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Handelskrieg treibt Unsicherheit im Welthandel auf Rekordhoch

Hannes Zipfel

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Erst gestern hatte US-Präsident Donald Trump in seiner Rede vor den Vereinten Nationen den Globalisten erneut den Kampf angesagt. Den Schaden, den der Welthandel durch den Handelskrieg erleidet, kann man bereits am Absturz der deutschen Exportwirtschaft und diversen Indikatoren beobachten. Im Welthandel steigt die Unsicherheit auf Rekordstände. Auch die USA sind davon betroffen.

Handelskrieg hinterlässt immer tiefere Spuren

Die Belastungen für die Weltwirtschaft sind mannigfaltig: weltweiter Handelskrieg, Brexit-Unsicherheit, Schwellenländer-Dollar-Krise, Iran-Konflikt, et cetera. Dies spiegelt sich auch im World Trade Uncertainty Index wider (Daten bis Q2´19):

Unsicherheiten im Handelskrieg nehmen stark zu

Zu beachten ist, dass der Index noch nicht die jüngsten Eskalationsstufen im Handelskrieg zwischen Japan und Südkorea sowie den USA und China enthält. Aktuelle Indikatoren zum Welthandel und der jüngst veröffentlichte Monthly Global Economic Policy Uncertaint Index (siehe Grafik am Ende des Artikels) zeigen neue Höchststände in Sachen Handelsunsicherheit. Interessant ist, dass gemäß den Daten des World Trade Monitor der Außenhandel der USA ebenso leidet, wie der Chinas. Einen Gewinner im Handelskrieg kann man momentan unter den beiden Kontrahenten nicht ausmachen:

Handelskrieg - Änderung der Handelsströme

Der große Irrtum der US-Regierung

Man hätte es sich denken können, dass weniger Handel auch weniger ökonomische Prosperität bedeutet. Was Donald Trump und seine Handelskrieger nicht verstehen wollen ist, dass die America First Politik bereits seit Jahrzehnten praktiziert wurde. Mit Beginn der Siebzigerjahre haben sich die USA vom größten Netto-Exporteuer und größten Gläubiger der Welt in ein hegemoniales Zombieland verwandelt, dass nur dank der Arbeit und des Geldes dritter Volkswirtschaften noch den Status der Wirtschaftsmacht Nummer eins innehat. Andernfalls hätte die Fed längst selbst massiv Geld drucken müssen, um den Staatshaushalt und den Konsum der Amerikaner zu finanzieren. So aber hat man die Finanzierung anderen Staaten überlassen, allen voran China und Japan. So konnte die Fed den Schein der Normalität in Amerika wahren – ein Trugbild.

Der Glaube der Trump-Administration, Amerika müsse auf allen Ebenen die Zügel jetzt noch fester anziehen, um Ungerechtigkeiten zu beseitigen und Wiedergutmachung geschehen zu lassen, ist der größte Treppenwitz der Wirtschaftsgeschichte. Wer hat eigentlich US-Unternehmen dazu gezwungen, ihre Produktion zulasten amerikanischer Arbeitnehmer und des US-Fiskus nach Asien zu verlagern? Die Chinesen? Nein! Wer hat auf der anderen Seite den USA über Jahrzehnte nahezu unbeschränkt Kredit für deren Konsumparty gewährt? Die Chinesen? Ja!

Es war das ureigenste amerikanische Gewinnstreben, das die US-Wirtschaftslenker und Management-Söldner dazu brachte, ganze Fabriken zu demontieren und anschließenden in Asien wieder aufzubauen. Dass die Chinesen dabei nicht nach international üblichen Regeln spielen, war früh bekannt. Das relativ hohe Wohlstandsniveau der Amerikaner wäre ohne das Ausland und v. a. ohne China als langjähriger größter Kreditgeber heute deutlich niedriger. Die Wirtschaft jetzt durch einen Handelskrieg zu strangulieren, bedeutet auch für die USA auszutesten, wo sich dieses niedrigere Wohlstandsniveau ohne Freihandel befindet.

Noch will Trump nicht wahrhaben, dass seine Politik gescheitert ist und er im Handelskrieg auch seine eigene Volkswirtschaft beschädigt. Dabei müsste er nur genauer in Richtung Wall Street schauen – aber nicht auf die durch Aktienrückkäufe verzerrten Kurse des Dow Jones Industrial Average, sondern auf die Stimmung der Asset-Manager. Die Ergebnisse der jüngsten Umfrage der Bank of Amerika Merrill Lynch unter 235 weltweit agierenden Fondsmanagern mit ca. 683 Mrd. US-Dollar unter Verwaltung zeigt den höchsten Stand an Rezessionserwartung seit dem Absturz der Konjunktur in Folge der Finanzkrise im Jahr 2009 (BofAML fund manager survey). Bereits 38 Prozent der institutionellen Investoren erwarten für das nächste Jahr eine Rezession in den USA. Der monatlich erhobene Indikator für die Unsicherheit über die weltweite Wirtschaftspolitik liegt auf einem Zweiundzwanzigjahreshoch.

Index zur politischen Unsicherheit

Fazit

Der Handelskrieg schadet allen und nützt niemandem. Die ursprüngliche Intention Trumps, wieder mehr Produktion in die USA zurückzuholen, mag ehrenwert gewesen sein, doch dazu müssten die USA erst einmal wieder wettbewerbsfähig werden. Der Versuch, dies durch die Bezollung und Verbannung von Konkurrenten zu erreichen, ist nachweislich nicht zielführend. Es mangelt den Amerikanern an Qualifikation, Produktivität, moderner Infrastruktur in weiten Teilen des Landes und einer vergleichbaren Arbeitsmoral wie in Asien. Es bleibt zu hoffen, dass Trump seinen Irrtum einsieht – auch mit Blick auf die Chancen seiner Wiederwahl.

Containerschiff als Symbol im Handelskrieg
Foto: pixabay / Maritime_Filming_UK

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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