Allgemein

Flash Crash-Verursacher geht 7 Jahre ins Gefängnis – interessante Details über S&P EMini-Manipulation

FMW-Redaktion

Jetzt wissen wir es. An einem Tag mit Manipulations-Software den Dow Jones um 600 Punkte in die Tiefe zu reißen kostet Sie 7 Jahre Gefängnis in den USA – also lassen Sie es besser. Denn der 37 Jahre alte britische Staatsbürger Navinder Sarao bekannte sich gestern vor einem US-Gericht schuldig mit seiner „Spoofing-„Software Kurse im S&P EMini-Future (der wichtigste Index-Future der Welt) manipuliert zu haben. Damit riss er auch den Dow-Future und auch die Kassa-Märkte nach unten. Am Montag wurde er nach einjähriger Prüfung von Großbritannien ausgeliefert, und nur zwei Tage später bekannte er sich schuldig genau diese Manipulation begangen zu haben.

Warum er auf diesen Deal einging? Nun, möglich wären wohl auch 30 Jahre Haft gewesen. Dann doch lieber schnell die 7 Jahre annehmen, oder? Die Richterin im Bundesstaat Illinois (Zuständigkeit wegen dem Sitz der Terminbörse in Chicago) verkündete das Strafmaß von 78 bis 97 Monaten, also um die 7 Jahre! Dazu kommen noch 12,8 Millionen Dollar Strafe, weil er zugab diese Summe mit seinen illegalen Geschäften verdient zu haben. Man munkelt, dass Sarao mit seinem Manipulationen möglicherweise um die 40 Millionen Dollar verdient hat – aber so genau kam das bisher nicht ans Tageslicht. Zunächst hatte er bei Untersuchungen behauptet gar nicht manipuliert, sondern eben nur schnell mit seinen Fingern manuell viele Orders eingetippt zu haben – was an sich wohl nicht ganz so schlimm gewesen wäre.

Aber die Volumina der Fake-Orders hätte einfach kein Mensch alleine manuell durchführen können. Was genau tat Sarao? Durch seine Software produzierte er massenweise Orders im elektronisch gehandelten EMini-Future des S&P 500-Index, dem liquidesten und wichtigsten Aktienindex-Future weltweit. Durch das ständige Setzen von Orders, und dann schnelles Löschen des Orders kurz vor ihrer Ausführung, beeinflusste er andere Marktteilnehmer. Dann am besagten Tag des Flash Crash am 6. Mai 2010 hat Sarao, wie er gestern zugab, insgesamt 85 Spoofing-Orders eingegeben mit Verkaufsaufträgen für den S&P EMini-Future, und das zu verschiedenen Zeiten auf den Tag verteilt. Damit repräsentierte er vom Volumen her laut Veröffentlichung des US-Justizministeriums 20% der Verkaufsorders an diesem Tag. Also müssen die Kontraktmengen pro Order ziemlich groß gewesen sein!

Das war dann wohl irgendwann zu viel Manipulation auf einmal, und der Markt brach möglicherweise in einer Kettenreaktion aus Fake Sell-Orders sowie nachfolgenden echten Orders von anderen Tradern zusammen. Tja, was lernen wir daraus? Bloß keine Börsenmanipulationen machen. In Deutschland gibt es dafür vielleicht noch eine schriftliche Ermahnung vom Richter mit einer Woche Sozialdienst. Aber in den USA gibt es für sowas eine jahrelange Gefängnisstrafe! Hier auszugsweise der Originaltext des US-Justizministeriums zu dem Urteil:


“Navinder Sarao abused sophisticated technology to make a quick profit, and jeopardized the integrity of U.S. financial markets,” said Assistant Attorney General Caldwell. “By flooding the marketplace with bogus orders, his scheme victimized countless individuals. Our success in bringing Sarao to justice in the United States shows that the Criminal Division will root out complex financial fraud and manipulation of the financial markets no matter where the perpetrators are located.”

“This case shows just how seriously we take threats to the integrity of our markets, from wherever they emanate,” said Director Goelman. “The CFTC appreciates Department of Justice’s doggedness in ensuring that Sarao faces justice for the harm he caused to the U.S. futures market, despite his being situated an ocean away from American shores, as well as for the assistance of our other law enforcement partners, the FBI and Scotland Yard.”

As part of his guilty plea, Sarao admitted that he used an automated trading program, along with other techniques, to manipulate the market for E-mini Standard & Poor’s (S&P) 500 futures contracts (E-minis), stock market index futures contracts based on the S&P 500 index, through the Chicago Mercantile Exchange (CME). The E-mini S&P 500 is considered among the most widely traded financial products in the world. Sarao admitted that he placed thousands of orders that he did not intend to trade, or “spoof orders,” to create the appearance of substantial false supply and demand and to induce other market participants to trade E-minis at prices and quantities they normally would not have traded. In thousands of instances, Sarao admitted, he was able to induce other market participants into buying or selling E-minis by placing the spoof orders, which had the additional purpose and effect of artificially depressing or artificially inflating the price of E-minis. On the day of the “Flash Crash,” Sarao entered at least 85 spoof orders to sell E-minis, which, at various times throughout that day, represented well over 20 percent of all E-mini sell orders visible to the market, he admitted.

According to the plea agreement, in instances when a market reaction occurred, Sarao frequently executed real, genuine orders to buy (typically at artificially low prices) or sell (typically at artificially high prices) E-minis. He admitted that he frequently was able to generate significant trading profits from buying and selling his genuine orders close in time with the placement of the spoof orders. As a result of his scheme, Sarao admitted that he was able to make at least $12.8 million in illicit gains.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

4 Kommentare

  1. Zeigt das nicht, wie schlecht das Handelssystem an der Börse programmiert ist? Das müßte doch merken, wenn die Order alle von einer Adresse kommen. Interessant wäre, zu erfahren, ob da nachgebessert wurde, oder ob das auch heute wieder passieren kann.

  2. Und was lernen wir daraus?:
    Nun, der Mann hat nur ganz smart das getan, wofür er sich seinen Computer plus Software gekauft hat! Wenn er sich die Software selber gemacht hat – ja dann alle (Be)Achtung. Wenn da jemand von der Softwareindustrie klug ist, hat er einen tollen Job für Börsensoftware, wenn er wieder raus ist oder schon vorher!
    Er machte nur das, was die ganz großen Player jeden Tag machen. Aber wir sind ja alle gleich. Nur manche (wer?) sind gleicher…
    Er hätte von der Obrigkeit dafür eine Prämie verdient. Vielleicht ’ne halbe Millionen für die Aufdeckung der Schwächen des Sekundenhandels. Die Lehre daraus wäre: Endlich wieder Börsenmakler auf dem Parkett.

  3. Werden dann alle Mitwirkende und Frontkasper der Zentralbanken rückwirkend ihres daseins von der gesamten Erde verbannt?

  4. Deutsche Staatsbürger dürfen nur in andere EU-Länder ausgeliefert werden, nicht aber in die USA. Wenn da mal bloß nicht jemand auf dumme Gedanken kommt …

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage