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Fitch: QE der EZB bringt kaum etwas – vor allem nicht bei Ländern der Euro-Peripherie!

FMW-Redaktion

Die EZB wird bekanntlich nicht müde zu betonen, wie wunderbar ihr QE in der Realität funktioniert. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage unter Banken (bei der übrigens die Antwort-Quote bei 100% lag – man fürchtet bei den Banken den Zuchtmeister EZB also sehr) hatte die EZB berichtet, dass die Kreditvergabe vor allem an Unternehmen zulege.

Fitch aber sagt: das stimmt so nicht! Die Ratingagentur zeigt in einem heute veröffentlichten Bericht, dass die Kreditvergabe nicht wirklich anzieht. So schreibt Fitch:

„The ECB’s Targeted Long-Term Refinancing Operations (TLTRO) are failing to provide the intended stimulus to EU bank loan growth although they are helping to reverse the loan contraction that began in 2012, says Fitch Ratings. A total of EUR400bn of TLTROs have been issued since their launch in September 2014, but the stock of lending to eurozone non-financial corporations has remained flat over the past year.“

Es hat sich also an der Kreditvergabe wenig geändert, so Fitch. Das einzige Resultat des QE sei, dass der Rückgang der Kreditvergabe, der 2012 begann, gestoppt wurde. Da muß man sich schon die Frage stellen, ob sich der Aufwand für die EZB überhaupt lohnt bei einem solch mickrigen Ertrag!

Fitch zeigt dann auch genauer, in welchen Ländern die Banken die Kreditvergabe erhöht haben – und in welchen eben nicht:

„In the first eight months of 2015, bank loans to non-financial corporations grew in France (up 1.9%), Netherlands (up 1.2%) and Germany (up 1.4%). The opposite is true for Southern European banks where loans are contracting in Spain (down 3.9%), Italy (down 0.7%), Portugal (down 1.9%) and Greece (down 5.9%).“

Frankreich, Deutschland und Holland als Profiteure in den ersten acht QE-Monaten – aber weniger Kredite in Spanien, Italien, Portugal und Griechenland. Sollte nicht gerade in diesen Ländern der Euro-Peripherie die Kreditvergabe durch das QE der EZB gefördert werden? Wenn ja, hat das QE der EZB seinen Zweck völlig verfehlt! Fitch erklärt auch warum: die Banken dieser Länder seien in einem Prozeß des Deleveraging – also der Enthebelung, des Rückfahrens von Risiken – und hätten daher wenig Interesse daran, die Kreditvergabe zu steigern.

Und fast ebenso wichtig: die Nachfrage nach Krediten ist gering. So schreibt Fitch weiter:

„Despite stronger growth prospects, loan demand is still far from robust and take-up of forthcoming TLTRO issues is likely to be modest. This is also because eurozone banks generally hold ample liquidity buffers, meaning that the TLTRO’s impact on lending, while positive, will remain limited.“

Mit anderen Worten: eine geringe Nachfrage nach Krediten trifft auf Banken, die ohnehin genug Liquidität haben. Für das QE der EZB ist das ein Armutszeugnis!



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1 Kommentar

  1. Einen Kredit aufzunehmen um eine Investition zu finanzieren, macht nur Sinn, wenn meine erwartete Rendite aus der Investition Zins und Tilgung übersteigen. Da davon auszugehen ist, dass die Kreditnehmer weitgehend rational handeln, gibt es derzeit offensichtlich keine Investitionen, die einen positiven Return versprechen, was bedeuten kann, das die Zukunftsaussichten sehr düster eingeschätzt werden.

    Der Kreditboom im Immobilienmarkt ist auch kein Zeichen für eine gesunde Wirtschaft. Angesichts der QE-Orgien flüchten die Leute in Sachwerte, weil sie keine andere Wahl haben.

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