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Geht der US-Rally jetzt die Luft aus? Oder müssen noch einige auf den fahrenden Zug aufspringen?

Es sind wieder einmal Rahmenbedingungen, die einen Anleger rätseln lassen. Sich abschwächende Wirtschaftsdaten aus allen Regionen der Welt, dazu die eine oder andere Gewinnwarnung, Absenkungen der Wachstumsaussichten für große Industrieländer und doch eine Kursrallye, die sich gewaschen hat. Wie kann es so etwas geben?

Es sind für mich drei „Big Points“, die dafür verantwortlich sind, von der kleineren Sorte gibt es wahrscheinlich Dutzende.

  • Liquidität
  • Zukunftshoffnung
  • Skepsis der „Großen“

 

Liquidität

Über das Thema Liquidität oder auch den monetären Faktor ist schon genug geschrieben worden. Nicht nur die „dovishen“ Notenbanken in Ost und West, nein auch die Politik mischt kräftig mit, in Gestalt von gewaltigen Zinssenkungsforderungen der US-Regierung, die man sonst nur zu Krisenzeiten einsetzt. Was im Herbst zur Panik der Marktteilnehmer geführt hat, wurde jetzt in seiner Umkehr zur Versicherung.

 

Börse bewertet Zukunft, früher als jeder Frühindikator

Eine sich abschwächende Konjunktur ist erstmal nicht schlecht für die Aktienmärkte, so seltsam dies auch klingen mag, weil dann Liquidität nicht in die reale Wirtschaft fließt, sondern eben in die Anlagemärkte. Solange man davon überzeugt ist, dass daraus keine Rezession resultiert und das billige Geld den Unternehmen bei der Verschuldung hilft. Gelegentlich stellen sich dann plötzlich erste Hoffnungszeichen ein, eben in Gestalt von steigenden Frühindikatoren (China-Caixin über 50 Punkte / Ifo-Index), die zu einem raschen Umdenken führen. Allerdings ist die Zahl der Fehlsignale in dieser Phase legendär.

 

Skepsis der Großen

Ich hatte es Ende März schon erwähnt, als so etwas wie „Window Dressing“ die Kurse oben hielt. Die Fondsmanager sind bei der Rallye nicht dabei, wie bei der erst kürzlich veröffentlichten Investitionsquote zu sehen war (im März eine Aktienquote auf dem niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren und letzte Woche noch eine niedrige Quote von 61%). Klar, dass hierbei die Handelsvolumina an den Börsen gering sind.

Was passiert aber, wenn dann die Kurse nicht fallen, weil man Meldungen eines in Kürze zu realisierenden Handelsdeals vernimmt, der großen Sorge dieser Großanleger. Die von Trump angedrohten 25%-Zölle auf chinesische Waren stellen so etwas wie einen Konjunktur-Gau dar. Dass man hier an eine Lösung glaubt, sieht man an der gestrigen Performance der US-Halbleiteraktien, die zwischen 30 und 50% Umsatz in China erwirtschaften.

Jedenfalls ein Wahnsinnsdruck für teure aktive Fondsmanager, die hinter der Performance der passiven und billigen ETFs hinterherhecheln.

In Deutschland gab es dabei noch eine technische Falle, denn mit dem Überschreiten der sehr beachteten 200-Tageslinie im Dax wurden zahlreiche automatische Kaufsignale generiert. Alles fundamental sehr unlogisch, deshalb fällt hier auch oft der Vergleich mit einem Casino.

 

Erste Lähmungszeichen der Rally

Am gestrigen Tage regierten die US-Börsen nur noch sehr verhalten auf die Vorgaben aus Fernost, wie aus Europa.

Jetzt wird es spannend, denn es gibt zwei diametral wirkende Kräfte.

Auf der einen Seite mögliche Kapitalzuflüsse von Fonds, die in den Markt müssen und auf der anderen Seite die Abnahme des großen kurstreibenden Kapitals, in Form von Aktienrückkäufen, die jetzt von Tag zu Tag mehr austrocknen müssen (Blackout Period).

 

Und wenn die Hoffnung das Zustandekommen des Handelsdeals tatsächlich eine Triebfeder für die jüngsten Kursanstiege gewesen ist, so bin ich dann ziemlich überzeugt von der Börsenreaktion bei der auflaufenden Tickermeldung: Ein kurzer Freudenhüpfer – und dann „sell the facts“.

 

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