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Märkte

Ölpreis fällt dramatisch – Blick auf die aktuell chaotische Lage

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Beispielbild einer Öl-Pumpe

Man dachte doch das Chaos im Ölpreis wäre beendet gewesen, nachdem der Terminkontrakt mit Lieferzeit Mai letzte Woche endete, und der Handel auf den Liefertermin Juni wechselte. Nach einem Termin-Endkurs von -37 Dollar (!) notierte der nachfolgende Juni-Kontrakt (jetzt der neue Front-Monat) bei 14 Dollar, und dann letzten Donnerstag im Hoch sogar bei 18 Dollar. Also, die Lage hatte sich beruhigt? Nein, dem ist nicht so. Seit Donnerstag geht es im WTI-Ölpreis mit Laufzeit Juni nämlich kontinuierlich bergab, bis heute früh auf 10,11 Dollar im Tief!

Ölpreis im Sturzflug

Markus Fugmann besprach das Thema heute früh bereits explizit in seinem Video. Auch für Juni nimmt die Angst am Markt derzeit extrem stark zu, dass der Kontrakt ins Negative laufen könnte, wie schon im Mai-Kontrakt. Die Flucht vom Juni in den Juli und August hatten wir gestern bereits thematisiert. Die Angst ist offenbar übergroß, dass das Überangebot an Öl auch die nächsten Wochen anhält! Und sie scheint sich aktuell zu beschleunigen. Laut aktuellen Berichten wechselt der extrem wichtige Anbieter „S&P“ für seinen Index „S&P GSCI“ vom Front-Monat Juni auf Juli. Das heißt, dass diejenigen Anbieter von Fonds, ETF etc, die sich hieran orientieren, auf spätere Liefertermine wechseln, wie bereits andere Trader in den letzten Tagen.

Schaut man sich die verschiedenen Lieferzeiten an (hier eine gute Übersicht), dann sieht man es ganz klar. Der WTI-Ölpreis für Lieferung Juni (Front) ist 94 Cents im Minus, Juli ist 1,00 Dollar im Plus, und August ist 1,01 Dollar im Plus! Die Übersicht der Terminbörse CME zeigt, dass das Handelsvolumen im Front-Monat aktuell noch doppelt so hoch ist wie im Juli. Noch!

Die aktuelle Lage

Russlands Öl-Minister Novak dämpft aktuell die Hoffnung auf einen steigenden Ölpreis, denn laut aktuellen Meldungen sagt er, dass der Ölpreis sich nicht so schnell erholen werde, weil die Lager voll seien. Eine Ausbalancierung des Öl-Marktes könne erst im zweiten Halbjahr 2020 starten, so Novak. Aktuell notiert der WTI-Ölpreis bei 11,84 Dollar. Vorhin waren es noch wie gesagt knapp über 10 Dollar. Im Augenblick ist die Lage extrem volatil. Wir könnten heute auch noch einen Ölpreis von unter 10 Dollar sehen? Da kann man sich aktuell in sehr kurzer Zeit sehr große Verluste einhandeln, oder durch Zufall auch einen großen Gewinn.

Alles festhalten bitte! Heute Abend kann die nächste Horrornachricht für die Öl-Bullen kommen. Um 22:30 Uhr deutscher Zeit stehen wieder die privat ermittelten API-Daten für die Öl-Lagerbestände in den USA an. Und morgen dann folgen um 16:30 Uhr die offiziellen staatlichen Daten. Die letzten 13 Wochen sind die Lagertanks in den USA durchgehend voller geworden. Und nun? Noch mehr Anstiege in den Lagern? Ein Ölpreis für Juni unter 10 Dollar?

Ölpreis in den letzten fünf Tagen
WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten fünf Tage.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Marko

    28. April 2020 14:56 at 14:56

    https://www.onvista.de/news/bp-gewinne-schmelzen-dank-des-oelpreisverfalls-dahin-analyst-der-oelmarkt-kommt-aus-dem-chaos-nicht-heraus-353783855

    „„Der Ölmarkt kommt aus dem Chaos nicht heraus“, erklärte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Als Gründe nannte er eine „massive Überversorgung“ und „die Angst vor nicht ausreichenden Lagerkapazitäten“. Vor diesem Hintergrund gehen Investoren dazu über, aus Ölgeschäften mit Lieferung im Juni auszusteigen und in Kontrakte mit einer längeren Laufzeit umzuschichten.

    Aber eines sollte doch klar sein, der Ölpreis ist vieles, aber garantiert kein Konjunkturindikator mehr ! Das hier ist Corona und Futures-Ölpreis-Zocker !

    Deshalb der Preisunterschied zwischen Brent und dem WTI.

    Experte Weinberg verwies darauf, dass US-Öl mit Lieferung im August derzeit etwa doppelt so teuer gehandelt wird wie mit Lieferung im Juni. Wegen der Angebotsschwemme auf dem Ölmarkt werden derzeit große Mengen eingelagert, wobei die Lagerkapazitäten laut Medienberichten teilweise an ihre Grenzen stoßen.“

    • Avatar

      Eric

      29. April 2020 08:23 at 08:23

      Es gibt derzeit keine verlässlichen Konjunktur Indikatoren, da die Krise nicht konjunkturell bedingt ist, sondern politisch mit „Knopfdruck“ gewollt.
      Tatsächlich gilt am Ölmarkt auch immer noch Angebot und Nachfrage. Wenn die Nachfrage durch grounding der Luftfahrt, weniger Autofahrten usw. weltweit gleichzeitig einbricht und das Angebot die Nachfrage extrem übersteigt dann geht der Preis ins Bodenlose. Ölförderanlagen lassen sich nur schwer und langsam drosseln und oft noch viel schwerer wieder hochfahren, darum ist das Angebot so unflexibel. Normalerweise führen selbst heftige Rezessionen nicht zu solchen Rückgängen, schon gar nicht weltweit gleichzeitig.

      Für die Importländer ist es ein Segen. Deutschland spart viele Milliarden Importkosten im Jahr bei diesem Preisniveau. Das ist ein Konjunkturpaket im Wert von über 100 Milliarden Dollar für die Bundesrepublik. Geld was nun im Inland verbleibt und Haushalten und Industrie hilft Löcher zu stopfen. Das ist zum Vergleich ungefähr viermal soviel wie für das Kurzarbeitergeld für das restliche Jahr an Mehrausgaben erwartet wird.

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