Anleihen

Frankreichs Finanzminister: Athens Reformpläne reichen nicht

Von Markus Fugmann

Frankreichs Finanzminister Michel Sapin hat in einer Pressekonferenz die Reformvorschläge Griechenlands als nicht „weit gehend genug“ bezeichnet. Die gestern vorgelegten Vorschläge seien besser als zuvor, gingen aber schlicht noch nicht weit genug. Athen müsse daher noch weiter voranschreiten, so Sapin.

Gleichzeitig warnte Sapin vor einem Grexit: das würde ernsthaften Schaden in den Ökonomien ganz Europas auslösen und ein politisches Scheitern des Währungsraums bedeuten, zumal der Anspruch der Eurozone eher auf Expansion denn auf Kontraktion ausgerichtet sei. Spain schloss auf Nachfrage eines Journalisten einen Grexit nicht aus: man könne nie einen Unfall gänzlich ausschließen – wer eine Gebäude verlasse, dem könne theoretisch ein Dachziegel auf den Kopf fallen – allerdings wolle er unter allen Umständen verhindern, dass sich ein solcher Unfall auch mit Griechenland ereigne. Gegenüber dem „Spiegel“ hatte der griechische Innenminister gestern bezweifelt, dass Athen die am 09.April fällige Rate bedienen werde, wenn die Gläubiger bis dahin kein neues Geld bereit stellten.

Gestern hatte die EZB die Notfallkredite (ELA) für griechische Banken von 71,1 Milliarden Euro auf 71,8 Milliarden Euro erhöht. Angesichts der zwar verlangsamten, aber stetigen Geldabflüsse von griechischen Banken erscheint dies jedoch eher wie eine homöopathische Dosis. Ebenfalls gestern hatte die Eurogruppe eine Telefonkonferenz über das von Athen vorgelegte 26-seitige Papier abgehalten (abrufbar hier). Der bisher inoffiziell verlautete Tenor von EU-Offiziellen scheint sich weitgehend mit der Beurteilung Sapins zu decken: besser als zuvor, aber noch nicht ausreichend.

Für Frankreich zeigte sich Finanzminister Sapin hingegen pessimistischer als Premierminister Sapin, der Anfang der Woche ein Wachstum von 1,5% in Aussicht gestellt hatte. Man solle besser realistisch bleiben und die derzeitige Prognose von +1% beibehalten, um Enttäuschungen zu vermeiden.



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1 Kommentar

  1. Hallo zusammen
    Wir sind noch in den Ferien – schauen hier aber immer mal von unterwegs drauf.
    Das ausgerechnet die Franzosen den Griechen etwas erklären wollen ist grotesk.
    Vorne weg Herr Hollande. Frankreich hatten noch keine Staatsoberhaupt das dermaßen farblos und ohne Impulse für sein Land war. Außer als Schlüpferstürmer und Bremsklotz für Europa hat der Kollege nicht viel vorzuweisen.
    Frankreich befindet sich nach wie vor im Reformstau, hat traditionell mit Korruption und Vetternwirtschaft sowie fehlendem Wachstum zu tun. Sind es in den Südländern die Linken Parteien die den aktuellen Eliten Angst und Bange machen – kommt der Gegenwind in Frankreich eher von rechts.Während die Griechen abwechselnd Zuckerbrot und Peitsche bis hin zur Nötigung durch die EZB erfahren – verlängert man Frankreich zum x-sten Mal und ganz offiziell den Bruch der Europäischen Verträge. Zweierlei Maß im „Einighaus Europa“?
    Jede alte Oma kann den Griechen etwas erzählen – hat sie doch wenigstens Lebenserfahrung die eine gewisse Praxisnähe ermöglicht – Auf keinen Fall aber irgend wer von den aktuell Regierenden in Europa. Letztere haben doch schon längst jeden Bezug zu ihren Bürgern verloren und als Primärziel und Selbstzweck den eigenen Stuhlerhalt. Als Einäugiger unter den Blinden sollte jeder zuerst vor der eigenen Tür kehren.
    Beste grüße & gute Trades

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