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Fed – Forderung nach Zinssenkung berechtigt?

Man möchte derzeit nicht in der Haut des amerikanischen Notenbankchefs oder der Fed stecken. Powell ist ein Getriebener von allen Seiten..

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Wird die Fed den Forderungen nach Zinssenkungen nachgeben? Man muss sich das vorstellen: Die US-Erzeugerpreise sind im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent gestiegen, in der Kernrate sogar um 1,9 Prozent – und was macht der US Präsident? Er fordert von der Fed Zinssenkungen bis auf null oder besser noch in den negativen Bereich, schließlich gebe es in den USA gar keine Inflation. Wie wird Fed-Chef Jerome Powell mit diesem Druck umgehen?

Marktkonsensus ist derzeit: Die Federal Reserve wird den Leitzins um 0,25 Prozent tiefer setzen, allein schon um die Märkte nicht zu sehr zu enttäuschen. Begründen wird sie dies mit einer Anpassung in „the middle of the cycle“ oder Ähnlichem.

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Die Lage ist noch gut, aber..!

Der gesetzliche Auftrag der Fed lautet: Für Vollbeschäftigung sorgen und die Preisstabilität gewährleisten. Noch immer werden ca. 100 000 Arbeitplätze monatlich geschaffen, die Arbeitslosenrate liegt mit 3,7 Prozent auf einem 50-Jahrestief und die Inflationsrate noch unter zwei Prozent, also warum überhaupt handeln?

Derzeit gibt es weltweit gewaltige wirtschaftliche Abwärtsrisiken, mit dem Hauptverantwortlichen Handelsstreit und einem bereits bröckelnden Verbrauchervertrauen. Hier liegt der Spagat für die Fed: Wie proaktiv den Arbeitsmarkt stützen, ohne Zweifel an der Standhaftigkeit der Konjunktur aufkommen zu lassen? Das Verbrauchervertrauen beginnt in der 70 Prozent-US-Konsumökonomie bereits zu fallen (im letzten Monat so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr) und es könnte ein ganzes Jahr dauern, bis sich dies auf Konsum und Produktion richtig niederschlägt. Wo wir kurz vor den US-Wahlen 2020 wären.

Aber was würde eine Zinssenkung à la Trump auslösen? Ein kleines Gedankenspiel:

Sollte der von US-Präsident Trump als „Dummkopf“ titulierte Notenbankchef Jerome Powell dem Ansinnen des Regierungschefs nachgeben und die US-Leitzinsen in großen Schritten auf null senken, was könnte das zur Folge haben?

Zunächst würden viele Marktteilnehmer jubeln. Für das weitere Überleben der Zombiefirmen wäre gesorgt, die Triple-B-Unternehmen würden sich weiter verschulden und die großen Unternehmen aus dem S&P 500 würden die Gelegenheit nutzen, um noch einmal die Aktienkäufe richtig hochzufahren. Die Folge wäre vermutlich wieder ein „Sugar Rush“ an den Aktienmärkten, aber über kurz oder lang würde das viele Geld die Inflation anheizen.

Das „neue-Schuldenmachen“ des US-Staates würde anfangs funktionieren, aber bei den ersten Anzeichen von Inflation sollten die Renditen der langlaufenden Anleihen in die Höhe schießen. Die Langläufer können bekanntermaßen durch Zinsänderungen der Fed nicht direkt beeinflusst werden. Da die Konsumentenkredite, wie zum Beispiel Hypothekenzinsen, an die 10-jährige US-Staatsanleihe gekoppelt sind, würde sich der Verbraucher rasch einschränken müssen. Der Konsum bräche ein und damit würde sich die Konjunktur rasant verschlechtert, der Aktienmarkt aber schon vorher kollabieren.

Hinzu kommt noch eine weitere Milchmädchenrechnung: Wer sollte denn die gewaltigen Mengen an US-Staatsanleihen zu Niedrigzinsen und einem fallenden Dollar kaufen wollen?

Sicher nicht die Chinesen oder die Russen, auch nicht die Japaner, für die der Carry Trade dann keinen Sinn mehr machen würde.

Wenn dann die US-Wirtschaft in eine Rezession fiele, hätte die US-Notenbank kein Pulver mehr, um die Märkte zu stimulieren.

Mit anderen Worten: Ein solches Zinssenkungsszenario könnte für die USA in einem Fiasko enden. Jetzt könnte man auf den Gedanken kommen, dass ein solches Vorgehen auch deflatorisch wirken könnte. Dazu müsste es im Krallˋschen Sinne erst einen Bankencrash geben, mit einem deutlichen Rückgang der Kreditvergabe, aber bei starken Zinssenkungen wäre ja das Gegenteil der Fall. Im Übrigen wirken schon heute die aktuellen Lohnsteigerungen von vier Prozent per annum und die steigenden Produzentenpreise tendenziell preistreibend. Gedankenspiel Ende

 

Fazit – man möchte nicht in der Haut der Fed stecken..

Man möchte derzeit nicht in der Haut des amerikanischen Notenbankchefs oder der Fed stecken. Powell ist ein Getriebener von allen Seiten. Einmal von einem ungehobelten US-Präsidenten, der – nur seine Wiederwahl im Kopf –  vor keiner öffentlichen Demütigung zurückschreckt. Dann von den Märkten, die nach einer ganzen Serie von Zinssenkungen rufen und von dem Gesetzesauftrag, von politischen Forderungen unabhängig, mittels einer vorausschauenden Zinspolitik, rechtzeitig für Preisstabilität und Vollbeschäftigung zu sorgen.

Egal was das Federal Open Market Committee nächste Woche beschließt, es wird immer einer enttäuscht (oder sogar fuchsteufelswild) sein.

Sei es wie es will: Der Konjunkturzyklus wird sein Ende finden, die Rezession eintreten, egal ob die Zinssenkungen groß oder klein ausfallen. Die Frage ist nur, wann?

Die Fed ist von allen Seiten unter Druck

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Gixxer

    12. September 2019 15:58 at 15:58

    Wenn ich Ihre Ausführungen richtig deute, kann Powell gar nicht anders als maximal um 25 BP zu senken.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      12. September 2019 16:49 at 16:49

      @Gixxer. Wenn es bis nächste Woche keine außergewöhnlichen Konjunkturdaten und sonstige Imponderabilien (Trump) gibt, ja.
      Gruß

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Gold & Silber, nächster Rush nach…

Rüdiger Born

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Dax: Euphoire abgebaut, die Rally kommt ins Stocken

Immer wieder startet der DAX im Minus, rauscht noch ein wenig tiefer, um sich dann im Tagesverlauf wieder zu erholen. Die Euphorie läßt nach

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Wir befinden uns weiterhin in der Verarbeitung der Kursgewinne der vergangenen Wochen: Wie angekündigt pendelt der DAX kräftig hin und her, wenngleich diese Bewegung im Wochenvergleich mit +0,8% kaum zu sehen ist.

Immer wieder startet der DAX im Minus, rauscht noch ein wenig tiefer, um sich dann im Tagesverlauf wieder zu erholen. Ich vermute, dass Gewinnmitnahmen zum Börsenstart zunächst für Verunsicherung sorgen, so dass sich ein Abwärtstrend verstärkt, bis dann langfristig optimistisch gestimmte Anleger Aktien einsammeln, denen sie eine rosige Zukunft ausmalen.

So ist das Anlegersentiment diese Woche leicht gegenüber der Vorwoche angestiegen (+0,8 auf 2,0). Auch die Selbstzufriedenheit konnte leicht auf 2,5 zulegen.

Den größten Sprung gab es bei der Zukunftserwartung, die um 1,9 auf 2,8 angesprungen ist. Die Bullen haben also wieder klar die Oberhand. Und besser noch, sie wollen ihre optimistische Überzeugung auch durch Käufe zum Ausdruck bringen: Die Investitionsbereitschaft ist auf 1,4 gestiegen.

Damit hat die Seitwärtsbewegung im DAX der vergangenen zwei Wochen die Partylaune, den Überschwang beseitigt. Eine positive Grundstimmung bleibt. Für die Zukunft sehen Anleger nach diesen zwei Wochen der Bereinigung wieder positiver. Damit haben wir eine konstruktive Entwicklung im Anlegersentiment. Die Euphorie ist abgebaut, es besteht jedoch auf der anderen Seite noch kein Druck für bald steigende Kurse. Die Situation ist derzeit als neutral zu bezeichnen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger stieg erstmals seit September über Null an: Erstmals spekulieren wieder mehr Anleger auf steigende Kurse, als dass man sich gegen Kursverluste absichert.

Profis, die sich über die Eurex absichern, haben ihre Put-Positionen hingegen hochgefahren: Das Put/Call-Verhältnis zeigt eine gestiegene Absicherungstätigkeit der Profis an.

Dies steht im Widerspruch zu den US-Anlegern, deren Put/Call-Verhältnis weiterhin extrem niedrig ist: In den USA spekuliert man offensichtlich auf eine Fortsetzung der Rallye.

US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote sogar auf das höchste Niveau der vergangenen zwei Jahre gehievt: Über Hebelprodukte ist die Investitionsquote auf 113% des verwalteten Kapitals gestiegen.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger steht bei 8% und zeigt einen nur noch leichten Bullenüberhang auf. Seit November ist der Bullenüberhang somit von 28% kontinuierlich zurückgegangen. Ein ähnliches Bild gibt auch die AAII-Umfrage unter Privatanlegern der USA wider. Das Bärenlager erhält Zulauf, wenngleich auf niedrigem Niveau.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 67% eine neutrale Marktverfassung an.

Dax: Interpretation des Sentiments

Sowohl in Deutschland als auch in den USA haben wir eine deutliche Stimmungsabkühlung gesehen, während gleichzeitig der Zukunftsoptimismus angestiegen ist. Eigentlich eine gute Voraussetzung für den nächsten Kursanstieg. Es ist in meinen Augen daher nur die Frage, wann die Rallye beim Dax wieder aufgenommen wird, nicht ob.

Doch das „wann“ lässt sich schwer beantworten. Die USA haben die Amtsübergabe ihres Präsidenten erfolgreich hinter sich gebracht. Nun könnte man meinen, die Aktienmärkte sprengen die Ketten, in die sie zuvor gelegt worden waren.

Doch es wäre nicht das erste Mal, dass mit „sell the news“ Anleger zunächst Kasse machen, bevor die Rallye wieder aufgenommen werden kann. Und nach den exorbitanten Kursgewinnen der vergangenen Wochen und Monate kann dieser Prozess der Gewinnmitnahmen noch ein wenig länger dauern.

Somit bleibt die Grundaussage der vergangenen Wochen weiter bestehen: Stop Loss Marken sollten beachtet werden. An schwachen Tagen können Sie ihre Lieblinge einsammeln. Doch es gibt noch keinen Grund zur Eile.

Die Euphorie im Dax ist abgebaut

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Aktienmärkte: Ich werde bullisch – schnell verkaufen! Marktgeflüster (Video)

Wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen! Deshalb werde ich jetzt extrem bullisch – Aktien steigen immer!

Markus Fugmann

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Die Konjunktur in den USA brummt, wie heutige Daten zeigen – also werde ich jetzt bullisch für die Aktienmärkte! Denn wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen, oder? Dazu kommt jetzt auch noch der Stimulus in den USA – besser geht nicht! Und nächste Woche werden Apple, Facebook und Tesla ihre Zahlen berichten – das wird sicher extrem bullisch werden, denn die tollen Zahlen sind bestimmt noch nicht ausreichend eingepreist, oder? Ausserdem: Aktien steigen immer – das zeigt schon der Blick in die Geschichte! Und heute ist Janet Yellen als Finanzministerin bestätigt worden – können Sie sich an einen einzigen Tag erinnern, an dem die Aktienmärkte gefallen sind, als Yllen noch Fed-Chefin war? Eben..

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