: Welches Tabu wird als Nächstes gebrochen?

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Am 30. April tagt die EZB erstmals ausschließlich via Telefonkonferenz. So ungewöhnlich wie dieses Meeting dürften auch die weiteren Entscheidungen der obersten Währungshüter der Eurozone ausfallen. Das Volumen und die Art der Maßnahmen sprengen schon jetzt bei Weitem den Rahmen konventioneller Geldpolitik.

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Der eigentliche Job der EZB

Gemäß ihren Statuten, geregelt im Vertrag über die Europäische Union, soll die Europäische Zentralbank Maßnahmen ergreifen, um die Geld- und Kreditversorgung unter Beachtung der gesamtwirtschaftlichen Ziele sicherzustellen. Dabei steht vor allem die Geldwertstabilität im Fokus, die bei durchschnittlich zwei Prozent jährlicher Steigerung des Verbraucherpreisindex (HVPI) per Definition der Währungshüter als erreicht gilt. Die als „konventionell“ bezeichnete Geldpolitik zielt also auf die Gestaltung des „optimalen“ Leitzinses ab, was per se schon anmaßend und wider die Gesetze der freien Marktwirtschaft ist. Der Preis des Geldes, also der Zins, ist im Kapitalismus der wichtigste Preis überhaupt. Der Findungsmechanismus des Preises für Geld (Kreditzins) wurde vom Markt auf ein Zentralkomitee aus Bürokraten verlagert.

Über Transfermechanismen am Kapitalmarkt soll die EZB über den „optimalen“ Leitzins direkt Einfluss auf die Realwirtschaft nehmen, in dem sie die Finanzierungskosten für Investitionen und Konsum senkt oder erhöht. Außerdem kann sie über den Mindestreservesatz die Geldschöpfungsmöglichkeiten der Geschäftsbanken via Teilreservesystem steuern. Aktuell müssen die Kreditinstitute in der Einflusssphäre der EZB nur 1 Prozent als Mindestreserve bei der Zentralbank vorhalten.

Die Mutter aller Tabubrüche

Als im Zuge der Finanzkrise die Transmissionsmechanismen am Kapitalmarkt nicht mehr funktionierten, weil der Markt komplett einfror und die Banken sich gegenseitig nicht mehr vertrauten, führte die EZB die sogenannte „unkonventionelle“ Geldpolitik ein. Dies bedeute im Grunde noch mehr Eingriffe in den Zinsbildungsmechanismus bis hin zur totalen Verzerrung des freien Kapitalmarktzinses in den negativen Bereich. Darüber hinaus begann die EZB einen noch schwerwiegenderen Tabubruch, der jedoch bis heute keine rechtlichen Konsequenzen hat. Die Zentralbank begann zur Rettung der Eurozone Staatsanleihen von Ländern aufzukaufen, die von privaten Investoren kein Kapital mehr zu tragbaren Zinssätzen erhielten und bis heute nicht erhalten.

Die EZB darf aber keine Kredite an Einrichtungen der EU oder nationale Einrichtungen öffentlichen Rechts vergeben. Höchstrichterlich wurde dieses Tabu jedoch damit abgesegnet, dass die EZB schließlich nicht direkt Schulden von Staaten kauft, sondern am Sekundärmarkt über zwischengeschaltete Strohleute, also Geschäftsbanken. Natürlich ohne Risiko für diese Strohleute, sekundenschnell und mit einer auskömmlichen Marge für die Banken.

Die Große Heuchelei

Zwar verfügen alle 19 Mitgliedsstaaten als souveräne Nationen über eigene Zentralbanken. Doch seit dem 1. Januar 1999 ist die EZB allein zuständig für die Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet. Die Aufgabe der nationalen Zentralbanken beschränkt sich seitdem auf die Ausführung der Geldpolitik im Auftrag der EZB. Die geldpolitische Souveränität der Nationalstaaten wurde somit im Wesentlichen aufgegeben.

Dies führt dazu, dass die EZB-Politik im Interesse der schwächsten Mitglieder der Eurozone macht, um die Zentrifugalkräfte des starren Eurosystems für Staaten mit komplett unterschiedlichen ökonomischen Gegebenheiten unter Kontrolle zu halten und das Ausscheiden der schwächsten Mitglieder und damit einen Dominoeffekt bis hin zum Zerfall der Währungsunion zu verhindern. Die Kritik aus den Zentralbanken einiger Mitgliedsstaaten gegen diesen Tabubruch der Staatsfinanzierung über die digitale Notenpresse der EZB war daher stets symbolischer Natur, ebenso wie der Rücktritt von nationalen Notenbankchefs aus Protest gegen die „unkonventionelle“ Geldpolitik.

Nach Artikel 130 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ist die EZB offiziell unabhängig von Organen, Einrichtungen, sonstigen Stellen der Union oder Regierungen der Mitgliedstaaten.

In Wahrheit, und das Verschweigen die Politiker der Mitgliedsstaaten gern, war jeder Protest, auch aus Deutschland, pure Heuchelei. Denn erstens wird das administrative Personal der EZB von den Regierungen der Anteilseigner der EZB eingesetzt und zweitens war und ist jedem Regierungsmitglied der Mitgliedsstaaten bewusst, dass es ohne die „unkonventionelle“ Geldpolitik der EZB spätestens seit dem beinahe Kollaps des Marktes für südeuropäische Staatsanleihen im Sommer 2012 keine Eurozone mehr geben würde – was natürlich auch für die Karrieren der verantwortlichen Politiker und Notenbanker gilt. Bis hin zur Neuschreibung der Geschichtsbücher, in denen die Einführung des Euro nach wie vor als Akt des Friedens und des Fortschritts glorifiziert wird. Aber Geschichtsbücher lassen sich nach dem Scheitern des Euro postum umschreiben.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Lars

    28. April 2020 12:33 at 12:33

    Es wird nicht nur ein Tabu gebrochen in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten

  2. Avatar

    Macwoiferl

    28. April 2020 13:01 at 13:01

    Frage an die Profis:
    Kann mir jemand erklären warum es offenbar für das Überleben der Erde ZWINGEND notwendig ist, dass DAX, Hang Sen, Shangai Composite, Dow Jones, Footse u.a. ZWINGEND auf Höchstkurse katapultiert werden müssen?
    Offenbar haben sämtliche Notengängster und Polit-Marionetten nur diesen einen einzigen Daseinszweck:
    Höchstkurse, Höchstkurse, Höchstkurse, Höchstkurse.
    Das hat im mindesten krank- bis (bei Donald Trump) wahnhafte Züge.
    Nun gab es immer wieder in der Menschheitsgeschichte solch dunklen Momente, entfesselte Ideen und Ideologien.
    Doch wozu dient der Höchstkurs-Wahn? Kein Arbeits- oder Obdachloser glaubt noch das Märchen: schaut an die Börse, alles ist gut?
    Warum überweist eine Lagarde nicht einfach ihre Billionen direkt an Blackrock?
    Ich bin gespannt auf Rückmeldung.

  3. Avatar

    thinkSelf

    28. April 2020 13:15 at 13:15

    Ziemlich langer Artikel für die Beantwortung einer rhetorischen Frage. Ich warte nur noch darauf, wann ich endlich meine privaten Hypothekenverträge an die EZB verkaufen kann.

    Noch ein kleiner Hinweis:
    „… ist auch die Bundesrepublik … überschuldet.“ Aber schon heute. Denn Überschuldung tritt ein wenn nicht mehr absehbar ist das der Schuldner seine Schulden zurückzahlen kann.
    Da zusätzlich die Gesamtschuldenlast (Staat+Banken+Privat+Wirtschaft) aber ständig steigt und die Investitionen das „Unternehmen Deutschland“ niedriger als die Abschreibungen sind, sind wir schon seit mindestens 20 Jahren Bankrott. Aber zum Glück fordern die Schuldner ihre Kohle ja nicht zurück. Wobei die EZB den Vorteil hat, zwar Gläubiger zu sein, aber dem Schuldner zu gehören. Welch geniale Konstruktion.

  4. Avatar

    Macwoiferl

    28. April 2020 14:32 at 14:32

    Klar ist mir nur eines: warum man beständig bärisch ist auf FMW.
    Die Charts von Käpitl-Dott-Komm zeigen nämlich rechts immer Minuszeichen an.
    Heute z.B. DAX 10.835 Punkte, minus 1,78 Prozent.
    Auch bei Tesla und Apple beständige Minuszeichen.
    Gefällt mir natürlich ;-)

    • Avatar

      Scheer

      28. April 2020 16:12 at 16:12

      Thema Tesla, nachem Sie um knapp 10% gestiegen sind.

  5. Avatar

    Mike Lohmann

    28. April 2020 15:34 at 15:34

    Da sich die Elite mit der EZB ein Perpeetuummobile des Finanzsystems erfunden hat, brauchen nur noch diejenigen zu arbeiten, die nicht zum erlauchten Kreis gehören.
    Das Spiel geht so lange, bis der Wegkauf von Sachwerten im Besitz der arbeitenden Bevölkerung und Bürgen mit gedrucktem Geld, offiziell als Bandendelikte verurteilt wird und die Diebesbeute wieder zurückgegeben werden muss. Die grösste Erfindung der Schamlosigkeit ist, dass man mit dafür speziell eingeführten Schutzgesetzen behauptet, es sei alles gesetzlich und nur zum Wohle der Bürgen.

  6. Avatar

    Hesterbär

    28. April 2020 17:27 at 17:27

    Sehr geehrter Herr Zipfel,
    danke für diesen Artikel und Ihre deutlichen Worte. Diese rücksichtslose Bande der Verantwortlichen, die sich mit immer neuen Lügen und Tabubrüchen stets mehr dem eigenen Machterhalt, als ihrer eigentlichen Aufgabe verpflichtet fühlt, wird hoffentlich irgendwann einmal ein rechtsstaatlicher Prozess gemacht.

    • Avatar

      Scheer

      29. April 2020 00:02 at 00:02

      Sehr geehrter Herr Hesterbär,
      das währe tatsächich wünschenswert. Das würde aber eine andere Klasse an Politikern und Führungsmenschen erforderlich machen.
      Derzeit sehe ich keine grundlegenden Änderungen kommen.
      Möglichweise entwickelt sich eine Bewustseinsänderung vom Volke aus wenn der ganz große Crash kommt.

  7. Avatar

    Mayer Axel

    29. April 2020 10:13 at 10:13

    Sehr interessant, danke wichtig. Werde mich damit befassen und wieder zurückmelden.!

  8. Avatar

    W.Hoffmann

    29. April 2020 12:32 at 12:32

    Eigentlich fehlen einen da ja die Worte. Kein D Politiker bringt das auf die Tages Ordnung.
    Die Kanzlerin darf Mario sagen und lobt ihn in den Himmel. Heiko Maas (SPD) veranlaste das Mario Dragi noch einen Orden bekommt und solche Leute werden vom D Volk noch gewählt. Eigentlich unvorstellbar und doch wahr. Die Bild Zeitung hat da halt nur andere Themen.

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Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

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Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

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Gewerbeumsatz im August rückläufig – warum es tatsächlich aber ein Anstieg ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Sprühender Funken bei Industrieproduktion

Den Gewerbeumsatz prognostizieren die Statistiker vom Statistischen Bundesamt aus den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen. Daher können sie heute für den Monat August vorläufig sagen, dass der Umsatz in der gewerblichen Wirtschaft (gemeint sind die Bereiche Industrie, Bau sowie Handel und Dienstleistungen) im Vergleich zu Juli um 1,3 Prozent gesunken ist. Der Wert für August liegt vor Revision um 4,7 Prozent niedriger als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Diesen Abwärtshaken beim Aufschwung erkennt man auch im Chart am Ende des Artikels, der den Indexverlauf seit Anfang 2015 anzeigt.

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Dieser aktuelle Rückgang kann aber täuschen. Man achte zum Beispiel auf die aktuellen Worte von Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. Die deutschen Unternehmen hätten zwar im August 1,3% weniger umgesetzt als im Juli gemacht. Aber der ohnehin starke Juli-Umsatz sei nach oben revidiert worden. Juli und August zusammen liegen jetzt 9,2 Prozent über dem 2. Quartal, und beim BIP zeichne sich ein starkes Plus von 9 Prozent ab, so seine Worte.

Und siehe da, schauen wir uns doch mal den Juli-Indexwert in der heute veröffentlichten Grafik der staatlichen Statistiker an. Er liegt bei 128,0 Indexpunkten. Schaut man auf die Original-Veröffentlichung der Statistiker für Juli vom 27. August, dann sieht man hier einen Juli-Indexwert von nur 125,9. Also, in der Tat. Der Juli-Wert wurde heute von 125,9 auf 128 kräftig nach oben revidiert. Von daher ist der heutige Rückfall auf 126,3 im August immer noch höher als in der Erst-Veröffentlichung für Juli aus dem Vormonat. Geht man also nach den jeweiligen Erstschätzungen, dann klettert der Gewerbeumsatz von Juli auf August weiter an.

Rückläufig ist der heutige August-Wert nur, weil man einen aktuellen Schätzwert in Relation zu einer revidierten Zahl setzt. Sinn macht es aber nur, wenn man entweder zwei Schätzwerte oder zwei revidierte Werte miteinander vergleicht. Man darf vermuten, dass der August-Wert, welcher Ende Oktober veröffentlicht wird, nach oben revidiert wird. Denn die Statistiker erwähnen heute auch, dass sich die Werte aufgrund von Nachmeldungen durch Revision noch erhöhen können. Der Anstieg im Gewerbeumsatz in Deutschland geht also vermutlich weiter, ohne unterbrechenden Abwärtshaken.

Chart zeigt Verlauf im Gewerbeumsatz seit 2015

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Meine Absage an Panikmache und Alarmismus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Zentralbanken fluten derzeit wieder den Markt mit frischem Geld. Zunächst senkte die US-Fed den Leitzins im März praktisch auf Null (0-0,25 %). Die US-Regierung erprobte daneben gleich einmal eine Art Helicopter-Geld und unterstützte Arbeitslose mit 600 USD pro Monat.

Dann feuerte die EZB in den Markt und stockte im Rahmen des sog. PEPP-Programms (Pandemic Emergency Purchase Programme) die turnusmäßigen Anleihenkäufe um 600 Milliarden Euro auf. Derweil wurde die PEPP-Maßnahme nochmals erweitert. Nunmehr lassen die Währungshüter um Christine Lagarde bis Juni 2021 insgesamt 1,35 Billionen Euro rollen, um die angeschlagene Konjunktur zu stabilisieren.

Nie zuvor haben Notenbanken und nationale Regierungen derartige Summen mobilisiert in solch kurzer Zeit in den Markt gegeben. Im Vergleich dazu mutet die Geldpolitik der vergangenen Jahre geradezu konservativ und zurückhaltend an.

Vor diesem Hintergrund mehren sich die Stimmen, die nicht nur steigende Inflation prognostizieren, sondern zumindest für den Euro wieder die Existenzfrage aufwerfen. Die Sorgen vieler Marktteilnehmer spiegeln sich eindrücklich unter anderem in steigenden Preisen für Gold und Silber. In dieser Situation sucht man Substanz, und einer Papierwährung trauen diese Substanz üblicherweise nicht zu. Nichts als bedrucktes Papier, so der verbreitete Tenor.

Aber schauen wir uns die Fakten an. Ist es im digitalen Zeitalter überhaupt noch zulässig von einer Papierwährung zu sprechen? Tatsächlich laufen gegenwärtig in der Euro-Zone Geldscheine und Münzen im Wert von rund 1,4 Billionen Euro um. Das entspricht also grob der Bewertung der Apple-Aktie vor vier Wochen. Heute hat Papiergeld streng genommen kaum noch eine wirtschaftliche Funktion außerhalb des Dienstleistungssektors bzw. des Einzelhandels. Papiergeld brauchen wir um Semmeln beim Bäcker zu holen und um ein Eis auf die Hand beim Stadtbummel zu kaufen.

Alle modernen Währungen sind heute elektronisch. Die wahren Geldmassen lagern heutzutage auf Konten, in Depots oder sind in Immobilien gebunden. So wiegt etwa der private Immobilienmarkt allein in Deutschland rund 5 Billionen Euro. Der DAX, also nur die 30 größten Unternehmen hierzulande, wiegen derzeit rund 1 Billion Euro. Noch ein Beispiel: Der französische Leitindex CAC 40 ist noch schwerer. Seine Unternehmen sind gegenwärtig rund 1,5 Billionen Euro schwer.

Möglicherweise sind diese Marktwerte aufgebläht. Diese Aussage ist zulässig. Die Aussage, dass eine moderne Währung ungedeckt von Sachwerten wäre, hingegen ist Humbug. Ich halte ganz generell die Sorgen um den Kollaps des Euro bzw. einer anderen westlichen Währung für übertrieben. Die Sorge, dass eine…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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