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Powell hält historische Rede und bringt EZB unter Druck EZB will „brutale Schritte“ bei Zinsen vermeiden

"Die Welt brennt, Lagarde liest Joyce"

EZB Zinsen Inflation

Am Freitag hatte Jerome Powell beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole als Chef der US-Notenbank Fed ein Machtwort in Sachen Zinsen gesprochen – das Vorauseilen bei den Anhebungen der Zinsen durch die Fed bringt nun auch die EZB unter Druck: so scheinen einige EZB-Mitglieder wohl eine Zinsanhebung von 0,75% zu favorisieren. Und das mit gutem Grund: die Energiekrise lässt in Europa sowohl Strompreise als auch Gaspreise explodieren und verschärft damit die inflationäre Dynamik.

Powell mit historischer Rede – EZB-Chefin Lagarde schwänzt

Man kann die Rede von Jerome Powell als „historisch“ bezeichnen: sie war eine Absage an die Hoffnung der Aktienmärkte, dass Notenbanken schnell wieder einknicken bei den Anhebungen der Zinsen – aus Sorge vor einer Rezession. Powell machte klar, dass man die Inflation nicht besiegen könne, ohne Firmen und Konsumenten Schmerzen zuzufügen („pain to households and businesses“).

Aber wo war eigentlich EZB-Chefin Christine Lagarde bei der Notenbanker-Konferenz? Sie fehlte, entzog sich. „Die Welt brennt, Lagarde liest Joyce“, so titelte das „Handelsblatt“. Also reisten statt Lagarde die EZB-Ratsmitglieder Isabella Schnabel und Francois Villeroy de Galhau nach Wyoming. Nun hat der Franzose Villeroy de Galhau in Jackson Hole die Rede gehalten, die eigentlich Lagarde hätte halten sollen – aber eben nicht gehalten hat. Die EZB hat offenkundig ein Führungsproblem.

EZB will bei Zinsen nicht „brutal“ sein

Was aber hat Francois Villeroy de Galhau in Jackson Hole gesagt? Darüber berichtet Bloomberg:

Die Europäische Zentralbank muss bei der Bekämpfung der Rekordinflation Entschlossenheit zeigen, um später nicht zu „unnötig brutalen“ Zins-Schritten gezwungen zu sein, so EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau.

Anhaltende Zinserhöhungen werden mindestens so lange notwendig sein, bis die Kreditkosten ein Niveau erreicht haben, auf dem sie die Wirtschaft weder stimulieren noch einschränken, sagte der französische Zentralbankchef in einer Rede auf dem Symposium der Federal Reserve in Jackson Hole. Dies könnte bis zum Jahresende nach einem „weiteren bedeutenden Schritt im September“ der Fall sein.

Vor der in weniger als zwei Wochen stattfindenden Zinssitzung ist eine Debatte darüber entbrannt, ob der nächste Schritt die erste Anhebung um einen halben Punkt im Juli widerspiegeln sollte oder ob ein Schritt von 75 Basispunkten gerechtfertigt ist, da sich die Inflation auf 10 % zubewegt. Vieles wird von den neuen Wirtschaftsprognosen abhängen, die Aufschluss darüber geben könnten, wie sich eine immer wahrscheinlicher werdende Rezession auf die Preise in der 19 Nationen umfassenden Eurozone auswirken wird.

„Wir können schrittweise vorgehen, aber wir sollten nicht zu langsam sein und die Normalisierung hinauszögern, bis höhere Inflationserwartungen uns zu aggressiven Zinserhöhungen zwingen“, sagte Villeroy am Samstag. „Entscheidend bleibt jedoch, dass wir geordnet vorgehen, um unangemessene Marktvolatilität und letztlich wirtschaftliche Volatilität zu vermeiden.“

Schwacher Euro verstärkt den Preisdruck im Euroraum

Die Wachstumsaussichten haben sich in letzter Zeit eingetrübt, während die Inflationsrisiken aufgrund steigender Energiepreise und eines schwächeren Euro zugenommen haben, sagte der französische Beamte. Diese Art von Ungewissheit lässt „weniger Bedarf und Raum“ für spezifische Signale, wohin sich die Politik als Nächstes bewegt – ein Instrument, das gemeinhin als Forward Guidance bezeichnet wird.

„Wir sollten eine „neue Berechenbarkeit“ anstreben, eine andere, die für unsichere Zeiten geeignet ist“, sagte er. „Je offener wir über den Weg sind, desto engagierter müssen wir über das Ziel der Reise sein“.

Dieses Ziel ist eine Inflationsrate von 2 %. Wenn dieses Ziel nicht in Sicht ist, sobald die Zinssätze den neutralen Bereich erreichen, den Villeroy mit 1% bis 2% angibt, wird die EZB zweifellos die Kreditkosten weiter erhöhen.

„Es ist unsere Aufgabe, die Inflation wieder auf 2 % zu bringen“, sagte er. „Unser Wille und unsere Fähigkeit, unser Mandat zu erfüllen, sind unbedingte Voraussetzung“.

FMW/Bloomberg

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7 Kommentare

  1. Zeitversetzt.
    70er Jahre. VOLKSSCHULBILDUNG.
    Die Zentralbank kann durch den Leit Zins die Nachfrage beeinflussen.
    Die FED hat Anscheinend zuviel Anabolika, Drogen in den Markt geschüttet.
    Jetzt endlich ist Sie bereit, den Süchtigen, die Stirn zu bieten.

    FUGMANN hat das genau dokumentiert, und Analysiert.
    Wettet nicht gegen,die FED.
    Im Positiven, wie im Negativen.
    Dadurch, das die Bilanzreduktion nur kleine Fortschritte macht,
    Versucht die FED, den Anleihemarkt ruhige Signale zu vermitteln.
    Wird ihr das gelingen?

  2. Wenn die EZB jetzt die Zinsen zu schnell erhöht, gehen die Banken reihenweise pleite. Wenn ich richtig informiert bin, stehen schon etwa 20 Banken unter Aufsicht der Bafin, weil die Zinsen sich für Kredite schon ohne EZB zu schnell erhöht haben.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Die Hochsicherheitslager gehen dann ebenfalls pleite.
      Das Gold ist aber nicht weg…es haben dann andere🥴.

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