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Gaspreis am Scheideweg: Hält Putin Wort? Jetzt ist es soweit

Gas-Flamme auf Herd

Erst gab es wochenlang eine Explosion im Gaspreis. Der europäische Gas-Terminkontrakt Dutch TTF stieg seit August von unter 50 Euro auf 161,50 Euro in der Spitze am 6. Oktober. Es war eine beispiellose Preisexplosion. Dann am 27. Oktober stach Wladimir Putin diesen Luftballon an, und er platzte weiter als in den Tagen zuvor ohnehin schon. Ab dem 27. Oktober fiel Dutch TTF deutlich von 89 auf 63 Euro. Denn Putin versprach, dass Gazprom angewiesen werde ab dem 8. Oktober deutlich mehr Gas nach Europa zu liefern. Bis dahin solle Gazprom die russischen Lager für den Winter auffüllen, und danach die Mengen gen Europa erhöhen.

Aktuell sehen wir einen Dutch TTF Gaspreis für die Dezember-Lieferung bei 76,67 Euro. Nun ist es soweit, nur leicht erhöht gegenüber Freitag. Wir haben heute den 8. November, und es stellt sich also die Frage, ob ab morgen mehr Gas durch die Pipelines von Russland nach Deutschland gepumpt wird. Mehrere Medien berichten von jüngsten Aussagen eines Sprechers von Wladimir Putin, dass der Plan nach wie vor stehe, dass Gazprom nach dem 8. November noch mehr als die vereinbarten Pflichtmengen nach Europa liefern soll.

Jüngste Aussagen von Experten bezüglich der letzten Gas-Lieferungen zeigen aber (siehe Tweets), dass sich bei den Pipelines am Wochenende noch nichts getan hat, und dass es auch keine Anzeichen für eine aktuelle Ausweitung der Lieferungen gibt. Auch die Rohstoff-Experten der Commerzbank verweisen heute darauf, dass die Gas-Lieferungen aus Russland bis zuletzt stark eingeschränkt blieben. Am Wochenende seien am deutschen Eingangspunkt Mallnow sogar zum wiederholten Male überhaupt keine Zuflüsse über die Yamal-Pipeline aus Russland verzeichnet worden. Der Gaspreis am Terminmarkt habe daraufhin aber nicht mehr mit einem Anstieg reagiert. Dies würde sich vermutlich ändern, sollten auch in den kommenden Tagen die Gaslieferungen ausbleiben.

Nun heißt es Hopp oder Top. Es gibt aktuell keine Anzeichen für mehr Gas aus Russland. Aber wird sich das ab morgen schlagartig ändern? Falls Wladimir Putin Wort hält und die gelieferten Mengen zügig ansteigen, könnte das beim Dutch TTF Gaspreis für stark fallende Preise sorgen. Denn beim simplen Prinzip „Angebot und Nachfrage“ sackt der Preis nun mal ab, wenn die Angebotsseite plötzlich stark ausweitet wird. Jetzt kann Wladimir Putin zeigen, dass er nicht plump mit der Nord Stream 2 Pipeline „erpresst“, sondern sich an seine Zusage vom 27. Oktober hält. Das würde in Europa für ein Stück weit Vertrauen sorgen.

Chart zeigt Kursverlauf im Dutch TTF Gaspreis seit dem 11. August TradingView Chart zeigt Dutch TTF Gaspreis seit dem 11. August.



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1 Kommentar

  1. An Putins Stelle würde ich die Euros noch ein wenig zappeln lassen. Nicht erpressen, d.h. keine Gegenleistung fordern, nur warten lassen.

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