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Glencore-Chef beruhigt – aber das hat Lehman auch gemacht

FMW-Redaktion

Der CEO von Glencore, Milliardär Ivan Glasenberg, hat in einer Botschaft an die Mitarbeiter des Konzerns versucht, beruhigende Signale zu senden. Die Firma werden aus dieser Krise gestärkt hervorgehen (“will emerge even stronger”), so Glasenberg.

Der Plan zur Schuldenreduzierung habee gute Aussichten auf Erfolg, ausserdem habe man noch 13,5 Milliarden Dollar an Liquiditätsreserven, so der ehemalige Rohstoff-Trader in einer Mail an die Mitarbeiter. Man habe zudem eine gesicherte Kreditlinie bei der Bankengruppe, die als Hauptfinancier des Unternehmens fungiert. Daher habe Glencore eine „starke Liquiditätsposition“, der nächste Refinanzierungsbedarf falle erst im Jahr 2017 an, so Glasenberg. Neue Kredite für das Unternehmen seien daher eine „reine Formalität“. Zahlreiche Analysten halten diese Aussagen von Glasenberg jedoch für Zweckoptimismus.

Glencore arbeitet derzeit an einem Plan zum Schuldenabbau das Unternehmen drückt eine Schuldenlast von 30 Milliarden Dollar. Durch Verkäufe von Asstes wollen die Schweizer 10 Milliarden Dollar erlösen – und die Bilanzsumme reduzieren. Zweifel darüber, ob das ausreicht um das hochverschuldete Unternehmen zu retten, hatten die Aktie von Glencore am Montag mit -29% geradezu abstürzen lassen. Seitdem hat sich der Aktienkurs wieder deutlich erholt – doch seit Beginn des Jahres hat Glencore 69% verloren:

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Auch die Aussage Glasenbergs, wonach man auch bei den derzeiigen Rohstoffpreisen noch Geld verdiene (“We are materially cash-generative at current spot commodity prices”), wird stark angezweifelt von Analysten. Bei den derzeitigen Preisen, so etwa Analyst Marc Elliott von der südafrikanischen Bank Investec Plc, habe das Unternehmen keine Chance, langfristig zu überleben. Elliotts Kommentar war Hauptauslöser des Kurssturzes vom Montag gewesen. Auffällig ist jedoch, dass einige Hedgeonds die Aktie von Glencore schon zuvor geshortet hatten – laut Insider-Informationen sind diese Positionen mit dem Absturz am Montag überwiegend glatt gstellt worden.

Auch das Vorgehen von Glencore gegenüber der Presse ist ungwöhnlich: so hat das Unternehmen seine finanzierenden Banken gebeten, Journalisten anzusprechen und diese davon zu überzeugen, dass Glencore keinerlei Liquiditätsprobleme habe – statt eine eigene Pressemeldung heraus zu geben. Es sind solche Schritte, die die Zweifel an Glencore weiter nähren – und stark an die Endphase von Lehman Brothers erinnern..



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