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Finanzstabilitätsbericht: Kreditausfälle beherrschbar – tatsächlich?

Claudio Kummerfeld

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am

Bundesbank hält Banken für halbwegs gut gerüstet

Die Bundesbank hat ihren aktuellsten Finanzstabilitätsbericht veröffentlicht (hier in voller Länge auf 79 Seiten). Gerade jetzt wo eine massive Pleitewelle in der deutschen Wirtschaft droht, die auch zu einem massiven Problem für die Banken werden kann, sind die aktuellen Aussagen der Bundesbank sehr interessant. Schauen wir uns das mal genauer an.

Finanzstabilitätsbericht sieht im Großen und Ganzen eine beherrschbare Krise

Eine wichtige Aussage des für die Bankenaufsicht zuständigen Bundesbank-Vorstand Wuermeling aus der PK zum Finanzstabilitätsbericht möchte ich sinngemäß so wiedergeben: Die Banken werden im Durchschnitt die anstehenden Kreditverluste überstehen. Aber wo der Durchschnitt in Ordnung ist, gibt es Ausschläge nach beiden Seiten, und so kann es bei einzelnen Banken zu ernsthaften Schieflagen kommen, je nach Region und Art des Kreditportfolios, so sinngemäß seine Aussage. Die Bundesbank fordert aktuell die Banken vor allem dazu auf, die in den letzten Jahren geschaffenen Kapitalpuffer zu nutzen, damit die Kreditvergabe nicht ins Stocken kommt.

Für eine strauchelnde Konjunktur ist wohl nichts schlimmer als Banken, die ihre Kreditvergabe einschränken. Denn wenn das Eigenkapital knapp wird, müssen sie zwangsläufig weniger Kredit vergeben. Jeder Kredit wird mit einem kleinen Anteil an Eigenkapital hinterlegt, als Sicherheit. Denn fallen Kredite aus, müssen die Verluste aus dem Eigenkapital bedient werden. Also: Die Bundesbank hat Angst davor, dass Banken nach massiven Kreditausfällen (in Folge der anstehenden Pleitewelle) ihre Aktivität bei neuen Krediten einschränken könnten. Das wäre Gift für die angeschlagene Konjunktur.

Das Modell der Bundesbank in diesem Finanzstabilitätsbericht, mit dem man bevorstehende Kreditausfälle bei Banken berechnet hat, basiert laut Bundesbank auf Erfahrungen der Vergangenheit. Puhhhh, einmal kräftig durchpusten bitte. Wie will man in dieser Situation mit Erfahrungswerten von vergangenen Krisen arbeiten? Denn diese Krise ist offenkundig mit keiner anderen vorigen Krise vergleichbar. Dass zum Beispiel der Flugverkehr wochenlang vollständig einbricht, dass Reisebüros, Hotels und Restaurants quasi auf einen Umsatz von Null abstürzen, so was gab es in der Form noch nie. Wie kann man da mit Erfahrungswerten aus der Vergangenheit arbeiten? Die Bundesbank jedenfalls erwartet, dass die Kreditausfälle der Banken nicht schlimmer werden als während der Finanzkrise 2008 – auch gut sichtbar im Chart. Zitat Bundesbank:

Analog dem Verfahren, mit dem Insolvenzen geschätzt wurden (siehe Kasten „Gefahr steigender Insolvenzen durch die Corona-Pandemie“), wurde die künftige Entwicklung von Wertberichtigungen für Unternehmenskredite der Banken simuliert. Unter den Annahmen des Modells, die sich auf Erfahrungen der Vergangenheit stützen, dürften in den kommenden Quartalen die Wertberichtigungen stark zunehmen und im zweiten Quartal 2021 ihren höchsten Wert erreichen. Sie wären damit ungefähr so hoch wie während der globalen Finanzkrise. Im Modell sind jedoch die Auswirkungen der Stützungsmaßnahmen für den Unternehmenssektor nicht vollständig berücksichtigt. Dies liegt auch daran, dass kaum Erfahrungen dazu vorliegen, wie wirksam diese Maßnahmen sind. Insbesondere ist offen, inwieweit dadurch Wertkorrekturen lediglich verzögert werden.

Finanzstabilitätsbericht zeigt Grafik erwarteter Kreditausfälle

Eigenkapitalverluste der Banken sollen beherrschbar sein

Die Bundesbank hat anhand verschiedener Szenarien in diesem Finanzstabilitätsbericht prognostiziert, wie stark die Eigenkapitalquoten der Banken sinken würden, wenn Kreditausfälle zu Wertberichtigungen (Verluste abschreiben) führen. Gleich vorweg: Die Grundthese ist, dass die Lage in allen Szenarien für das gesamte Finanzsystem beherrschbar bleiben soll. Tja, „in Bundesbank we trust“? Zitat der Bundesbanker:

Unter den getroffenen Annahmen erhöhen sich die Wertberichtigungen im Jahr 2020 im Vergleich zum Wert des Jahres 2019 deutlich. Dabei fällt etwa die Hälfte der Wertberichtigungen bei den großen, systemrelevanten Banken an. Gleichzeitig erhöhen sich die Kapitalanforderungen aufgrund steigender risikogewichteter Aktiva signifikant. Die harte Kernkapitalquote des deutschen Bankensystems fällt in diesem Szenario um 0,8 Prozentpunkte. Da die Banken teils über reichlich Überschusskapital verfügen, kann das Bankensystem den Rückgang gut verkraften. Dies dürfte auch dann der Fall sein, wenn die Wertberichtigungsquoten deutlich stärker als im Basisszenario steigen.

Im strengen Stress-Szenario wird unterstellt, dass die Wertberichtigungsquoten bei Unternehmenskrediten auf das Maximum der jeweiligen Branche seit dem Jahr 2003 steigen. Die harte Kernkapitalquote würde dann um 2 Prozentpunkte sinken und wenige Banken gerieten in Schieflage.

In einem umfassenden Stress-Szenario wird zusätzlich unterstellt, dass Marktrisiken eintreten und die Immobilienpreise um 30% fallen. Das Bankensystem dürfte in diesem Szenario spürbar unter Druck geraten, da neben den Wertberichtigungsquoten bei Unternehmenskrediten auch in anderen Bereichen die Verluste zunehmen, etwa im Immobilienkreditgeschäft. Die risikogewichteten Aktiva steigen dann um rund 11%. Die aggregierte Eigenkapitalquote würde in diesem Szenario um 2,8 Prozentpunkte sinken. Es könnten in diesem sehr adversen Szenario zwar einige Banken in Schieflage geraten, insgesamt blieben die Auswirkungen auf
die Funktionsfähigkeit des Bankensystems aber begrenzt.

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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Daniel Stelter: Die Zeitbombe tickt für Deutschland! Was jetzt passieren muß

Markus Fugmann

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Daniel Stelter zählt fraglos zu den besten Köpfen in Deutschland: Er zeigt immer wieder, dass das scheinbar so reiche Land in Wirklichkeit gar nicht so reich ist – und vor allem ab dem Jahr 2030, wenn die Babybommer in Rente gehen, die demografischen Probleme faktisch zu einer Unfinanzierbarkeit der Rentenversprechen führen.

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe Deutschlands

Was also tun? Als Pionier das Klima retten, wie Bundesregierung und EU propgaieren durch eine „Klimaplanwirtschaft„? Überall mehr Staat angesichts der massiven Einbrüche der Wirtschaft in der Coronakrise? Daniel Stelter plädiert für das Gegenteil: für einen funktionierenden Kapitalismus – denn die weiter ausgreifenden Versuche des Staates, die Wirtschaft zu lenken, wird die Wirtschaftstätigkeit bremsen statt zu beschleunigen.

Kürzlich hat Thorsten Polleit in seinem Buch  „Der Antikapitalist: Ein Weltverbesserer der keiner ist“ genau darauf aufmerksam gemacht: der Kapitalismus ist nicht unser Problem, sondern die Lösung – wenn man ihn denn funktionieren lassen würde. Aber der Ruf nach staatlicher Lenkung wird gerade in der Coronakrise immer lauter, immer tiefer mischt sich die „Obrigkeit“ in die Wirtschaft ein (etwa indem man die Insolvantragspflicht aussetzt und damit Zombie-Firmen weiter durchschleppt). Man kauft Zeit durch staatliche Rettungsmaßnahmen, ohne diese Zeit für Reformen zu nutzen. Alle reden „vom Verteilen und Besteuern“, statt die Wohlstandmehrung im Fokus zu haben – so formuliert es Daniel Stelter.

Fakt ist: „Die Lasten steigen, während unsere Wirtschaftskraft sinkt“, so der Ökonom. Also müsste die Struktur geändert werden – etwa bei der tickende Zeitbombe, der Rente. Hier schlägt Daniel Stelter einen Staatsfonds im Stile Norwegens vor, bei dem der Staat jedem Bürger unter 65 Jahren 25.000 Euro schenkt, die dann in die Finanzmärkte investiert werden. Auch in der EU müsste sich einiges ändern – und hier hat Stelter einen ungewöhnlichen Vorschlag: Deutschland und die andere Euro-Länder sollten sich auf Kosten der EZB entschulden können!

In folgendem Video fasst Stelter das zusammen, was für Deutschland und die Lösung seiner Probleme jetzt zwingend notwendig wäre:

 

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe in Deutschland

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